2. Quartal 2025 – alle Filme & (Mini-)Serien

04/2025, #1: Monika u. die Sechzehnjährigen (D 1975, Charly Steinberger)

Ein echter Lichtblick inmitten des deutschen Sexfilmsumpfs aus den 1970er Jahren. Es geht um vier Internatsschülerinnen, die in den Ferien mit Erlaubnis der Direktorin im Internat bleiben dürfen um an einem Forschungsprojekt weiterzuarbeiten, dieses aber schnell hintenan stellen als der attraktive Sohn der Direktorin zu Besuch kommt und die vier Freundinnen es sich zur Aufgabe machen, diesen zu verführen und ihn so davon abzuhalten, sich für das Priesteramt zu entscheiden. Steinbergers Film präsentiert neben den typischen Schauwerten in Form von nackter Haut und ein paar zurückhaltenden Albernheiten tatsächlich einen richtigen Plot mit einem echten Spannungsbogen und interessanten Figuren. Schauspielerisch wird der Film von Liselotte Pulver in der Rolle der Direktorin und Klausjürgen Wussow als deren Bruder geadelt – übrigens der einzige Ausflug dieser beiden Stars ins eher schlüpfrige Genre – und handwerklich ist Steinbergers Genrebeitrag richtig toll geraten. Vor allem die Kameraarbeit ist eine einzige Augenweide und es gibt nicht wenige Einstellungen, die man sich durchaus gerahmt an die Wand hängen könnte. – 7/10

04/2025, #2: Geilermanns Töchter – Wenn Mädchen mündig werden (D 1973, Alois Brummer)

Und wieder ab nach Absurdistan mit dem nächsten Film von Regisseur und Produzent Alois Brummer, der hier erneut die üblichen Verdächtigen vor die Kamera geholt hat und in episodenhafter Struktur diverse sexuelle Eskapaden abspielt, die selbst bei näherer Betrachtung handlungstechnisch keinen so rechten Sinn ergeben mögen. Ausgangs- und Endpunkt des Films sind ein paar Stammtischbrüder, die mit ihren Eroberungen prahlen, aber vielleicht löst sich nach viel zu vielen Filmen dieser Art, die ich in letzter Zeit gesehen habe, auch einfach nur mein Gehirn langsam auf und ich kann schon den einfachsten Storyzusammenhängen nicht mehr folgen. Im Gedächtnis bleiben die eine oder andere besonders niveaulose Sequenz, wie bspw. die Szene in der Konstantin Wecker sein bestes Stück in einer Mausefalle stecken hat oder die wirklich unfassbar geschmacklose Szene in einem Puff mit einem nackten Kleinwüchsigen, dem ein Strap-On-Dildo auf den Kopf geschnallt wurde. – 5/10

04/2025, #3: Beichte einer Liebestollen (D 1971, Alois Brummer)

Re-Watch! Obwohl ich weiß, dass ich diesen Film zuvor schon mal gesehen hatte, konnte ich mich wirklich an keine einzige Szene mehr erinnern. Wieder ein Beweis für die Halbwertzeit dieser fragwürdigen Form der Unterhaltung. Wie bei dem ein Jahr später entstandenen GEFÄHRLICHER SEX FRÜHREIFER MÄDCHEN (II. TEIL) geht es auch hier um eine Ausreißergeschichte und mit Karin Götz in der Hauptrolle reißt sogar exakt dieselbe Hauptdarstellerin von zu Hause aus. Dass auch die einzelnen Abenteuer, welche die Protagonistin hier erleben darf bzw. muss sich nicht gerade durch eine sonderlich hohe Innovation auszeichnen, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden. – 5/10

04/2025, #4: Thomas Müller – Einer wie keiner (D 2025, Andre Hörmann)

Dokumentation über Bayern-Star Thomas Müller, die diesen in der Saison vor der EM 2024 begleitet und gleichzeitig auf eine knapp 2 Jahrzehnte andauernde Karriere im Trikot des FC Bayern München zurückblickt. Neben vielen Archivaufnahmen gibt es zahlreiche Intervieweinspielungen von Müller selbst, Familienmitgliedern, ehemaligen Trainern, Funktionären des FC Bayern und früheren sowie jetzigen Mitspielern. Thomas Müller gibt sich wie man es von ihm erwartet: er kommt einfach unglaublich ehrlich und authentisch rüber, ist um keinen Spruch verlegen und scheut auch vor Selbstkritik nicht zurück. Für Fans des FCB unbedingt sehenswert.  – 8/10

04/2025, #5: Biggy – Eine Ausreißerin (D 1980, Charles Köhn)

Auch im klassischen deutschen Hardcore-Film, der in den 1970er und 1980er Jahren über die Leinwände der Bahnhofskinos flimmerte, gab es das Ausreißerinnen-Thema, hier in Form einer jungen Frau, die gemeinsam mit ihrer Freundin aufbricht um möglichst spezielle erotische Abenteuer zu erleben und schließlich im Puff die Liebe ihres Lebens findet. So wirklich erotisch ist hier exakt gar nichts ausgefallen, was den Film aber zu einem ungemein unterhaltsamen Erlebnis macht ist die komplett asoziale deutsche Synchronisation, die ihm verpasst wurde. Man muss es gehört haben um es glauben zu können. – 6/10

04/2025, #6: Uden en trævl [aka Without a Stich] (DK 1968, Anneliese Meineche)

Episodenhaft erzählt Erotikkomödie aus Dänemark, welche vom Aufbau her wohl durchaus als Vorbild für all die deutschen Produktionen gedient haben dürfte, die bereits kurze Zeit später die Kinos fluteten. Es geht um eine Studentin, die sich wegen ihrer sexuellen Verklemmtheit vertrauensvoll an einen Arzt wendet, der ihr schließlich dabei hilft, ihre Hemmungen fallen zu lassen und in allerlei erotische Abenteuer entlässt. Regisseurin Meineche hat ihren Film ungemein charmant, witzig und liebevoll umgesetzt und die Reise von Hauptdarstellerin Anne Grete Nissen versprüht einen herrlich-naiven Charme und ist zudem ausgesprochen kurzweilig ausgefallen. – 6/10

04/2025, #7: Rosenthal (D 2025, Oliver Haffner)

Eindringlich und überzeugend gespieltes Drama rund um den jüdischen Dalli-Dalli-Moderator Hans Rosenthal, der im Jahr 1978 vom ZDF dazu genötigt wurde, die 75. Sendung der beliebten Spiel- und Unterhaltungsshow ausgerechnet am 40. Jahrestag der Reichskristallnacht moderieren zu müssen und so der Gelegenheit beraubt wurde, an einer für ihn wichtigen Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Der vom ZDF produzierte Film ist wohl auch so etwas wie eine späte Aufarbeitung eines schweren Fehlers des Senders und zugleich ein flammendes und in Zeiten wie den jetzigen enorm wichtiges Plädoyer gegen das Vergessen der Verbrechen aus der Nazizeit. Und Florian Lukas ist in der Rolle des zerrissenen Moderators mehr als überzeugend. – 8/10

04/2025, #8: O – The Power of Submission (USA 2006, Ernest Greene)

Hochbudgetierte und im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus ansprechend umgesetzte Hardcore-Variante des berühmten Romans von Dominique Aury, der dieses Spiel der sexuellen Dominanz und Unterwerfung in kurzweilig und abwechslungsreich inszenierten Sequenzen umzusetzen versucht. Das gelingt zwar nicht immer, die wirklich sehenswerten Sets, der Versuch, eine echte Story zu erzählen und die schon fast unverschämt attraktive Hauptdarstellerin Carmen Luvana lohnen dennoch einen Blick auf diese moderne Feature-Produktion. – 6/10

04/2025, #9: Die Haut der Anderen (D 2018, Thomas Stiller)

Romantisches Drama, in dem sich eine verheiratete Krankenschwester in einen Schriftsteller verliebt, der Hemmungen vor körperlichen Berührungen hat und sich seinen Lustgewinn auf eher ungewöhnliche Weise zu verschaffen versteht. Stillers Film wirkt etwas arg konstruiert, wirft aber einen interessanten Blick auf die hohe Diversität sexueller Vorlieben und Neigungen und zeichnet sich zudem durch eine wunderbar melancholische Atmosphäre aus. – 7/10

04/2025, #10: Waterloo Bridge (USA 1931, James Whale)

Berührendes Drama, welches in London zu Zeiten des ersten Weltkriegs spielt und in dem sich ein junger Soldat in ein vermeintliches „chorus girl“ verliebt und gegen alle Widerstände versucht, seine Herzensdame zu heiraten. Whales Film ist insbesondere mit Mae Clarke in der weiblichen Hauptrolle grandios besetzt, absolut überzeugend gespielt, ungemein berührend geraten und mit einem Ende ausgestattet, welches lange nachhallt. – 8/10

04/2025, #11: Olympia, 2. Teil – Fest der Schönheit (D 1938, Leni Riefenstahl)

Der 2. Teil von Riefenstahls Mammutprojekt die Olympischen Spiele von 1936 zu dokumentieren steht dem Vorgängerfilm praktisch in Nichts nach und ist in Nuancen vielleicht sogar noch einen Tick beeindruckender geraten. Als Propagandafilm für die Nazis ist auch diese Fortsetzung ideologisch höchst problematisch, seine filmhistorische Bedeutung kann man ihm aber sicher nicht absprechen. Riefenstahls OLYMPIA-Filme waren wegweisend für alle Sportdokumentationen, die da folgen sollten und sind in ihrer ästhetischen Gestaltung einfach nur atemberaubend gut. Denn auch in diesem zweiten Film sind Aufnahmen enthalten, bei denen man sich schon die Frage stellen kann, wie Riefenstahl das damals gelungen ist (ich denke insbesondere an die Bilder der Ruderwettkämpfe) und auch dieser zweite Film präsentiert optische Leckerbissen der Extraklasse, wie bspw. die kurze Sequenz des Fechtwettkampfs, in der sich die Kamera ausschließlich auf die Schatten der Sportler fokussiert. – 8/10

04/2025, #12: Red-Headed Woman (USA 1932, Jack Conway)

Paradebeispiel für einen dieser Pre-Code-Filme, die Anfang der 1930er Jahre die Zensoren erzürnten und schließlich dafür sorgten, dass über Jahrzehnte in den USA ein striktes Freigabesystem eingeführt wurde, welches Filme mit Inhalten wie in diesem hier praktisch unmöglich machten. Es geht um eine einfache Sekretärin, die es sich zum Ziel gesetzt hat, ihren Chef zu verführen und so dessen Ehe zu zerstören um ihn selbst zu heiraten und die – nachdem sie dies erreicht hat – weiter gezielt nach Höherem strebt. In der Hauptrolle des skrupellosen Vamps ist Jean Harlow zu sehen und die legt eine Performance hin, die es wirklich in sich hat. Man nimmt ihr diese Rolle komplett ab und mit welcher Konsequenz, Unverfrorenheit und Selbstverständlichkeit sie ihre mehr als fragwürdigen Ziele verfolgt ist einfach nur unglaublich gut gespielt. Und dieser von Minute zu Minute immer weiter eskalierende Plotverlauf, der schließlich in einem ebenso denkwürdigen wie unfassbaren Finale endet, fesselt einen über die komplette Laufzeit des Films. – 8/10

04/2025, #13: PAW Patrol: The Mighty Movie (CDN/USA 2023, Cal Brunker)

In ihrem zweiten Kinoabenteuer bekommen die gerade bei Kindergartenkindern ausgesprochen beliebten Hunde durch einen magischen Meteoriten, der mitten in der Abenteuerstadt landet und ihre Einsatzzentrale zerstört, übernatürliche Superkräfte verliehen und bekommen es daraufhin mit einer verrückten Wissenschaftlerin zu tun, welche diese Kräfte für sich selbst nutzen will. Der Film ist mit seiner extrem rasanten und actionreichen Inszenierung für das typische Zielpublikum wahrscheinlich schon fast etwas zu wild ausgefallen und es ist offensichtlich, dass die Macher hier versucht haben, auch noch die Kinder zu erreichen, die aus dem PAW-Patrol-Alter eigentlich schon herausgewachsen sind. – 6/10

04/2025, #14: Extravagance (USA 1930, Phil Rosen)

Ehedrama, in dem eine verwöhnte junge Frau nach ihrer Hochzeit feststellen muss, dass ihr Gatte ihren gewohnten Lebensstandard nur schwerlich aufrechterhalten kann und vor allem die Erfüllung des Traums vom teuren Pelzmantel in immer weitere Ferne zu rücken scheint – zumindest bis sie einen gönnerhaften Lebemann kennenlernt, mit dem ihre beste Freundin eine Affäre unterhält. Rosens Film zeigt moralisch komplett verkommene Zustände auf, schlägt handlungstechnisch Volten, die nur wenige Jahre später zensurtechnisch nicht mehr vorstellbar gewesen wären und endet schließlich in einem ebenso dramatischen wie bittersüßen Finale. – 7/10

04/2025, #15: Flirtation (USA 1934, Leo Birinsky)

Herrlich obskure Mischung aus romantischer Komödie und Tierfilm, in der ein junger Mann vom Land gemeinsam mit seinem Hund in die Großstadt kommt und dort, nachdem er und sein tierischer Begleiter voneinander getrennt worden sind, auf eine Burlesque-Tänzerin trifft, die ihn aufgrund des angekündigten Besuchs ihrer Mutter darum bittet, sich als ihr Ehemann auszugeben, wozu praktischerweise auch noch das Baby von der Nachbarin vorübergehend ausgeliehen wird, währenddessen der Hund seine eigenen Abenteuer in der Großstadt erlebt. Regisseur Leo Birinsky lässt seine beiden Handlungsstränge nebeneinander herlaufen und erzählt diese über alle Maßen konstruierte Geschichte mit so einer Leichtigkeit und auf so herrlich charmante und naive Art und Weise, dass man diesen Film irgendwie einfach gern haben muss. – 6/10

04/2025, #16: The Fatal Glass of Beer (USA 1933, Clyde Bruckman)

„And it ain’t a fit night out for man or beast.“ – Komiker W.C. Fields spielt in diesem Kurzfilm einen mit seiner Frau in einer Hütte in den verschneiten Bergen lebenden Goldsucher, der in einer besonders ungemütlichen Nacht von seinem nach Haus zurückkehrenden Sohn besucht wird, der kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen wurde. Bruckmans Film präsentiert weniger eine typische Handlung sondern eher eine Abfolge absurder Situationen, die je nach Humorverständnis mal mehr und mal weniger lustig geraten sind. Und dann ist das alles vielleicht auch noch der Versuch eines Spoofs von Chaplins THE GOLD RUSH. – 6/10

04/2025, #17: The Barber Shop (USA 1933, Arthur Ripley)

W.C. Fields als Barbier, den dieser Kurzfilm über den Zeitraum eines Arbeitstages begleitet und dabei in einer losen Abfolge eine Vielzahl absurd-komischer Momente und Situationen zu bieten hat und zudem noch mit jeder Menge Wortwitz begeistert. – 8/10

04/2025, #18: The Dentist (USA 1932, Leslie Pearce)

Zwischen einer frustrierenden Golfpartie und der Auseinandersetzung mit seiner aufmüpfigen Tochter, die es sich in den Kopf gesetzt hat, mit einem nicht gerade den Vorstellungen ihres Vaters entsprechenden Mann anzubandeln, muss sich W.C. Fields als Zahnarzt auch noch mit ängstlichen und widerspenstigen Patienten herumschlagen. Auch THE DENTIST bietet eine durchaus witzige und unterhaltsame Abfolge komischer Momente, erreicht dabei aber nicht ganz die hohe Gagdichte des zuvor gesehenen THE BARBER SHOP. – 7/10

04/2025, #19: The Residence (USA 2025, Paul William Davies)

8-teilige Mini-Serie, in der eine eigenwillige Ermittlerin einen mysteriösen Todesfall im Weißen Haus aufzuklären versucht und die als ganz wundervolle Mischung aus Komödie und Murder Mystery ganz vorzüglich zu unterhalten weiß. THE RESIDENCE ist gleichermaßen spannend und witzig geraten, wird mit seinen ständigen Zeitsprüngen praktisch nie langweilig und überzeugt in allererster Linie mit seinen geschliffenen Dialogen und seinen durch die Bank erstklassigen schauspielerischen Leistungen. – 8/10

04/2025, #20: The Pharmacist (USA 1933, Arthur Ripley)

W.C. Fields spielt in diesem Kurzfilm einen scheinbar nie die Ruhe verlierenden Apotheker, der in einer losen Abfolge von netten Gags und chaotischen Slapstick-Momenten am Ende des Films sogar in einen spektakulären Schusswechsel zwischen der Polizei und einen Gangster gerät, der sich in seiner Apotheke verschanzt hat. Einen klassischen Plot gibt es zwar nicht, das hohe Erzähltempo und die nicht wegzuleugnende Kreativität immer abstrusere Momente zu kreieren, machen diese vermeintliche Schwäche aber locker wieder wett. – 7/10

04/2025, #21: Too Naughty to Say No (USA 1985, Humphry Knipe)

Hardcore-Film aus den 1980er Jahren, der auf den Schriften des Marquis de Sade beruht und in dessen Zentrum eine unschuldige Klosterschülerin steht, die sich während der Bibelstudie im Internatsgarten in den abstrusesten sexuellen Träumen verliert. Für eine de-Sade-Adaption ist Knipes Film erstaunlich harmlos und charmant ausgefallen, die diversen Hardcore-Sequenzen sehen sehr filmisch aus und sind ebenso kreativ wie kurzweilig ausgefallen und die Besetzung des Films ist mit Veteranen wie Harry Reems, der auch in der absurdesten Szene des Films zu sehen ist, und Jamie Gillis über jeden Zweifel erhaben. – 6/10

04/2025, #22: The Flesh Eaters (USA 1964, Jack Curtis)

1960er-Jahre-Sci-Fi-Horror-Hybrid, der aus seinen augenscheinlich geringen Möglichkeiten dann doch schon ziemlich viel herauszuholen vermag. Es geht um eine Handvoll Menschen, die auf einer einsamen Insel festsitzen und sich mit einem fleischfressenden Mikroorganismus herumschlagen müssen. Es gibt einen „mad scientist“, die klassische „damsel in distress“, nett anzusehende Creature Effekte und auch die eine oder andere Härte, die ich in ihrer Intensität so nicht unbedingt erwartet hätte. – 6/10

04/2025, #23: The Little Red Schoolhouse (USA 1936, Charles Lamont)

Gänzlich harmlose Familienunterhaltung, in deren Mittelpunkt ein Teenager steht, der aus Wut über eine disziplinarische Maßnahme in der Schule von zu Hause ausreißt und sich dadurch in ernsthafte Probleme begibt. Aufgrund einer Verkettung widriger Umstände landet er nämlich unschuldig im Jugendknast, aus dem er am Ende des Films dank einer typischen „Deus ex Machina“ allerdings geläutert wieder entlassen wird und fortan natürlich gerne zur Schule geht. Lamonts Film plätschert über weiteste Strecken munter vor sich hin, entbehrt zwar nicht eines gewissen Unterhaltungswertes, ist insgesamt betrachtet aber viel zu brav, viel zu kitschig und auch irgendwie viel zu unrealistisch geraten um nachhaltig begeistern oder im Gedächtnis bleiben zu können. – 5/10

04/2025, #24: Daylight (USA 1996, Rob Cohen)

Katastrophenfilm mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle, der hier versucht eine Gruppe Überlebender nach einer gewaltigen Explosion aus einem unter dem Hudson River hindurchführenden Verkehrstunnel zu retten, der von beiden Seiten von der Außenwelt abgeschnitten ist. Sowohl die diversen Charaktere als auch die verschiedenen Konfliktsituationen und praktisch das komplette Dialogbuch strotzen hier zwar nur so von Klischees, allzu negativ fällt das aber alles nicht ins Gewicht, da es Regisseur Rob Cohen trotz dieser Schwächen perfekt gelingt Spannung zu kreieren und einen als Zuschauer bis zum Ende mitfiebern zu lassen. DAYLIGHT verfügt über ein paar schlicht grandiose Suspense-Sequenzen, beispielhaft sei hier nur die Szene mit den Ventilatoren genannt, und ist in punkto Action und Effekte streckenweise eine einzige Augenweide. Alleine diese wahnsinnige Explosionssequenz, die zum ganzen Unglück, um das sich der Film letztlich dreht, führt, ist schlicht atemberaubend und wahrscheinlich um Klassen besser als der Großteil ähnlicher Szenen, die in den letzten Jahren per CGI in diversen Multimillionendollarproduktionen enthalten gewesen sind. – 7/10

04/2025, #25: Emil und die Detektive (D 2001, Franziska Buch)

Basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Erich Kästner erzählt die bis heute letzte Verfilmung der literarischen Vorlage die Geschichte des titelgebenden, 12 Jahre alten Emil, der auf dem Weg nach Berlin von einem düsteren Fiesling, herrlich schräg gespielt von Jürgen Vogel, seiner Ersparnisse beraubt wird und dann mit einer immer größer werdenden Gruppe an Kindern Jagd auf den Gauner macht. Die über 70 Jahre nach Erscheinen der Vorlage und exakt 70 Jahre nach der ersten Verfilmung des Romans ins neue Jahrtausend katapultierte Geschichte ist in der vorliegenden Version rein handlungstechnisch mitunter etwas arg hanebüchen und abenteuerlich geraten und entbehrt vor allem spätestens im Finale jedweder Logik, ist dabei aber auch so rasant inszeniert und durchgehend unterhaltsam ausgefallen, dass man dem Film die seltsamen Volten, die er so treibt, doch gerne verzeiht. Unabhängig vom Unterhaltungswert des Films fand ich interessant, wie offensichtlich unproblematisch noch Anfang dieses Jahrtausends mittlerweile vollkommen zu recht geächtete Alltagsrassismen im allgemeinen Sprachgebrauch waren. Das fängt schon bei der Namensgebung der Charaktere an, so hört ein türkischer Junge auf den Namen Kebab und ein Junge aus einer Familie der Sinti und Roma auf den Namen Gypsi. Heute wäre das zum Glück nicht mehr machbar. – 7/10

04/2025, #26: Ein Mädchen namens Willow (D 2025, Mike Marzuk)

Fantasy-Familienfilm der zwar sympathischen, aber auch extrem harmlosen Sorte, in dem ein 11-jähriges Mädchen von ihrer verstorbenen Tante einen riesigen Wald erbt und schon bald feststellen muss, dass dieses Erbe zum einen eine große Verantwortung mit sich bringt, zum anderen aber auch besondere Kräfte in ihr auslöst. Ihre Vorfahrin war nämlich eine gute Hexe, deren Kräfte sie auch besitzt und nun muss sie drei weitere Mädchen mit magischen Fähigkeiten ausfindig machen um den Wald vor fiesen Immobilienhaien zu schützen. Der Film ist ganz klar auf ein Zielpublikum von ca. 6- bis maximal 12-jährigen Mädchen zugeschnitten – für meine bald 8-jährige Tochter natürlich perfekt -, plätschert allerdings über weite Strecken eher unspektakulär vor sich hin, vermeidet ernsthafte Konflikte und verpasst es dabei auch gänzlich, sein kindliches Publikum groß zu fordern. – 5/10

04/2025, #27: Alter weißer Mann (D 2024, Simon Verhoeven)

Satirisch angehauchte Komödie, in der Jan Josef Liefers einen alten weißen Mann spielt, der verzweifelt versucht, sich politisch korrekt zu verhalten, dabei aber immer wieder in die anerzogenen Fettnäpfchen tritt. Verhoevens Film ist stellenweise wirklich extrem lustig geraten, macht dabei aber auch den Fehler, dass er in vielen Momenten sein Thema zu sehr trivialisiert und dadurch auch immer wieder Gefahr läuft, exakt das Gegenteil von dem zu erreichen, was er eigentlich erreichen will. Am Ende des Tages geht es um Kommunikation, um das Ausräumen von Missverständnissen und vor allem um Toleranz, auch Menschen wie dem von Liefers portraitierten Charakter gegenüber, der ja doch sichtlich bemüht ist, dazuzulernen. Diese Botschaft ist zwar vorhanden, hätte aber vielleicht noch etwas deutlicher rübergebracht werden müssen. – 7/10

04/2025, #28: Fatal Exam (USA 1990, Jack Snyder)

Wann immer überbordender Enthusiasmus und fehlendes Talent aufeinandertreffen, kann man dem dargebotenen Endprodukt einen gewissen Charme definitiv nicht absprechen. So ist das auch bei dieser komplett obskuren Mischung aus übernatürlichem Horrorfilm und Slasher, in der eine Gruppe von Studenten für eine Examensarbeit ein Wochenende in einem mondänen Haus verbringen muss um dort die offensichtlich übernatürlichen Hintergründe für einen schrecklichen Mordfall zu erforschen. „Auteur“ Jack Snyder, er zeichnete für Schnitt, Produktion, Drehbuch und Regie verantwortlich, hätte allerdings gut daran getan, zumindest ein klitzekleines bisschen auf eine gewisse Erzählökonomie zu achten. FATAL EXAM krankt an seiner überlangen Laufzeit von knapp 2 Stunden und an der Tatsache, dass insbesondere in der ersten Hälfte des Films praktisch überhaupt nichts auch nur halbwegs Interessantes passiert. Jede Szene ist gefühlt viel zu lange ausgespielt, jeder Anflug an Suspense wird so praktisch im Keim erstickt und wären da nicht einzelne lobenswerte Ansätze, wie bspw. der eine oder andere gelungene Splatter- und Gore-Effekt oder auch der eine oder andere kreative Moment, man müsste schon fast von einem Totalausfall sprechen. Was den Film am Ende des Tages rettet, ist das herrlich überdrehte Finale, in dem zwar alle Pro- und Antagonisten mehr oder weniger planlos in der Gegend herumstehen und scheinbar überhaupt keine Ahnung mehr haben, was sie gerade tun sollen, das aber mit seinen Dämonen-Effekten die Herzen eines jedes Connaisseurs des schlechten Geschmacks im Sturm erobern sollte und so für die zahlreichen Längen der knapp 100 Minuten zuvor zu entschädigen weiß. – 4/10

04/2025, #29: Fatal Examination (USA 2021, Uncredited Director)

Ich finde es ja schon höchst bemerkenswert, dass Vinegar Syndrome so obskure Filme wie FATAL EXAM entdeckt, aufwändig restauriert und für die Nachwelt erhält. Für die Tatsache, dass es ihnen zusätzlich gelingt, Cast- und Crew-Mitglieder solcher No-Budget-Produktionen Jahrzehnte später ausfindig zu machen, vor der Kamera zu sammeln und retrospektive Kurz-Dokumentationen wie diese hier zu drehen, kann man dieses umtriebige US-Label aber wahrscheinlich gar nicht genug loben. FATAL EXAMINATION gewährt einen hochinteressanten Einblick in den Entstehungsprozess von Snyders Film und lässt neben dem Regisseur selbst noch weitere Crew- und Cast-Mitglieder in Erinnerungen schwelgen und macht einmal mehr deutlich, wie viel Enthusiasmus und Herzblut in einem Film wie FATAL EXAM doch steckt. Ein ungemein unterhaltsames Unterfangen. – 6/10

04/2025, #30: Cobra Kai: Season 6 (USA 2024/2025, Josh Heald/Jon Hurwitz/Hayden Schlossberg)

Sehr schöner, mit dieser 15 Episoden umfassenden sechsten und letzten Staffel aber auch dringend notwendiger Abschluss der Serienfortsetzung der Karate-Kid-Filme aus den 1980er Jahren. Man könnte diesen Kampf zwischen „Gut“ und „Böse“ wahrscheinlich noch ewig weiterführen, aber irgendwann wird es dann doch etwas arg repetitiv und kleinere Durchhänger kann man in diesen letzten 15 Folgen wahrlich nicht wegdiskutieren. Ansonsten versprüht der Abschluss aber definitiv den Charme der Vorgängerstaffeln, der sich vor allem aus der grandiosen Besetzung – dieser wunderbaren Mischung aus den Stars der alten Filme und tollen Jungschauspielern – heraus entwickelt und einen als Zuschauer erneut sehr schnell in seinen Bann zieht. Und die extrem kurzweilige Inszenierung und die herrlich manipulative Choreographie der Kampfsequenzen stellen dann noch das sprichwörtliche i-Tüpfelchen dar und sorgen dafür, dass die Serie zu einem mehr als zufriedenstellenden Abschluss kommt. – 8/10

04/2025, #31: Testo: Season 2 (D 2025, Kida Khodr Ramadan)

Der Plot schließt unmittelbar an das Ende der ziemlich genau vor einem Jahr erschienenen ersten Staffel an und lässt die chaotische Gangstertruppe rund um Frederick Lau nun versuchen, die erbeuteten Diamanten zu Geld zu machen und lässt diese erneut eine typische Belagerungssituation durchleben. Warum das hier im Serienformat präsentiert werden muss habe ich schon bei der ersten Staffel nicht verstanden – die insgesamt 6 Folgen laufen jeweils zwischen 12 und 15 Minuten und als gut 80-minütiger Spielfilm würde das alles vielleicht sogar noch besser funktionieren -, aber am Ende des Tages lässt sich das wohl nur mit dem Argument der künstlerischen Freiheit und Eigenwilligkeit erklären. Spaß hat mir persönlich dieses herrlich verrückte Chaos auch im Serienformat bereitet, der Cast wurde mit Moritz Bleibtreu und Franka Potente sogar mit zwei echten Schwergewichten deutscher Schauspielprominenz erweitert und auch wenn das Finale etwas arg konstruiert und überstürzt wirkt, Fans von Sachen wie 4 BLOCKS sollten hier definitiv einen Blick riskieren. – 7/10

05/2025, #1: Knight Moves (D/CDN/USA 1992, Carl Schenkel)

Re-Watch! Solide inszenierter Psycho-Thriller, der damals nach dem großen Erfolg von THE SILENCE OF THE LAMBS in die Kinos gespült wurde und in dessen Mittelpunkt ein von Christopher Lambert gespielter Schachspieler steht, der am Rande eines großen Turniers in eine grauenvolle Mordserie verwickelt wird.

