Kennt ihr Jörn Pfennig?

Der Kuss

Der Kuss, den ich dir nicht gab
hat mir das nicht vergeben
er gibt einfach nicht auf
erschwert mir nach Kräften das Leben
er kitzelt meine Lippen
drückt zwischen den Rippen
er macht Lärm in der Seele
verstopft mir die Kehle
er flitzt durchs Gehirn
und bohrt in der Stirn –
ich halt’s nicht mehr lange aus:
das freche Kerlchen muss raus!

© Jörn Pfennig (*1944), deutscher Dichter und Lyriker

Quelle: Pfennig, Grundlos zärtlich. Gedichte, 1979

Jörn Pfennig (* 24. Juni 1944 in Breslau) ist mit über einer Million verkaufter Gedichtbände ein erfolgreicher deutscher Lyriker sowie Jazzmusiker (Klarinette und Saxophon).

Jörn Pfennig wuchs in Tübingen auf, studierte in München Theaterwissenschaft und war dort in verschiedenen künstlerischen Bereichen aktiv – nicht nur in der Theaterszene, sondern auch als Jazzmusiker und als Liedermacher (LP Erwin der Stier 1969, LP Liederspenstig 1974).

1979 erschien sein erster Gedichtband Grundlos zärtlich, der ein Verkaufserfolg wurde. Weitere Buchveröffentlichungen (Lyrik und Prosa) folgten. Seine Bücher erschienen zunächst im Schneekluth Verlag, dann bei Goldmann und später bei Heyne. Als Heyne von Bertelsmann übernommen wurde, beendete Pfennig die Zusammenarbeit.

Seit 2009 wurden seine Bücher neu veröffentlicht bei Edition Talberg.

Quelle: https://www.wikipedia.org

Gegen das Vergessen

Adorno sagte vor 60 Jahren einmal, dass Pädagogik sich zum Ziel nehmen müsse, dass Auschwitz sich nicht wiederhole.“ Wörtlich: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“ An diese immer noch richtige Feststellung möchte ich erinnern, weil heute der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen wird. Das Datum erinnert an die Befreiung des KZs Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die sowjetische Armee. Die erschütternden Fotos ausgemergelter Häftlinge hinter Stacheldraht gingen um die Welt. Neuerdings sind Bilder über das Grauen im Umlauf, die mithilfe künstlicher Intelligenz generiert wurden. Dass Auschwitz nicht noch einmal sei – das dürfen wir nicht vergessen, auch nicht in der reizüberfluteten Welt von heute.

Wenn einem die Coverversion Tränen in die Augen treibt …

… könnte es sich dabei um den zuckersüßen St. Patrick’s Junior Choir handeln, der bei Britains got Talent einen grandionsen Auftritt hinlegt und die berührende Ballade „Somewhere Only We Know“ mit voller Inbrunst zum Besten gibt.

Und hier zum Vergleich auch noch einmal die ebenso schöne Originalversion von Keane:

Was für ein wundervollen Lied, oder? Egal, von wem es gesungen wird, es trifft einen voll ins Herz.

Donald Ducks Snow Fight

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… und es schneit und schneit und …

Dabei wir haben +2 Grad, aber durch den eisigen Ostwind fühlt es sich viel kälter an. So schlimm wie bei Donald Duck ist es hier aber zum Glück noch nicht. Mögt ihr die alten Disney Classic Zeichtrickfilme auch so gern wie ich? Für mich gehören die untrennbar zu meiner Kindheit dazu.

Och nö.

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Bestandsaufnahme: +1 Grad, gefühlt wie -4 Grad und letzte Nacht hat es geschneit. Meinetwegen hätte der erneute Schneefall nicht sein müssen. Und wisst ihr was: Gerade schneit es munter weiter … Uff.

Kritik an „Lifestyle-Teilzeit“ 


Pflegearbeit, Kindererziehung, gesundheitliche und seelische Belastungen – einige Lebensumstände erfordern es, statt 40 Stunden in der Woche lediglich in Teilzeit zu arbeiten. Und dann gibt es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich aus freien Stücken dazu entscheiden, weniger zu arbeiten. Gründe gibt es viele. Weniger Pendelei, endlich Zeit für ein zweites Studium oder Ehrenamt, lange Wochenenden auf dem Campingplatz in den Niederlanden. Diese Art der Arbeitsreduzierung nennt der Wirtschaftsflügel der CDU seit diesem Wochenende „Lifestyle-Teilzeit“ und will den entsprechenden Rechtsanspruch abgeschafft sehen. Die Aufregung ist groß. Für viele fühlt sich das wie ein Misstrauensvotum gegen die Bürger an. Ein deutlich besserer Nettoverdienst bei mehr Arbeit, flächendeckende Kinderbetreuung und eine sichere Rente auch für jüngere Generationen: Das sind drei zentrale Anreize, um mehr Menschen in eine Vollerwerbstätigkeit zu bringen, aber was weiß ich schon …

Mamas magischer Blick

Mütter sind seltsame Wesen. Sie haben diesen magischen Blick. Wo andere Menschen einen erwachsenen Mann sehen, sehen sie einen 14-jährigen Jungen.

Einer Mutter ist es egal, ob ihr Sohn im normalen Leben Konferenzen leitet, andere Menschen am offenen Herzen operiert oder die Bundeskanzlerin interviewt. Wenn er mit krummem Rücken an ihren Tisch sitzt, sagt sie: „Junge, nun setz dich doch mal gerade hin.“

Und wenn ihre Tochter, längst selbst Mutter, berufstätig und im Elternrat aktiv, unvernünftige Schuhe trägt, sagt Mama tadelnd: „Kind, du machst dir die Füße kaputt.“ Mit 20 findet die Tochter das nervig, mit 40 ist das ein beruhigender Gedanke: Egal, was sich ändert und wie knittrig wir werden, für Mama bleiben wir immer das Kind.

Mama sagt Sätze, die sonst niemand zu uns sagt: „Da mache ich dir hier einen kleinen Abnäher rein und dann passt das.“ Oder: „Du warst so ein pflegeleichtes Baby. Und dicke Pausbäckchen hattest du!“ Oder: „Der Uwe hat geheiratet, stand in der Zeitung. Na, der Sohn von Tante Mechthild, ihr habt früher immer so süß zusammen gespielt.“

SMS wie „Bei Tchibo gibt’s wieder Fusselroller, willst du auch einen?“ schickt nur eine Mutter. Mama sagt „Ruf an, wenn du angekommen bist“, als wäre die Fahrt vom Elternhaus zum Erwachsenen-Zuhause besonders unfallträchtig.
Sie kennt sich aus mit Topfpflanzen („du kannst ein paar von meinen Geraniensetzlingen haben“), mit Krankheiten („da hab‘ ich mal bei ‚Visite‘ was drüber gesehen“) und sammelt Zeitungsausschnitte („da war was über deine alte Schule drin“).

Ohne Mama gäb’s uns nicht, denn: Seit mehr als 60 Jahren gibt’s die Pille. Mama hatte die Wahl. Da kann man ruhig mal Danke sagen. Auch wenn sie garantiert sagt: „Ach, das wäre doch nicht nötig gewesen.“