So wirklich erinnern konnte ich mich an die Handlung des Films und die Auflösung im Finale nicht mehr. Ich hatte ihn bisher nur einmal damals im Kino gesehen und als soliden und durchaus spannenden Genrebeitrag im Hinterkopf abgespeichert. Mit Diane Lane, die für den erotischen Touch sorgt, Tom Skerritt als Chefermittler und Daniel Baldwin als dessen komplett unsympathischen Partner ist KNIGHT MOVES auch in den weiteren Rollen durchaus gut besetzt, der mitunter zwar etwas arg konstruiert wirkende Plot sorgt immer mal wieder für überzeugende Spannungsmomente und das Setting der verschiedenen Tatorte ist herrlich „creepy“ ausgefallen. Gibt sicher viele bessere aber auch verdammt viele schlechtere Thriller dieser Art aus der damaligen Zeit. – 6/10

05/2025, #2: Daredevil: Season 1 (USA 2015, Drew Goddard)

Re-Watch! Alles scheint bei Marvel dann doch irgendwie zusammenzuhängen, denn selbst die Serien, die offiziell nicht Teil des MCU sind, nehmen auf dieses Bezug. Bei der ersten Staffel von DAREDEVIL sind dies nur ein paar Dialogzeilen oder eingerahmte Zeitungsartikel, die auf die Ereignisse in THE AVENGERS verweisen und das erste große Abenteuer des blinden Anwalts Matt Murdock, der es im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen als titelgebender Superheld mit einem gefährlichen Verbrechersyndikat und dessen größenwahnsinnigen Mann an der Spitze aufnimmt, kann somit innerhalb der Zeitlinie des MCU verortet werden.. Die ursprünglich für Netflix entwickelte und mittlerweile bei Disney+ gelandete Serie überzeugt dabei durch eine ausgesprochen sorgfältige Zeichnung der verschiedensten Charaktere, einem von der ersten bis zur letzten Folge mitreißenden Plot, überzeugenden Schauspielern und einer beeindruckenden Kompromisslosigkeit, welche DAREDEVIL insbesondere in Sachen Härte deutlich von den doch jugendfreundlicheren Kinoabenteuern der Marvel-Superhelden abhebt. – 8/10

05/2025, #3: Murder on the Campus (USA 1933, Richard Thorpe)

Ganz nett anzusehender, am Ende des Tages aber nicht wirklich überzeugender Whodunit aus der Pre-Code-Ära, der für einen noch nicht den strengen Zensurauflagen unterliegenden Film auch etwas arg harmlos geraten ist. Im Mittelpunkt steht ein Zeitungsreporter, der einen eigentlich unmöglichen Mordfall in einem Glockenturm, aus dem es unter den vorliegenden Voraussetzungen für den Täter bzw. die Täterin definitiv kein Entkommen geben konnte, aufzuklären versucht um auf diese Weise in erster Linie seine Freundin zu schützen, die unter den Tatverdächtigen praktisch an erster Stelle steht. Die typischen Murder-Mystery-Zutaten sind hier zwar allesamt vorhanden, sorgen aber nur gelegentlich für Spannung. Die ausgesprochen karg ausgestatteten Settings verleihen dem Film zudem einen sehr billigen Touch und so wirklich spektakulär ist die Auflösung auch nicht geraten. – 5/10

05/2025, #4: Avengers: Age of Ultron (USA 2015, Joss Whedon)

Re-Watch! Im zweiten Avengers-Film macht sich ein von Tony ‚Iron Man‘ Stark zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens entwickeltes Computerprogramm selbständig und droht damit, die komplette Welt zu zerstören. Dies führt zu ersten Selbstzweifeln und Konflikten innerhalb des Superhelden-Teams, um die Apokalypse zu verhindern, raffen sie sich in der zweiten Filmhälfte aber dann doch wieder zusammen. An den einfach nur perfekten THE AVENGERS kommt der hier zwar nicht wirklich heran, dafür wirkt er insbesondere in der ersten Hälfte etwas zu unausgegoren, dieses komplett irrsinnige Action Set Piece, welches fast die komplette letzte Stunde des Films beherrscht und einen als Zuschauer einfach nur mit heruntergeklappter Kinnlade zurücklässt, entschädigt aber locker für alle vorherigen Schwächen und macht auch diesen Film zu einem echten Highlight innerhalb des MCU. – 9/10

05/2025, #5: Only Murders in the Building: Season 1 (USA 2021, John Hoffman / Steve Martin)

Ganz wunderbare Mischung aus Komödie und Murder Mystery, in dem drei grundverschiedene Charaktere, welche ihre Begeisterung für True-Crime-Podcasts verbindet, sich dazu entscheiden, einen Todesfall in ihrem riesigen Apartmentkomplex aufzuklären und über ihre Ermittlungsarbeit einen Podcast zu machen. Diese 10 Episoden der ersten Staffel begeistern mit ihrer federleichten Inszenierung, dem nicht enden wollenden Wortwitz in den Dialogen, der komödiantischen Brillanz von Steve Martin und Martin Short, dem spannungs- und wendungsreichen Plot sowie der wirklich herausragenden Harmonie zwischen Martin, Short und ihrem weiblichen Co-Star Selena Gomez. Am Ende ist der Fall geklärt und als Zuschauer wird mit einem grandiosen Cliffhanger für die zweite Staffel angefixt. – 8/10

05/2025, #6: The Shark Is Still Working: The Impact & Legacy of ‚Jaws‘ (USA 2007, Erik Hollander)

Unterhaltsame und interessante Dokumentation über Spielbergs Kultfilm, die sich neben einem kurzen Blick auf den Entstehungsprozess des Films vor allem auf dessen – auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung noch vorhandenen – Einfluss auf die Popkultur beschäftigt. Neben vielen Cast- und Crew-Mitgliedern von damals kommt natürlich auch ein Teil der typischen Verdächtigen unter den Nerd-Regisseuren (u.a. Eli Roth, Kevin Smith, Robert Rodriguez, M. Night Shyamalan) zu Wort, von denen jeder einzelne seine ganz persönliche Geschichte mit JAWS zum Besten geben darf. Ich mag solche Dokumentationen, selbst dann, wenn sie keine allzu großen neuen Erkenntnisse für Fans des jeweils behandelten Films oder Stars mit sich bringen mögen. – 7/10

05/2025, #7: LOL: Last One Laughing: Season 6 (D 2025, Ladislaus Kiraly)

So langsam aber sicher geht dem Format doch etwas die Luft aus. Diese sechste Staffel bietet zwar viele neue Gesichter, die Anzahl der echten bzw. guten Comedians unter den 10 Teilnehmern kann man aber fast schon als verschwindend gering bezeichnen. Halbwegs unterhaltsam ist das alles tatsächlich nur wegen Ralf Schmitz und Hazel Brugger und – zumindest ansatzweise – vielleicht noch Jürgen Vogel. Die beiden mittleren Folgen sind am witzigsten geraten, da konnte man tatsächlich das eine oder andere Mal herzhaft lachen. – 6/10

05/2025, #8: Agents of S.H.I.E.L.D.: Season 2 (USA 2014/2015, Maurissa Tancharoen/Jed Whedon/Joss Whedon)

In den insgesamt 22 Episoden der zweiten Staffel steht das Auseinanderbrechen und die Neuausrichtung von S.H.I.E.L.D. im Mittelpunkt, deren Kampf gegen Hydra und die Bedrohung durch die Inhumans (letztere bekommen zu einem späteren Zeitpunkt ja noch eine eigene Serie spendiert). In der Zeitlinie des MCU schließen die Ereignisse hier an den Geschehnissen in CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER an und verlaufen zum Ende der Staffel begleitend zum Plot von AVENGERS: AGE OF ULTRON. Wie hier wirklich alles ineinander greift finde ich tatsächlich ausgesprochen faszinierend und ich finde immer größeren Spaß daran, diese verstrickten Film- und Fernsehuniversen von Marvel zu erkunden, Verbindungen zu entdecken und mich dabei einfach nur vorzüglich unterhalten zu lassen. – 8/10

05/2025, #9: Paranoiac (GB 1963, Freddie Francis)

Auf den Spuren von Alfred Hitchcock wandelnder Mix aus Psychothriller und Horrorfilm mit Mystery- und Gothic-Touch, in der ein tot geglaubter Bruder eines Tages ins mondäne Anwesen seiner dysfunktionalen Familie zurückkehrt, welches lediglich noch von seinen beiden Geschwistern, seiner Tante und wenigen Bediensteten bewohnt wird. Dass mit dem Rückkehrer etwas nicht stimmt, erkennt man als genreerfahrener Zuschauer natürlich auf den ersten Blick und so überzeugt PARANOIAC weniger durch einen spannenden Plot, sondern vielmehr um das ganze Drumherum. Das Setting in dem riesigen Anwesen ist phantastisch, die Mystery- und Gothic-Elemente sorgen für eine ausgesprochen hübsche Grusel-Atmosphäre und Oliver Reed, der in der Rolle eines der beiden Geschwister zu sehen ist, die mit dem Rückkehrer konfrontiert werden, spielt seine Rolle so abgrundtief diabolisch, dass es eine wahre Freude ist, ihm dabei zuzusehen. – 7/10

05/2025, #10: Der Musterknabe (A 1963, Werner Jacobs)

In wie vielen Verwechslungskomödien Peter Alexander wohl in den 1960er Jahren mitgespielt hat? In dieser österreichischen Klamotte von Regisseur Werner Jacobs gibt er sich als sein jüngerer Bruder aus und drückt für diesen nochmals die Schulbank um das Abitur für ihn zu bestehen. Vor der Kamera haben sich neben Peter Alexander eine ganze Reihe der üblichen Verdächtigen deutschsprachiger Lustspiele aus der damaligen Zeit versammelt. So geben sich bspw. Theo Lingen als Schuldirektor und Gunther Philipp als Lehrer die Ehre und die junge Cornelia Froboess ist als Love Interest mit von der Partie. Der ganze Film ist mit seinem überraschungsarmen Plot natürlich komplett harmlos geraten und überzeugt einzig und allein mit seiner grenzenlosen Naivität und dem damit einhergehenden Charme. Am Ende bleiben rund 90 Minuten voll sorgenfreiem Eskapismus übrig. Das ist definitiv kein Film, dem man in irgendeiner Art und Weise auch nur ein klitzekleines bisschen böse sein könnte. – 6/10

05/2025, #11: Mensch, ärgere dich nicht (D 1972, Peter Weck)

Georg Thomalla spielt einen vom Pech verfolgten Prokuristen, der aufgrund der Tatsache, dass er sich ständig über jeden und alles ärgert und eher zufällig in einer solchen Situation fotografiert wird, ohne es zu wissen zur Hauptfigur einer Werbekampagne wird, sich dabei unsterblich in die für ihn definitiv viel zu junge Uschi Glas verliebt und nebenbei noch vermeintlich eine Million bei einer Lotterie gewinnt, was schließlich dazu führt, dass sich verschiedene Menschen auf einmal unglaublich gut mit ihm stellen wollen. In diesen gänzlich harmlosen Klamauk von Regisseur Peter Weck hat sich schon irgendwie verdammt viel Plot eingeschlichen, was schließlich dazu führt, dass die Besetzung des Streifen ein regelrecht „Who Is Who“ aus dem Gruselkabinett deutscher Komödienkunst aus den 1960er und 1970er Jahren darstellt. Neben Georg Thomalla und Uschi Glas wirken u.a. Christiane Hörbiger, Beppo Brem, Erni Singerl und Willy Harlander mit – nur um einige wenige zu nennen – und für die obligatorische Schlagerunterhaltung sorgt Chris Roberts, der allerdings nur ein einziges Lied zum besten geben darf. Aus heutiger Sicht mag das alles nur noch befremdlich und auf seltsame Weise gruselig wirken, wenn man aber wie ich eine Schwachstelle für Unterhaltung dieser Art besitzt, dürfte man auch mit diesem Film hier jede Menge Spaß haben. – 6/10

05/2025, #12: Ant-Man (USA 2015, Peyton Reed)

Re-Watch! Zum Abschluss der zweiten Phase des MCU wird mit dem von Paul Rudd gespielten Ant-Man noch kurz ein neuer Superheld ins filmische Marvel-Universum eingeführt. Und dessen Origin Story besticht durch eine ungemeine Leichtigkeit, viel Herz und verdammt viel Humor. Die zentnerschwere Ernsthaftigkeit, welche die bisherigen Superheldenabenteuer der Marvel Studios mitunter dominierte ist hier praktisch gar nicht vorhanden, was aber nicht heißen soll, dass man in irgendeiner Weise auf Spannung oder gar spektakuläre Action Set Pieces verzichten müsste. Letztere sind in ANT-MAN sogar ganz besonders toll ausgefallen, überzeugen sie doch mit einer ungemeinen visuellen Vielfalt und einem riesigen Einfallsreichtum. – 8/10

05/2025, #13: WHIH News Front: Season 1 (USA 2015, No Creator Credited)

Ganz nette Dreingabe zum MCU im Allgemeinen und zum ersten ANT-MAN-Film im Besonderen, die in 5 Kurzepisoden mit einer Lauflänge von maximal rund 2-3 Minuten pro Folge in einer fiktiven Nachrichtensendung Hintergrundinformationen zur Vergangenheit des von Paul Rudd gespielten Ant-Man und der fiktiven Firma Pym Technologies liefert, die im Zentrum von Reeds Film steht. Muss man tatsächlich nicht gesehen, ist für Irre wie mich, die versuchen, sich diesen ganzen Marvel-Kram in der Reihenfolge der Veröffentlichungen anzusehen, aber durchaus interessant geraten. – 6/10

05/2025, #14: Lurking Fear (USA 1994, C. Courtney Joyner)

Lovecraft-Adaption aus dem Hause Full Moon, bei der man wahrscheinlich die Vorlage kennen sollte um auch nur einen Hauch von Sinn aus der komplett hanebüchenen Ausgangssituation zu ziehen. Am Ende dreht sich alles um eine Belagerungssituation innerhalb einer heruntergekommenen Friedhofskirche, in der verschiedene Menschen mit verschiedenen Interessen aufeinandertreffen und sich gegen im Untergrund lebende Kreaturen ihrer Haut erwehren müssen. Mit u.a. Jeffrey Combs, Ashley Laurence und Vincent Schiavelli in einer Nebenrolle ist LURKING FEAR zwar durchaus illuster besetzt und bei der Zeichnung der beiden weiblichen Hauptfiguren hat sich Regisseur Joyner zumindest was deren Look angeht von großen Vorbildern inspirieren lassen – so erinnert die von Ashley Laurence gespielte Figur eindeutig an Sarah Connor aus TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY und Allison Mackie geht eindeutig als Sharon-Stone-Kopie der Catherine Tramell aus BASIC INSTINCT durch -, das schauspielerische Niveau des Films bewegt sich dennoch selten über dem einer Laientruppe am örtlichen Theater. Viel zu aufgesetzt und gestelzt wirken fast alle darstellerischen Darbietungen. Dafür rockt LURKING FEAR bei den Schauwerten ordentlich das Haus. Die Creature Effekte sind richtig toll geraten, bei den Splatter- und Goreeinlagen gibt es gute alte Handarbeit zu bestaunen und wenn sich im Finale die Pyrotechniker des Films so richtig austoben dürfen, bewegt sich das Ergebnis deren Arbeit auf einem weitaus höherem Niveau als man es von gängigen Blockbustern der letzten Jahre und deren CGI-Effekten gewohnt ist. – 6/10

05/2025, #15: Nirvana: Live at the Paramount (USA 2011, Mark Racco)

Ich bin im Dezember 1972 geboren, als Nirvana ihr bahnbrechendes Album „Nevermind“ im September 1991 veröffentlichten stand ich wenige Wochen vor meinem 19. Geburtstag, ein knappes Dreivierteljahr vor dem Abitur und die Songs von Kurt Cobain, Dave Grohl und Krist Novoselic wurden nicht nur zum Soundtrack dieses Lebensabschnitts, sondern sind bis heute fester Bestandteil des Soundtracks meines Lebens. Es gibt nicht viele Alben, die mir noch mehr bedeuten als dieses und könnte ich die Zeit zurückdrehen, ich würde irgendwie versuchen, diese einzigartige und durch den Selbstmord von Kurt Cobain so kurzlebige Band irgendwo live zu erleben. Gut, dass es zumindest eindrucksvolles Bildmaterial wie diesen Konzertfilm gibt, der zum 20-jährigen Jubiläum von „Nevermind“ veröffentlicht wurde und der ein am Halloweenabend 1991 im Paramount Theater in Seattle gefilmtes Konzert von Nirvana in voller Länge präsentiert. Das Trio präsentiert sich bei diesem Konzert in absoluter Höchstform, reiht Hit an Hit aus den beiden zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Alben und spielt in der Zugabe zudem eine frühe Version des Songs „Rape Me“, der zwei Jahre später auf dem dritten und letzten Studioalbum „In Utero“ veröffentlicht werde sollte. Raccos Regie ist immer sehr nah dran an den drei Musikern und lässt dieses rohe und ungeschliffene Zeitdokument auf diese Weise auch vor dem heimischen Fernseher zu einem faszinierenden, elektrisierenden und mitreißenden Erlebnis werden. Für Fans der Band ist der Konzertfilm unverzichtbar. – 10/10

05/2025, #16: Only Murders in the Building: Season 2 (USA 2022, John Hoffman / Steve Martin)

Die zweite Staffel dieser wirklich einfach nur wunderbaren Comedy-Murder-Mystery-Serie knüpft qualitativ genau da an wo die Auftaktstaffel aufgeführt hatte. Das ungleiche Hobby-Detektiv- und Podcast-Trio muss den nächsten Mordfall in seinem riesigen Apartkomplex lösen, wobei dieser noch den für das Trio unangenehmen Nebeneffekt mit sich bringt, dass einer von ihnen für die Polizei als Hauptverdächtiger gilt. Viel Spannung, wunderbare Wendungen im Plot, die einzigartige Chemie der drei Stars und erneut der nicht enden wollende Wortwitz und die mit diesem einhergehenden Gags machen auch die 10 Episoden dieser zweiten Staffel zu einem absoluten Vergnügen. – 8/10

05/2025, #17: Champagne for Breakfast (USA 1980, Chris Warfield)

Um einen Job als Chauffeur zu ergattern gibt John Leslie vor, homosexuell zu sein, und bekommt aufgrund der extremen Attraktivität seiner Chefin schon bald große Probleme, die Maskerade aufrecht zu erhalten. Neben einer wirklich extrem hohen Kreativität bei der Integration der verschiedenen Hardcoreszenen in die Handlung überzeugt Warfields klassischer Hardcore-Film vor allem mit einer wirklich witzigen Story, der ganz wunderbaren Chemie zwischen John Leslie und der bezaubernden Lesllie Bovee und einer erstaunlich hohen Qualität auf technischem Niveau. Hier waren echte Profis am Werk, egal ob das nun das Production Design, die Kameraarbeit oder den Score, in den sich sogar ein eigens für den Film geschriebener Song eingeschlichen hat, betrifft. Und die Tatsache, dass die Maskerade als Homosexueller nie für billige Witze hergenommen wird, sondern absolut respektvoll mit diesem Thema umgegangen wird, verdient ein zusätzliches Extralob. – 7/10

05/2025, #18: Wij [aka We] (B/NL 2018, Rene Eller)

Den Zuschauer an seine Grenzen bringender Coming-of-Age-Film, der aus vier Perspektiven die Ereignisse eines Sommers zusammensetzt, in dem acht mehr als übermütige Freunde durch unfassbare Taten sämtliche Tabus brachen und Grenzen überschritten. WIJ ist schwer zu verdauen und fordert sein Publikum vor allem mit dieser Beiläufigkeit, mit der er die immer schockierender werdenden Details des großen Ganzen präsentiert und miteinander verknüpft. Die schauspielerischen Leistungen sind dabei mehr als beachtenswert, die Kameraarbeit ist großartig und dieser stetes Urlaubsfeeling vermittelnde Score konterkariert die Geschehnisse auf fast schon perfide Art und Weise. – 8/10

05/2025, #19: Man from Beirut (D 2019, Christoph Gampl)

Genrekino aus Deutschland, welches den klassischsten aller Auftragskiller-Plots verwendet um in im Vollbildformat gefilmten Schwarz/Weiß-Bildern auf fast schon quälend ruhige Art und Weise eine One Man Show von Kida Khodr Ramadan zu präsentieren. Der spielt hier einen blinden Killer, der bei seinem jüngsten Auftrag ein kleines Mädchen verschont, aus diesem Grund ins Visier seiner Auftraggeber gerät und so zum Gejagten wird. Besonders viele Überraschungen hat Gampls Film nicht gerade zu bieten. Das schmale Budget ist ihm in jeder Sekunde anzumerken, die S/W-Fotografie, die wohl stylish wirken soll, versinkt immer und immer wieder im Soap-Opera-Look billiger Vorabendserien und bei der einen oder anderen schauspielerischen Leistung kann ein gewisser Hang zur hüftsteifen Theatralik nicht weggeleugnet werden. So dürfte MAN FROM BEIRUT vor allem für Fans des Hauptdarstellers und dessen schauspielerischen Umfelds – in Nebenrollen tauchen u.a. kurz Veysel Gelin und Frederick Lau auf – interessant sein. Ich selbst zähle mich zu eben diesen und fand Gampls Film trotz aller offensichtlichen Schwächen dann doch ganz nett und unterhaltsam. – 6/10

05/2025, #20: Das Liebesleben des schönen Franz (A 1956, Max Nosseck)

Verwechslungskomödie in der sich der titelgebende Frauenheld, der nicht wenigen Damen die Ehe versprochen hat um ihnen ein Schlafzimmer zu verkaufen, plötzlich mit einer Gruppe seiner weiblichen Opfer konfrontiert sieht und sich kurzerhand in der Wohnung eines Rechtsanwalts unter seiner eigenen Wohnung einquartiert um den Verfolgerinnen so zu entkommen und dadurch allerdings für allerlei Irrungen und Wirrungen sorgt. Nossecks Film ist federleicht inszeniert, überzeugt mit einem ungemein hohen Erzähltempo, einer wirklich stattlichen Anzahl an gelungenen Gags und jeder Menge herrlich-frivoler Untertöne. Weitaus besser als eine Großzahl ähnlich gelagerter Filme aus der damaligen Zeit. – 7/10

06/2025, #1: Gorge profonde – Quand le porno est sorti du ghetto [aka Deep Throat: When Porn Makes Its Premiere] (F 2022, Agnès Poirier)

Interessante und ungemein kurzweilige Dokumentation, die sich mit den Auswirkungen des Porno-Klassikers DEEP THROAT beschäftigt, der 1972 als erster Hardcore-Film auf der großen Leinwand die amerikanische Kinolandschaft gehörig durcheinanderwirbelte und zum subkulturellen Phänomen wurde. Regisseurin Agnès Poirier kratzt mit ihrer sehr übersichtlichen Laufzeit von gut einer Stunde zwar nur an der Oberfläche, hat aber jede Menge interessanter Interviewpartner vor der Kamera versammelt – u.a. auch Joe Rubin vom Kultlabel Vinegar Syndrome – und versorgt den Zuschauer so mit der einen oder anderen Information, auch aus filmanalytischer Sicht, welche die Sichtung dieser Doku für eine am Thema interessiertes Publikum unbedingt lohnenswert macht. Und diese ganzen Archivaufnahmen aus der damaligen Zeit, vor allem auch die Bilder von den ganzen Kino-Marquees im Schmelztiegel von New York, sind einfach nur faszinierend und praktisch unbezahlbar. – 8/10

06/2025, #2: Only Murders in the Building: Season 3 (USA 2023, John Hoffman / Steve Martin)

Das aus Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez bestehende Amateur-Ermittler-Team bekommt es auch in der dritten Staffel dieser wirklich herrlich obskuren Serie mit einem skurrilen Todesfall zu tun und macht sich erneut an die Ermittlungen, dieses Mal allerdings mit so einigen Differenzen untereinander. Das Erfolgsrezept der beiden Vorgänger-Staffeln funktioniert auch hier noch ganz vorzüglich und dieser unwiderstehlichen Mischung aus Spannung und Humor gelingt es erneut mit Leichtigkeit, den geneigten Fan in ihren Bann zu ziehen. – 8/10

06/2025, #3: Neue Deutsche Welle (D 2023, Katja Herr / Heike Sittner)

3-teilige Mini-Doku-Serie, die das musikalische Phänomen der Neuen Deutschen Welle untersucht, das Anfang der 1980er Jahre die deutsche Musiklandschaft fest im Griff hatte. Neben einigen grandiosen Acts wie bspw. Fehlfarben, DAF, Abwärts oder auch Extrabreit brachte die NDW mit zunehmender Dauer natürlich auch jede Menge Schrott hervor und die beiden Regisseurinnen Katja Herr und Heike Sittner gehen wirklich allen Facetten der NDW mit gut aufgelegten Interviewpartnern, die sich zu einem Großteil aus Musikern der damaligen Zeit zusammensetzen, auf den Grund. Ich bin mit dieser Musik praktisch aufgewachsen, höre vor allem Bands wie DAF oder Fehlfarben auch heute noch und für mich stellten die drei Teile dieser Miniserie vor allem eine nostalgische Zeitreise in die eigene Kindheit/Jugend dar. An manche Ausschnitte aus der Hitparade mit Dieter Thomas Heck konnte ich mich sogar zurückerinnern. Und als höchst informativ empfand ich die Miniserie noch obendrein. – 8/10

06/2025, #4: Disintegration – Ein Album. Eine Band. Eine Generation (D 2025, Tim Evers)

Der Titel ist etwas irreführend, denn Evers‘ Film ist weniger eine Dokumentation über das extrem erfolgreiche achte Studioalbum von The Cure, sondern beschäftigt sich eher mit den ersten 10 Jahren der englischen Kultband, zeigt die Stationen auf, die zum Jahrhundertwerk Disintegration führten und lässt diverse Zeitzeugen, Weggefährten und Journalisten zu Wort kommen, die den großen Erfolg der Band zu erklären versuchen. Die Musik von The Cure hat mich persönlich geprägt wie die kaum einer anderen Band, insbesondere die ersten 8 Studioalben habe ich schon unzählige Male in meinem Leben angehört und höre sie mir auch heute noch regelmäßig an. Ähnlich wie die kurz zuvor gesehene NDW-Doku-Serie stellte auch dieser Film in allererster Linie einen Trip in die eigene Vergangenheit dar, der viele Erinnerungen triggerte und mit seinen zahlreichen Archivaufnahmen mehr als nur nostalgische Gefühle aufkommen ließ. Das große Manko des Films ist allerdings seine viel zu kurze Laufzeit von knapp einer Stunde, die dem behandelten Thema in keinster Weise gerecht wird. – 7/10

06/2025, #5: Shotgun (USA 1989, Addison Randall)

Ultra-Low-Budget-Action-Thriller aus dem Hause PM Entertainment, in dem ein hünenhafter Cop Jagd auf einen brutalen Prostituiertenmörder macht. SHOTGUN ist ziemlich roh und ungeschliffen, hat seine besten Momente immer dann, wenn er sich in den düsteren und zwielichtigen Ecken des Hollywood Boulevard herumtreibt und kann auch mit seinen handgemachten Spezialeffekten überzeugen. Storytechnisch und schauspielerisch kommt Randalls Film jedoch einem künstlerischen Offenbarungseid gleich, insbesondere Hauptdarsteller Stuart Chapin in der Rolle des rachsüchtigen Cops, dessen eigene Schwester zum Opfer des Killers wurde, gibt eine Vorstellung zum Davonlaufen ab. Einen trotz dieser Schwächen ziemlich hohen Unterhaltungswert kann man Randalls Film aber dennoch nicht absprechen. – 5/10

06/2025, #6: Das Schweigen im Walde (D 1937, Hans Deppe)

Heimatfilm-Melodram, in dem zwei rivalisierende Männer um die Gunst einer jungen Frau streiten, die nach dem Tod ihres Vaters alleine in einer Hütte hoch in den Bergen lebt. Deppes Film war damals die erste Tonfilmadaption des gleichnamigen Romans von Ludwig Ganghofer und überzeugt neben seinen durchweg glaubwürdigen schauspielerischen Leistungen in allererster Linie durch seine packende Kameraarbeit, insbesondere im hochdramatischen Finale des Films. Der Kitschfaktor des Gezeigten ist dabei erstaunlich niedrig und die Handlungen und Motivationen der einzelnen Charaktere bleiben immer nachvollziehbar und so gelingt es Deppe relativ schnell, ein geneigtes Publikum in seinen Bann zu ziehen. – 7/10

06/2025, #7: Leider geil! – 40 Jahre deutscher Hip-Hop (D 2025, keine Regie-Angabe)

Rund 3-stündige Dokumentation über die Geschichte des deutschsprachigen Rap und Hip-Hop in der verschiedenste Künstler (u.a. König Boris von Fettes Brot, Toni-L von Advanced Chemistry, Cora E., Eko Fresh, Kool Savas und der im Mai leider verstorbene Xatar), Szenekenner und Musikjournalisten den Zuschauer auf eine ausführliche Zeitreise mitnehmen. Das ist trotz der langen Laufzeit alles ziemlich kurzweilig geraten und vor allem der Teil, der die 1990er Jahre behandelte, fand ich persönlich richtig gut gelungen. Die Abhandlung der Künstler seit der Jahrtausendwende ist mir dann aber doch etwas zu einseitig geraten. Da wurde sich zu sehr auf Straßen- und Gangster-Rap der Marke Bushido, Sido, Haftbefehl oder 187 Straßenbande konzentriert und alternative Hip-Hop-Künstler mit wichtigen politischen Aussagen wurden praktisch komplett außen vor gelassen. Bis auf Casper, Materia und die Antilopen Gang fand dieses Spektrum überhaupt keine Beachtung und eine Dokumentation über deutschen Rap und Hip-Hop die Acts wie KIZ, Fatoni, Juse Ju, Dendemann, Gentleman, Edgar Wasser oder Prinz Pi – um nur einige wenige zu nennen – nicht mit einer Silbe erwähnt, taugt am Ende des Tages dann doch nur zur kurzweiligen Unterhaltung und kann in meinen Augen nicht wirklich ernst genommen werden. – 6/10

06/2025, #8: Hell Night (USA 1981, Tom DeSimone)

Horrorfilm mit Linda Blair in der Hauptrolle, in dem 4 Studenten als Mutprobe eine Nacht in einem alten Anwesen verbringen müssen, in dem es vermeintlich spukt. Obwohl die Handlung sehr generisch geraten ist und man auch in Sachen Logik und Glaubwürdigkeit so einige Abstriche machen muss, gelingt es Regisseur Tom DeSimone mit seinem tollen Setting, ein paar wirklich netten Einfällen und seinen überzeugenden Effekten den geneigten Horrorfan über die komplette Laufzeit bei der Stange zu halten und weitaus besser zu unterhalten als es sich dieser vielleicht erhofft haben dürfte. In manchen Sequenzen kam sogar richtige Spannung auf. Ich bin positiv überrascht. – 7/10

06/2025, #9: Il giustiziere sfida la città [aka Syndicate Sadists] (I 1975, Umberto Lenzi)

Um seinen getöteten Freund zu rächen und einen gekidnappten Jungen zu befreien spielt Tomas Milian in Lenzis Italo-Actioner zwei Verbrechersyndikate gegeneinander aus und hinterlässt am Ende hauptsächlich Schutt und Asche. Der Film kommt zwar nicht ganz an manch andere Großtat des italienischen Genrekinos der 1970er Jahre heran – dafür ist er nämlich tatsächlich überraschend handzahm geraten – und auch die Glaubwürdigkeit der Vorgehensweise des Protagonisten und einiger Plot-Wendungen wird mitunter arg überstrapaziert, am hohen Unterhaltungswert des Films ändert das aber rein gar nichts. Diese typische Italo-Atmosphäre, immer wieder in die Kamera gehaltene J&B-Flaschen und der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit reichen schon locker aus um mir persönlich eine gute Zeit zu bereiten. – 7/10

06/2025, #10: Love Steaks (D 2013, Jakob Lass)

Mumblecore-Beziehungsdrama aus Deutschland, in dem sich ein junger Mann, der einen Job im Wellnessbereich eines Luxushotels antritt, mit einer der Küchenhilfen einlässt. Das ist alles komplett unaufgeregt und unspektakulär umgesetzt, entfaltet aber gerade aufgrund dieser Tatsache eine ungemeine Sogwirkung, der man sich als Zuschauer nur schwer entziehen kann. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist toll und irgendwie ist LOVE STEAKS ein Film, von dem man sich am liebsten stundenlang einfach nur berieseln lassen würde. – 7/10

06/2025, #11: The Cat’s Meow (CDN/D/UK/USA 2001, Peter Bogdanovich)

Auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte rund um die Ereignisse, die sich im Jahr 1924 auf der Yacht des Zeitungsmoguls William Randolph Hearst zugetragen haben und zum Tod des Filmproduzenten Thomas Ince führten. Die Wahrheit wurde nie aufgeklärt, schenkt man die Ausführungen auf der Wikipedia-Seite des Films jedoch Glauben, dann dürfte Bogdanovichs Version der Geschichte dieser aber tatsächlich ziemlich nahe kommen. Aber THE CAT’S MEOW ist darüber hinaus vor allem ein Film über Hollywood, über die Dekadenz der Traumfabrik, über Macht, Einfluss, Sex, Liebe und Verrat, auch wenn er sich fast ausschließlich auf einer Yacht abspielt. Bogdanovichs Inszenierung ist federleicht und ungemein unterhaltsam geraten und die Besetzung des Films kann man nur als ganz vorzüglich bezeichnen. Egal ob nun Edward Herrmann als Hearst, Cary Elwes als Ince, Eddie Izzard als Charlie Chaplin oder Jennifer Tilly als Louella Parsons – sie alle spielen mehr als überzeugend und verleihen dem Film so das gewisse Etwas. Über allen schwebt allerdings Kirsten Dunst in der weiblichen Hauptrolle der Marion Davies, die hier nicht viel weniger als eine Performance für die Geschichtsbücher abliefert und in jungen Jahren eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass sie zu den größten Talenten ihrer Generation gehört. – 8/10

06/2025, #12: Only Murders in the Building: Season 4 (USA 2024, John Hoffman / Steve Martin)

In den zehn Folgen der vierten Staffel wird es richtig persönlich für die drei Protagonisten, denn beim Mordopfer handelt es sich dieses Mal um das langjährige Stuntdouble des von Steve Martin gespielten Charakters. Und während die Ermittlungen im vollen Gange sind, fällt eine Filmcrew in den riesigen Apartmentkomplex ein, denn die Geschichte der drei Hobby-Detektive und Podcaster soll verfilmt werden. ONLY MURDERS IN THE BUILDING erlaubt sich auch in Season Nr. 4 keine großen Schwächen und präsentiert erneut alle Stärken, die schon die ersten drei Staffeln so sehenswert gemacht haben. Vor allem Martin Short ist in dieser Staffel komplett in seinem Element und sorgt mit seinem herrlich exaltierten Spiel für nicht gerade wenige Lachanfälle beim Zuschauer. – 8/10

06/2025, #13: Alle für Ella (D 2022, Teresa Fritzi Hoerl)

Jugendkino aus Deutschland in dessen Mittelpunkt vier Freundinnen kurz vor dem Abitur stehen, die mit ihrer Band einen Talentwettbewerb gewinnen möchten und deren Freundschaft durch äußere Einflüsse dabei auf eine harte Probe gestellt wird. Diese riesige Schwäche für Teenie-Filme werde ich wohl niemals mehr ablegen und bei diesem Exemplar mochte ich vor allem die Girl-Power-Attitüde, die trotz aller vorhandener Widrigkeiten, die der Plot seinen Protagonistinnen so stellt, stets im Vordergrund stehenden positiven Vibes, die teils herrlich melancholischen Coming-of-Age-Momente und überhaupt das ganze Zusammenspiel aller Charaktere. Der Film ist stellenweise fast schon unverschämt manipulativ geraten und drückt immer die richtigen Knöpfe um beim Zuschauer entsprechende Emotionen hervorzurufen. Ich habe mich ihm mit vollem Bewusstsein ausgeliefert. – 8/10

06/2025, #14: New York Minute (USA 2004, Dennie Gordon)

Ein bei Tag spielender „Durch die Nacht“-Film, in dem die Olson-Zwillinge Mary-Kate und Ashley auf den Zuschauer und New York losgelassen werden und über den überschaubaren Zeitraum weniger Stunden von einer prekären Situation in die nächste geraten. Das Tempo ist immens hoch, der Plot hält allerlei Wendungen parat, die Gags zünden und dem Charme der Olson-Zwillinge kann man sich wahrlich nur schwer entziehen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und hätte nie gedacht, dass dieser Film so gut funktionieren würde. – 7/10 

06/2025, #15: Cloak & Dagger (USA 1984, Richard Franklin)

Kindliche Protagonisten in einem Action- bzw- Abenteuer-Plot waren vor allem in den 1980er Jahren hoch im Kurs und dieses Exemplar hier hatte ich vorher tatsächlich noch nie gesehen. Es geht um einen kleinen Jungen, gespielt von Henry Thomas aus E.T. THE EXTRA-TERRESTRIAL, der Zeuge eines Mordes wird und dem vom Mordopfer ein Exemplar des titelgebenden Videospiels mit dem Hinweis zugesteckt wird, dass sich darauf heimliche Dokumente befinden würden. Natürlich schenkt ihm niemand Glauben und so befindet sich der kindliche Protagonist schon bald in einem typischen Jagd/Flucht-Szenario wieder, welches Regisseur Franklin ebenso tempo- wie wendungsreich inszeniert hat und das einige wirklich ganz vorzügliche Suspense-Momente zu bieten hat. – 8/10

06/2025, #16: Flying Acquaintances (USA 1973, Douglas Randall)

Sexploitation-Kuriosität mit Jamie Gillis als wild durch die Gegend vögelnden Taxifahrer, die in den zahlreichen Kopulationsszenen zu viel zeigt um noch als Softcore durchgehen zu können und zu wenig zeigt um als Hardcore bezeichnet zu werden. Im Jahr nach DEEP THROAT mutet Randalls Film reichlich altbacken an und kann einzig und allein durch ein paar nette Gags und die famose Anfangscredits-Sequenz überzeugen, welche den Times Square in New York mit all seinen Movie Marquees in voller Pracht präsentiert. – 4/10

06/2025, #17: Invisible Ghost (USA 1941, Joseph H. Lewis)

Atmosphärischer Thriller mit Gruselelementen, in dem Bela Lugosi immer dann zum unberechenbaren und nach den Taten über keinerlei Erinnerungen mehr verfügenden Mörder wird, wenn ihm seine Frau erscheint die ihn einst wegen eines anderen Mannes verlassen hatte. Der Zuschauer hat von vornherein einen Wissensvorsprung und so entwickelt sich die Spannung des Films nicht aus der Frage wer denn der Mörder sein mag, sondern vielmehr wie dieser enttarnt wird. Das ist alles ungemein unterhaltsam gespielt und umgesetzt und läuft mit seiner Laufzeit von etwas über 60 Minuten auch zu keiner Sekunde Gefahr langweilig zu werden. – 7/10

06/2025, #18: Alle die Du bist (D/E 2024, Michael Fetter Nathansky)

Intensives und ins Herz und an die Nieren gehendes Beziehungsdrama in dem eine Ehefrau und Mutter an der Belastungsgrenze zwischen ihrem fordernden Job, ihren beiden Kindern und der Beziehung zu ihrem arbeitslosen Ehemann zu zerbrechen droht und langsam den Glauben an das private Glück verliert. Das ist gut und überzeugend gespielt und hat darüber hinaus ein paar wirklich nette Regieeinfälle zu bieten, die den Film sicher auch für ein Arthouse-Publikum interessant machen könnten. – 7/10

06/2025, #19: Inspector Clouseau (UK/USA 1968, Bud Yorkin)

Mir war gar nicht bewusst, dass zwischen A SHOT IN THE DARK und THE RETURN OF THE PINK PANTHER ein weiterer Clouseau-Film herausgebracht wurde und dieser eigentliche dritte Teil hier findet fast schon verständlicherweise so gut wie gar keine Erwähnung wenn es um die Filmreihe rund um den tollpatschigen Inspektor geht. In die Titelrolle schlüpfte hier Alan Arkin und das ist dann auch das größte Problem des Films. Denn so sehr sich Arkin auch bemüht, an die Leistung von Peter Sellers aus den beiden vorhergehenden und auch später erschienenen Filmen kommt er überhaupt nicht heran und so ist INSPECTOR CLOUSEAU nicht viel mehr als eine unterhaltsame Nummernrevue mit ein paar netten Slapstick-Einlagen und einem Hauch James-Bond-Persiflage. Der Film würde sicher besser funktionieren, wenn es den Vergleich mit Peter Sellers nicht gäbe, dieser schwebt aber wie ein Damoklesschwert über Yorkins Werk. – 6/10

06/2025, #20: Pvt Chat (USA 2020, Ben Hozie)

Drama rund um einen jungen Mann, der sein Geld mit Online-Glücksspielen verdient und zu größten Teilen in ein Cam-Girl im Internet investiert, für die er schon bald eine regelrechte Obsession entwickelt. Hozies Film ist trotz aller vorhandenen Oberflächenreize in erster Linie ein durchaus überzeugend gespieltes Portrait der Generation Z, es ist ein Film über Suchtverhalten, über Obsessionen und über Einsamkeit und wenn er in der zweiten Hälfte nicht etwas arg konstruiert wirken würde, man könnte ihn sogar als absolut gelungen und sehenswert bezeichnen. – 6/10

06/2025, #21: The Loneliest Boy in the World (UK 2022, Martin Owen)

Herrlich obskure Horrorkomödie, in der ein kürzlich aus der Psychiatrie entlassener Teenager die Erlaubnis bekommt, alleine im Haus der verstorbenen Eltern leben zu dürfen, falls er glaubwürdig nachweisen kann, dass er Freundschaften geschlossen hat. Ein Nachweis, der auf die denkbar unkonventionellste Art und Weise von ihm erbracht wird, denn um Gesellschaft vorzutäuschen setzt er sich kurzerhand ein paar vom nahegelegenen Friedhof entwendete Leichen ins Wohnzimmer und staunt nicht schlecht, als diese plötzlich als Zombies wieder zum Leben erwachen. Regisseur Martin Owen präsentiert seine krude Ausgangssituation als komplette Normalität, überzeugt mit ganz wundervollen Settings und einer exquisiten Kameraarbeit und hat seinen kleinen aber feinen Film zudem mit jeder Menge verrückter Ideen ausgestattet. – 7/10

06/2025, #22: Edge of the World (USA 2021, Michael Haussman)

Historienabenteuer, welches die Geschichte des Briten James Brooke erzählt, der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Herrscher eines der Königreiche von Borneo ernannt wurde, damit das britische Königreich gehörig vor den Kopf stieß und der seine Macht vor allem zum Kampf gegen Sklaverei und Piraterie nutzte. In den 1990er Jahren hätte eine solche Geschichte noch Potential für einen echten Blockbuster mit großer Starbesetzung gehabt, mittlerweile haben Filme dieser Art allerdings nur noch Potential für ein Nischenpublikum und man entdeckt sie nur noch durch Zufall in den unendlichen Weiten diverser Streaming-Anbieter. Mit Jonathan Rhys Meyers in der Rolle des James Brooke und Dominic Monaghan ist EDGE OF THE WORLD zumindest noch halbwegs prominent besetzt und Regisseur Haussman ist es zudem gelungen, seinen Film mit teils eindrucksvollen Bildern auszustatten. So wirklich gepackt hat mich EDGE OF THE WORLD allerdings nicht, dafür plätscherte er streckenweise doch etwas zu sehr vor sich hin und stellte in meinen Augen nicht viel mehr als nette Unterhaltung dar. – 6/10

06/2025, #23: Uptown Girls (USA 2003, Boaz Yakin)

Brittany Murphy als dekadente Tochter eines verstorbenen Rockstars, die plötzlich ohne Geld da steht nachdem sie ihr Manager sich mit ihrem Erbe aus dem Staub gemacht hat und gezwungen wird, einen Job als Kindermädchen der verwöhnten und exzentrischen Dakota Fanning anzunehmen. Brittany Murphy und die bei Erscheinen des Films gerade mal 9 Jahre alte Dakota Fanning (dis-)harmonieren in dieser warmherzigen und mitunter vielleicht etwas zu kitschigen und manipulativen Mischung aus Komödie und Coming-of-Age-Drama wirklich ganz vorzüglich und es ist in allererster Linie ihr Zusammenspiel, welches UPTOWN GIRLS zu einem absolut sehenswerten Film macht. Kino zum Wohlfühlen, das exakt die richtigen Knöpfe beim Zuschauer drückt und spätestens im emotionalen Finale das Potential hat, diesen zu Tränen zu rühren. – 7/10

06/2025, #24: Valdez Is Coming (USA 1971, Edwin Sherin)

Burt Lancaster als alternder Rächer, der sich in diesem typischen Rachefilmplot mit einem ebenso fiesen wie einflussreichen Großgrundbesitzer anlegt. Von den klassischen Western-Epen der vorherigen Jahrzehnte ist dieser Anfang der 1970er Jahre gedrehte Western meilenweit entfernt und erinnert viel mehr an die dreckigen Italo-Western, die nur wenige Jahre zuvor in die Kinos kamen. VALDEZ IS COMING kommt ungeschliffen und roh daher und überzeugt mit seinen kargen und dreckigen Settings sowie einem ziemlich hohem Erzähltempo. – 7/10

06/2025, #25: Johnny Be Good (USA 1988, Bud S. Smith)

Teenie-Komödie aus den 1980er Jahren, in der Anthony Michael Hall in der Rolle eines hoch talentierten Football-Spielers zu sehen ist, den verschiedene Universitäten versuchen mit allerlei zwielichtigen Methoden zu locken. JOHNNY BE GOOD ist sicher kein Highlight des Genres, dafür fehlt es dieser Nummernrevue einfach an Abwechslung, es haben sich zu viele unlustige Albernheiten eingeschlichen und das Ende ist viel zu vorhersehbar und kitschig geraten. Was Smiths Film aber dann doch sehenswert und ausgesprochen unterhaltsam macht ist seine tolle Besetzung. Neben Anthony Michael Hall sind u.a. Robert Downey Jr., Uma Thurman, Paul Gleason, Jennifer Tilly, Seymour Cassel und Steve James mit von der Partie und einen Film mit einem solchen Cast muss man als Fan des Genres dann doch irgendwie mögen. – 6/10

06/2025, #26: The Way West (USA 1967, Andrew V. McLaglen)

Klassischer Western, in dem Robert Mitchum von Kirk Douglas angeheuert wird um einen Treck von Siedlern nach Westen zu führen, wobei auf dem langen Weg allerlei Hindernisse warten. Der Film ist sehr episodisch erzählt, der Weg der Siedler ist das Ziel und einen typischen Spannungsbogen gibt es eigentlich nicht. Dafür ist THE WAY WEST ausgesprochen hübsch fotografiert, prominent besetzt (neben Douglas und Mitchum spielen u.a. noch Richard Widmark, Jack Elam und Sally Field mit), hat ein paar nette dramaturgische Höhepunkte zu bieten und ist trotz seiner etwas längeren Laufzeit von ca. 2 Stunden ausgesprochen kurzweilige geraten. – 6/10

06/2025, #27: The Man Who Knew Too Little (D/USA 1997, Jon Amiel)

Liebevolle Hitchcock-Hommage in der Bill Murray als komplett ahnungsloser Durchschnittstyp in einen Verschwörungsplot gerät und die ganze Zeit fest davon überzeugt ist, er sei Teil einer neuartigen Theater-Performance. Da sich die Handlung des Films über den Zeitraum einer Nacht erstreckt und sich in dieser diverse Ereignisse und Dinge verselbständigen und verkomplizieren, kann man Amiels Film auch diesem wundervollen und von mir so hoch geschätzten Subgenre des „Durch die Nacht“-Films zuordnen und Bill Murray überzeugt dabei in der Hauptrolle auf ganzer Linie und sorgt für nicht gerade wenige irrsinnig komische Momente. – 7/10

06/2025, #28: Одержимая | Oderzhimaya [aka Obsessed] (RUS 2022, Igor Voloshin)

Komplett generischer Thriller mit Erotik-Touch, in der eine Forensikerin eines Tages die Leiche einer jungen Frau zu untersuchen hat, mit der sie am Abend zuvor noch Sex hatte. Und natürlich sollen weitere Opfer folgen. Jeder, der Thriller dieser Art schon einmal in seinem Leben gesehen hat, dürfte bereits spätestens nach der Hälfte der Laufzeit erahnen, auf welche Auflösung das alles am Ende hinauslaufen wird. So fehlt es Voloshins Film vor allem an Spannung und interessante Charaktere und dieses Manko versucht er stattdessen mit allerlei visuellen Spielereien auszugleichen. Der Film ist vollgestopft mit Elementen, die extem stylish wirken sollen, einem als Zuschauer irgendwann aber einfach nur noch auf die Nerven gehen. Am Ende bleiben ein bisschen nackte Haut und exakt ein wirklich unglaublich guter Splatter-Effekt im Gedächtnis und in den letzten 20 Minuten überrascht der Film dann sogar noch mit einem Hauch an Spannung (auch wenn es letztendlich doch beim vorhersehbaren Ende bleibt). – 4/10

06/2025, #29: Sleepover (USA 2004, Joe Nussbaum)

Bei der Erfüllung meines persönlichen Zieles, möglichst alle je gedrehten „Durch die Nacht“-Filme mindestens einmal im Leben gesehen zu haben, stolpere ich dann auch über eindeutig auf ein Teenie-Publikum zugeschnittene Komödien mit Coming-of-Age-Touch wie diese hier. Es geht um vier Freundinnen deren Pyjama-Party sich in eine nächtliche Schnitzeljagd durch die Stadt verwandelt. Der Anfang des Films ist zwar schon arg generisch geraten und auch das Ende ist mit seinem typischen Teenie-Kitsch kaum auszuhalten, was aber dann doch richtig Spaß gemacht hat war der Mittelteil mit der Schnitzeljagd. Der ist ungemein rasant, liebevoll und auch lustig umgesetzt. Steve Carell ist in einer Nebenrolle als Ordnungshüter teils zum Schreien komisch und die jungen Protagonistinnen sind mit noch ganz am Anfang ihrer Karrieren stehenden Schauspielerinnen wie Brie Larson und Scout Taylor-Compton prominent besetzt. – 6/10

06/2025, #30: Man of La Mancha (I/USA 1972, Arthur Hiller)

Historien-Abenteuer-Komödie in Form eines Musicals mit Fantasy-Touch, in der Peter O’Toole zu Zeiten der Inquisition wegen Gotteslästerung gemeinsam mit seinem Diener in einem Kerker landet und dort durch Aufführung seines erst kurz zuvor fertiggestellten Theaterstücks Don Quijote versucht, seine Habseligkeiten vor seinen Mitgefangenen zu retten. Hillers Film ist irgendwie komplett seltsam geraten. Er ist eigentlich ziemlich sperrig, in den Musical-Sequenzen dann aber auch immer wieder durchaus faszinierend geraten und ich mochte insbesondere das herrlich theatralische Spiel von Peter O’Toole, der jetzt vielleicht nicht über die allergrößten Sangeskünste verfügt, dem Film aber dennoch seinen Stempel aufzudrücken vermag. – 7/10

06/2025, #31: L’homme qui aimait les femmes [aka The Man Who Loved Women] (F 1977, François Truffaut)

Bittersüße Tragikomödie über einen Frauenhelden, der sich eines Tages dazu entschließt, einen autobiographischen Roman über sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht zu schreiben und sich dabei in Rückblenden an eine Vielzahl seiner Affären und Eroberungen zurückerinnert. Truffauts Film ist in erster Linie eine Studie über Einsamkeit und obsessives Verhalten, überzeugt mit seiner wirklich federleichten Inszenierung und dem nahezu perfekten Spagat zwischen urkomischen, ernsten, melancholischen, dramatischen und traurigen Momenten. – 7/10

06/2025, #32: The Power of One (AUS/D/F/USA 1992, John G. Avildsen)

Direkt ins Herz gehendes Drama über einen englischen Waisenjungen, der sich in den 1930er Jahren in Südafrika als Außenseiter behaupten muss und der später als junger Erwachsener zu Zeiten des 2. Weltkriegs zum Symbol des Aufstands gegen die Apartheid-Politik wird. Avildsens Film drückt genau die richtigen emotionalen Knöpfe, ist mit Stephen Dorff in der Hauptrolle dabei absolut überzeugend besetzt und stellt diesem in Rollen diverser Pro- und Antagonisten zudem noch Schauspieler wie Morgan Freeman, Armin Mueller-Stahl und Daniel Craig zur Seite. Vielleicht ist das alles in manchen Momenten etwas zu dick aufgetragen, die klare Botschaft des Films gegen Unterdrückung und Rassismus lässt diesen eventuellen Mangel aber als komplett obsolet erscheinen. – 8/10

06/2025, #33: Fubar: Season 2 (USA 2025, Nick Santora)

In den 8 Folgen der 2. Staffel dieser herrlich schrägen Agenten-Persiflage findet sich Arnold Schwarzeneger gemeinsam mit seinem Team und seiner erweiterten Familie in einem Safe House wieder und ist von seinen Vorgesetzten erstmal ruhig gestellt – allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem mal wieder die Welt gerettet werden muss. FUBAR ist rasant, laut, grell, zynisch, brutal und dabei komplett albern und sorgt mit dieser absolut durchgeknallten Mischung für einfach nur herrlich kurzweilige Unterhaltung. Das kann man gerne auch alles total beschissen und meinetwegen im höchsten Maße bedenklich finden, aber die ganze Serie wirkt wie eine komplett überdrehte Hommage an den Actionfilm der 1980er Jahre und rennt zumindest bei mir persönlich damit offene Türen ein. Absolutes Highlight dieser zweiten Staffel ist die vorletzte Episode, bei der ich in manchen Sequenzen wirklich Tränen lachen musste. – 8/10

06/2025, #34: Playing Mona Lisa (USA 2000, Matthew Huffman)

Ungemein kurzweilig inszenierte Komödie rund um eine junge und hochtalentierte Pianistin die nach der Trennung von ihrem Freund in ein tiefes Loch fällt und mit allerlei verzweifelten Abenteuern irgendwie versucht aus diesem wieder herauszukommen. Huffmans Film wirft einen mehr als augenzwinkernden Blick auf das Trauerverhalten nach dem Verlust der vermeintlich großen Liebe, bietet unzählige kleine, urkomische Momente und überzeugt dabei vor allem durch die zwar ziemlich klischeehafte aber irgendwie auch doch glaubwürdige Zeichnung seiner verschiedensten Charaktere. Und das letzte Drittel des Films ist einfach nur irre komisch. – 7/10

1. Quartal 2025 – alle Filme & (Mini-)Serien

01/2025, #1: Mein Name ist Otto (D 2024, Christine Wernke)

Otto Waalkes blickt auf die Anfänge und den Verlauf seiner langen Karriere zurück und lässt den Zuschauer daran teilhaben. Das ist ausgesprochen nett anzusehen, durchgehend unterhaltsam und nostalgisch, dabei in gewissen Bereich aber auch viel zu unkritisch (Stichwort: geschmacklose Witze im ersten Kinofilm). Und von dieser 1970er-Jahre-WG, in der er u.a. mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen zusammenlebte, hätte ich gerne etwas mehr gesehen. – 6/10

01/2025, #2: Journey Back to Oz (USA 1972, Hal Sutherland)

Zeichentrick-Fortsetzung eines der größten Filmklassiker aller Zeiten, in der Dorothy, hier gesprochen von Liza Minnelli, gemeinsam mit ihrem Hund Toto nach Oz zurückkehrt und ihren in ihrem ersten Besuch liebgewonnen Freunden erneut gegen eine böse Hexe zur Seite steht. Wird dem Original gerecht, ist ungemein farbenfroh, liebevoll und rasant gestaltet, steckt zudem voll von verrückten Ideen und kann einen gewissen psychedelischen Touch kaum verbergen. – 7/10

01/2025, #3: Iron Man (CDN/USA 2008, Jon Favreau)

Re-Watch! Fulminanter Auftakt in das MCU, schnörkellos inszeniert, tolle Action Set Pieces und spannende Origin Story des streitbaren Titelhelden, der von Robert Downey Jr. absolut überzeugend verkörpert wird. – 8/10

01/2025, #4: The Incredible Hulk (CDN/J/USA 2008, Louis Leterrier)

Re-Watch! Die Einführung des Hulk ins MCU, der hier vom Militär gejagt wird und eigentlich nur ein Gegenmittel haben möchte um seine Superkräfte wieder loszuwerden. Gespielt wird Hulk hier vom hadernden und verzweifelten Edward Norton, der dem dargebotenen Jagd-Flucht-Szenario durch seine Darstellung eine melancholische Grundstimmung verleiht. Das Finale ist – trotz etwas schwächelnder CGI-Effekte – spektakulär. – 8/10

01/2025, #5: Marvel Super Hero Adventures: Frost Fight! (USA 2015, Mitch Schauer)

Weihnachtsanimationsfilm von Marvel, in dem Loki versucht, dem Weihnachtsmann seine Kräfte zu rauben und Iron Man, Thor, Hulk & Co. verzweifelt versuchen, ihn daran zu hindern. Zielt natürlich in erster Linie auf ein kindliches Publikum ab und ist entsprechend harmlos und albern geraten, hat aber auch den einen oder anderen herrlich absurden Moment zu bieten (bspw. Hulk beim Verteilen von Geschenken). – 5/10

01/2025, #6: Die unlangweiligste Schule der Welt (D 2023, Ekrem Ergün)

Kinderbuchverfilmung in der Comedian Max Giermann einen ultrastrengen Schuldirektor spielt, der seinen diktatorischen Regelkatalog im ganzen Land als verpflichtend durchsetzen will, dem sich allerdings ein rebellischer Schüler mit Unterstützung eines Angestellten einer Fantasie-Behörde entgegensetzt. Der Film ist ganz witzig und amüsant gemacht, zielt jedoch ausschließlich auf ein sehr junges Publikum von Grundschülern ab und dürfte ältere Kinder und Erwachsene gleichermaßen unterfordern und mitunter gar langweilen. – 5/10

01/2025, #7: On the Riviera (USA 1951, Walter Lang)

Verwechslungskomödie in der Danny Kaye in einer Doppelrolle zu sehen ist und sowohl einen amerikanischen Entertainer als auch einen französischen Piloten spielt. Der Film ist mit so viel Charme, so viel Witz, so viel Elan und so viel positiver Energie inszeniert, dass man ihm seinen ziemlich austauschbaren und vorhersehbaren Plot nur allzu gerne verzeiht. Kino zum Wohlfühlen mit einer mal wieder atemberaubenden Gene Tierney in einer der beiden weiblichen Hauptrollen. – 7/10

01/2025, #8: La maison [aka The House] (B/F 2022, Anissa Bonnefont)

Überzeugend gespieltes und filmisch mehr als ansprechend umgesetztes Drama, welches seinem delikaten Thema – eine Autorin fängt für ihren neuen Roman an im Bordell zu arbeiten – trotz aller vorhandener Schauwerte mit großem Respekt begegnet und so in erster Linie als ernsthafte Charakterstudie funktioniert. – 7/10

01/2025, #9: Annie Oakley (USA 1894, William K.L. Dickson)

Dieser ganz frühe Versuch des Erfinders Thomas Edison mit Bewegtbildern zeigt die damals weltberühmte Schützin Annie Oakley wie sie aus relativ kurzer Distanz auf verschiedene Ziele schießt und danach auch ein paar in die Luft geworfene Ziele sicher trifft. Der ganze Zauber dauert nur knapp eine Minute, stellt im Endeffekt aber so etwas wie eine der ersten Sportdokumentationen bzw. einen der ersten Actionfilme dar. Faszinierend, dass dieser Kurzfilm noch immer erhalten ist. – 7/10

01/2025, #10: Iron Man 2 (USA 2010, Jon Favreau)

Re-Watch! Kann die Qualität des Vorgängers auf seine eigene Art und Weise locker halten, was vor allem an Robert Downey Jr. liegt, dem diese Rolle des narzisstischen Superhelden, der sich selbst als Popstar inszeniert, wie auf dem Leib geschrieben zu sein scheint. IRON MAN 2 ist aber nur auf den ersten Blick eine One-Man-Show des Hauptdarstellers und arbeitet im Hintergrund schon mit Hochtouren am World Building des MCU. Scarlett Johansson, die spätere Black Widow, wird praktisch im Vorbeigehen eingeführt und der von Samuel L. Jackson gespielte Nick Fury ist hier auch in einer etwas größeren Rolle zu sehen. Und das große Action Set Piece im Finale ist grandios. – 8/10

01/2025, #11: Thor (USA 2011, Kenneth Branagh)

Re-Watch! Der vierte MCU-Film begibt sich in komplett phantastische Gefilde und führt Thor als weiteren Superhelden in das MCU ein. Trotz des imposanten Asgard-Settings und der einen oder anderen wirklich beeindruckenden Actionsequenz ist Branaghs Film – insbesondere im Vergleich zu den beiden IRON MAN-Filmen – fast schon etwas „klein“ geraten, was wahrscheinlich an dem beschaulichen Setting in der Wüste liegt, in dem der Film in den auf der Erde spielenden Handlungssequenzen angesiedelt ist. Dieser etwas bescheidenere Ansatz tut THOR allerdings richtig gut und mir persönlich hat er bisher sogar am besten gefallen. Chris Hemsworth überzeugt mit spitzbübischem Charme und Tom Hiddleston in der Rolle des Loki ist ein herrlich diabolischer Bösewicht. – 8/10

01/2025, #12: Young Sheldon: Season 7 (USA 2024, Chuck Lorre / Steven Molaro)

Letzte Staffel über die jungen Jahre des Sheldon Cooper, die in 14 Episoden neben vielen gelungenen Gags auch jede Menge ernstere Untertöne anschlägt und die Serie mit den beiden ungemein berührenden und hochemotionalen letzten Folgen zu einem der durchweg hohen Qualität sämtlicher Staffeln entsprechenden und angemessenen Ende bringt. – 8/10

01/2025, #13: Marc Mato, agente S. 077 [aka Espionage in Tangiers] (E/I 1965, Gregg G. Tallas)

Kostengünstig heruntergekurbelter Spionagefilm, in dem ein 007-Klon sich durch halbwegs exotische Schauplätze bewegen darf um in einer 007-typischen Handlung eine gemeingefährliche Waffe sicherzustellen, wobei es auf dem Weg zum Showdown eine Reihe nett anzusehender Prügeleien, Schießereien und Verfolgungsjagden zu bewundern gibt. Das hat alles Charme, ist unterhaltsam und sieht exakt so stylish aus wie es das Budget hergegeben hat. – 6/10

01/2025, #14: Captain America: The First Avenger (USA 2011, Joe Johnston)

Re-Watch! Innerhalb der Zeitlinie des MCU steht dieser 5. Film an erster Stelle, katapultiert er den Zuschauer doch zurück in die Zeit des 2. Weltkriegs und lässt ihn an der Erschaffung von Captain America teilhaben, dessen Weg zum Superhelden man als durchaus steinig beschreiben kann. Die Action Set Pieces sind erneut auf hohem Niveau, insbesondere die Zugsequenz fand ich persönlich richtig toll, allerdings braucht der Film etwas arg viel Zeit bis er so richtig in die Gänge kommt und so ist diese „origin story“ die erste der Reihe, in die sich doch die eine oder andere Länge einschleicht. – 8/10

01/2025, #15: Marvel One-Shot: The Consultant (USA 2011, Leythum)

Erster von einer Reihe von Kurzfilmen, welche diverse Hintergründe des MCU vertiefen sollten. Hier steht der von Clark Gregg gespielte Agent Coulson im Mittelpunkt und der geneigte Fan erfährt, dass der Gegner des Hulk aus dem zweiten Film auf Wunsch des Weltsicherheitsrats Teil der Avengers hätte werden sollen und wie dies verhindert werden konnte. – 6/10

01/2025, #16: Marvel One-Shot: A Funny Thing Happened on the Way to Thor’s Hammer (USA 2011, Leythum)

Der nächste Kurzfilm, wieder mit Clark Gregg als Agent Coulson im Mittelpunkt, der hier auf dem Weg zur Fundstelle von Thors Hammer in einen Raubüberfall gerät und die Sache auf seine ganze eigene Art und Weise zu lösen versteht. – 7/10

01/2025, #17: Welcome to Wrexham: Season 3 (USA 2024, Rob McElhenney / Ryan Reynolds)

Nach dem in der Spielzeit 2022/2023 gelungenen Aufstieg begleitet diese dritte Staffel den Wrexham AFC in seiner ersten Saison in der vierthöchsten Spielklasse im englischen Fußball, zeigt unverblümt alle Höhen und Tiefen, erzeugt dabei erneut unendlich viele Emotionen und hat das große Glück, zum Staffelfinale ein echtes Happy End – nämlich den abermaligen Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse – präsentieren zu können. Als Fan der Serie hat man die vielen Protagonisten auf dem Rasen, neben dem Rasen und auf den Rängen längst in sein Herz geschlossen und diese 8 Folgen fühlten sich an, als ob man bei guten alten Bekannten zu Besuch ist. – 8/10

01/2025, #18: The Fear of God: 25 Years of ‚The Exorcist‘ (UK 1998, Nick Freand Jones)

Spielfilmlange Dokumentation, die vor mittlerweile auch schon wieder über 25 Jahren anlässlich des damaligen 25-jährigen Jubiläums von Friedkins Horrorklassiker für das britische Fernsehen produziert wurde. Zu Wort kommen praktisch alle wichtigen Protagonisten aus Cast und Crew des wegweisenden Films und geben interessante Einblicke in dessen Entstehungsgeschichte, die Herausforderungen beim Dreh und die aufwändige Effektarbeit vor den Zeiten von Computereffekten. – 7/10

01/2025, #19: The Avengers (USA 2012, Joss Whedon)

Re-Watch! Abschlussfilm der ersten Phase des MCU in dem die in den 5 Filmen zuvor eingeführten Protagonisten die Welt vor Thors Bruder Loki retten müssen, der im Finale ein Portal direkt über dem Stark Tower in New York öffnet durch dem eine Heerschar von Aliens eine Invasion durchführen will. Die erste Hälfte des Films, mit kleineren, perfekt gesetzten Action-Sequenzen, kann fast als geschwätzig bezeichnet werden, präsentiert sich die Superheldentruppe dort doch als komplett zerstrittener Haufen, der sich erst zusammenraufen muss, bevor in der zweiten Filmhälfte ein Finale über den Zuschauer hereinbricht, welches man auch über 10 Jahre später noch als bahnbrechend und wegweisend im Bereich des Popcorn-Kinos bezeichnen kann. Das ist Blockbuster-Unterhaltung in absoluter Perfektion, ohne einen winzigen Hauch an Schwäche. Und diese kurze Hulk/Thor-Sequenz und noch mehr die kurz danach folgende Hulk/Loki-Sequenz gehören genau zu dieser Art von Szenen, die das Potential haben, das Zielpublikum vor der Leinwand bzw. vor dem heimischen Flatscreen in Jubelschreie ausbrechen zu lassen. – 10/10

01/2025, #20: Marvel One-Shot: Item 47 (USA 2012, Louis D’Esposito)

Der dritte One-Shot-Kurzfilm schließt inhaltlich unmittelbar an THE AVENGERS an und erzählt auf ungemein witzige Art und Weise die Geschichte eines Pärchens, welches in den Besitz einer Alienwaffe gekommen ist und mit dieser nunmehr Banküberfälle verübt. Dieser Kurzfilm gibt vor allem einen weiteren Einblick in die S.H.I.E.L.D.-Organisation, welche die beiden Bankräuber natürlich aufspürt, diese allerdings nicht bestraft, sondern vielmehr für ihre Zwecke rekrutiert. – 7/10

01/2025, #21: The Puppet Masters (USA 1994, Stuart Orme)

An INVASION OF THE BODY SNATCHERS erinnernder Mix aus Horror- und Science-Fiction-Film, der in bester Tradition des Paranoia-Kinos der 1950er Jahre daherkommt und mit seinem typischen B-Movie-Plot, einem ausgesprochen nett anzusehenden Creature Design und ein paar coolen Actionszenen für kurzweilige Genreunterhaltung sorgt. – 7/10

01/2025, #22: Iron Man Three (USA 2013, Shane Black)

Re-Watch! Furioser Auftakt in die zweite Phase des MCU mit einem Film, den ich beim damaligen Erscheinen gar nicht mal so toll fand, der mir beim jetzigen Wiedersehen aber tatsächlich richtig, richtig gut gefallen hat. Wahrscheinlich funktionieren die MCU-Filme besser, wenn man sie sich ohne größere Pausen zwischen den einzelnen Filmen anschaut. Robert Downey Jr. gibt erneut eine absolut überzeugende Vorstellung ab – nun als zwar zweifelnder und von Panikattacken geplagter, aber immer noch zum Größenwahn neigender Narzisst -, Guy Pearce ist ein herrlich diabolischer Bösewicht und Ben Kingsley als Terrorist ist die absolute Schau. Und die Action, vor allem dieses riesige Set Piece im Finale, ist erneut atemberaubend gut geraten. – 8/10

01/2025, #23: Marvel One-Shot: Agent Carter (USA 2013, Louis D’Esposito)

Der vierte Kurzfilm schließt in der Zeitlinie an die Ereignisse aus CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER an und lässt die um ihre verlorene Liebe trauernde Agentin Carter auf eigene Faust einen Fall lösen und befreit sie auf diese Weise von ihrem öden Schreibtischjob. Ein kleine Geschichte über „female empowerment“, die innerhalb des MCU zwei Jahre später in eine zwei Staffeln dauernde TV-Serie über die weibliche Protagonistin münden sollte. – 7/10

01/2025, #24: The Sixth Sense (USA 1999, M. Night Shyamalan)

Re-Watch! Der Film, der diesen unfassbaren Twist am Ende eines Plots in Perfektion eingeführt hat und der zu den wenigen seiner Art gehören dürfte, bei dem dieser Twist nicht nur bloßes Gimmick ist. Mit Kenntnis dieses Twists schaut man sich THE SIXTH SENSE natürlich mit anderen Augen an, achtet darauf, ob sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen haben könnte, der das Ende als unsinnig entlarvt, und muss schließlich begeistert feststellen, dass dies tatsächlich nicht der Fall ist, dass Willis immer nur mit dem Kind interagiert und er von seiner sonstigen Umgebung in keinster Weise wahrgenommen wird. Ein Film wie eine Zaubershow, wie ein Taschenspielertrick, dessen größte Leistung es ist, dass er auch bei späteren Sichtungen, nach Kenntnis der Auflösung, noch immer perfekt funktioniert. Dass er immer noch Spannung erzeugt, mit seiner ungemein dichten Atmosphäre überzeugt und mit den vorhandenen unheimlichen Szenen Gänsehaut verursacht. – 10/10

01/2025, #25: Planes: Fire & Rescue (AUS/IND/UK/USA 2014, Bobs Gannaway)

Fortsetzung des CARS-Spin-Offs in dem der Protagonist des Vorgängerfilms, nachdem er keine Rennen mehr fliegen kann, es nun mit einer Ausbildung zum Feuerwehrflugzeug versucht und am Ende natürlich den Tag rettet. Zentrale Themen des Films sind einmal mehr Freundschaft, Mut und Vertrauen und auch wenn der Film qualitativ natürlich nicht an die großen Pixar-Brüder heranreichen mag, er überzeugt mit Herz, Charme und ist ausgesprochen liebevoll umgesetzt. Und diese Sequenz zu AC/DCs Überhit „Thunderstruck“ ist schon ziemlich geil geraten. – 6/10

01/2025, #26: Mars Express (F 2023, Jérémie Périn)

Animationsfilm aus Frankreich, der sich irgendwo in der Schnittmenge von Neo Noir, Cyberpunk-Thriller, Detektivfilm, Science-Fiction-Action und Mystery bewegt. Die Geschichte rund um ein aus einem Menschen und einem Androiden bestehendes Detektivduo, welches im Jahr 2200 auf dem Mars einen Fall rund um eine verschwundene Studentin aufzuklären versucht und dabei in das sprichwörtliche Wespennest sticht, überzeugt durch ihre ungemein spannende Inszenierung und einen allgegenwärtigen, melancholischen Unterton, der dem Film eine ganz eigene Atmosphäre verleiht. Hat mich vom Stil und von der Stimmung her an ähnlich gelagerte Genrebeiträge aus Japan aus den späten 1980er und frühen 1990er Jahren erinnert und würde im Double Feature mit Filmen wie AKIRA oder GHOST IN THE SHELL sicherlich ganz vorzüglich funktionieren. – 8/10

01/2025, #27: The Great Train Robbery (USA 1903, Edwin S. Porter)

Die filmhistorische Bedeutung dieses rund 13-minütigen Kurzfilms ist unbestritten. Es war einer der ersten Western, einer der ersten Actionfilme, einer der ersten Filme mit einer Handlung und schließlich einer der ersten Filme, die mit neuen Stilmitteln experimentierten und so den Weg für unzählige andere Filmemacher bereiten sollten. Regisseur Edwin S. Porter erzählte eine echte Geschichte, erzeugte mit Parallelmontagen Spannung und experimentierte mit ersten Kameraschwenks seiner sonst noch statischen Kamera. Handlungstechnisch ist hier schon alles vorhanden, was das Publikum bis heute begeistert und fesselt. Es geht um den ewigen Kampf der Bösen gegen die Guten in dessen Verlauf Porter dem Zuschauer u.a. eine komödiantische Einlage zur Auflockerung des Geschehens und Action in Form einer Verfolgungsjagd und Schießereien präsentiert. Das ist ebenso beeindruckend wie faszinierend und diese von der Handlung losgekoppelte Schlusseinstellung, in der ein Cowboy mit seiner Pistole in die Kamera zielt und sein komplettes Magazin leert, dürfte zu den ikonischsten Bildern aller Zeiten gehören. – 10/10

01/2025, #28: Coming 2 America (USA 2021, Craig Brewer)

33 Jahre nach dem großen Erfolg von Landis‘ Vorgängerfilm kehrt Eddie Murphy in die Rolle des Prinzen aus Zamunda zurück und begibt sich erneut nach Brooklyn um dort seinen Sohn zu suchen, von dessen Existenz er erst jetzt erfahren hat. Die Culture-Clash-Thematik wird in der Fortsetzung umgedreht, denn mit dem Sohnemann geht es schnurstracks zurück ins Königreich nach Afrika und dort fällt es diesem ebenso schwer sich zurechtzufinden, wie es Murphy über 3 Jahrzehnte zuvor in Brooklyn gefallen ist. Ob es so eine gute Idee gewesen ist, die Geschichte nach so langer Zeit wiederzubeleben, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Die überwiegend schlechten Bewertungen und negativen Kritiken sprechen eine deutliche Sprache. Tatsächlich wirkt Brewers Film oft viel zu bemüht, viel zu konstruiert und viel zu albern um letztendlich überzeugen zu können. Aber es gibt auch ein paar wirklich gelungene Aspekte, die letztendlich dazu geführt haben, dass ich COMING 2 AMERICA doch weitaus wohlwollender gegenüberstehe als der Großteil seines Publikums. Ich fand es toll, dass praktisch alle Schauspieler von damals nochmals in ihre Rollen geschlüpft sind und ich mochte die vielen kleinen Referenzen an und Verbeugungen vor Landis‘ Film, die praktisch allgegenwärtig gewesen sind und für mich einen klaren Beweis darstellen, dass hier alle Beteiligten schon auch mit viel Liebe zum Detail und Herzblut bei der Sache gewesen sein dürften. – 6/10

01/2025, #29: 肆式青春 [aka Flavors of Youth] (CHN/J 2021, Haoling Li / Yoshitaka Takeuchi / Xiaoxing Yi)

Episodenfilm dessen verbindendes Thema der drei verschiedenen Geschichten, die er erzählt, das Erwachsenwerden und die Vergänglichkeit des Lebens ist. Da geht es um einen Mann, den ein bestimmtes Nudelgericht für immer an seine Kindheit erinnert, um ein Model, welches sich mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass es schon bald von der jüngeren Konkurrenz abgelöst werden könnte und schließlich um eine verloren geglaubte Liebe, die durch Zufall eine zweite Chance bekommt. Alle drei Geschichten verbindet eine herrlich melancholische Grundstimmung und ganz am Ende dann auch eine wirklich tolle Post-Credit-Sequenz. Schöner Film! – 7/10

01/2025, #30: Thor: The Dark World (USA 2013, Alan Taylor)

Re-Watch! Im zweiten Film der zweiten MCU-Phase das zweite Solo-Abenteuer für den von Chris Hemsworth gespielten Thor, der hier sogar mit seinem verhassten Bruder Loki zusammenarbeiten muss um die Zerstörung des Universums zu verhindern. Auch THOR: THE DARK WORLD bietet ganz wundervolle Popcorn-Unterhaltung, mit spektakulären Sets, tollen Actionsequenzen und einer wohldosierten Prise Humor. Das Finale, in dem Thor und seine Gegner durch Dimensionsspalten ständig von einer Welt in die nächste katapultiert werden, ist der pure Wahnsinn. Handlungstechnisch darf man sich als Zuschauer allerdings auch die Frage stellen, warum dem Donnergott aufgrund der Ernsthaftigkeit der Bedrohung – schließlich steht die Existenz des gesamten Universums auf dem Spiel – nicht der eine oder andere Avenger-Kumpel zu Hilfe eilt. – 8/10

01/2025, #31: Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers (D 2019, Sharon von Wietersheim)

Reboot der Filmreihe aus den 1950er Jahren, die diese mit einer für jüngere Teenager ausgerichteten Handlung ins Hier und Jetzt transportiert. Die dargebotenen Konflikte und der mit diesen einhergehende Plotverlauf unterscheiden sich nur marginal von denen aus den anderen deutschen Pferdefilmen aus den letzten Jahren und auch bei der Figurenzeichnung lässt Regisseurin Sharon von Wietersheim praktisch kein Klischee aus. Was hier allerdings im direkten Vergleich zu den OSTWIND-Filmen auffällt ist die Tatsache, dass die Macher dieses Streifens hier schon um maximale Glaubwürdigkeit ihrer vorhersehbaren Handlung bemüht gewesen sind und dieser Film weitaus geerdeter und realistischer erscheint als die vorgenannten Genrebeiträge. – 7/10

01/2025, #32: (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 (D 2004, Michael Herbig)

Re-Watch! Das jetzige Wiedersehen nach über 20 Jahren hat gezeigt, dass ich diesem grenzdebilen Klamauk mittlerweile weitaus milder gegenüber stehe als beim damaligen Kinobesuch. Die Tatsache, dass der Film nur rund eine halbe Stunde lang als STAR TREK-Spoof funktioniert und sich die Protagonisten aufgrund des Zeitreiseplots danach durchs Mittelalter und den Wilden Westen albern hat mich damals noch richtiggehend wütend gemacht, wenn man weiß, was einen erwartet, fällt dies aber gar nicht mehr so sehr ins Gewicht. Natürlich ist das hier in allererster Linie eine komplette Flachwitzparade zum Fremdschämen, die eine oder andere Sequenz ist dann aber doch so komplett bescheuert, dass man sich gegen ein herzhaftes Lachen nicht mal mehr wehren kann. – 5/10

01/2025, #33: The Velvet Underground (USA 2021, Todd Haynes)

Ungemein faszinierende Dokumentation über die titelgebende Band, die einst im Umfeld von Andy Warhol ihren großen Durchbruch schaffte. Regisseur Todd Haynes erzählt deren Geschichte und die ihrer einzelnen Mitglieder sowohl mit einer überwältigenden Menge an Archivmaterial, bestehend aus Fotos, Bewegtbildern und Off-Kommentaren, als auch mit aktuellen Statements noch lebender Bandmitglieder und Weggefährten. Herausgekommen ist ein wilder, visuell einzigartiger Mix, der als perfekte Zeitkapsel funktioniert und den Zuschauer auf einen regelrechten Trip mit in die Vergangenheit nimmt. Für Fans von The Velvet Underground dürfte diese Dokumentation unverzichtbar sein. – 8/10

01/2025, #34: Marvel One-Shot: All Hail the King (USA 2014, Drew Pearce)

Im fünften zum MCU gehörenden Kurzfilm dreht sich alles um den von Ben Kingsley erneut kongenial verkörperten Mandarin, der nach den Ereignissen im dritten IRON MAN-Film nun im Gefängnis einsitzt und von einem Filmemacher besucht wird, der eine Dokumentation über ihn drehen will. Ben Kingsley reißt jede einzelne Szene an sich, am Ende gibt es einen netten Twist und im Abspann dann sogar noch einen witzigen Auftritt von Sam Rockwell, der hier als Justin Hammer, einem der Fieslinge aus IRON MAN 2, im selben Gefängnis einsitzt wie der Mandarin. – 8/10

01/2025, #35: Sebastian Fitzeks Der Heimweg (D 2024, Adolfo J. Kolmerer)

Verfilmung des gleichnamigen Romans von Sebastian Fitzek, in der eine Frau in das Visier eines Serienkillers gerät und deren einzige Hoffnung ein ehrenamtlicher Mitarbeiter eines Begleittelefonservices zu sein scheint, der sie am Telefon durch die Nacht begleitet. Mitunter wirkt das zwar alles schon sehr konstruiert und ist auch nicht frei von diversen Logiklöchern, für Zuschauer wie mich, die das zugrundeliegende Buch nicht kennen, ist das vor allem im Schlussdrittel aber auch ungemein spannend und wartet zudem mit einem ziemlich tollen Plottwist auf. – 7/10

01/2025, #36: Captain America: The Winter Soldier (USA 2014, Anthony Russo / Joe Russo)

Re-Watch! Das zweite Solo-Abenteuer von Captain America lässt diesen gemeinsam mit Scarlett Johansson als Black Widow und Anthony Mackie als Falcon gegen eine riesige Verschwörung in den eigenen Reihen ankämpfen. CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER erinnert mit seinem Plot an typische Spionagethriller der 1970er Jahre, ist dabei wirklich extrem spannend inszeniert und überzeugt – wie man das von den Filmen des MCU aus den frühen Phasen auch nicht anders erwartet – mit ein paar schlicht atemberaubenden Action Set Pieces. – 8/10

01/2025, #37: The Ministry of Ungentlemanly Warfare (TR/UK/USA 2024, Guy Ritchie)

Auf wahren Begebenheiten beruhende Kriegskomödie, in der sich eine Gruppe wagemutiger Freiwilliger zu Zeiten des 2. Weltkriegs im Auftrag des britischen Premierministers Winston Churchill auf eine ebenso geheime wie gefährliche Mission begeben um deutsche U-Boote kampfunfähig zu machen. Regisseur Guy Ritchie hat den Film in dem für ihn so typischen Stil inszeniert und die Geschichte mit rabenschwarzem Humor, skurrilen Charakterzeichnungen, derben Gewaltspitzen und spektakulären Actioneinlagen durchsetzt. Würde sicher perfekt im Double Feature mit Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS funktionieren. – 8/10

01/2025, #38: Land of Bad (AUS/USA 2024, William Eubank)

Russell Crowe als Dronenpilot der verzweifelt versucht, einen unerfahrenen Soldaten nach einer fehlgeschlagenen Spezialmission aus dem philippinischen Dschungel zu retten. LAND OF BAD erfindet das Rad definitiv nicht neu, ist für einen Actionfilm jüngeren Datums aber erfreulich altmodisch geraten und hätte so auch in den 1980er Jahren in die Kinos kommen können. Regisseur William Eubank hat seinen Film komplett schnörkellos – ohne jegliche ironische Brechungen oder sonstige humoristische Auflockerungen – inszeniert, mit druckvollen und auch die nötige Härte nicht vermissenden Actionsequenzen garniert und insbesondere im Finale dann auch viel Wert auf dramatische Suspense gelegt. Und so fette Explosionen wie hier habe ich bei neueren Actionfilmen gefühlt noch überhaupt nicht zu Gesicht bekommen. – 8/10

01/2025, #39: Die Chaosschwestern und Pinguin Paul (B/D 2024, Mike Marzuk)

Vier chaotische Schwestern versuchen einen ihnen zugelaufenen Pinguin zurück in den Zoo zu bringen und vor einem fiesen Magierduo zu beschützen, welches das Tier hat entführen lassen um es für seine Show zu benutzen. Regisseur Mike Marzuk hat seinen Film, in dessen Mittelpunkt das Kinder- und Jugendfilm-Thema Nr. 1 – nämlich Zusammenhalt und Vertrauen – steht, ebenso rasant wie liebevoll inszeniert und profitiert von seinen vier gänzlich unterschiedlichen Kinderdarstellerinnen, die hier ihre schwesterlichen Zwistigkeiten überwinden müssen und dabei allesamt schauspielerisch eine richtig gute Figur abgeben. – 7/10  

01/2025, #40: Roxanne (USA 1987, Fred Schepisi)

Moderne „Cyrano de Bergerac“-Variante in der Steve Martin einen intelligenten und einfühlsamen Feuerwehrmann spielt der mit einem körperlichen Handicap in Gestalt einer überdimensional großen Nase zu kämpfen hat und dem es über Umwege dann doch gelingt, bei der bezaubernden Daryl Hannah zu landen. ROXANNE ist ziemlich einfach gestrickt und erzählt seine Geschichte ohne allzu große Tragik auf ungemein liebevolle und charmante Art und Weise. Ein Film, der das Potential hat über die komplette Laufzeit für gute Laune und eine positive Stimmung bei seinen Zuschauern zu sorgen. – 7/10

01/2025, #41: Monk: Season 4 (USA 2005/2006, Andy Breckman)

16 erneut grundsolide, vergnügliche und kurzweilige Episoden rund um den titelgebenden Adrian Monk, der geplagt von unzähligen Ticks und zwanghaften Verhaltensweisen auf geniale Art und Weise knifflige Kriminalfälle zu lösen versteht. Die Konstruktion der verschiedenen Fälle und deren jeweilige Auflösung ist weiterhin ungemein kreativ und abwechslungsreich geraten und auch die vielfältigen obskuren Macken von Monk, auch wenn sich einige mittlerweile schon sehr wiederholen, sorgen immer wieder für Lacher und sind in dieser Staffel sogar witziger als je zuvor. Diese vierte Season war tatsächlich die erste, in der es echte Highlight-Episoden gab – bpsw. die Folge mit der Hochzeit, die Episode mit dem Diamanten oder auch die finale Geschichte in der Monk als Geschworener verpflichtet wurde – und bei der ich stellenweise tatsächlich Tränen lachen konnte. – 7/10-8/10

01/2025, #42: Agents of S.H.I.E.L.D.: Season 1 (USA 2013/2014, Maurissa Tancharoen/Jed Whedon/Joss Whedon)

Im Mittelpunkt der ersten TV-Serie, die parallel zu den Filmen aus dem MCU veröffentlicht wurde steht der in THE AVENGERS getötete Agent Phil Coulson, der, so erfährt man hier, von Nick Fury mit Hilfe geheimer Technologie wieder ins Reich der Lebenden zurückgeholt wurde. Diese erste Staffel schließt in der Timeline an THE AVENGERS an und reagiert inhaltlich jeweils auch auf die Ereignisse des zweiten Thor-Films und des zweiten Captain America-Films, die beide während diese Staffel im TV lief im Kino veröffentlicht wurden. Anfangs sind die einzelnen Episoden noch größtenteils in sich abgeschlossen und der rote Faden, der alles verbindet, läuft eher im Hintergrund ab. Ab Mitte der Staffel entwickelt sich dann aber doch ein größerer Plot, der zum Staffelfinale hin immer spannender wird. Die 22 Episoden haben mir persönlich richtig viel Spaß gemacht, vor allem auch als in einem Superheldenuniversum spielende THE X-FILES-Variante, als die man die Serie vor allem in der ersten Staffelhälfte definitiv bezeichnen könnte. – 7/10

01/2025, #43: Little Big Mouth (ZA 2021, Gray Hofmeyr / Ziggy Hofmeyr)

Romantische Komödie aus Südafrika in der ein kleiner Junge mit Hilfe seines Großvaters mit allen Mitteln versucht, die sich anbahnende Beziehung seiner Mutter mit einem mittellosen Musiker zu torpedieren. LITTLE BIG MOUTH ist – sieht man mal vom dramatischen und ziemlich konstruiert wirkenden Stilbruch im Finale ab – ein komplett harmloser Film, bei dem man guten Gewissens jegliche Gehirntätigkeit einstellen und sich über 90 Minuten sanft berieseln lassen kann. Es gibt ein paar nette Gags, eine sanfte Prise angedeuteten Gross-Out-Humors und ein aufgesetzt wirkendes und komplett kitschiges Happy End, welches aber auch irgendwie zum Soap-Opera-Look des über weite Strecken an Vorabendserien aus dem Privatfernsehen erinnernden Films passt. – 5/10

01/2025, #44: You’re Cordially Invited (USA 2025, Nicholas Stoller)

Als eine begehrte Hochzeits-Location an einem Wochenende versehentlich doppelt vergeben wird kommt es zum heftigen Konkurrenzkampf zweier Hochzeitsgesellschaften, bei dem die beiden Rädelsführer in Gestalt von Will Ferrell und Reese Witherspoon mit durchaus harten Bandagen gegeneinander antreten und dabei für alle Beteiligten unangenehme Wahrheiten ans Licht kommen. Stollers Film hat seine Momente und ist auch über seine eigentlich viel zu lange Laufzeit von knapp 2 Stunden durchaus unterhaltsam geraten, kämpft über die komplette Laufzeit aber auch mit einer gewissen Unentschlossenheit, schwankt er doch zwischen überdrehter Komödie und dysfunktionalem Familiendrama mit ernsten Untertönen immer wieder hin und her und ist dabei für das eine zu nachdenklich und für das andere zu albern geraten. – 6/10

02/2025, #1: Pluto Junior (USA 1942, Clyde Geronimi)

Klassischer Disney-Cartoon, in dem ein herumliegender Ball eine Kettenreaktion auslöst und Pluto samt seinem Sprössling in diverse Slapstick-Situationen verwickelt, was für eine stattliche Anzahl komischer Momente in gerade mal 7 Minuten Laufzeit sorgt. – 7/10

02/2025, #2: Guardians of the Galaxy (UK/USA 2014, James Gunn)

Re-Watch! Maximales Entertainment im vierten Film der zweiten MCU-Phase, der fast wie losgelöst von den bisherigen Filmen wirkt, stellten die Infinity-Steine bisher ja nur eine Randnotiz innerhalb des großen Ganzen dar. Die Filme rund um die Guardians gehören ja zu den absoluten Fan-Favoriten, was aufgrund der federleichten Inszenierung, der visuell beeindruckenden CGI-Welten, der höchst unterhaltsamen Verknüpfung von spektakulären Action Set Pieces und coolen Sprüchen und des mehr als eingängigen Soundtracks auch durchaus nachvollziehbar ist. Für mich selbst gehört zumindest dieser erste Film – wie bereits bei der damaligen Erstsichtung – zu den eher schwächeren Filmen des MCU. Dieser Eindruck hat sich jetzt, da ich mir dieses Universum mit all seinen Kinofilmen, Kurzfilmen und TV-Serien in der Reihenfolge der Veröffentlichung erschließe und die Abstände zwischen dem Ansehen der einzelnen Filme relativ gering sind, sogar noch verstärkt, da Gunns Film das zusätzliche Problem hat, dass er dem wirklich packenden CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER folgt. – 7/10

02/2025, #3: Love & Basketball (USA 2000, Gina Prince-Bythewood)

Tolle Mischung aus Sport- und Liebesdrama in dem sich Kindheitsfreunde zwischen ihren Gefühlen zueinander und einer jeweils vielversprechenden Karriere auf dem Basketball-Court entscheiden müssen. Der Film kommt zwar nicht ganz ohne gewisse Klischees aus, überzeugt aber mit seiner ungemein starken Frauenrolle, seiner authentisch wirkenden Geschichte und seinen durch die Bank überzeugenden, schauspielerischen Leistungen. Vor allem Sanaa Lathan in der weiblichen Hauptrolle spielt schlicht umwerfend. – 8/10

02/2025, #4: First Knight (UK/USA 1995, Jerry Zucker)

Eine der vielen Verfilmungen der Artussage, die sich in erster Linie auf Lancelots geheime Liebe zu Guinevere, der Gattin von König Arthur, konzentriert und dieses Dilemma inmitten der blutigen Auseinandersetzungen Arthurs mit dem abtrünnigen Ritter Malagant platziert. FIRST KNIGHT ist eine Mischung aus Action-Adventure-Spektakel und großem Liebesmelodram, präsentiert mit Richard Gere als Lancelot, Sean Connery als Arthur und Julia Ormond als Guinevere eine zumindest den Namen nach ziemlich großartige Besetzung, welche allerdings nicht verhindern kann, dass Zuckers Film mit zunehmender Laufzeit immer mehr im Kitsch und Camp versinkt. Vor allem im Finale ist da schon sehr viel absurde Theatralik in der Darstellung der verschiedenen Figuren dabei und fast könnte man meinen, dass Regisseur Jerry Zucker, einer der kreativen Köpfe hinter der THE NAKED GUN-Trilogie und ähnlichem Klamauk, die Artussage durch seine Art der Inszenierung mit voller Absicht exakt so albern darstellen wollte wie sie in manchen Sequenzen rüberkommt. – 7/10

02/2025, #5: Die drei ??? und der Karpatenhund (D 2025, Tim Dünschede)

Sequel des zwei Jahre zuvor herausgekommenen Reboots rund um die Abenteuer der drei Jungdetektive, die hier von einem verzweifelten Witwer beauftragt werden, unheimliche und scheinbar übernatürliche Vorkommnisse in seinem Apartment aufzuklären und dabei in einen mysteriösen Fall hineingezogen werden, in dessen Mittelpunkt ein gestohlenes Kunstwerk steht. Die Suche nach dem titelgebenden Karpatenhund hat mir als erwachsenem Zuschauer sogar noch ein bisschen besser gefallen als der Vorgängerfilm, was insbesondere an der herrlich skurrilen Ansammlung diverser Tatverdächtiger, dem durchaus spannenden umgesetzten Plot mit seinem wunderbaren Mystery-Touch und der einen oder anderen leicht verträglichen, das kindliche Zielpublikum aber im ersten Moment doch fordernden Gruselsequenz lag. Mia saß wie gebannt neben mir im Kinosessel und hatte sichtlich Spaß daran, sich immer wieder ein kleine bisschen erschrecken zu lassen. – 7/10

02/2025, #6: Earthquake Bird (J/UK/USA 2019, Wash Westmoreland)

Verschachtelt erzählter Mystery-Thriller, in dessen Mittelpunkt eine nach Japan ausgewanderte Schwedin steht, die dort als Übersetzerin arbeitet und deren Leben durch zwei schicksalhafte Begegnungen nachhaltig verändert wird. Ich mochte vor allem die ungemein intensive Atmosphäre des Films und dessen extrem ruhige Erzählweise, die mit ihren verschiedenen Rückblenden für einen fast schon kriechend langsamen Spannungsaufbau sorgte. – 7/10

02/2025, #7: Ponyherz – Wild und frei (B/D 2023, Markus Dietrich)

In Dietrichs Film, der auf einer Buchreihe basiert, geht es um eine jugendliche Außenseiterin, die eine wilde Pferdeherde vor fiesen Pferdedieben zu schützen versucht. Auch im Zentrum dieser Mischung aus Pferde- und Coming-of-Age-Film stehen die für Kinder- und Jugendfilme so wichtige Themen wie Freundschaft, Mut und Zusammenhalt und auch wenn PONYHERZ wahrhaftig nicht frei von Klischees erscheint, so wirkt er doch geerdeter, glaubwürdiger und authentischer als so manch anderer Film aus diesem Bereich (und ich habe in den letzten zwei Jahren mit Mia sehr viele solcher Filme gesehen). Mia meinte auf jeden Fall, dass dies der beste Pferdefilm gewesen sei, den sie bisher gesehen hat. Wie sollte man dem anvisierten Zielpublikum bitte widersprechen? – 7/10

02/2025, #8: Deus ex Machina: The Philosophy of ‚Donnie Darko‘ (USA 2016, Daniel Griffith)

Ungemein interessante und dabei im höchsten Maße unterhaltsame Dokumentation in Spielfilmlänge, die praktisch alle Aspekte rund um die Entstehung des Kultfilms DONNIE DARKO beleuchtet. Für Fans des Films nahezu unverzichtbar. – 8/10

02/2025, #9: The Tramp and the Dictator (UK 2002, Kevin Brownlow / Michael Kloft)

Eine aufgrund der recht überschaubaren Laufzeit von knapp einer Stunde mitunter etwas zu gehetzt wirkende Dokumentation, welche die Lebensläufe von Charlie Chaplin und Adolf Hitler nebeneinanderlegt und dabei aber auch immer die Entstehungsgeschichte von Chaplins antifaschistischem Meisterwerk THE GREAT DICTATOR im Fokus hat. Die Parallelisierung des Künstlers und des Diktators ist ebenso interessant wie faszinierend und schockierend und stimmt heute und vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen wahrscheinlich noch weitaus nachdenklicher als sie es zum Zeitpunkt des Erscheinens der Dokumentation vor über 20 Jahren getan hat. – 8/10

02/2025, #10: Lassie – Ein neues Abenteuer (D 2023, Hanno Olderdissen)

Familienunterhaltung mit dem wohl berühmtesten Hund der Welt, der hier einen großen Teil dazu beiträgt, dass ein ebenso fieses wie schusseliges Duo von Hundeentführern zur Strecke gebracht wird. Das ist einer dieser Filme, bei denen man selbst ein Kindergartenkind unbeaufsichtigt zuschauen lassen könnte, so gänzlich harmlos und kindergerecht ist dieses kurzweilige und in all seiner Naivität auch grundsympathische Abenteuer ausgefallen. – 6/10

02/2025, #11: Agent Carter: Season 1 (USA 2015, Christopher Markus/Stephen McFeely)

Innerhalb der Timeline des MCU schließt diese erste Staffel unmittelbar an den ersten Captain-America-Film sowie den Agent-Carter-Kurzfilm an und lässt die erneut von Hayley Atwell gespielte Agentin einer geheimen Regierungsoperation hier als Doppelagentin für Iron-Man-Vater Howard Stark agieren, dem einige gefährliche Erfindungen geklaut wurden, mit denen nun verschiedene Verbrechen verübt werden und der dadurch ins Visier der Behörden geraten ist. AGENT CARTER fängt relativ ruhig und gemächlich an, steigert sich im Lauf der 8 Episoden aber deutlich und mündet schließlich in ein ziemlich tolles Finale. – 7/10

02/2025, #12: Acción mutante [aka Mutant Action] (E/F 1993, Álex de la Iglesia)

In einer dystopischen Zukunft spielender Mix aus Action, Science-Fiction und rabenschwarzer Komödie, in dessen Zentrum eine Gruppe von Menschen mit Behinderung steht, die eine terroristische Vereinigung gegründet haben und zur Durchsetzung ihrer durchweg kriminellen Ziele skrupellos über Leichen gehen. Regisseur Álex de la Iglesia sprengt dabei sämtliche Grenzen des guten Geschmacks, schwelgt in bitterbösem Humor und lässt ein wildes Feuerwerk aus Actionszenen, Splattereinlagen und Slapsticksequenzen auf seine Zuschauer los, die ob des dargebotenen Irrsinns sicher in nicht wenigen Momenten kaum glauben können, wie ihnen hier geschieht. – 8/10

02/2025, #13: Ein Käfer geht aufs Ganze (CH/D 1971, Rudolf Zehetgruber)

Auftaktfilm der insgesamt fünf Filme umfassenden Reihe um den gelben Wunderkäfer Dudu, der weitaus mehr ist als ein herkömmliches Auto und in seinem ersten Leinwandabenteuer an einer gefährlichen Rallye quer durch Afrika teilnehmen muss. Inspiriert wurden die Filme natürlich vom US-Vorbild Herbie, einem VW Käfer, der ab Ende der 1960er Jahre die amerikanischen Straßen unsicher machte. Regisseur Zehetgruber, der auch die Hauptrolle des Dudu-Fahrers Ben übernahm, hat den Film on Location in Tansania gedreht, mit allerlei Stock Footage ausgestattet, und so eine komplett krude Mischung aus albernem Klamauk und fast schon dokumentarisch anmutenden Szenen vom (Wildtier-)Leben in Afrika erschaffen. Der Unterhaltungswert ist hoch, die zahlreichen Miniaturszenen ungemein putzig und als solche immer zu erkennen und die Anzahl der Continuity-Fehler dürfte sich im hohen dreistelligen Bereich bewegen. – 6/10

02/2025, #14: Alle Kätzchen naschen gern (D 1969, Jozef Zachar)

Frivole Komödie die zur napoleonischen Zeit spielt und in deren Zentrum die Streitigkeit zwischen einem Baron und einem Oberst um die Besitzansprüche eines alten Schlosses steht, die sich schon bald zuzuspitzen droht als unerwarteter Besuch in Gestalt der bezaubernden Edwige Fenech im Schloss eintrifft. Am Ende des Tages besteht Zachars Klamauk aus einer Abfolge kindischer Albernheiten, garniert mit jeder Menge „gratuitous nudity“, die man so in einem Film aus den späten 1960er Jahren vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, und einer schmissigen Brandt-Synchro (die meisten Schauspieler wurden im Studio nachsynchronisiert). Das ist alles durchaus nett anzusehen, wirkt mit zunehmender Laufzeit aber leider auch etwas ermüdend. – 5/10

02/2025, #15: The Mission (F/UK/USA 1986, Roland Joffé)

Mischung aus Historiendrama sowie Abenteuer- und Actionfilm, in dem Robert De Niro und Jeremy Irons Ende des 18. Jahrhunderts verzweifelt versuchen einen Stamm indigener Ureinwohner in Südamerika vor der brutalen Vertreibung durch die portugiesischen Invasoren zu beschützen. THE MISSION ist über weite Strecken sehr ruhig erzählt, schwelgt in atemberaubend schönen Bildern, setzt durch einzelne Actionszenen gezielte Nadelstiche und mündet schließlich in einem Finale, das einem als Zuschauer den Boden unter den Füßen wegzieht. – 7/10

02/2025, #16: Monk: Season 5 (USA 2006/2007, Andy Breckman)

An echten Highlights zwar wieder etwas ärmere, insgesamt betrachtet aber noch immer grundsolide und zur unbedarften Berieselung nach einem nervigen Arbeitstag perfekte geeignete Staffel Nr. 5 rund um den an unzähligen Phobien und Ticks leidenden Adrian Monk, der hier erneut einige ungemein kreativ konstruierte Kriminalfälle auf seine eigene Art und Weise zu lösen versteht. Höhepunkte innerhalb der 16 Episoden war die Folge mit dem Leprakranken, die Folge mit Monk als Butler, die Folge mit dem abgrundtief zynischen Radio-DJ, die Folge mit dem vermeintlichen Serienkiller samt Großeinsatz des FBI und die finale Folge, in der sich Monk mit Nasenbluten ins Krankenhaus einliefern lässt. – 7/10

02/2025, #17: Building a Building (USA 1933, David Hand)

Früher und mit ungemein martialischem Slapstick-Humor ausgestatteter Cartoon aus dem Hause Disney, in dem Minnie Mouse auf einer Baustelle für allerlei Chaos sorgt. Hands Kurzfilm bietet eine frühe Version der irrsinnigen Kettenreaktion am Bau aus THE MONEY PIT mit Tom Hanks und könnte zudem als Inspiration für das Maschinengewehrbein von Rose McGowan in Rodriguez‘ PLANET TERROR gedient haben. – 7/10

02/2025, #18: Bone Trouble (USA 1940, Jack Kinney)

Moralisch durchaus fragwürdiger und die Vorschriften der damaligen Zensurbehörde komplett unterlaufender Cartoon, in dem Pluto einer Dogge den Knochen klaut, von dieser anschließend in einer irrsinnigen Verfolgungsjagd, die ihren Höhepunkt in einer ungemein kreativen Sequenz in einem Spiegelkabinett findet, gejagt wird und letztendlich doch als Sieger hervorgeht. Verbrechen lohnt sich zumindest in diesem Kurzfilm dann doch. – 7/10

02/2025, #19: Millennial Punk – Eine Subkultur in Zeiten der Digitalisierung (D 2024, Diana Ringelsiep / Felix Bundschuh)

4-teilige Doku-Miniserie, die einen ungemein unterhaltsamen und kurzweiligen Blick auf die letzten 25 – 30 Jahre in der Geschichte des (Deutsch-)Punk wirft, u.a. Mitglieder verschiedenster Bands wie WIZO, Donots, Terrorgruppe, Die Toten Hosen, Pascow, Adam Angst, ZSK, usw. zu Wort kommen lässt und dabei so komplett unterschiedliche Themengebiete wie Aktivismus, Rebellion, Raubkopien, soziale Medien und dem Kampf gegen Sexismus innerhalb der Szene anreißt. Mitunter wirkt der Themenmix vielleicht etwas arg holprig, sprunghaft oder gar konfus, für Punkrock-Fans ist diese Doku aber definitiv sehenswert. – 8/10

03/2025, #1: Hotel Rwanda (I/UK/USA/ZA 2004, Terry George)

Eindringliches und in nicht wenigen Momenten immer wieder zu Tränen rührendes Drama, in dem der Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 im Mittelpunkt steht und das die wahre Geschichte eines Mannes erzählt, der als Manager eines Luxushotels zum Lebensretter wurde, indem er das Hotel heimlich zur Flüchtlingsunterkunft umwandelte und so über 1.000 Menschen das Leben rettete. Georges Film ist toll gespielt, erzählt seine wahre Geschichte auf ebenso erschütternde wie ungemein berührende Art und Weise und trifft den empathischen Zuschauer damit mitten ins Herz. – 9/10

03/2025, #2: The Oscars (USA 2025, Hamish Hamilton / Scott Gairdner)

Das alljährliche Schaulaufen der Stars wurde mit Conan O’Brien in diesem Jahr von einem etwas gewöhnungsbedürftigen und ich meine auch etwas unsicheren Gastgeber moderiert und mit teilweise etwas planlosen Showeinlagen garniert – warum zum Teufel gab es keinen David-Lynch-Tribute? -, punktete aber auch mit ein paar absoluten Highlights, wie z.B. dem kurzen Auftritt von Adam Sandler im Hoodie und der famosen Montagesequenz, welche die Show mit einer Liebeserklärung an Los Angeles einleitete. Wer am Ende des Tages die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen darf, ist mir persönlich meist ziemlich egal – ich mag einfach dieses 3-stündige Eintauchen in diese obskure Parallelwelt -, die Tatsache, dass mit ANORA genau der Film, der mich von allen nominierten Filmen tatsächlich am meisten interessiert, 5 Oscars – und in nicht gerade unwichtigen Kategorien – gewinnen konnte, hat mich dann aber schon ziemlich gefreut. – 7/10

03/2025, #3: Urgh! A Music War (USA 1981, Derek Burbidge)

In der mir vorliegenden Schnittfassung präsentiert URGH! A MUSIC WAR einen gut 2-stündigen Zusammenschnitt von Live-Auftritten diverser Künstler, die zu einem Großteil der damaligen (Post-)Punk- und Wave-Szene zuzuordnen sind, und stellt damit einen ebenso faszinierenden wie elektrisierenden und mitreißenden Einblick in die Musikszene der späten 1970er und frühen 1980er Jahre dar. Der Film funktioniert als Zeitkapsel mit seiner hohen Anzahl an teilnehmenden Künstler ganz vorzüglich. – 8/10

03/2025, #4: 実録おんな鑑別所 性地獄 [aka True Story of a Woman in Jail: Sex Hell] (J 1975, Kôyû Ohara)

Typischer Vertreter des WIP-Subgenres, der allerlei reißerische Momente, diverse Geschmacklosigkeiten und viel nackte Haut aneinanderreiht, dabei aber leider auch vergisst, zumindest halbwegs interessante Charaktere zu kreieren oder eine auch nur im Ansatz spannende Geschichte zu erzählen. Lohnenswert somit ausschließlich für seine zahlreichen Schauwerte. – 5/10

03/2025, #5: 続実録おんな鑑別所 [aka True Story of a Woman in Jail: Continues] (J 1975, Kôyû Ohara)

In der im selben Jahr erschienenen Fortsetzung haut Regisseur Kôyû Ohara seinem Zuschauer sogar noch mehr Schauwerte und Geschmacklosigkeiten um die Ohren als in dem sowieso schon nicht an solchen Sequenzen sparenden Vorgänger vorhanden waren, schafft es allerdings abermals nicht sein Publikum in irgendeiner Weise für seine Charaktere oder seine Story zu interessieren. Genrefans können gerne einen Blick riskieren, aber auch dieser zweite Teil dürfte einer dieser WIP-Filme sein, die man sich einmal im Leben und dann nie wieder ansieht. – 5/10

03/2025, #6: セックス・ハンター 濡れた標的 [aka Sex Hunter: Wet Target] (J 1972, Yukihiro Sawada)

Rape & Revenge-Streifen, der zumindest im Ansatz das Potential eines richtig guten Films offenbart, dieses dann aber durch die reine Konzentration auf diverse fragwürdige Schauwerte doch wieder komplett torpediert. Nur ein bisschen mehr Sorgfalt bei der Entwicklung von Charakteren und etwas mehr Augenmerk auf einen gewissen Spannungsaufbau würde diesen Nikkatsu-Filmen deutlich gut tun. – 5/10

03/2025, #7: セックスハンター 性狩人 [aka Sex Hunter] (J 1980, Toshiharu Ikeda)

Die umtriebigen Nikkatsu-Studios haben sich für diesen Film ganz eindeutig an Argentos SUSPIRIA orientiert und schicken eine junge Balletschülerin in eine renommierte Balletschule und lassen diese dort durch ein Martyrium sondergleichen gehen. Was diesen Film von den zuvor gesehenen Genrebeiträgen positiv unterscheidet ist die Tatsache, dass er über eine wirklich exquisite Kameraarbeit verfügt. Was Charakterzeichnung und Plot angeht offenbart er allerdings dieselben Schwächen wie die anderen Filme auch und suhlt sich stattdessen über die komplette Laufzeit in seinen Schauwerten, die im vorliegenden Fall teilweise so unfassbar extrem ausgefallen sind, dass man selbst als Liebhaber von Filmen des fragwürdigen Geschmacks an seine Grenzen gebracht wird. – 5/10

03/2025, #8: おんな刑務所 [aka Women in Prison] (J 1978, Nobuaki Shirai)

Ein weiterer WIP-Film von Nikkatsu, der im Vergleich mit den beiden TRUE STORY OF A WOMAN IN JAIL-Filmen, die ich zuvor gesehen hatte, schon fast harmlos anmutet. Charaktere und Handlung interessieren mal wieder nicht die Bohne, letztere ergibt auch bei höchster Konzentration auf den Plot überhaupt gar keinen Sinn, stattdessen regieren auch hier die Schauwerte, die allerdings weitaus weniger schockierend wirken als gewohnt und deren Wirkung zudem durch zahlreiche einfach nur alberne Szenen schon im Ansatz zu verpuffen droht. Immerhin gibt es in dieser Freigang-Sequenz einmal einen Hauch eines halbwegs gelungenen Spannungsaufbaus. – 4/10

03/2025, #9: Hausfrauen-Report (D 1971, Eberhard Schröder)

Neben den Reportfilmen über die Schulmädchen, von denen es ja 13 Stück in die Kinos geschafft hatten, dürften die Filme über die Hausfrauen mit am beliebtesten beim damaligen Publikum gewesen sein. Insgesamt 5 Fortsetzungen sollten diesem Exemplar hier folgen. Der Ablauf dieser Reportfilme ist bestens bekannt. Unter dem Vorwand des investigativen Journalismus werden mehr oder weniger harmlose Sexfilm-Episoden aneinandergereiht und durch höchst unterhaltsame Interviewsequenzen in der Münchner Innenstadt miteinander verbunden. Das hat zwar alles keinerlei Niveau oder Substanz, entbehrt aber nicht einem gewissen, obskuren Unterhaltungswert. – 5/10

03/2025, #10: Hausfrauen-Report II. Teil (D 1971, Eberhard Schröder)

Im selben Jahr wie der Vorgänger erschienen und wahrscheinlich back to back mit diesem abgedreht, verfolgt Eberhard Schröder die selbe Masche wie zuvor und erzielt damit auch die exakt selben Unterhaltungswerte wie zuvor. – 5/10

03/2025, #11: Hausfrauen-Report 3. Teil (D 1972, Eberhard Schröder)

Ich habe mir jetzt tatsächlich die ersten drei Filme der Hausfrauen-Report-Reihe hintereinander angesehen und ich muss schon sagen, dass das Gezeigte, welches sich auch im dritten Film höchstens in Nuancen von den Vorgängern unterscheidet, langsam aber sich doch etwas ermüdend wirkt. Das ist schon alles sehr repetitiv geraten. An diesem dritten Film hier hat es vor allem Spaß gemacht, Sascha Hehn und Jochen Busse in ganz frühen Peinlichkeiten ihrer Karriere zu entdecken. Und diese Tristesse der Innenausstattung deutscher Wohnungen in den frühen 1970er Jahren ist auch die absolute Schau. – 5/10

03/2025, #12: Beim Jodeln juckt die Lederhose (D 1974, Alois Brummer)

Sexfilm-Klamauk in dessen Mittelpunkt das bunte Treiben in einem Hotel in den Tiroler Bergen zur Skisaison steht und in dem u.a. Konstantin Wecker in einer der Hauptrollen zu sehen ist und dabei exakt so aussieht wie Mads Mikkelsen. Brummer präsentiert stereotype Charaktere, grenzdebile Gags und viel nackte Haut, setzt das alles aber mit so einem unwiderstehlich naiven Charme um, dass man nicht umhin kommt, sich von dem dargebotenen Blödsinn tatsächlich ziemlich gut unterhalten zu fühlen. – 6/10

03/2025, #13: Kursaison im Dirndlhöschen (D 1981, Alois Brummer)

Erschienen im Jahr 1981 ist das hier schon einer der späteren Beiträge zur deutschen Softsexfilmwelle. Hier geht es um ein kleines Dorf, dass in Form seines streitbaren Bürgermeisters verzweifelt gegen die Eingemeindung kämpft, wobei praktisch alle Einwohner nebenher noch genügend Zeit finden, sich der schönsten Nebensache der Welt hinzugeben. In diesem Film versteckt sich sogar ein echter Plot, der neben den zahlreichen Sexszenen praktisch so nebenher läuft und der sogar mit einem herrlich bescheuerten Heist-Movie-Element überrascht. – 6/10

03/2025, #14: Lehrmädchen Report (D 1972, Ernst Hofbauer)

Regisseur Ernst Hofbauer bietet mit seinem LEHRMÄDCHEN REPORT pure Exploitation, dramatisiert die angeblich schreckliche Ausbeutungssituation junger Lehrmädchen in diversen Episoden über alle Maßen und lässt diese sich marktschreierisch durchs halbe Strafgesetzbuch kopulieren. Von Vergewaltigung über Körperverletzung bis hin zur Nötigung und Erpressung wird hier alles geboten und herrlich schmierig ausgewalzt. Ein obskures Produkt seiner Zeit und ein besonders reißerisches Exemplar unter den ganzen Reportfilmen. – 6/10

03/2025, #15: Hausfrauen-Report 4. Teil (D 1973, Eberhard Schröder / Quirin Steiner)

Der Hausfrauen-Report geht in die 4. Runde und unterscheidet sich von den drei Vorgängerfilmen vor allem dadurch, dass auf die verschiedenen Interviewsequenzen komplett verzichtet wurde und die einzelnen Episoden nun durch eine echte Rahmenhandlung zusammengehalten werden. Gernot Möhner, der erneut in der Rolle des Reporters Bernd Mittler zu sehen ist, sitzt hier nämlich in einem Zugabteil, wird von seinen Mitreisenden als der Typ aus den Hausfrauen-Report-Filmen erkannt – die Macher legen also durchaus so etwas wie Selbstironie an den Tag – und kommt daraufhin mit diesen ins Gespräch in dessen Zentrum natürlich erneute das Sexleben frustrierter Hausfrauen steht. Qualitativ heben sich die verschiedenen Episoden in keiner Weise von denen aus den Vorgängerfilmen ab, die wirklich nette und witzige Rahmenhandlung im Zugabteil macht diesen Film hier aber zum bisher Besten der Reihe. – 5/10

03/2025, #16: Hausfrauen-Report international (D 1973, Ernst Hofbauer)

Die Interviewsequenzen sind im fünften Film genauso zurück wie Gernot Möhner, der als Reporter nun Fragen in den Fußgängerzonen diverser Großstadtmetropolen dieser Welt stellt. Das soll dem ganzen wohl etwas internationalen Flair vermitteln, die einzelnen Episoden, die gezeigt werden, spulen aber auch ein weiteres Mal lediglich diverse Klischees von frustrierten Hausfrauen ab und am Ende steht die höchstwissenschaftliche Erkenntnis, dass es den Damen in Budapest, London oder New York auch nicht viel anders geht als denen in München und Hamburg. – 5/10

03/2025, #17: Hausfrauen 6 – Warum gehen Frauen fremd… (D 1977, August Rieger)

4 Jahre nach dem fünften Teil der Hausfrauen-Report-Reihe wurde dieser sechste Film in die Kinos gebracht und hat nicht nur nichts Neues dahingehend zu bieten, dass etwas Abwechslung ins angestaubte Report-Film-Konzept gebracht worden wäre, sondern er hat tatsächlich wortwörtlich nichts Neues zu bieten. Bei diesem sechsten Film handelt es sich nämlich um eine komplette Mogelpackung, besteht er doch ausschließlich aus Archivmaterial der ersten drei Teile, welches neu zusammengeschnitten und teilweise mit einer neuen Synchronisation versehen wurde. Das Ansehen dieses Machwerks kann man sich also guten Gewissens komplett sparen und am Ende des Tages funktioniert der Film einzig und allein als Gedächtnisexperiment, bei dem man versuchen könnte, die einzelnen Episoden dem jeweiligen Originalfilm zuzuordnen. Ein Unterfangen, bei dem ich gnadenlos gescheitert bin, was natürlich auch viel über die Nachhaltigkeit solcher Filme aussagt. – 2/10

03/2025, #18: Unterm Dirndl wird gejodelt (D 1973, Alois Brummer)

Ein weiterer Sexfilm von Regisseur Alois Brummer, in dem eine Schülerin im Mittelpunkt steht, die allerlei freiwilligen und unfreiwilligen sexuellen Erlebnissen ausgesetzt ist. UNTERM DIRNDL WIRD GEJODELT verfügt dabei im Ansatz sogar über einen Handlungsstrang im klassischen Sinne (auch wenn dieser zum Ende dann einfach im Sand verläuft, denn irgendwann ist der Film halt einfach aus), geht in meinen Augen aber – selbst für seine Entstehungszeit – etwas arg unbedarft mit ernsten Themen wie sexueller Belästigung und Missbrauch um und stellt diese inmitten dieser etwas kruden Mischung aus purem Klamauk und dramatischeren Untertönen immer wieder extrem verharmlosend dar. Als Kind seiner Zeit ist Brummers Film jedoch hochinteressant und man kann aus diesem hier wahrscheinlich weit mehr über toxische Männlichkeit und die damalige Akzeptanz und Normalität sexueller Übergriffe lernen als aus den harmloser ausgefallenen Genrebeiträgen von damals. – 6/10

03/2025, #19: FC Hollywood – Der FC Bayern und die verrückten 90er (D 2025, Nicolas Berse)

5-teilige Mini-Serie, die einen Blick auf die skandalträchtige zweite Hälfte der 1990er Jahre in der Geschichte des FC Bayern München wirft und dabei diverse Beteiligte von damals – allen voran Lothar Matthäus, Mehmet Scholl, Mario Basler, Stefan Effenberg, Thomas Strunz, u.v.a. – zu Wort kommen und in Erinnerungen schwelgen lässt. Als Fan habe ich die Skandale und Streitigkeiten damals gar nicht als so extrem wahrgenommen wie sie letztendlich gewesen sind, was wohl vor allem daran lag, dass es noch keine sozialen Medien im Internet gab und die Eskapaden hauptsächlich in den Printausgaben der Revolverpresse breitgetreten wurden. Für Fans des FCB ist dieser Blick in die Vergangenheit nahezu unverzichtbar, ist er doch ungemein kurzweilig, interessant, erhellend und erheiternd geraten. – 8/10

03/2025, #20: Urlaubsgrüße aus dem Unterhöschen (D 1973, Walter Boos)

Die Schlagzahl, mit der gerade Anfang der 1970er Jahre diese Reportfilm- und Sexkomödienwelle die deutschen Kinos flutete ist wirklich beeindruckend. Gefühlt dürfte da jede Woche ein neuer Film angelaufen sein. In diesem Exemplar hier geht es um einen Bürgermeister einer bayerischen Kleinstadt, der gleichzeitig eine Pension betreibt und gerne seine biederen und nicht gerade umsatzfreudigen Stammgäste vergraulen würde um Platz für frisches Blut aus ganz Deutschland zu machen. Hierfür heuert er zwei Werbefachleute an, die sogleich mit unkonventionellen Ideen zur Tat schreiten, wobei während der Umsetzung des Auftrags nicht gerade wenige Hüllen fallen und so einige amouröse Abenteuer erlebt werden. Das alles ist tatsächlich maximal unterhaltsam, ungemein charmant und herrlich bescheuert geraten und stellte für mich persönlich neben BEIM JODELN JUCKT DIE LEDERHOSE das bisherige Highlight meiner Sexkomödien-Sichtungen der letzten Tage dar. – 6/10

03/2025, #21: Monk: Season 6 (USA 2007/2008, Andy Breckman)

Auch die 16 Episoden der 6. Staffel werden nie langweilig und mittlerweile hat man Tony Shalhoub als Monk und seine diversen Co-Stars so sehr ins Herz geschlossen, dass es gar nicht weiter stört, dass diese Staffel mit Ausnahme der Nudisten-Folge eigentlich keine echten Highlights zu bieten hat und eher als solide und kurzweilige Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Episode gemütlich vor sich hin plätschert. – 7/10

03/2025, #22: Sex-Träume Report (D 1973, Walter Boos)

Der fragwürdigen Kreativität, mit der auch jedes noch so abstruse Thema für einen schlüpfrigen Reportfilm verwurstet wurde, muss man schon auch irgendwie Respekt zollen. Hier ist Genre-Veteran Claus Tinney als Diplom-Psychologe unterwegs und befragt Menschen nach ihren geheimen Sexträumen, die dann dem Zuschauer mit vielen nackten Tatsachen in einzelnen Episoden präsentiert werden. Man kennt diese Vorgehensweise mittlerweile zur Genüge. Überraschend an diesem Film ist vor allem die Tatsache, wie ungemein fantasielos die einzelnen Episoden umgesetzt sind. Bei diesem Thema hätte ich doch etwas mehr Kreativität erwartet. – 5/10

03/2025, #23: Jagdrevier der scharfen Gemsen (D 1975, Hubert Frank)

Die Hauptrolle dieses Klamauks bekleidet Josef Moosholzer, der gefühlt in wirklich jedem dieser Genrebeiträge aus der damaligen Zeit mit von der Partie gewesen ist. Hier spielt er einen Texaner mit bayerischen Wurzeln, der von seinem Stiefbruder ein Hotel in Heidelberg geerbt hat und nun ebendiese Erbschaft antreten will, es aber schon bald mit fiesen Gangstern und der Tatsache zu tun bekommt, dass es sich bei der Erbschaft nicht um ein Hotel, sondern vielmehr um ein Freudenhaus handelt. Der Plot legt ein ziemlich hohes Tempo vor, verfügt neben den üblichen Ferkeleien über jede Menge wunderbar bescheuerter Slapstick-Elemente und kann auf diese Weise tatsächlich überraschend gut unterhalten. – 6/10

03/2025, #24: Ehemänner-Report (D 1971, Harald Philipp)

Spin-Off zum ersten Teil der Hausfrauen-Report-Reihe, in dem Gernot Möhner und seine Filmgattin Angelika Baumgart exakt dieselben Rollen bekleiden und hier als Reporterpaar versuchen, der Treue bzw. Untreue von Ehemännern nachzugehen. Regisseur Harald Philipp wählt einen etwas anderen Ansatz als es in den Reportfilmen üblich gewesen ist und erzählt hier tatsächlich eine echte Geschichte. Die einzelnen Episoden werden nicht abgeschlossen nacheinander präsentiert, sondern vielmehr parallel erzählt, wobei der Zuschauer auf die typischen Reportfilm-Merkmale, wie bspw. die in der Innenstadt geführten Interviews, nicht verzichten muss. Im Ansatz fand ich diese Herangehensweise eigentlich durchaus interessant, leider ist die Umsetzung der verschiedenen Handlungsstränge nicht sonderlich abwechslungsreich und doch eher etwas bieder geraten. – 5/10

03/2025, #25: Die Liebesvögel – Küss mich da, wo ich es mag… (D 1979, Jürgen Enz)

Einer der späteren Beiträge zur deutschen Sexfilmwelle, der einen jungen Mann begleitet, der verzweifelt versucht, die eine perfekte Frau zu finden, mit der er endlich zum Orgasmus kommen kann. Was sich ziemlich generisch anhört, entpuppt sich schon bald als eine wirklich liebevoll umgesetzte Mischung aus Drama und Komödie, mit vielen ruhigen Momenten und einer – trotz diverser vorhandener Albernheiten – durchgehend melancholischen Grundstimmung und einer für einen Film dieser Art wirklich außergewöhnlich dichten Atmosphäre. Und dass der Film hier auf Schauspielerseite mal nicht von den üblichen Verdächtigen bevölkert wird, empfand ich persönlich auch als willkommene Abwechslung. – 7/10

03/2025, #26: Der Sexbaron von St. Pauli (D 1980, Jürgen Enz)

Noch ein Film von Regisseur Jürgen Enz, noch einer der späteren Beiträge der Sexfilmwelle und noch ein Film, der nicht die üblichen Sexfilmverdächtigen vor der Kamera präsentiert. Es geht um einen aus einem Gefängnis entlassenen Kleinganoven, der natürlich sofort wieder auf die schiefe Bahn gerät, sowie um eine gewiefte Trickbetrügerin und wie die beiden – ohne die jeweils wahre Identität des anderen zu kennen – sich gegenseitig auszunehmen versuchen. Das ist alles durchaus amüsant, sehr kurzweilig und natürlich auch herrlich frivol umgesetzt, macht insgesamt betrachtet aus seinem St.-Pauli-Setting aber leider viel zu wenig und der aufgrund des Filmtitels und Entstehungszeitraums erhoffte Zeit- und Lokalkolorit des berühmt-berüchtigten Hamburger Stadtteils ist leider nicht wirklich vorhanden. – 6/10  

03/2025, #27: Zwei Rebläuse auf dem Weg zur Loreley (D 1974, Quirin Steiner)

Steiners Sex-Klamauk präsentiert Willy Harlander als alternden Rheinschifffahrtskapitän der zwei komplette Trottel anheuert, damit diese die drei Söhne vergangener Liebschaften von ihm auffinden sollen. Die Abkömmlinge stellen sich jedoch schnell als Töchter heraus und bis zur Familienzusammenführung im Finale ist jede Menge Zeit für verdammt viel nackte Tatsachen und Kalauern, die schon 10 Jahre vor dem damaligen Erscheinen des Films nicht mehr lustig gewesen sein dürften. – 5/10

03/2025, #28: Auf ins blaukarierte Himmelbett (D 1974, Alois Brummer)

In nur wenigen Wochen wird dieser kleine Sexkomödien-Marathon, den ich gerade hinlege, zu einer nicht mehr definierbaren Masse in meinem Gehirn verschmolzen sein. In diesem Film von Alois Brummer stehen mal wieder ein geldgieriger Bürgermeister und seine nicht minder geldgierigen Gemeinderäte im Mittelpunkt, die sich, um den Bankrott ihres Städtchens zu verhindern, auf die Suche nach einem sagenumwobenen Schatz begeben und damit beginnen, die Landschaft umzugraben, wobei auch hier genügend Zeit für die schönste Nebensache der Welt bleibt und Brummer seinem geneigten Publikum „full frontal female nudity“ in rauen Mengen präsentiert. Das ist zwar nicht sonderlich innovativ, aber über weiteste Strecken tatsächlich ziemlich witzig und ungemein unterhaltsam ausgefallen. – 6/10

03/2025, #29: Die Klosterschülerinnen (D/F 1972, Eberhard Schröder)

Re-Watch! Auch wenn es aus dem Titel nicht hervorgeht, bei DIE KLOSTERSCHÜLERINNEN handelt es sich um einen weiteren Reportfilm, in dem der aus gefühlt allen anderen Reportfilmen bekannte Erzähler aus dem Off skandalträchtige Vorkommnisse an einer Klosterschule schildert und diese dem Zuschauer sodann in einzelnen Episoden zum besten gegeben werden. Die Geschichten laufen mal wieder komplett aus dem Ruder und sorgen so für allerbeste Unterhaltung. Und dieses immer wiederkehrende Titelthema „Tears“ von Giorgio Moroder mit seinem gialloesken Sound sorgt für eine ungemein dichte Atmosphäre. – 6/10

03/2025, #30: Die liebestollen Apothekerstöchter (CH/D 1972, Franz Antel / Michel Caputo)

Re-Watch! Ein besorgter und ungemein spießiger Apotheker versucht verzweifelt seine drei Töchter vor dem Beischlaf zu bewahren, doch vor allem die beiden jüngeren Sprösslinge legen eine extrem hohe Kreativität an den Tag um der Kontrolle ihres Vaters zu entgehen und entwickeln zudem mit ihren beiden Freunden, gespielt von Sascha Hehn und Gernot Möhner, eine Potenzpille, die Viagra praktisch um Jahrzehnte vorwegnimmt. Obwohl ich den Film schon einmal zuvor gesehen hatte, konnte ich mich praktisch an gar nichts mehr erinnern und diese Tatsache allein sagt schon ziemlich viel über die Halbwertzeit dieser Sexklamotten von damals aus. – 5/10

03/2025, #31: Der Ostfriesen-Report: O mei, haben die Ostfriesen Riesen (D 1973, Walter Boos)

Auch wenn der Titel etwas anderes verheißen mag, so handelt es sich bei Boos‘ Film nicht um einen Reportfilm, sondern vielmehr um eine komplette Gaga-Komödie, in deren Mittelpunkt Sexfilmveteran Josef Moosholzer steht, der mit einer kleinen Entourage von München nach Ostfriesland reist um dort Nachwuchstalente für sein schlecht laufendes Striplokal zu akquirieren. Der Film ist nicht viel mehr als ein auf 75 Minuten gestreckter Ostfriesenwitz, der mit seinem komplett flachen Humor maximal ein müdes Gähnen beim Zuschauer auslösen dürfte und den nicht mal mehr seinen vorhandenen Schauwerte vor der kompletten Belanglosigkeit retten können. – 4/10

03/2025, #32: Die Rache der Ostfriesen (D 1974, Walter Boos)

Im zweiten Ostfriesen-Film übernimmt erneut Josef Moosholzer die Hauptrolle und spielt einen fiesen bayerischen Unternehmer, der gerade ostfriesische Landwirte komplett über den Tisch gezogen und sich außerdem auf einen Seitensprung mit einer jungen Ostfriesin eingelassen hat und nun, zurück in der Heimat, vor dem Problem steht, dass der Seitensprung aufzufliegen droht und schnellstens zurück an den Ort der Schandtat zurück muss um alles zu vertuschen. Regisseur Boos präsentiert wieder viel nackte Haut, unendlich viele Flachwitze und insgesamt betrachtet ist auch dieser zweite Ostfriesen-Film eine Beleidigung für praktisch jede Form von Intellekt, minimal besser als der Vorgänger ist er dann aber doch geraten und das liegt vor allem daran, dass er tatsächlich eine halbwegs nachvollziehbare und stellenweise durchaus unterhaltsame Handlung vorweisen kann. – 5/10

03/2025, #33: Gestatten, Vögelein im Dienst (D 1971, Atze Glanert)

Einer der früheren Vertreter der deutschen Sexfilme, dem es sogar gelingt, eine halbwegs nachvollziehbare Geschichte zu erzählen. Es geht um einen schüchternen Buchverkäufer, der wegen eines Nacktmodels sowohl Unterkunft als auch Job verliert und sich aus diesem Grund nach alternativen Wohn- und Verdienstmöglichkeiten umsehen muss. Glanerts Film ist fast so etwas wie eine Coming-of-Age-Geschichte, die Albernheiten halten sich in Grenzen und das Ganze kann man auch als satirischen Kommentar zur sexuellen Verklemmtheit der älteren Generation lesen. Die Settings sind eher trist gehalten, was dem Film in manchen Momenten aber auch schon fast so etwas wie Arthouse-Vibes versprühen lässt.  – 5/10

03/2025, #34: Don’s Fountain of Youth (USA 1953, Jack Hannah)

Während einer Reise mit seinen drei Neffen Tick, Trick und Track kommt Donald Duck an einem alten Brunnen vorbei und spielt den drei Kleinen vor, dass es sich hierbei um einen Jungbrunnen handelt und er selbst wieder im Stadium eines Babys angekommen sei. Frühe Slapstick- bzw. Cartoon-Variante von THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON, die für ungemein kurzweilige Unterhaltung sorgt und insbesondere in den Szenen mit dem Alligator schon verdammt witzig geraten ist. – 7/10

03/2025, #35: Lend a Paw (USA 1941, Clyde Geronimi)

Pluto rettet ein kleines Kätzchen vor dem Ertrinken und fängt jedoch schon schnell damit an, seine gute Tat zu bereuen als Mickey dem Kätzchen mehr Aufmerksamkeit schenkt als ihm. LEND A PAW thematisiert den Fluch der guten Tat und offenbart seine Stärken vor allem in den Szenen, in denen sich der innere Teufel und der innere Engel von Pluto miteinander streiten. – 7/10

03/2025, #36: Crazy Over Daisy (USA 1950, Jack Hannah)

Donald ist mit einem Geschenk auf dem Weg zu seiner geliebten Daisy und wird unterwegs von den frechen A-Hörnchen und B-Hörnchen malträtiert, was die typischen und ungemein unterhaltsamen Slapstick-Situationen verursacht, in die diese Zeichentrick-Charaktere der klassischen Disney-Cartoons immer und immer wieder hineingeraten. – 7/10

03/2025, #37: ズームアップ 暴行現場 [aka Zoom Up: Rape Site] (J 1979, Kôyû Ohara)

Diese durchgehende Schwäche der skandalträchtigen Produktionen aus dem Hause Nikkatsu offenbart sich auch bei diesem Film. Geschmacklose Schauwerte mit reichlich Schockpotential laufen komplett ins Leere wenn sie nicht in einen zumindest halbwegs interessanten Plot eingebettet sind und es dem Film zudem zu wirklich keinem Zeitpunkt gelingt, Interesse oder Empathie für seine Charaktere beim Zuschauer zu wecken. Hier dreht sich alles um eine fremdgehende Frau, die während des Seitensprungs Zeuge eines Gewaltverbrechens wird und nun vor der Frage steht, ob sie zur Polizei gehen soll und dadurch riskiert, dass ihre Affäre auffliegen könnte. Auch bei der sehr übersichtlichen Laufzeit von nicht mal 70 Minuten wirkt das Gezeigte schon sehr schnell sehr ermüdend, was bei mir bereits nach der Hälfte des Films dazu führte, dass man sich einfach nur noch berieseln lässt und ein paar Stunden nach Sichtung des Films nicht mal mehr in der Lage ist, sich an den genauen Plotverlauf und dessen Ende zu erinnern. – 4/10

03/2025, #38: 修道女 黒衣の中のうずき [aka Nun Story: Frustration in Black] (J 1980, Nobuaki Shirai)

Nunsploitation aus dem Hause Nikkatsu und von den verschiedenen Filmen die ich in den letzten Wochen von diesem umtriebigen Studio gesehen habe, dürfte der hier tatsächlich der bisher beste gewesen sein. Liegt vor allem daran, dass ich dieses Subgenre des Exploitationfilms und den mit diesem verbundenen ausgestreckten Mittelfinger in Richtung der Verlogenheit der katholischen Kirche von Haus aus sehr schätze, aber auch daran, dass es diesem herrlich schmierigen Genrebeitrag mit all seinen typischen Nunsploitation-Schauwerten tatsächlich gelingt, eine interessante Geschichte zu erzählen und Charaktere zu entwickeln, die einem als Zuschauer nicht komplett am Allerwertesten vorbeigehen. – 7/10

03/2025, #39: 檻の中の妖精 [aka Fairy in a Cage] (J 1977, Kôyû Ohara)

BDSM-Folter-Film von Nikkatsu, der zu Zeiten des 2. Weltkriegs spielt und in dem ein fanatischer Richter und gleichzeitig Kommandant der japanischen Militärpolizei seine Position ausnutzt um angebliche Verräter und Verräterinnen gefangen zu nehmen und zur Befriedigung seiner niederen Instinkte zu foltern. Mit diesem Film hat Regisseur Kôyû Ohara einen komplett grenzüberschreitenden Exploiter abgeliefert und sich ausnahmsweise sogar um den Hauch einer Handlung bemüht. Ihre Wirkung beim Publikum entfalten solche Filme natürlich erst dann, wenn man dem Zuschauer am Ende auch eine Katharsis gönnt, die hier allerdings komplett verwehrt bleibt. So verpuffen die unzähligen „What the Fuck!?!“-Sequenzen am Ende wie heiße Luft. – 6/10

03/2025, #40: 新・実録おんな鑑別所 -恋獄 [aka True Story of a Woman in Jail: Hell of Love] (J 1976, Kôyû Ohara)

Im letzten Teil der TRUE STORY OF A WOMAN IN JAIL-Trilogie landet die erneut von Hitomi Kozue gespielte Mayumi nicht mehr im Jugendgefängnis sondern gleich im richtigen Knast und sieht sich dort exakt denselben Bedingungen und einem doch sehr ähnlichen Handlungsablauf gegenüber wie in den beiden Filmen zuvor. Im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängerfilmen ist dieser dritte Teil etwas harmloser ausgefallen –  auf geschmacklose Unglaublichkeiten wie die brutalen Abtreibungsszenen aus den ersten beiden Teilen wurde beispielsweise glücklicherweise verzichtet – und plätschert über weite Strecken ziemlich bedeutungslos vor sich hin. So wirklich in Schwung kommt die Handlung eigentlich erst in den letzten 20 Minuten, bevor es aber wirklich interessant werden könnte, ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei. – 5/10

03/2025, #41: 恋の狩人 ラブ・ハンター [aka Love Hunter] (J 1972, Seiichirô Yamaguchi)

Nikkatsu Goes Arthouse und präsentiert mit LOVE HUNTER einen Film, in dem sich alles um Verlangen und sexuelle Begierde dreht und in dem ein junges Pärchen in den Bann einer mysteriösen, älteren Frau gezogen wird. Yamaguchis Film sieht fantastisch aus, ist ungemein stylish umgesetzt und mit einer (alb-)traumhaften Atmosphäre ausgestattet, die den Zuschauer über die komplette Laufzeit zu fesseln vermag. – 7/10

03/2025, #42: 堕靡泥の星 美少女狩り [aka Beautiful Girl Hunter] (J 1979, Norifumi Suzuki)

Re-Watch! Vielleicht die bekannteste Nikkatsu-Produktion, auf jeden Fall einer der Filme des umtriebigen Studios, der den Zuschauer maximal fordert. Es geht um einen charismatischen Serienkiller, der Frauen in sein mondänes Anwesen lockt und dort zu Tode quält. Produktionstechnisch ist das hier ganz großes Kino, Suzukis Film sieht phänomenal gut aus, was vor allem an der tollen Ausstattung und der superben Kameraarbeit liegt. Der definitiv streitbare Exploiter überzeugt zudem noch mit einem wirklich spannenden Plot und sorgfältigen Charakterzeichnungen, ein Qualitätsmerkmal, welches bei Nikkatsu doch eher Seltenheitswert besitzt. Und dann ist das natürlich ein Film, der seine Zuschauer an die Grenzen des Belastbaren bringt, der gezielt Tabus bricht und seinem Publikum eine Seherfahrung beschert, nach der man sich am liebsten drei Stunden in die Badewanne legen würde um sich von all dem Schmutz, dem man zuvor ausgesetzt gewesen ist, wieder reinzuwaschen. Ich habe den Film jetzt nach über 20 Jahren zum insgesamt zweiten Mal gesehen und bin mir absolut sicher, dass ich ihn mir kein drittes Mal mehr ansehen werde. So gut er in meinen Augen auch ist, für solche Grenzerfahrungen bin ich mittlerweile einfach zu alt. – 8/10

03/2025, #43: 花と蛇 [aka Flower and Snake] (J 1974, Masaru Konuma)

Neben BEAUTIFUL GIRL HUNTER dürfte das hier das zweite große Flaggschiff innerhalb der Nikkatsu-Produktionen sein. Im Mittelpunkt steht ein kleiner Angestellter, der von seinem Boss beauftragt wird, dessen Frau zu entführen und gefügig zu machen, damit sie diesem endlich seine sexuellen Fantasien erfüllt. Auch FLOWER AND SNAKE sieht schlicht grandios aus und versteht es wie praktisch alle Filme dieser japanischen Produktionsschmiede seinem Publikum Schauwerte zu präsentieren, die bestens dazu geeignet sind, den einen oder anderen Zuschauer verstört hinter sich zu lassen. Auch die Charakterzeichnungen fand ich hier ganz gut gelungen, allerdings empfand ich den BDSM-Plot weniger fesselnd und die diversen Bondage-Szenen doch eher ermüdend, was Liebhaber dieser Spielart aber sicher anders empfinden dürften. – 6/10

03/2025, #44: ズームイン 暴行団地 [aka Zoom In: Rape Apartments] (J 1980, Naosuke Kurosawa)

Durchaus stylishe Giallo-Hommage, in der ein Killer mit schwarzen Handschuhen junge Frauen auf brutalste Art und Weise tötet. Ich mochte die Optik des Films, vor allem dieses Setting in dem sich teilweise noch im Bau befindlichen Apartment-Komplex, der sich gefühlt irgendwo in einem fast schon post-apokalyptisch anmutenden Nirgendwo befand. Und auch die Inszenierung der verschiedenen Kills war herrlich bizarr umgesetzt und machte den italienischen Vorbildern alle Ehre. Woran es auch dieser Nikkatsu-Produktion mal wieder mangelte war Spannung und das ist gerade für eine solche Genreproduktion natürlich sprichwörtliches Gift. Ein weiterer Film, von dem schon sehr bald nicht mal mehr eine Erinnerung übrig bleiben wird. – 5/10

03/2025, #45: Eine Million Minuten (D 2024, Christopher Doll)

Auf wahren Begebenheiten beruhender Film, in dem sich ein gut situiertes Ehepaar mit seinen beiden noch kleinen Kindern auf eine knapp zweijährige Reise begibt, inspiriert von einem geäußerten Wunsch ihrer mit einer Entwicklungsstörung diagnostizierten Tochter nach einer Million Minuten voller schöner Dinge. Der Film behandelt das allgegenwärtige Problem, Arbeits- und Familienleben unter einen Hut zu bringen und so eine ausgewogene Work-Life-Balance herzustellen und hat hier natürlich eine Lösung im Gepäck, die für die allermeisten Menschen schon aufgrund fehlender Möglichkeiten und finanzieller Mittel nicht durchsetzbar sein dürfte. Wenn das alles nicht auf einer wahren Geschichte basieren würde, könnte man Dolls Film als Normalsterblicher also auch durchaus eine gewisse Art von Zynismus vorwerfen. Lässt man diesen Aspekt außen vor und sich auf den Film ein, überzeugt EINE MILLION MINUTEN vor allem in den Vater-Tochter-Sequenzen und hat mich als Vater einer Tochter immer wieder sehr berührt und auch durchaus nachdenklich gemacht. Und das Zusammenspiel von Tom Schilling und Karoline Herfurth, insbesondere in den diversen Konfliktsituationen, empfand ich auch als ausgesprochen gelungen. – 7/10

03/2025, #46: Charlys Nichten (D 1974, Walter Boos)

Erwartungsgemäß komplett anspruchsloser, dafür aber auch ungemein kurzweiliger und auf seine eigene Art und Weise ausgesprochen sympathischer Klamauk, der die typische Sexfilmkomödie aus den 1970er Jahren mit den Elementen des vor allem im Jahrzehnt zuvor in Deutschland so beliebten Travestiefilms verbindet. Drei erfolglose Dessousverkäufer verkleiden sich als Frauen und heuern bei einem homosexuellen Fotografen, der ausschließlich weibliche Assistentinnen sucht, an um den drohenden Bankrott abzuwenden, was zu allerlei harmlosen und ungemein unterhaltsamen Verwicklungen führt. Den sich dabei immer weiter eskalierenden Plotverlauf fand ich persönlich ziemlich toll und überhaupt hat mich die Tatsache, wie viel Handlung Regisseur Boos in seinem knapp 80-minütigen Exploiter untergebracht hat, schon sehr verwundert. – 6/10

03/2025, #47: Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen (D 1972, Alois Brummer)

Ein weiterer Film von Schmuddelfilmer Alois Brummer, der hier eine episodenhafte Struktur wählt um möglichst skandalöse Geschichten an das nach nackter Haut gierende Publikum zu bringen, in denen die Schülerinnen einer Mädchenschule in diverse freiwillige und unfreiwillige sexuelle Eskapaden verwickelt werden. In der Rahmenhandlung geht es um eine Gerichtsverhandlung, in der der Hausmeister der Mädchenschule wegen sexueller Belästigung der Schülerinnen vor Gericht steht und diese ihre diversen Aussagen machen müssen, aus denen sich letztendlich die Handlung zusammensetzt. Die einzelnen Episoden scheinen dabei etwas lust- und planlos zusammengeschnitten zu sein, können aber zumindest durch eine gehörige Portion an Abwechslung überzeugen. Was ich aber auch bei diesem Film von Brummer höchst problematisch finde und was den Streifen nicht nur als typisches Kind seiner Zeit entlarvt, sondern auch kein sonderlich gutes Licht auf den Filmemacher selbst wirft, ist der erneut komplett unbedarfte und verharmlosende Umgang mit der Thematik des sexuellem Missbrauchs und der sexuellen Belästigung durch besonders widerwärtige Angehörige des männlichen Geschlechts. Vor allem die Sequenz mit Josef Mossholzer als schmierigen Vergewaltiger kann als besonders negatives Beispiel genannt werden. – 5/10

03/2025, #48: Dexter: Original Sin: Season 1 (USA 2024/2025, Clyde Phillips)

Auftaktstaffel zur Prequel-Serie rund um den bei der Polizei arbeitenden Serienkiller Dexter Morgan, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, Verbrecher, die dem System entgehen, zu bestrafen und zu töten. Aufgebaut ist diese insgesamt 10 Folgen umfassende Staffel ähnlich wie die Staffeln der Originalserie, soll heißen, es gibt eine sich durch die komplette Staffel ziehende Haupthandlung und zusätzlich in (fast) jeder Folge eine kleine Nebenhandlung, denn schließlich möchten so viele Verbrecher wie möglich ins Jenseits befördert werden. Das ist alles ungemein unterhaltsam und auch spannend umgesetzt und besticht in allererster Linie durch das tolle Casting. Sowohl Patrick Gibson als junger Dexter als auch Molly Brown als junge Debra passen perfekt in ihre Rollen und dass der Original-Dexter-Darsteller Michael C. Hall die Geschehnisse aus dem Off kommentiert fand ich persönlich auch ausgesprochen gelungen. – 7/10

03/2025, #49: ズームアップ ビニール本の女 [aka Zoom Up: The Beaver Book Girl] (J 1981, Takashi Kanno)

Qualitativ tatsächlich eine kleine Überraschung, denn im Gegensatz zu vielen ähnlichen Nikkatsu-Produktionen gibt es hier einen richtigen Plot, interessante Charaktere und eine ungemein dichte Atmosphäre zu bewundern. Es geht um den Fotografen eines Pornomagazins, dem sich plötzlich eine mysteriöse Femme fatale als verführerisches neues Model anbietet und sich für tabubrechende Aufnahmen zur Verfügung stellt. Regisseur Takashi Kanno gelingt es sowohl Spannung als auch Atmosphäre bis zum wirklich tollen Ende hochzuhalten und die grenzüberschreitenden Schauwerte sind dabei auch handwerklich so überzeugend umgesetzt, dass dieser Film hier all das richtig zu machen scheint, woran viele der ähnlich gelagerten Exploiter von Nikkatsu oft kläglich scheiterten. – 7/10

03/2025, #50: Liebesmarkt (D 1973, Hubert Frank)

In einzelne Episoden aufgeteilte Sexkomödie in deren Zentrum eine Studentin steht, die für ihre Dissertation den Kontaktanzeigenmarkt analysieren möchte und hierfür diverse Freunde und Freundinnen rekrutiert, die nur zu gerne behilflich sind und sich auf so einige amouröse Abenteuer einlassen. Franks Film präsentiert in seinen nett anzusehenden Episoden wirklich massenhaft nackte Haut und jemand, der sich um die Kleidung am Set kümmert, dürfte hier wohl eher nicht gebraucht worden zu sein. Die haarsträubend konstruierten Eskapaden der verschiedenen Protagonisten werden allerdings doch relativ schnell ermüdend und mit einer Laufzeit von knapp 100 Minuten ist LIEBESMARKT für einen solchen Film auch einfach viel zu lang ausgefallen. – 5/10

03/2025, #51: Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen (II. Teil) (D 1972, Alois Brummer)

Die typische Ausreißer-Geschichte rund um eine junge Frau, die aus ihrem erzkonservativen und strengen Elternhaus flüchtet und sich auf jede Menge erotische Abenteuer einlässt. Brummer agiert mal wieder am Reißbrett, präsentiert jede Menge Schauwerte in Form von nackter Haut und nimmt es erneut mit dem Thema der sexuellen Selbstbestimmung nicht allzu genau. Männlein oder Weiblein haben exakt das zu tun, was der dominante Part gerade fordert. Das ist natürlich alles komplett austauschbar und auch so etwas wie eine halbwegs nachvollziehbare Geschichte mit einem echten Spannungsbogen ist – wie nicht anders erwartet – nicht wirklich vorhanden. – 5/10

03/2025, #52: Graf Porno bläst zum Zapfenstreich (D 1970, Alois Brummer)

Der letzte von insgesamt drei Graf-Porno-Filmen präsentiert Rinaldo Talamonti in der typischen Rolle des sympathischen Nichtsnutzes, der diverse – mehr oder weniger – erotische Abenteuer erlebt und dabei von einer prekären Situation in die nächste gerät. Talamonti hatte ein Jahr zuvor im ersten Graf-Porno-Abenteuer seinen ersten Leinwandauftritt und war fortan aus den unzähligen Sex- und Reportfilmen nicht mehr wegzudenken. Aus heutiger Sicht ist sein angelegtes Rollenprofil auch in diesem Film erschreckend rassistisch, entspricht es doch dem ekelhaften Stereotyp des faulen und immer geilen Gastarbeiters, zum damaligen Zeitpunkt hatte allerdings noch niemand solche Antennen um diese Problematik überhaupt erkennen zu können. Für das, was der Film sein will, geht er schon in Ordnung, auch wenn man sich wahrscheinlich schon wenige Tage nach dem Ansehen nicht mehr wirklich groß an ihn erinnern wird und lediglich diese Jackass-Sequenz im Gedächtnis bleiben dürfte, in der Talamonti nackt auf einem Schwein reitet. – 5/10

03/2025, #53: Graf Porno und die liebesdurstigen Töchter (D 1969, Günter Hendel)

Auch im zweiten Graf-Porno-Film ist Rinaldo Talamonti mit von der Partie, steht allerdings nicht komplett im Mittelpunkt der Geschichte. Diese dreht sich um den titelgebenden Grafen, der kurz vor der Pleite steht und den nur sein bei den Frauen begehrter Sohn aus der Patsche helfen kann, indem dieser eine der Töchter einer schwerreichen Witwe heiratet. Doch bevor der sich entscheidet, muss er die Damen natürlich erst ausprobieren, was zu jeder Menge nackter Tatsachen führt. Sowohl die Rolle des Grafen als auch die seines Sohnes hat Regisseur Günter Hendel selbst übernommen und so ausgelutscht und unspektakulär die Geschichte auch sein mag, sie offenbart durchaus ein gewisses Unterhaltungspotential und darüber hinaus ist der Film, was Kostüme und Set Design angeht, auch überraschend gut ausgestattet. – 5/10

03/2025, #54: Die munteren Sexspiele unserer Nachbarn (D 1978, Rudolf Krause)

Was diesen schon beim nahenden Abklingen der Sexfilmwelle erschienenen Film von seinen unzähligen Artgenossen unterscheidet ist die Tatsache, dass hier zumindest auf der Seite der Schauspieler mal ein kleines bisschen Abwechslung geboten wird und nicht schon wieder die immer selben Darstellerinnen und Darsteller die Hüllen fallen lassen. Die in einem großen Mietshaus spielende Geschichte, in der sich die verschiedenen Bewohner und deren Besucher quer durch alle Betten vögeln – mit Ausnahme der ihrem ebenfalls untreuen Ehemann treu ergebene Verkäuferin eines Gemischtwarenladens im Erdgeschoss – ist dagegen meilenweit davon entfernt einen Preis für besondere Innovation zu gewinnen und bietet nicht viel mehr als die typische Bettakrobatik in diversen, mehr oder weniger absurden Situationen. – 5/10

03/2025, #55: 看護婦日記 いたずらな指 [aka Nurse Diary: Wicked Finger] (J 1979, Shin’ichi Shiratori)

Nikkatsu kann auch leichtere Unterhaltung produzieren und diese Komödie rund um eine Krankenschwester, die sich auf eine Affäre mit einem verheirateten Arzt einlässt, ist ein ganz vorzügliches Beispiel dafür. Regisseur Shiratori hat seinen Film wirklich federleicht inszeniert, er ist witzig, albern und in einzelnen Momenten sogar ein bisschen romantisch geraten und so meilenweit vom Schockpotential manch anderer Produktion dieses Studios entfernt. – 6/10

The Movies of March 2017

Hier meine gesammelten Gedanken zu den von mir im März angesehenen Filmen. Die Reihenfolge der Texte entspricht dabei der Reihenfolge des persönlichen Gefallens, wobei die ersten drei Filme sich doch ziemlich deutlich vom Rest abheben.

the neon demon

Ein junges Mädchen aus der Provinz macht in THE NEON DEMON (Dänemark / Frankreich / USA 2016, Regie: Nicolas Winding Refn) bereits kurz nach ihrer Ankunft in Los Angeles große Karriere als Model und zieht dadurch schnell den Neid diverser Konkurrentinnen auf sich, die auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Was an THE NEON DEMON von Anfang an fasziniert ist reine Oberfläche. Ähnlich wie die Welt der Models, in der er spielt, geht es offensichtlich nur um den Schein und weitaus weniger um das Sein. Das wird erst im letzten Drittel zum Thema, wenn Nicolas Winding Refn sein visuelles Zauberwerk schließlich komplett durchdrehen lässt und den Zuschauer schließlich mit offen stehendem Mund in den Abspann entlässt. Ein faszinierendes, berauschendes Werk. Ein Film, in dem jeder Frame perfekt durchkomponiert zu sein scheint, von dem man sich unzählige Screenshots im XXL-Format an die Wand hängen könnte und der mit seiner einzigarten Optik und dem immer wieder treibenden Score von Cliff Martinez eine Symbiose eingeht, die man fast schon als perfekt bezeichnen kann.

Bewertung: 9/10

 

In VIZI PRIVATI, PUBBLICHE VIRTÙ (Italien / Jugoslawien 1976, Regie: Miklós Jancsó) versucht ein aufmüpfiger Thronfolger zu Zeiten des 19. Jahrhunderts seinen Vater immer wieder durch dekadente und ausufernde Feste zu provozieren und zahlt schließlich dafür einen hohen Preis.

Wow, Sexploitation Meets Arthouse-Cinema. Regisseur Miklís Jancsó präsentiert mit seinem provokanten Sittenbild der dekadenten Oberschicht ein ungemein ästhetisch und sinnlich gefilmtes Erotikdrama, welches – trotz viel Detailfreude und Schauwerten in exorbitanter Höhe – mit dem gemeinen Softcore-Schmuddel-Film der 70er Jahre nicht wirklich viel gemeinsam hat. Ob Setting, Kostüme oder Kameraarbeit – insbesondere in technischer Hinsicht ist Jancsós Film schlichtweg brillant und kann alleine schon aufgrund seiner wunderschönen Bilder, die er in einer Tour auf die Leinwand bzw. per Blu-ray auf den heimischen Flatscreen zaubert absolut begeistern.

Bewertung: 9/10

 

Ein homosexuelles Paar wandert in 春光乍泄 | CHUN GWONG CHA SIT (aka Happy Together, Hongkong / Japan / Südkorea 1997, Regie: Wong Kar-Wai) von Hongkong nach Argentinien aus um dort das gemeinsame Glück zu finden, nur um schon sehr schnell herausfinden zu müssen, dass es weder miteinander noch getrennt voneinander leben kann.

Regisseur Wong Kar-Wai zeichnet ein eindringliches Portrait einer dysfunktionalen Liebesbeziehung, eingefangen in einfach nur wunderschöne Bilder und dabei eine zutiefst melancholische Atmosphäre erzeugend, ist das hier ein Film, der einen als Zuschauer praktisch ab der ersten Szene einfach nicht mehr loslässt und bis zum Ende zutiefst bewegt und berührt. Großes Kino!

Bewertung: 9/10

 

 

Vier Gefängnisinsassen haben in LE TROU (Frankreich / Italien 1960, Regie: Jacques Becker) einen scheinbar perfekten Fluchtplan ausgeheckt und müssen sich plötzlich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ein fünfter Sträfling in ihre Zelle verlegt wird, den sie nun wohl oder übel in ihren Plan einweihen müssen.

Beckers Film beruht auf wahren Begebenheiten, als Vorlage diente ein Roman von José Giovanni, der einst selbst an einem Gefängnisausbruch beteiligt war, fast alle Rollen wurden mit Laienschauspielern besetzt, einer der Insassen wird gar von einem ehemaligen Mithäftling Giovannis gespielt. Das alles, die kammerspielartige Inszenierung, der bis zum Abspann gänzliche Verzicht auf einen Score und teils minutenlange Einstellungen ohne Schnitte verleihen dem Film eine unglaubliche Authentizität und machen die Sichtung des Films zu einem ungemein intensiven und spannenden, mitunter aber auch extrem anstrengenden Erlebnis. Beeindruckend.

Bewertung: 8/10

 

Dustin Hoffman spielt in STRAIGHT TIME (USA 1978, Regie: Ulu Grosbard) einen auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassenen Straftäter, der, nachdem ihm eine faire Behandlung verwehrt bleibt, schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Mischung aus Thriller und Drama, die ein ziemlich ernüchterndes Bild der Chancen entlassener Straftäter auf Rehabilitierung Resozialisierung in der Gesellschaft zeichnet. Der von Hoffman gespielte Max Dembo hat im Endeffekt nie eine Chance und wird durch Handlungen seines schmierigen Bewährungshelfers ziemlich schnell wieder auf die schiefe Bahn gebracht. STRAIGHT TIME braucht zwar ein gutes Stück, bis er in Fahrt kommt, lässt den Zuschauer aber spätestens nach ca. der Hälfte der Laufzeit einfach nicht mehr los und bleibt bis zum grandiosen Ende immer spannend. Mit Dustin Hoffman, Theresa Russell, Gary Busey, M. Emmet Walsh, Harry Dean Stanton und Kathy Bates ist der Film zudem exquisit besetzt und der Zeitkolorit des Los Angeles der späten 70er Jahre ist eh durch nichts zu ersetzen.

Bewertung: 8/10

 

In EN MAN SOM HETER OVE (Schweden 2015, Regie: Hannes Holm) wird das Leben eines verbitterten Spießbürgers mit Todessehnsucht durch eine junge Familie, die in das Nachbarschaft der Reihenhaussiedlung zieht, ganz gehörig auf den Kopf gestellt.

Ganz vorzüglich gespielte Tragikomödie aus Schweden, die dem Zuschauer einen scheinbar kompletten Unsympathen als Identifikationsfigur unterjubelt. In diversen Rückblenden erfährt man, warum Ove letztendlich so ist, wie er ist und man kommt als Zuschauer nicht umhin, große Empathie für den grantigen, älteren Herrn zu entwickeln, mögen seine Verhaltensweisen, die er im Lauf der Handlung an den Tag legt, stellenweise auch noch so obskur und verachtenswert sein. Das große Plus von Holms Film ist, dass er über weite Strecken ohne den für solche Geschichten typischen Kitsch auskommt. Ein kleines Minus von EN MAN SOM HETER OVE ist hingegen, dass so manche Ereignisse im Lauf des Films doch etwas arg dick aufgetragen zu sein scheinen. Hier wäre etwas Weniger ganz eindeutig deutlich Mehr gewesen. Diese kleine Schwäche macht dann aber im nächsten Moment der grandiose Rolf Lassgård in der Hauptrolle und der feine, subtile und manchmal auch schwarze Humor, der den Film durchzieht, wieder wett. Alleine diese kurze Szene, in der Ove eine aufdringliche Journalistin kurzerhand in seine Garage sperrt, um seine Ruhe vor ihr zu haben, ist nicht viel weniger als cineastisches Gold.

Bewertung: 8/10

 

Kompletten Irrsinn präsentiert D’WILD WILD WENG (Philippinen 1982, Regie: Eddie Nicart), in dem es der nur etwas über 80 cm große Weng Weng mit einem Fiesling in einer Art Westernstadt aufnimmt und diesen mit seinem “normal“ großen Sidekick gehörig aufmischt.

Wenn es diesen Film nicht geben würde, man müsste ihn einfach drehen. Hier gibt es so eine Masse an Unglaublichkeiten zu bestaunen, dass es wirklich jedem Freund des etwas absurderen Kinos während der Sichtung die eine oder andere Freudenträne in die Augen treiben dürfte. Spätestens wenn im Finale der kleine Held mit einer Gatling Gun und der Hilfe eines kleinwüchsigen Indianerstammes die Schergen des Fieslings – die u.a. aus Samurais und Ninjas bestehen – niedermacht, wähnt man sich im 7. Exploitation-Himmel.

Bewertung: 8/10

 

Ein skrupelloser Weltraumherrscher plant in SPACEBALLS (USA 1987, Regie: Mel Brooks) die Sauerstoffressourcen eines friedlichen Planeten zu rauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne einen wackeren Helden und dessen (halb-)tierischen Weggefährten gemacht.

Es dürfte ca. 25 Jahre her sein, dass ich Brooks’ STAR WARS-Verarsche zum letzten Mal gesehen habe und das jetzige Wiedersehen nach so langer Zeit hat verdammt viel Spaß bereitet. Keine Ahnung, ob echte STAR WARS-Puristen über diesen Film ebenso herzhaft lachen können wie ich – deckt er die kindliche Naivität der Sternenkriegssaga doch gnadenlos auf -, aber das ist am Ende des Tages sowieso nur zweitrangig. SPACEBALLS hat es längst zum Kultfilm geschafft, bietet jede Menge zitier- und erinnerungswürdiger Sequenzen und liefert ein regelrechtes Feuerwerk meist zeitloser Gags ab. Geil!

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Einbruchspezialisten rund um Robert Redford soll in SNEAKERS (USA 1992, Regie: Phil Alden Robinson) für die US-Spionageabwehr ein geheimes Dechiffrierungsprogramm beschaffen und landet dabei in einem riesigen Schlamassel.

Ein Viertel Jahrhundert hat SNEAKERS mittlerweile auf dem Buckel und wenn man ihn sich so ansieht, merkt man, wie sehr sich doch das Blockbusterkino verändert hat. Eine starbesetzte Mischung aus Komödie, Kriminalfilm und Heist Movie wie diese hier würde heutzutage kaum noch realisiert werden. Das wäre viel zu wenig Spektakel für das angestrebte Zielpublikum und es gäbe wohl kaum die Chance, dass dieser Film auch heute noch das Dreifache seines Budgets wieder einspielen könnte. Irgendwie schade, eine gewisse Entschleunigung täte dem jetzigen Mainstream-Kino sicher ganz gut. SNEAKERS ist mit seiner unaufgeregten Art, seiner ebenso spannenden wie witzigen Geschichte und seiner grandiosen Besetzung schon ziemlich toll. Well, they just don’t make ’em like this anymore…

Bewertung: 8/10

 

Um eine der rein ausstattungstechnisch wohl erlesensten Verfilmungen der Geschichte des wohl berühmtesten Vampirs aller Zeiten handelt es sich bei BRAM STOKER’S DRACULA (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola).

Eine beeindruckende Besetzung, die fast zwangsläufig große Schauspielkunst liefert, edel ausgestattete Kulissen und Settings – das sieht schon alles nach richtig großem Kino aus, was Coppolas Film ja natürlich auch ist. Umso schöner, dass bei all der Größe nicht vergessen wurde, dass das hier eine Horrorgeschichte und kein Kostümball ist. Die Atmosphäre ist ungemein dicht und wirkt oft auch durchaus bedrohlich. Die Effekte sind teils ausgesprochen krude ausgefallen und Coppola geizt weder mit blutigen Details noch mit nackten Tatsachen. Und Szenen wie die in der Irrenanstalt, kann man sich heute – 25 Jahre später – in einer größeren Studioproduktion mit einer solchen Besetzung nicht mehr wirklich vorstellen.

Bewertung: 8/10

 

Ein goldenes Ticket gewährt fünf glücklichen Gewinnern in WILLY WONKA & THE CHOCOLATE FACTORY (USA 1971, Regie: Mel Stuart) Zutritt zu einer geheimnisvollen Schokoladenfabrik, in der alle Kinderträume wahr zu werden scheinen.

Herrlich skurrile Mischung aus Kinderfilm, Musical und Fantasyfilm. In kunterbunten Settings bekommt das junge Zielpublikum eine positive Botschaft – Wahrheit zahlt sich aus – vermittelt und als Erwachsener kann man sich an jeder Menge obskurer Einfälle und einem bestens aufgelegten Gene Wilder als mysteriösen Fabrikbesitzer erfreuen.

Bewertung: 8/10

 

 

Ein Medizinstudent entdeckt in BEZETEN – HE GAT IN DE MUUR (Deutschland / Niederlande 1969, Regie: Pim de la Parra) in seiner Bude ein Loch in der Wand, durch das sich ganz vorzüglich das auffällige Treiben in der Nachbarwohnung beobachten lässt.

Voyeurismus, Besessenheit, Drogen, Mord – die deutsch-niederländische Ko-Produktion geizt weder mit Schauwerten noch mit Spannung und präsentiert ein buntes Potpourri teils extrem sleaziger Abgründe. Hauptdarstellerin Alexandra Stewart, die hier die Freundin des Voyeurs spielen und mit diesem so einiges mitmachen muss, ist eine Augenweide und lohnt alleine schon die Sichtung des Films. Und für das Drehbuch zeichnete übrigens ein gewisser Herr Scorsese mitverantwortlich.

Bewertung: 7/10

 

Roy Scheider als Geheimagent, der in LAST EMBRACE (USA 1979, Regie: Jonathan Demme) verschiedenen Anschlägen und Morddrohungen ausgesetzt ist und auf eigene Faust versucht, herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet.

Unbedingt sehenswerter Film aus der früheren Schaffensphase von Jonathan Demme, der hier einen grundsoliden Thriller mit Mystery-Touch abgeliefert hat und der sich insbesondere durch seinen langsamen Spannungsaufbau und einer Atmosphäre stetigen Unbehagens auszeichnet. Toll auch der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der späten 70er Jahre und die bis in die kleinsten Nebenrollen mit bekannten Gesichtern – neben Roy Scheider spielen u.a. Charles Napier, Christopher Walken, John Glover, Sam Levene, David Margulies, Max Wright und Joe Spinell mit – gespickte Besetzungsliste.

Bewertung: 7/10

 

Ein von Kurt Russell angeführtes Quartett begibt sich in BONE TOMAHAWK (USA 2015, Regie: S. Craig Zahler) zu Zeiten des Wilden Westens auf die Suche nach der verschleppten Frau des örtlichen Rinderbarons.

Zu viele Vorschusslorbeeren tun oft auch nicht gut. Dieses unglaubliche Meisterwerk, als welches Zahlers Film vielerorts gefeiert wurde, ist er dann am Ende halt doch nicht. Aber Kurt Russell spielt die männliche Hauptrolle, was schon fast zwangsläufig dazu führt, dass dieser Kannibalen-Western ein ziemlich guter Film geworden ist. Besonders gefallen hat mir die wundervolle Kameraarbeit und wie die teils melancholische Grundstimmung des Films immer wieder durch plötzliche Gewalteruptionen erschüttert wird. Schwächen hat BONE TOMAHAWK vor allem im Mittelteil, wenn manchmal einfach zu wenig Abwechslungsreiches passiert um die Spannung wirklich hochhalten zu können.

Bewertung: 7/10

 

Ganz wunderbare Gruselatmosphäre gibt’s in THE CITY OF THE DEAD (Großbritannien 1960, Regie: John Llewellyn Moxey), in dem eine Studentin in einem abgelegenen Dorf Erkundungen zu Hexenritualen anstellen will.

Ein unheimlicher Hexenkult, ein nebelverhangenes Nest im Nirgendwo, Kellerverliese voller Spinnweben, Christopher Lee in einer undurchsichtigen Rolle und pünktlich zur Halbzeit des Films ein Plottwist, den man so nicht unbedingt erwartet hätte. Fans klassischen Gruselkinos machen hier definitiv nichts falsch.

Bewertung: 7/10

 

Bela Lugosi verwandelt Menschen mittels eines Elixiers in WHITE ZOMBIE (USA 1932, Regie: Victor Halperin) in willenlose Kreaturen und soll mit dieser Gabe auch einem reichen Schnösel behilflich sein, damit dieser die Frau seiner Träume für sich besitzen kann.

Visuell beeindruckendes und atmosphärisch ungemein dichtes Gruselkino aus den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bela Lugosi muss im Endeffekt nur anwesend sein um ein kreuzunheimliche Stimmung zu verbreiten, die Verwendung diverser Horror-Settings (u.a. aus DRACULA und FRANKENSTEIN) der Universal Studios ist für das Erzeugen dieser Stimmung natürlich auch bestens geeignet und die experimentelle Kameraarbeit und die tollen Make-Up-Effekte tun ihr Übriges, um aus Halperins Film – auch aus heutiger Sicht –  einen unbedingt sehenswerten Vertreter des klassischen Gruselkinos zu machen.

Bewertung: 7/10

 

Prince spielt sich in dem halbautobiografisch angelegten PURPLE RAIN (USA 1984, Regie: Albert Magnoli), in dem ein junger Musiker versucht, durch regelmäßige Auftritte in einem angesagten Club groß rauszukommen, im Endeffekt selbst und macht dabei natürlich vor allem in den zahlreichen Konzertsequenzen eine richtig gute Figur. Der Story rund um diese Konzertszenen ist fast zwangsweise etwas klischeebehaftet und lässt in ihrem Verlauf keine großartigen Überraschungen zu. Aber wer will das den Machern schon verdenken? Die Konzertszenen sind atemberaubend, der Titelsong ein einziger magischer Moment und mit dem Einsatz des Überhits “When Doves Cry“ gibt’s auch mindestens eine erinnerungswürdige Szene, die nicht im oder auf der Bühne des Clubs spielt.

Bewertung: 7/10

 

Blake Lively wird in THE SHALLOWS (USA 2016, Regie: Jaume Collet-Serra) von einem Hai angegriffen und kann sich gerade noch auf einen Felsen retten, der allerdings nur bis zum Einsetzen der Flut Schutz bieten kann.

Nachdem das Subgenre des Hai-Films in den letzten Jahren praktisch komplett in den Sümpfen absurdester B- und C-Movies versunken ist, bringt THE SHALLOWS wieder so etwas wie Seriosität ins Genre zurück. Collet-Serra legt seinen Film als Kammerspiel unter freiem Himmel an. Das Natursetting ist atemberaubend, der Raum extrem begrenzt und der aggressiv seine Runden drehende Hai stellt tatsächlich eine permanente Bedrohung dar. Blake Lively macht ihre Sache als schwer verletzte Surferin auf diesem kleinen Felsen richtig gut und die sich stetig steigernde Spannung entlädt sich schließlich in einem fast schon etwas zu spektakulären Finale, in dem Collet-Serra dann doch etwas die Gäule durchgegangen sind und in dem die CGI-Effekte auch nicht immer die allerbeste Figur machen.

Bewertung: 7/10

 

In IS YOUR HONEYMOON REALLY NECESSARY? (Großbritannien 1953, Regie: Maurice Elvey) steht ein frisch verheirateter Ehemann in seiner Hochzeitsnacht plötzlich mit zwei Ehefrauen da.

Diese Geschichte des frisch verheirateten Ehemannes, der ausgerechnet in seiner Hochzeitsnacht feststellen muss, dass die Scheidung seiner vorherigen Ehe nie rechtskräftig geworden ist und nun – da seine Ex- bzw. Noch-Ehefrau plötzlich an seiner Tür klingelt – alle Hände voll damit zu tun hat, diese Angelegenheit vor seiner neuen Ehefrau zu vertuschen, ist natürlich ganz vorzüglich geeignet, den Zuschauer mit jeder Menge Verwechslungen, Albernheiten und absurden Ausflüchten über knapp 80 Minuten bei der Stange zu halten und ihm ausgesprochen kurzweilige und witzige Unterhaltung zu liefern. Ein diebischer Spaß.

Bewertung: 7/10

 

In the THE SECRET LIFE OF PETS (Japan / USA 2016, Regie: Chris Renaud / Yarrow Cheney) gehen während eines Spaziergangs zwei um die Gunst ihres Frauchens rivalisierende Hunde verloren und sehen sich plötzlich den Gefahren des wilden Lebens in den Straßen von New York ausgesetzt.

Für Liebhaber von Animationsfilmen ist ja schon seit einigen Jahren ein goldenes Zeitalter angebrochen. War diese Sparte früher – zumindest was die US-Produktionen angeht – fest in der Hand von Disney/Pixar, gibt es mittlerweile jede Menge Studios, die auf den Erfolgszug aufgesprungen sind und jede Menge gute Filme raushauen. Auch mit der Sichtung von PETS, von den Machern der DESPICABLE ME-Filme, macht man sicher nichts falsch. Renau und sein Co-Regisseur präsentieren extrem kurzweilige und rasante Action und eine Menge wirklich gelungener Gags. Der größte Pluspunkt des Films ist jedoch die feine Beobachtungsgabe, welche die Macher bei der Animation der Haustiere bewiesen haben. Jeder Halter eines Haustieres dürfte dem bunten Treiben in nicht wenigen Szenen mit einem fetten Grinsen beiwohnen. Ja, diese verrückten Viecher verhalten sich auch im echten Leben nicht viel anders als ihre animierten Freunde.

Bewertung: 7/10

 

In der dystopischen Zukunft des Jahres 2050 wird die USA von Konzernen regiert und das Volk in ROGER CORMAN’S DEATH RACE 2050 (USA 2017, Regie: G.J. Echternkamp) mit einem ultrabrutalen Autorennen bei Laune gehalten.

DEATH RACE 2000 aus dem Jahr 1975 war einer der ganz großen Hits von Produzent Roger Corman. Nachdem in den letzten Jahren bereits ein Remake und zwei Sequels hierzu das Licht der Leinwände bzw. Flatscreens erblickten, hat Roger Corman – mittlerweile 90 Jahre alt (!) – es sich nicht nehmen lassen, ein eigenes Remake seines Klassikers zu produzieren. Und dieses Remake dürfte vor allem einem etwas unbedarfteren Publikum die Haare zu Berge stehen lassen. DEATH RACE 2050 ist eine komplett überspitzte und bitterböse Satire auf den American Way of Life und präsentiert mit Malcolm McDowell als Präsident der Vereinten Konzerne von Amerika eine grelle Donald-Trump-Parodie, die nun – nachdem der Mann mit der verrückten Frisur tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde – eine noch größere Wirkung erzielt als sich die Macher damals beim Dreh gedacht haben dürften. Unbedingt positiv hervorzuheben wäre noch, dass auch bei diesem Film die Handschrift von Corman als Produzent unverkennbar zu erkennen ist. Es ging bei ihm nie ausschließlich um grelle Exploitation mit exorbitanten Schauwerten, es ging auch immer um die Figuren, die seine wilden Geschichten bevölkerten und diesem Stil ist er sich auch hier treu geblieben. Die einzige und wohl auch eklatanteste Schwäche des Films ist der heutigen Zeit, seinem sicher extrem niedrigen Budget und den technischen Möglichkeiten geschuldet, die hier einfach aufgrund Geldmangels nicht ausgenutzt werden konnten. Die 70er Jahre sind vorbei, der Charme und die Atmosphäre, die die damaligen Filme allein aufgrund ihrer Entstehungszeit ausgemacht haben, können mit teils grottenhässlichen CGI-Effekten einfach nicht reproduziert werden. Corman-Aficionados wie ich selbst es einer bin erfreuen sich natürlich trotzdem an den Film. Denn tief unter den missratenen Effekten ist ein großes Herz begraben, das definitiv an der richtigen Stelle schlägt.

Bewertung: 7/10

 

Prince als verführerischer Barpianist, der sich in UNDER THE CHERRY MOON (USA 1986, Regie: Prince) an der französischen Riviera von reichen Frauen aushalten lässt und auf einem seiner Beutezüge plötzlich die wahre Liebe findet.

Bereits diese kurze Skizzierung der Handlung dürfte klar machen, dass Prince in seinem zweiten Kinofilm – bei dem er auch gleich Regie führte – auf große Gefühle und großen Kitsch setzt. Hier ist wirklich alles komplett over the top; sei es das Produktions- und Kostümdesign, der Plot, das exaltierte Getue des Hauptdarstellers und die wirklich wunderbar anzusehende Schwarz/Weiß-Fotografie von Kameramann Michael Ballhaus (die in gewisser Weise jedoch auch dazu führt, den Film – der auch irgendwie komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint – zumindest noch halbwegs am Boden zu halten; in Farbe würde wohl die Leinwand bzw. der Bildschirm des heimischen TVs explodieren). Aber irgendwie funktionieren dieser ganze Kitsch und diese ganzen Übertreibungen erstaunlich gut. Man ist als Zuschauer geneigt, diesem Film einfach verdammt viel zu verzeihen und lässt sich nur zu gerne von diesem campy Märchen einlullen und verzaubern. Und das Ende ist der Knaller!

Bewertung: 7/10

 

Eine Astronomin hat in THE MAFU CAGE (USA 1978, Regie: Karen Arthur) alle Hände voll zu tun, um ihre jüngere Schwester, die spätestens seit dem plötzlichen Tod des gemeinsamen Vaters extreme Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legt, irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Einer dieser Filme, die heutzutage in dieser Form einfach nicht mehr entstehen könnten. THE MAFU CAGE verbindet ein psychologisches Drama rund um eine schwer dysfunktionale Beziehung zweier Schwestern mit Horrorelementen und ist über seine komplette Laufzeit einfach nur extrem seltsam, aufgrund dieser Tatsache aber auch wieder absolut faszinierend.

Bewertung: 7/10

 

Kim Basinger als Bankräuberin, die in THE REAL MCCOY (USA 1993, Regie: Russell Mulcahy) nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf Bewährung eigentlich ein normales Leben führen will, durch widrige Umstände aber zu einem allerletzten Bankraub gezwungen wird.

Typisches Kino der 90er Jahre, hier als Mischung aus Heist Movie und Familiendrama angelegt und mit Kim Basinger, Val Kilmer und Terence Stamp ganz vorzüglich besetzt. Im Verlauf der Handlung gibt’s zwar Logiklöcher die so tief sind wie die Schluchten des Grand Canyon, wenn man ein Faible für Kino dieser Art hat, kann man da aber locker drüber hinwegsehen. Ich mag den Film.

Bewertung: 7/10

 

Zac Efron begibt sich mit seinem Großvater Robert De Niro in DIRTY GRANDPA (USA 2016, Regie: Dan Mazer) auf einen Road Trip, der seine Zukunft nachhaltig verändern soll.

Was auf den ersten Blick wie eine weitere, niveaulose Gross-Out-Komödie aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung sogar als ziemlich guter Film. Natürlich gibt es derben Humor unter der Gürtellinie und deftige Zoten, es gibt aber auch nicht wenige Momente der ruhigeren Sorte. Im Endeffekt geht es um das Treffen richtiger Entscheidungen und das Wahrnehmen zweiter Chancen. Klar, vielleicht ist das alles etwas zu klischeehaft und platt geraten, aber allein dabei zuschauen zu können, welchen riesigen Spaß De Niro an dieser für ihn doch eher ungewöhnlichen Rolle gehabt haben dürfte, macht den Film schon sehenswert.

Bewertung: 7/10

 

Heinz Erhardt versucht als Vorstandsvorsitzender eines hochverschuldeten Fußballvereins in WILLI WIRD DAS KIND SCHON SCHAUKELN (Deutschland 1972, Regie: Werner Jacobs) gegenüber seiner in Brasilien lebenden Schwester – um deren großzügige Mitgiftversprechen der Vereinskasse überführen zu können – mit Hilfe von Fotomontagen vorzutäuschen, dass seine drei Töchter geheiratet hätten, landet mit dieser Masche aber ganz schnell im tiefsten Schlamassel nachdem sich seine Schwester kurzfristig zu einem Heimatbesuch angekündigt hat.

Einer der Erhardt-Filme, die auch nach vielen Jahrzehnten noch ganz vorzüglich funktionieren. Weil hier tatsächlich eine echte Geschichte erzählt wird und nicht nur einzelne Episoden aneinandergereiht werden. Weil Erhardt hier nicht den kompletten Alleinunterhalter geben muss und sein Wortwitz nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern fester Bestandteil der Handlung ist. Und weil diese Verwechslungsgeschichte so extrem schwungvoll und kurzweilig inszeniert ist, dass sie einem auch heute einfach nur verdammt viel Spaß bereitet.

Bewertung: 7/10

 

Terence Hill und Bud Spencer verschlägt es als zerstrittenes Duo in CHI TROVA UN AMICO TROVA UN TESORO (Italien / USA 1981, Regie: Sergio Corbucci) auf eine einsame Insel, auf der angeblich ein Schatz begraben sein soll.

Ein komplett grenzdebiler Beitrag aus dem Spencer/Hill-Kosmos, der nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute enorm viel Laune verbreitet, ein hohes Tempo geht und in der deutschen Vertonung mit einer Gaga-Synchro gesegnet ist, die einem vor Fremdscham ein ums andere Mal die Röte in die Wangen treibt. Ich fand das bunte Treiben vielleicht auch gerade deshalb jedoch extrem kurzweilig und verdammt unterhaltsam.

Bewertung: 7/10

 

 

Chris Hemsworth und Jessica Chastain versuchen in THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR (USA 2016, Regie: Cedric Nicolas-Troyan) zu verhindern, dass das sich in Charlize Theron und Emily Blunt personifizierte Böse die Macht über einen magischen Spiegel erlangt.

Wirklich ausgesprochen nett anzusehendes Fantasy-Abenteuer, welches vor allem durch seine Besetzung, seine teils atemberaubenden Bilder und sein tolles Production Design zu überzeugen weiß. Großartige Überraschungen darf man sich von der erzählten Geschichte erwartungsgemäß nicht erhoffen, wer Lust auf einen kurzweiligen Snack aus Action, Fantasy und Humor haben sollte, darf hier aber auf jeden Fall gerne zugreifen. Ein Film für verregnete Sonntagnachmittage.

Bewertung: 6/10

 

Nachdem seine Schwester samt Familie bei ihm eingezogen ist, wird für Heinz Erhardt als Finanzbeamter im Ruhestand in UNSER WILLI IST DER BESTE (Deutschland 1971, Regie: Werner Jacobs) das Geld knapp und er ist gezwungen, einen Job als Vertreter von Elektrogeräten anzunehmen.

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen. Hier verbreitet er als Vertreter diverser Haushaltsgeräte in stimmig aneinandergereihten Episoden das komplette Chaos und als Zuschauer und Freund eskapistischen Blödsinns lehnt man sich grinsend auf der Couch zurück und harrt der Dinge, die da so kommen mögen. Großartige Überraschungen darf man natürlich nicht erwarten. Der Meister des Wortspiels wirft einmal mehr die Kalauerkanone an, feuert damit aus allen Rohren, stiftet heilloses Durcheinander und steht am Ende – wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat – doch als strahlender Sieger da.

Bewertung: 6/10

 

In seinem letzten Auftritt als Gendarm gehen Louis de Funès und seinen in LE GENDARME ET LES GENDARMETTES (Frankreich 1982, Regie: Jean Girault) vier junge Politessen verloren, die den schusseligen Polizisten zur Ausbildung anvertraut wurden.

Der letzte Auftritt von de Funès als Gendarm war dann leider auch der letzte Leinwandauftritt des französischen Komikers überhaupt. Nur knapp 4 Monate nach dem französischen Kinostart dieses Films starb de Funès im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als Fan des Komikers hätte man ihm sicher einen besseren letzten Film gewünscht als diesen hier. Man kann zwar auch diesem insgesamt sechsten Gendarm-Film einen gewissen – mitunter auch durchaus hohen – Unterhaltungswert nicht absprechen, der präsentierte Klamauk bietet jetzt allerdings nicht wirklich großartig neues. Die aus den vorherigen Filmen bekannten Muster und Klischees werden brav abgearbeitet und von Highlights wie OSCAR oder JO ist de Funès’ letzter Film qualitativ leider meilenweit entfernt.

Bewertung: 6/10

 

 

Jake Gyllenhaal und Ben Kingsley liefern sich in PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME (USA 2010, Regie: Mike Newell) ein abenteuerliches und actionreiches Wettrennen um einen magischen Dolch.

Seltsam sterile Videospieladaption, die dem Zuschauer zwar über die knapp 2-stündige Laufzeit immer etwas zu bieten versucht, der es aber dennoch praktisch zu keiner Sekunde gelingt, den Zuschauer so für sie zu interessieren, dass dieser irgendeine Beziehung zum Film, zur erzählten Geschichte oder zu den handelnden Personen aufbauen könnte. Newells Wüsten-Abenteuer fließt an einem vorbei, die diversen Actionszenen wirken bald schon ermüdend und während der Abspann läuft, kann man sich fast schon nicht mehr daran erinnern, um was es in dem Film nun eigentlich gegangen ist.

Bewertung: 5/10

 

 

Ex-Basketball-Superstar Dennis Rodman als Geheimagent, der sich in SIMON SEZ (Belgien / Deutschland / USA 1999, Regie: Kevin Elders) mit einem ebenso verrückten wie gefährlichen Waffenhändler anlegt.

Was Regisseur Kevin Elders da eigentlich genau gedreht hat, dürfte er wahrscheinlich selbst nicht wissen. Vielleicht sollte der Film eine überdrehte Agentenfilmparodie werden. Ich habe keine Ahnung, was er letztendlich geworden ist. Der Film sieht aus, als habe man Bewusstseinsströme verschiedener Kleinkinder abgefilmt und wild durcheinander gemischt. Nichts ergibt wirklich Sinn, nicht wenige Sequenzen laden zur Fremdscham ein und wenn nach knapp 80 Minuten schließlich der Abspann einsetzt, raucht einem als Zuschauer aufgrund des dargebotenen Unfugs regelrecht der Kopf. Immerhin haben es ein paar nette Action- und Kampfchoreographien in den Film geschafft und Langeweile kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Am Ende des Tages ist das Teil hier natürlich nur für filmische Allesfresser noch halbwegs interessant und goutierbar.

Bewertung: 4/10

The Movies of February 2017

Der Monat ist zu Ende, es gibt wieder ein paar lose Gedanken zu allen gesehenen Filmen. Angeordnet sind die kurzen Texte in der Reihenfolge des persönlichen Gefallens.

the-proposition

Verdammt großartig ist THE PROPOSITION (Australien / Großbritannien 2005, Regie: John Hillcoat), ein Neo-Western, der im australischen Outback im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielt und in dem sich ein Gesetzloser auf einen Deal mit dem Gesetz einlässt, aus dem am Ende nur Verlierer hervorgehen können.

Überwältigende Bilder von Kameramann Benoît Belhomme, eine wahrlich unter die Haut gehende Geschichte aus der Feder von Nick Cave, der gemeinsam mit Warren Ellis auch noch die Musik beigesteuert hat, eine zutiefst melancholische Stimmung und Atmosphäre sowie mehr als überzeugende Darsteller sorgen dafür, dass Hillcoats THE PROPOSITION einer dieser Filme ist, denen man sich als Zuschauer unmöglich entziehen kann, die einen vollkommen vereinnahmen und schließlich regelrecht atemlos in den Abspann entlassen.

Bewertung: 9/10

 

Als faszinierendes Portrait einer außergewöhnlichen und nicht gerade unkomplizierten Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen möchte ich THE DUKE OF BURGUNDY (Großbritannien / Ungarn 2014, Regie: Peter Strickland) gerne bezeichnen.

Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Geben und Nehmen und das Missverhältnis, das entstehen kann, wenn der eine Teil zu viel vom anderen fordert. Und es geht natürlich nicht zuletzt um sexuelle Obsessionen und – in der filmischen Umsetzung – um den Umgang mit dem Tabuthema S&M. Regisseur Strickland nähert sich seinem Thema auf ungemein ästhetische und behutsame Art und Weise. Er nimmt seine beiden Hauptcharaktere ernst und bringt dem Zuschauer so auf ungemein einfühlsame Art deren gegenseitiges Dilemma näher. Strickland füttert das Kopfkino, verzichtet praktisch gänzlich auf nackte Tatsachen oder gar explizite Details und arbeitet stattdessen mit Andeutungen, symbolträchtiger Bildsprache und einer – in nicht wenigen Momenten – fast schon melancholisch-verträumten Atmosphäre.

Bewertung: 9/10

 

 

Chris Rock spielt sich in TOP FIVE (USA 2014, Regie: Chris Rock), bei dem er neben Hauptrolle und Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, wohl in gewisser Weise selbst. Zumindest dürfte dieser Film, in dem ein ehemaliger Stand-Up-Comedian und jetziger Superstar durch ein geführtes Interview mit einer Journalistin – gespielt von Rosario Dawson – damit beginnt, sein jetziges Leben zu reflektieren und dadurch am Ende des Tages wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet, mit Sicherheit den einen oder anderen autobiographischen Zug aufweisen.

Fälschlicherweise als Komödie beworben und vermarktet, ist TOP FIVE viel mehr ein authentisch wirkender Einblick in die Licht- und Schattenseiten des Showgeschäftes, ein Drama, welches vor allem durch die großartige Chemie zwischen Chris Rock und Rosario Dawson begeistert und darüber hinaus auch so einige denkwürdige Szenen zu bieten hat, von denen nicht wenige in meinen Augen als echte “Magic Moments“ durchgehen.

Bewertung: 8/10

 

Ein britischer Tontechniker wird von einem italienischen Regisseur engagiert und in das titelgebende BERBERIAN SOUND STUDIO (Großbritannien 2012, Regie: Peter Strickland) gebeten um dort an der Vertonung eines Films zu arbeiten, eine Arbeit, die den schüchternen Briten schon bald überfordert und die Grenzen zwischen Film und Realität mehr und mehr ineinander verschwimmen lässt.

Stricklands Film ist sowohl eine Liebeserklärung an die meist im Hintergrund stehenden Leute aus der Sound-Crew eines Filmes als auch an den italienischen Giallo der 70er Jahre. Wer großen Wert auf eine nachvollziehbare Handlung legt, dürfte hier massiv enttäuscht werden. Strickland erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern vermittelt mit seinen Bildern und seinen Tönen eher Stimmungen und Gefühle, erzeugt eine unheimliche Mystery-Atomsphäre und gleitet insbesondere im letzten Drittel des Films mehr und mehr ins Surreale ab. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte begeistert sein.

Bewertung: 8/10

 

Ganz wunderbaren B-Movie-Charme versprüht MOONSHINE COUNTY EXPRESS (USA 1977, Regie: Gus Trikonis) aus der Corman-Schmiede, in dem ein fieser Schurke einen lästigen Konkurrenten im Schwarzbrenner-Business umbringen lässt um das illegale Geschäft für sich alleine zu haben und sich schließlich damit auseinandersetzen muss, dass dessen drei attraktive Töchter in keinster Weise gewillt sind, klein beizugeben.

Trikonis’ Film bietet alles, was man sich von einem Streifen wie diesem hier erhofft: jede Menge bekannte Gesichter aus dem Exploitation-Bereich (u.a. John Saxon, Claudia Jennings und Candice Rialson), einen fiesen Bösewicht, sympathische Heldinnen, die sich diesem widersetzen, die eine oder andere spektakuläre Autoverfolgungsjagd und eine über die komplette Laufzeit ausgesprochen rasante und kurzweilige Art der Inszenierung. Geiler Film!

Bewertung: 8/10

 

Spencer Tracy als alternden Rechtsanwalt mit Alkoholproblemen in THE PEOPLE AGAINST O’HARA (USA 1951, Regie: John Sturges) dabei zuzusehen, wie dieser verzweifelt versucht, einen offensichtlich zu Unrecht des Mordes angeklagten Mann freizubekommen, katapultiert einen als Zuschauer zurück in die klassische Hollywood-Zeit, in der einzig und allein die schauspielerischen Leistungen und die erzählte Geschichte im Mittelpunkt standen.

Dem Zahn der Zeit haben sicher nicht alle Filme von damals so gut standgehalten wie dieser hier. Sturges Film bleibt bis zum großen Finale spannend, kann auch heute noch aufgrund seiner tollen Schauspieler überzeugen und hat im Lauf der Jahre tatsächlich erstaunlich wenig Staub angesetzt.

Bewertung: 8/10

 

In GRIMSBY (Australien / Großbritannien / USA 2016, Regie: Louis Leterrier) gerät ein Top-Agent des britischen Geheimdienstes in den Verdacht des Verrats weil ihn sein tollpatschiger Bruder in Gestalt von Sacha Baron Cohen nach jahrelanger, verzweifelter Suche endlich ausfindig gemacht und sich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für das Wiedersehen ausgesucht hat.

Actionspezialist Louis Leterrier trifft auf den Chaoskomiker Sacha Baron Cohen – herausgekommen ist ein komplett irrsinniger Hybrid aus geiler Actionchoreographie und übelstem Gross-Out-Humor, der sämtliche Grenzen des guten Geschmacks sprengt und den man wohl nur hassen oder lieben kann. Ich muss zugeben, die eine oder andere Szene fand ich auch etwas zu sehr “over the top“ (und wie dieser Film hier eine Freigabe ab 12 Jahren von der FSK bekommen konnte, ist mir ein absolutes Rätsel), bei unzähligen anderen Sequenzen lag ich jedoch fast weinend vor Lachen auf der Couch. Ich mochte GRIMSBY, sehr sogar.

Bewertung: 8/10

 

Ein komplett bizarres Szenario bekommt man von SONNY BOY (Italien / USA 1989, Regie: Robert Martin Carroll) geliefert, in dem ein Kleinkind zufällig in die Hände eines komplett dysfunktionalen Pärchens gerät und von diesem zu einem willenlosen Werkzeug geformt wird, welches im Erwachsenenalter auf Befehl diverse kriminelle Handlungen durchzuführen hat.

Zunächst einmal ist dieser Film komplett aus seiner Entstehungszeit herausgefallen. Er fühlt sich – schon allein aufgrund der Ausgangssituation für die Geschichte und dem weiteren Verlauf der Handlung – praktisch über die komplette Laufzeit nach einem typischen Vertreter des alle Grenzen auslotenden 70er-Jahre-Exploitation-Kinos an und hat auch exakt den Look dieser damaligen Genrevertreter. Wer aufgrund des skizzierten Szenarios nun erwartet, dass Regisseur Carroll seinen Film vor allem mit Geschmacklosigkeiten am laufenden Band garniert hat, kann beruhigt bzw. muss enttäuscht werden. So bizarr SONNY BOY vielleicht auch sein mag, Carroll schafft den fast unmöglich wirkenden Spagat zwischen schriller Exploitation und einfühlsamer Geschichte praktisch mühelos, nimmt alle seine Figuren ernst und erschafft so vor allem im Schlussdrittel stellenweise einen Film von fast poetischer Schönheit.

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Lebensmitteln findet in SAUSAGE PARTY (USA 2016, Regie: Greg Tiernan / Conrad Vernon) heraus, was wirklich mit ihnen passiert, wenn sie von den Menschen aus dem Supermarkt mitgenommen werden.

Politisch höchst inkorrekter Animationsklamauk aus der Feder von u.a. Seth Rogen und Jonah Hill. Wer deren Art von Humor mag und schätzt wird auch mit SAUSAGE PARTY verdammt viel Spaß haben. Ein Film, der zwar genüsslich Grenzen überschreitet und teils extrem derben Gross-Out-Humor liefert, bei näherer Betrachtung aber auch ein satirisch komplett überzeichnetes Statement zur politischen Weltsituation abgibt, damit auf der richtigen Seite steht und allein aus diesem Grund zwei Daumen nach oben verdient hat.

Bewertung: 8/10

 

 

Durch die düsteren Ecken von L.A. begleitet man als Zuschauer den titelgebenden THE CANDY TANGERINE MAN (USA 1975, Regie: Matt Cimber), einen nicht zu großartigen Späßen aufgelegten Zuhälter, und wird dabei Zeuge seines Tages- und Nachtwerks.

Einen herkömmlichen Plot gibt es eigentlich nicht wirklich, der Film setzt sich eher aus verschiedenen Handlungselementen zusammen. Der von John Daniels gespielte Zuhälter versucht seine Prostituierten unter Kontrolle zu halten, liefert sich ein Katz- und Maus-Spiel mit zwei Polizisten, beginnt eine blutige Fehde mit der Konkurrenz und versucht nebenbei, noch ein richtig dickes Ding zu drehen, bei dem ein mehr als stattlicher Geldbetrag herausspringen könnte. Regisseur Cimber holt dabei aus den offensichtlich geringen Mitteln, die er zur Verfügung hatte, nahezu das Maximum raus. Sein Film spielt zwar nicht in einer Liga mit den großen Klassikern des Blaxploitation-Kinos, kann aber durch seine Authentizität vermittelnde Stimmung, sein Setting in den eher ungemütlicheren Ecken der Stadt der Engel, seinen megacoolen Hauptdarsteller, seine grimmige Atmosphäre und jede Menge teils ausgesprochen derber What-the-Fuck-Momente absolut überzeugen.

Bewertung: 7/10

 

Louis de Funès und seine Kollegen werden in LE GENDARME EN BALADE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean Girault) in den Ruhestand zwangsversetzt, was sie – um die schon bald einsetzende Langeweile zu bekämpfen – allerdings nicht daran hindert, weiter die Uniform anzuziehen und heimlich auf Streife zu gehen.

De Funès im Ruhestand ist sogar noch einen Tick witziger als De Funès mit Schmetterlingen im Bauch (den Text hierzu gibt es weiter unten). Girault inszeniert ausgesprochen rasant, gelungene Gags gibt es praktisch im Minutentakt und nebenbei ist der Film natürlich auch eine Liebeserklärung an alle Menschen, die sich nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mal einfach so nebenbei abschieben lassen sondern selbst noch aktiv bleiben.

Bewertung: 7/10

 

In seinem dritten Auftritt als Gendarm verliebt sich Louis de Funès in LE GENDARME SE MARIE (Frankreich / Italien 1968, Regie: Jean Girault) in die bezaubernde Claude Gensac.

Louis de Funès erneut in einer seiner Paraderollen. Als Gendarm mit Schmetterlingen im Bauch richtet er einmal mehr heilloses Chaos an und bereitet einem als Zuschauer so extrem vergnügliche 90 Minuten. Eine wunderbare 60er-Jahre-Atmosphäre, das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus diversen De-Funès-Filmen und die wiederholt federleichte Inszenierung von Regisseur Jean Girault machen auch aus dem dritten Teil der Reihe einen Film, den man sich als Fan immer wieder gerne ansieht.

Bewertung: 7/10

 

Ziemlich durchdrehende Exploitation aus Griechenland liefert ΤΑΓΚΟ 2001 | TANGO 2001 (Griechenland 1974, Regie: Kostas Karagiannis), in dem ein wohlhabender Außenseiter, der von allen nur belächelt und ausgenutzt wird, auf ganz eigene Art und Weise versucht, seinem Dilemma zu entfliehen.

Ganz viel Sleaze, psychedelische Nachtclubsequenzen, grandiose Inneneinrichtungen, What-the-Fuck-Momente im Überfluss und eine Geschichte, bei der man sich nie so sicher sein kann, welche Wendung sie als nächstes einschlagen wird. Ja, doch, TANGO 2001 bietet wirklich ganz schön viel für so einen kleinen, schmuddeligen Film.

Bewertung: 7/10

 

Die Dokumentation THE SEARCH FOR WENG WENG (Australien 2007, Regie: Andrew Leavold) begibt sich auf die Spuren des im Jahr 1992 verstorbenen Weng Weng, der mit nur 83 cm Körpergröße als einer der kleinsten Schauspieler aller Zeiten in die Annalen der Exploitation-Filmgeschichte eingegangen ist.

Regisseur Andrew Leavold hatte den Weng-Film FOR Y’UR HEIGHT ONLY gesehen und es sich danach zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des kleinwüchsigen Hauptdarstellers in einer Dokumentation zu beleuchten. Der nach jahrelangen Recherchearbeiten fertiggestellte Film gewährt einen einfühlsamen und über weite Strecken ausgesprochen interessanten Einblick in ein Mysterium der Filmgeschichte. Regisseur Leavold ist es gelungen, so viele Weggefährten wie möglich vor die Kameras zu locken und so nicht nur Licht ins Dunkel um Weng Weng zu bringen, sondern gleichzeitig auch einen Einblick in das philippinische Kino der 70er und 80er Jahre zu gewähren. Die dabei geleistete Recherchearbeit verdient höchste Anerkennung, wobei man allerdings auch konstatieren muss, dass der fertige Film eindeutig als nerdiges Fanprojekt verstanden werden sollte und nicht unbedingt als professionelle Filmdokumentation.

Bewertung: 7/10

 

Bud Spencer und Terence Hill lassen erneut die Fäuste fliegen und legen sich in PARI E DISPARI (Italien / USA 1978, Regie: Sergio Corbucci) mit der Glücksspielmafia an.

Corbuccis Film zeigt das kongeniale Duo in Bestform. Ausgesprochen hübsch choreographierte Prügeleien en masse, eine ungemein rasante Inszenierung und eine deutsche Synchro, die wahrlich keine Gefangenen macht – wo Spencer und Hill draufsteht ist im vorliegenden Fall auch definitiv Spencer und Hill drin.

Bewertung: 7/10

 

Sofern es einem gelingt, über die etwas krude Ausgangssituation hinwegzublicken, kann man auch mit BLACK FRIDAY (USA 1940, Regie: Arthur Lubin), einem weiteren Film in dem Lugosi und Karloff mitwirken, richtig viel Spaß haben. Lugosi hat hier allerdings eine etwas kleinere Rolle abbekommen. Mehr Screentime hat Karloff als Mediziner, der einem sterbenden Freund in einer illegalen Hauruckaktion das Gehirn eines Gangsters verpflanzt. Das zieht natürlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich, muss der so Geheilte fortan mit einer gespaltenen Persönlichkeit leben. Ein Fakt, aus der Karloff wiederum seinen Nutzen ziehen mag, denn irgendwo im Gehirn des Gangsters sind Informationen zum Versteck einer stattlichen Geldsumme verborgen und die gilt es nun hervorzuholen.

Das ist natürlich keine Geschichte, die einem größeren Logiktest standhält, wenn man das als gegeben hinnimmt und akzeptiert, bekommt man dafür eine ausgesprochen kurzweilige Mischung aus Horror- und Gangsterfilm serviert, die von Anfang an als Rückblende erzählt wird und bis zu ihrer endgültigen Auflösung den einen oder anderen Haken schlägt. Schön.

Bewertung: 7/10

 

Mel Gibson ist der titelgebende BLOOD FATHER (Frankreich 2016, Regie: Jean-François Richet), der versucht, seine Tochter vor einer ganzen Armee finsterer Gestalten zu beschützen.

Schnörkellos inszeniertes Jagd/Flucht-Szenario, welches Mel Gibson mal wieder in einer überzeugenden und irgendwie auch maßgeschneiderten Rolle präsentiert. Ich mochte diesen Old-School-Vibe, den der Film verbreitete. Erin Moriarty als Gibsons Tochter spielt zudem richtig gut und die Kameraarbeit von Robert Gantz ist über weite Strecke eine einzige Augenweide.

Bewertung: 7/10

 

In BAD MOMS (USA 2016, Regie: Jon Lucas / Scott Moore) sind drei Frauen in ihren Rollen als perfekte Mütter komplett überfordert und entschließen sich eines Tages dazu, einfach mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken – was sich am Ende des Tages natürlich positiv für sie und ihre Kinder auswirkt.

Durchaus gelungene Komödie, die weitaus harmloser daherkommt als der Titel womöglich zu versprechen mag. Der Verlauf der Geschichte ist natürlich ziemlich vorhersehbar und auch an jeder Menge Klischees wurde nicht gespart. Letztendlich gewinnt der Film durch jede Menge Funken von Wahrheit, die in ihm stecken und seine Armada von überzeugenden Schauspielerinnen.

Bewertung: 7/10

 

Solide 90er-Jahre-Action liefert MONEY TRAIN (USA 1995, Regie: Joseph Ruben), in dem sich Woody Harrelson als Cop mit Geldsorgen dazu entschließt, den titelgebenden Zug zu überfallen, mit dem die Einnahmen sämtlicher New Yorker U-Bahn-Stationen eingesammelt und transportiert werden.

Ein Hauch Buddy-Movie – Wesley Snipes ist als Harrelsons Adoptivbruder und Partner wider Willen mit an Bord -, ein bisschen Romantik – Jennifer Lopez fungiert als Love Interest -, ein paar hübsch anzusehende Subplots und ein zumindest halbwegs spektakuläres Finale runden einen Film ab, der zu keinem Zeitpunkt verleugnen kann, aus welchem Jahrzehnt er stammt, der heutigen Action- und Blockbuster-Filmen in Sachen Spektakel und Schauwerten natürlich nicht annähernd das Wasser reichen kann, diesen jedoch in Sachen Charme und Sympathiewerte haushoch überlegen ist.

Bewertung: 7/10

 

In THUNDERHEART (USA 1992, Regie: Michael Apted) soll Val Kilmer als junger FBI-Agent mit indianischen Vorfahren einen Mord in einem Indianerreservat gemeinsam mit einem älteren Partner aufklären und sticht bei seinen Ermittlungen mitten in ein Wespennest hinein.

Der Film hat kommt zwar nicht wirklich ohne Klischees aus, hat das Herz aber auf dem rechten Fleck und liefert dabei grundsolide und gute Thriller-Handlung mit Mystery-Touch.

Bewertung: 7/10

 

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter ohne jegliche Perspektive liefert sich in SHOPPING (Großbritannien / Japan 1994, Regie: Paul W.S. Anderson) – angeführt von einem jungen Jude Law – erbitterte Kämpfe mit der Polizei und einer rivalisierenden Bande.

Für einen Debütfilm – für den mittlerweile entweder leidenschaftlich geliebten oder ebenso leidenschaftlich verachteten Paul W.S. Anderson stellte dies hier die erste Regiearbeit dar und Jude Law, damals Anfang 20, gab hier sein Leinwanddebüt in einer Hauptrolle – ist SHOPPING mehr als ordentlich geraten. Ich mochte die Punkrock-Attitüde des Films, dieses Unverschämte, Rotzige, das er ausstrahlt, aber gleichzeitig auch die zutiefst melancholischen Momente, die ihn immer wieder durchziehen. In den Actionszenen zeigt Anderson schon deutlich sein gutes Gespür im Timing solcher Sequenzen und der Soundtrack des Films ist ziemlich geil geraten.

Bewertung: 7/10

 

 

In seinem fünften Auftritt als Gendarm bekommt es Louis de Funès in LE GENDARME ET LES EXTRA-TERRESTRES (Frankreich 1979, Regie: Jean Girault) mit Außerirdischen zu tun.

Erste leichte Abnutzungserscheinungen machen sich breit. Nachdem die Gendarm-Reihe nach dem vierten Film eine Pause von immerhin 9 Jahren eingelegt hatte, krankt dieser fünfte Beitrag insbesondere daran, dass nicht mehr die komplette Besetzung zur Verfügung stand. Vor allem das Fehlen von Claude Gensac als Ehefrau des kleinen Cholerikers schmerzt doch sehr. Zudem war mir dieser Film mit den außerirdischen Blechkameraden auch einfach eine Spur zu albern und wirkte mit seinem ganzen Verwechslungsszenario – die Außerirdischen können die beliebige Gestalt von Menschen annehmen – mitunter doch sehr bemüht. Auch wenn das ganze Treiben über weite Strecken natürlich immer noch verdammt unterhaltsam ausgefallen ist, mir persönlich fehlte einfach die Leichtigkeit in der Inszenierung, welche die Vorgängerfilme allesamt ausgezeichnet hatte.

Bewertung: 6/10

 

Wenn Michael Bay etwas kann, dann ist das maximale Unterhaltung mit minimalstem Anspruch zu verbinden. Dazu muss er nicht mal selbst Regie führen, es genügt schon seine Mitwirkung als Produzent, um aus einem Film wie TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: OUT OF THE SHADOWS (China / Hongkong / Kanada / USA 2016, Regie: Dave Green), in dem Megan Fox und die vier riesigen Ninjaschildkröten mal wieder den Tag retten müssen, ein herrlich unbekümmertes Vergnügen zu machen. Das ist filmisches Fast Food mit dem größtmöglichen Unterhaltungsfaktor, rasant inszeniert, mit netten Gags und spektakulären Action-Set-Pieces ausgestattet und mit einem Sound Design gesegnet, welches – eine ordentliche Anlage vorausgesetzt – die heimische Couch unter dem Allerwertesten vibrieren lässt.

Bewertung: 6/10

 

Nett unterhaltsam ist EVE OF DESTRUCTION (USA 1991, Regie: Duncan Gibbins), in dem ein außer Kontrolle geratener Android wieder eingefangen werden muss.

Sympathische, kleine B-Produktion, die aus ihrem schmalen Budget so viel wie möglich herauszuholen vermag. Über ein Viertel Jahrhundert nach Erstveröffentlichung hat das alles zwar schon ordentlich Staub angesetzt und verbreitet nicht mehr wirklich viel Spannung, Zwei damals noch angesagte Hauptdarsteller (die heute wahrscheinlich niemand mehr kennt), das geradlinige Jagd-Flucht-Szenario und ein paar blutige Shoot-Outs sorgen aber dennoch dafür, dass Fans des Actionfilms der damaligen Zeit bei Sichtung dieses Streifens sicher ein paar wohlige Nostalgieschübe bekommen dürften.

Bewertung: 6/10

 

Bud Spencer und Terence Hill in Doppelrollen. In NON C’È DUE SENZA QUATTRO (Italien 1984, Regie: Enzo Barboni) werden die beiden angeheuert um in die Haut zweier Milliardäre zu schlüpfen, denen sie zum Verwechseln ähnlich sehen. Die fürchten nämlich um ihr Leben und wollen ihre Doppelgänger als Kanonenfutter verwenden. Aber natürlich kommt alles anders als erwartet.

So unterhaltsam diese weitere Zusammenarbeit von Spencer und Hill auch sein mag, an die Großtaten des schlagkräftigen Duos kommt Barbonis Film eigentlich nie heran. Dazu war mir der Film in seiner Gesamtheit doch etwas zu schlafmützig inszeniert und kam über die komplette Laufzeit eigentlich nie so richtig in Fahrt.

Bewertung: 6/10

 

Komplett harmlosen aber doch irgendwie auch unterhaltsamen Klamauk bietet das Heinz-Erhardt-Vehikel DAS KANN DOCH UNSREN WILLI NICHT ERSCHÜTTERN (Deutschland 1970, Regie: Rolf Olsen), in dem Erhardt mit der Familie in den gemeinsamen Italien-Urlaub fährt, nur um sich dort mit den ungeliebten Nachbarn zu duellieren (und am Ende natürlich zu versöhnen).

Wo Erhardt drauf steht, ist Erhardt drin. Die präsentierten Gags dürften schon damals nicht mehr ganz frisch gewesen sein, seine unzähligen Wortspiele sind altbekannt und das interessanteste an diesem Film dürfte noch sein, auf welch naiv-charmante Weise er das deutsche Spießbürgertum abbildet und so der kompletten Lächerlichkeit preisgibt.

Bewertung: 6/10

 

MARY REILLY (Großbritannien / USA 1996, Regie: Stephen Frears) erzählt die klassische Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus der Perspektive der titelgebenden und von Julia Roberts gespielten Haushälterin des Wissenschaftlers.

Einer dieser Filme bei denen zwar nicht sonderlich viel anbrennen kann, die dafür aber auch nicht besonders innovativ geraten sind, sondern eher für routinierte und – wenn man es so nennen mag – teils biedere Unterhaltung stehen. Die hier vorliegende Mischung aus Horror, Drama und Romanze ist überaus prominent besetzt und allein aufgrund dieser Tatsache absolut solide gespielt. Viel mehr – vielleicht noch die ziemlich tolle Ausstattung – dürfte von diesem Film auf lange Sicht jedoch nicht im Gedächtnis hängen bleiben.

Bewertung: 6/10

 

 

Für dieses riesige, kreative Loch, in dem sich Hollywood nun schon seit Jahren befindet, ist JASON BOURNE (China / Großbritannien / USA 2016, Regie: Paul Greengrass), in dem sich Matt Damon als Jason Bourne mal wieder ein Katz- und Mausspiel mit seinem früheren Arbeitgeber liefert, ein perfektes Beispiel.

Regisseur Greengrass hält seine Kamera, seine diversen Pro- und Antagonisten und seinen Film zwar immer in Bewegung, doch diese ständige Bewegung führt zu keinerlei Intensität, weckt kein großartiges Interesse und lässt den Zuschauer eher als teilnahmslosen Beobachter zurück. Der Hauptplot ist aus den vorherigen Filmen hinlänglich bekannt und mittlerweile nun wirklich nicht mehr dazu geeignet, so etwas wie Spannung zu verbreiten und der Nebenplot um das neue Geheimprogramm der CIA mit dem erfolgreichen Jungunternehmerstar ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk. Wenigstens sind ein paar nette Actionszenen vorhanden und in ein paar wenigen Momenten blitzt auch kurz so etwas wie Potential auf, insgesamt betrachtet ist das alles aber viel zu wenig um so etwas wie echte Begeisterung bei mir als Zuschauer hervorzurufen. Der mit Abstand schwächste Teil der ganzen Reihe.

Bewertung: 5/10

The Movies of January 2017

In den letzten Monaten hatte ich leider weder die Zeit noch die Muse, diesen Blog hier weiterzuführen. Um ihn nicht komplett einschlafen zu lassen, gibt es nun – so zumindest der Plan – immer am Monatsende eine kleine Rückschau auf meinen persönlichen Filmmonat mit ein paar losen Gedanken zu den gesehenen Filmen.

 

Im Januar 2017 stachen für mich insbesondere 4 Filme heraus, die ich allesamt als herausragend bezeichnen möchte:

hell-or-high-water

Mein persönliches Filmhighlight im Januar war HELL OR HIGH WATER (USA 2016, Regie: David Mackenzie), in dem Ben Foster und Chris Pine als Brüderpaar im ländlichen Texas Banken ausrauben um mit dem erbeuteten Geld den Familienbesitz in Form einer Farm zu retten. Alles geht gut, bis die beiden zu unvorsichtig werden und sich mit Jeff Bridges ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger an ihre Fersen heftet, der als letzte Amtshandlung die Bankräuber unbedingt zur Strecke bringen will.

Der Film lebt von seinen drei phantastischen Hauptdarstellern, seiner tollen Kameraarbeit, seinem wundervollen Score von Nick Cave und Warren Ellis, seiner behutsam die Spannungsschraube immer mehr anziehenden Geschichte und seiner ungemein intensiven Atmosphäre.

 

RAMPART (USA 2011, Regie: Oren Moverman), in dem Woody Harrelson einen dreckigen Cop spielt, der ins Visier der Abteilung für Innere Angelegenheiten gerät, war der zweitbeste Film, den ich im Januar gesehen habe.

Ein ungemein intensiv und glaubwürdig gespieltes Cop-Drama, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Am Ende des Tages machen dann wohl doch die Schauspieler den Unterschied zwischen herausragenden, sehr guten, guten, durchschnittlichen und eher schlechten Filmen aus. In RAMPART spielen neben Woody Harrelson u.a. Robin Wright, Ned Beatty, Sigourney Weaver, Steve Buscemi, Anne Heche, Cynthia Nixon, Brie Larson, Ben Foster, Robert Wisdom und Ice Cube mit. Noch Fragen?

 

Platz 3 des persönlichen Januarrankings geht an SING STREET (Großbritannien / Irland / USA 2016, Regie: John Carney), in dem sich ein Teenager im Dublin der 80er Jahre Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt und kurzerhand eine Band gründet, um die Angebetete für sich zu gewinnen.

Nach ONCE und BEGIN AGAIN spielt auch im dritten Film von Regisseur John Carney die Musik bzw. die Liebe zur Musik die heimliche Hauptrolle. Wer insbesondere mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich bei diesem Film von Beginn an einfach nur wohl fühlen. Der Soundtrack ist göttlich und für seine Geschichte findet Carney genau die richtige Balance zwischen tragischen und komischen Momenten.

 

Beim vierten hervorragenden Film des vergangenen Monats handelt es sich um BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua), der die Geschichten dreier verschiedener Polizisten in den Straßen von Brooklyn erzählt.

Ethan Hawke versucht dabei während teils waghalsiger Einsätze schmutziges Geld auf die Seite zu schaffen, um seiner Familie ein besseres Leben zu bieten, Richard Gere ist als desillusionierter Polizist kurz vor dem Ruhestand zu sehen, der lieber mal in die andere Richtung schaut um jeglichen Ärger kurz vor der Pensionierung aus dem Weg zu gehen und Don Cheadle ist der Undercover-Cop, bei dem die Grenzen zwischen Dienstpflicht und den Verlockungen des organisierten Verbrechens langsam zu verschwimmen drohen.

Erwartungsgemäß nicht ganz ohne Klischees auskommend lässt Regisseur Fuqua seine drei parallel und teils extrem ruhig erzählten Handlungsstränge unaufhaltsam auf ein Finale zulaufen, welches an Intensität kaum zu überbieten ist.

 

 

Sehr gut gefallen haben mir folgende Filme:

Den Anfang macht FEDORA (Deutschland / Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder), in dem William Holden als klammer Filmproduzent versucht, eine zurückgezogen lebende Filmdiva aus vergangenen Tagen ausfindig zu machen und diese zu einem Comeback zu überreden. Dabei stößt er auf einige Geheimnisse.

Knapp 30 Jahre nach seinem Meisterwerk SUNSET BLVD. griff Billy Wilder mit FEDORA noch einmal das Thema Traumfabrik auf und besetzte seinen Film abermals mit William Holden in der männlichen Hauptrolle, der sich erneut mit einer alternden Filmdiva herumschlagen musste. Hier nun allerdings mit umgekehrten Voraussetzungen. Sollte Holden knapp 30 Jahre zuvor noch für die Diva arbeiten, versucht er nun eine solche davon zu überzeugen, für ihn vor die Kamera zurückzukehren. Natürlich kommt man nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen und fast zwangsläufig muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass FEDORA in diesem Vergleich nur als zweiter Sieger hervorgehen kann. Die große Klasse eines SUNSET BLVD. erreicht der Film leider nie, was aber natürlich nichts daran ändert, dass es sich auch bei Wilders vorletzter Regiearbeit um einen sehr guten Film handelt. Wegen seiner überzeugenden Schauspieler, wegen des südländischen Flairs, das er verbreitet, wegen seines Mystery-Touchs und nicht zuletzt, weil er diese unausweichliche Problematik der Showbranche, mit dem Alter nicht klar zu kommen und alles für die ewige Jugend zu tun, ausgesprochen überzeugend auf die Leinwand bringt.

 

Ein sehr guter Film ist auch ZOOTOPIA (USA 2016, Regie: Byron Howard / Rich Moore / Jared Bush) aus dem Hause Disney/Pixar geworden, in dem ein Kaninchen allen Widerständen zum Trotz seinen Traum verwirklicht und als Polizeibeamtin Furore macht.

Besonders zu erwähnen ist, dass ZOOTOPIA einfach auf der richtigen Seite steht und seinem jungen Zielpublikum auf einfache Art und Weise eine positive und zutiefst humanitäre Botschaft vermittelt. Und das nicht mit dem Vorschlaghammer oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf ausgesprochen rasante, spannende und lustige Art und Weise.

 

Sehr gut und komplett außergewöhnlich ist THE LOBSTER (Frankreich / Griechenland / Großbritannien / Irland / Niederlande 2015, Regie: Yorgos Lanthimos) geraten, in dessen nicht allzu fernen Zukunft alleinstehende Menschen in ein Hotel gebeten werden, in dem sie 45 Tage Zeit haben, um einen neuen Partner fürs Leben zu finden, andernfalls werden sie in ein Tier verwandelt. Zu den Betroffenen gehört auch Colin Farrell, der in einen Hummer verwandelt werden soll und kurz vor Ablauf seiner Zeit verzweifelt nach Alternativen sucht.

Stellenweise ist THE LOBSTER zwar vielleicht etwas zu bemüht skurril geraten, insgesamt betrachtet stellt diese krude Mischung aus Komik, Spannung und Dramatik aber eine willkommene Abwechslung zum üblichen Mainstream-Einheitsbrei dar, begeistert zudem mit teils atemberaubend schönen Kameraeinstellungen und einem Colin Farrell in Höchstform in einer für ihn ausgesprochen ungewöhnlichen Rolle.

 

Das Prädikat “sehr gut“ hat sich auch LE GENDARME DE SAINT-TROPEZ (Frankreich / Italien 1964, Regie: Jean Girault) verdient, der Auftaktfilm der Gendarm-Reihe mit Louis de Funès, in dem er von einem beschaulichen kleinen Ort, den er mit eiserner Faust regiert hatte, ins weltoffene Saint Tropez versetzt wird und dort allerhand Chaos anrichtet.

Neben de Funès, der mal wieder voll in seinem Element ist, möchte ich hier unbedingt noch die bezaubernde Geneviève Grad in der Rolle seiner Tochter erwähnen, die ihre Sache als ebenso charmanter wie attraktiver Gegenpol zum cholerischen Hauptdarsteller richtig gut macht und so dafür sorgt, dass Giraults Film nicht zur kompletten Ein-Mann-Show verkommt.

 

Mit THE RAVEN (USA 1935, Regie: Lew Landers) habe ich mich ins klassische Gruselkino der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begeben. Bela Lugosi spielt einen genialen Chirurgen, den die nicht erwiderte Liebe einer jungen Frau zu drastischen Taten animiert.

Als Gegenpart zu Lugosi ist mal wieder Boris Karloff mit von der Partie, die Atmosphäre ist unheimlich und das Finale hat es tatsächlich ziemlich in sich. Für Fans solcher Filme gibt’s ‘ne ganz dicke Empfehlung.

 

 

Zwar nicht mehr sehr gut, aber doch immer noch gut haben mir folgende Filme gefallen:

THE VISIT (USA 2015, Regie: M. Night Shyamalan) erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares, welches zum ersten Mal in seinem Leben für eine Woche zu Besuch bei seinen Großeltern ist und schon bald mit außerordentlich seltsamen Verhaltensweisen der Großeltern konfrontiert wird.

Eigenwillige Kameraperspektiven – der komplette Film ist im Doku-Look gedreht -, obskurer Humor mit teils urkomischen Sequenzen und dann auch immer wieder eine Atmosphäre des Unbehagens. Shyamalan macht sich mal wieder einen Spaß daraus, das 08/15-Blockbuster-Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Auf seine ganz eigene Art und Weise schon irgendwie ein diebischer Spaß, dieser Film.

 

Bud Spencer ist der titelgebende BANANA JOE (Deutschland / Italien 1982, Regie: Steno), dessen unbekümmerter Bananenhandel von finsteren Burschen torpediert wird, denen er für ein geplantes Großprojekt ein Dorn im Auge ist. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, wird eine Erlaubnis benötigt. Und diese zu beschaffen ist komplizierter als gedacht.

Ich habe mir schon in den ganzen letzten Monaten immer mal wieder Filme mit Bud Spencer angesehen und musste dabei feststellen, dass so richtig gut eigentlich nur die Filme funktioniert haben, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Der Nostalgiefaktor halt. Stenos Film kannte ich vorher auch noch nicht und der hat trotzdem funktioniert. Denn wie Bud Spencer hier in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben wird ist über weite Strecken einfach nur zum Schreien komisch.

 

In TAKE THIS WALTZ (Japan / Kanada / Spanien 2011, Regie: Sarah Polley) lässt sich Michelle Williams auf eine Affäre mit ihrem Nachbarn ein und betrügt dabei ihren Ehemann Seth Rogen.

Durchaus glaubwürdige und einfühlsame Geschichte einer Ehe, in die sich zu viel Routine eingeschlichen hat. Gut an dem Film ist vor allem die Tatsache, dass der Plot einen für Filme dieser Art eher untypischen Verlauf nimmt. Schön auch zu sehen, dass Seth Rogen weitaus mehr kann als nur den Pausenclown zu spielen. Als betrogener und komplett hilfloser Ehemann macht er seine Sache aber mal richtig gut.

 

In CENTRAL INTELLIGENCE (USA 2016, Regie: Rawson Marshall Thurber) trifft Kevin Hart, der ehemalige Star seiner Highschool, kurz vor der 20-Jahr-Feier auf seinen ehemaligen Mitschüler Dwayne Johnson, dem einst pummeligen Außenseiter, der ihn um einen Gefallen bittet, was für Hart bleihaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Ja, doch, mein Faible für Filme, in denen ein Normalo aufgrund Verkettung unglücklicher Ereignisse in einen gehörigen Schlamassel gerät und praktisch über sich hinauswachsen muss, um diesem wieder zu entkommen, kann ich definitiv nicht verleugnen. CENTRAL INTELLIGENCE schlägt genau in diese Kerbe, fügt dem ganzen noch einen Schuss Buddy-Movie-Theatralik hinzu und hat mich auf diese Weise richtig gut unterhalten. Thurber hat seinen Film rasant inszeniert, eine Vielzahl der Gags funktioniert, die vorhandenen Actionszenen sind ausgesprochen nett anzusehen und die Chemie zwischen Hart und Johnson passt wie die Faust aufs Auge. Guter Film!

 

In seinem zweiten Auftritt als Polizist verschlägt es Louis de Funès in LE GENDARME À NEW YORK (Frankreich / Italien 1965, Regie: Jean Girault) nach New York, wo er mit seinem Vorgesetzten und seinen Männern an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt und schon schnell mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sich seine Tochter verbotenerweise ebenfalls mit in die amerikanische Metropole geschmuggelt hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist dieser zweite Teil für meinen Geschmack etwas arg episodenhaft geraten und wirkt weitaus weniger homogen als der Auftaktfilm der Reihe. Diebischen Spaß macht dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen de Funès und seiner erneut bezaubernden Filmtochter Geneviève Grad natürlich trotzdem und die eine oder andere Länge, die sich da ab und zu einzuschmuggeln droht, wird von de Funès und seinen unnachahmlichen Grimassen immer und immer wieder zuverlässig übertüncht.

 

Jean-Claude Van Damme versucht in MAXIMUM RISK (USA 1996, Regie: Ringo Lam) den Mord an seinem Zwillingsbruder aufzuklären.

Ein Film, über den man keine großen Worte verlieren muss. Ringo Lam präsentiert routinierte 90er-Jahre-Action. Der Film ist rasant, spannend und wird nie langweilig. Kino dieser Art wird heutzutage leider viel zu selten gedreht.

 

Bei RENEGADES (USA 1989, Regie: Jack Sholder), in dem sich Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips als ungleiches Gespann zusammenraufen müssen um einen skrupellosen Killer zur Strecke zu bringen, handelt es sich um grundsolide und schnörkellose Action aus den späten 80er Jahren.

Die beiden Hauptdarsteller gehörten damals zu den großen Hoffungsträgern ihrer Schauspielergeneration und geben in der kurzweiligen Mischung aus Jagd/Flucht- und Racheszenario, in der der damals im Actionfilm schon langsam obligatorisch werdende Humor erfreulicherweise noch fast gänzlich abwesend ist, ein überzeugendes Gespann auf der Jagd nach einem herrlich schmierigen Bösewicht. Das Ganze ist zwar nicht übermäßig spannend geraten, Fans solcher Filme dürfen sich dafür aber an ein paar spektakulären Verfolgungsjagden und jeder Menge blutiger Shoot-Outs erfreuen.

 

Auf seine Weise gut war auch noch UNBROKEN (USA 2014, Regie: Angelina Jolie), der die wahre Geschichte des Mittelstreckenläufers Louis Zamperini erzählt, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Der immer wieder schwierige Spagat, ein so ernsthaftes Thema wie den 2. Weltkrieg in einen Film zu packen, der am Ende des Tages seine Zuschauer ja auch irgendwie fesseln und unterhalten soll, gelingt Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit zwar nicht immer, eindrucksvoll gefilmt und toll gespielt ist UNBROKEN aber trotzdem. Hin und wieder schleichen sich etwas zu viele Längen ein und vielleicht hätte dem Film eine etwas kürzere Laufzeit gut getan, aber da Filme gegen das “Vergessen“ gerade in der heutigen Zeit mehr als wichtig sind, möchte ich auch für UNBROKEN eine Empfehlung aussprechen.

 

Den Abschluss der guten Filme dieses Monats macht SUOR OMICIDI (Italien 1979, Regie: Giulio Berruti), in dem Anita Ekberg eine Nonne spielt, die in einer Klinik immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, während in ihrem direkten Umfeld die Todesfälle rapide zunehmen.

Der wie alle seine Genrekollegen angeblich auf Geheimakten aus dem Vatikan basierende Film wälzt sich – auch das hat er mit praktisch allen Vertretern des Nunsploitation-Films gemein – genüsslich in diversen Geschmacklosigkeiten und möchte auf diese Weise natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch die Verlogenheit der katholischen Kirche als Institution anprangern, die sich einfach mal kurz über alle weltlichen Gesetze stellt und Unpässlichkeiten wie die im Film dargestellten einfach auf ihre eigene Art und Weise zu lösen versucht. Dass dies nicht immer funktioniert zeigt der kleine Twist am Ende des Films, den aufmerksame Filmeschauer natürlich schon ein gutes Stück vorher erahnen können. SUOR OMICIDI überzeugt mit ein bisschen Spannung, einem netten Mystery-Touch und jeder Menge Sleaze und sei jedem Freund des unterschlagenen Kinos an dieser Stelle zur bedenkenlosen Sichtung empfohlen.

 

 

Nicht mehr richtig gut, aber immerhin noch unterhaltsam waren:

An der Spitze der noch unterhaltsamen Filme des vergangenen Monats steht THE PURGE: ELECTION YEAR (Frankreich / USA 2016, Regie: James DeMonaco), der mittlerweile dritte Teil rund um diese eine Nacht in den USA, in der alle Verbrechen – inklusive Mord – legal sind. Die im dritten Teil behandelte Nacht fällt mitten hinein in den Wahlkampf und die regierende Rechte versucht durch die Aufhebung aller Regeln ihre politische Gegnerin loszuwerden.

Regisseur James DeMonaco, der bereits die ersten beiden Teile realisierte, verlässt mit dem dritten Film nun endgültig den Bereich des Home-Invasion- und Horror-Films und wendet sich mit dem hier gezeigten Jagd/Flucht-Szenario praktisch fast ausschließlich dem Actionfilm zu. Was dem Film im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern vielleicht an Wahnsinn und Spannung fehlen mag, macht er dafür mit einem irren Erzähltempo und überzeugenden Actionszenen wieder wett. Und nach der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident hat man als Zuschauer bei der Sichtung dieses Films doch ein mulmiges Gefühl. So überzeichnet diese dystopische Zukunftsvision auch sein mag, spätestens seit dem 20.01.2017 leben wir alle in einer dystopischen Realität.

 

In höchstem Maße unterhaltsam war auch BASTILLE DAY (Frankreich / Großbritannien / USA 2016, Regie: James Watkins), in dem ein Taschendieb ins Visier der CIA gerät, nachdem er versehentlich eine Bombenexplosion verursacht hatte.

Das hier ist sicher kein Film, der das Rad neu erfindet, aber er erzählt seine Geschichte auf ausgesprochen rasante und wendungsreiche Art und Weise, hat einige tolle Actionsequenzen zu bieten und mit Idris Elba als kompromisslosen CIA-Agenten einen Star in der Hauptrolle, der den Film trägt und vor lauter Coolness nur so strotzt.

 

Heutige Zuschauer dürften für einen Film wie PROJECT MOON BASE (USA 1953, Regie: Richard Talmadge), in dem sich ein russischer Spion in einen bemannten Raumflug der Amerikaner schmuggelt um die erste Raumstation der USA zu zerstören, wohl nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig haben. Hohn und Spott dürfte sich ergießen über die etwas hölzerne Geschichte, die teils unbeholfen wirkenden Schauspieler, die putzigen Kostüme und die nie so wirklich passenden Größenverhältnisse der zum Einsatz kommenden Modelle. Auf mich wirkt das jedoch alles ungemein anziehend, Filme wie dieser verzaubern mich immer wieder mit ihrem kindlich-naivem Charme und dem nicht wegzuleugnenden Enthusiasmus, mit dem damals alle Beteiligten am Werke gewesen sein dürften. Und die Geschichte stammt immerhin aus der Feder von Robert A. Heinlein, der u.a. auch die Romanvorlage für Verhoevens STARSHIP TROOPERS lieferte.

 

Aus der Ära der klassischen Universal-Grusler der 30er Jahre stammt – ebenso wie der weiten oben bereits angesprochene THE RAVEN – THE INVISIBLE RAY (USA 1936, Regie: Lambert Hillyer), der einmal mehr Boris Karloff und Bela Lugosi vor der Kamera vereint. Die Entdeckung eines neuen Elements auf einer wissenschaftlichen Expedition in Afrika hat hier durchaus verheerende Konsequenzen, was allerdings nicht unbedingt dazu führt, dass man sich als Zuschauer vor lauter Anspannung auf den Fingernägeln kauen müsste. Normalerweise weisen Filme wie dieser hier eine Laufzeit von ca. 60, maximal 70 Minuten auf; Hillyers Film dauert geschlagene 80 Minuten und diese für Horrorfilme der damaligen Zeit extrem üppige Laufzeit steht dem Gelingen des Films leider etwas im Weg. Es schleichen sich doch einige Längen ein und Spannung und Atmosphäre entwickelt sich eigentlich erst in den letzten 20 Minuten. Nett anzusehen und durchaus unterhaltsam ist THE INVISIBLE RAY natürlich dennoch geraten.

 

RIDE ALONG (USA 2014, Regie: Tim Story) und die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip gestrickte Fortsetzung RIDE ALONG 2 (USA 2016, Regie: Tim Story), in denen sich Ice Cube als tougher Cop mit dem hyperaktiven Kevin Hart herumschlagen muss.

Regisseur Tim Story versucht sich in seinen Buddy Movies an einer typischen Mischung aus Klamauk und Action. Als Feierabendsnack durchaus brauchbar, Qualitätskino sieht jedoch komplett anders aus. Sonderlob gibt es für den Soundtrack-Einsatz des genialen „Sound of da Police“ von KRS-One in beiden Filmen (in der Fortsetzung leider nur im Abspann).

 

Ebenfalls noch unterhaltsam, aber fast noch einen Tick uninteressanter geraten ist MECHANIC: RESURRECTION (Frankreich / USA 2016, Regie: Dennis Gansel), in dem Profikiller Jason Statham drei Auftragsmorde ausführen muss, um Jessica Alba ihren hübschen Hintern zu retten.

Der zweite Auftragsmord mit dem Swimming Pool bleibt im Gedächtnis, vielleicht auch noch das Hinterteil von Jessica Alba. Ansonsten verblasst das Erinnerungsvermögen an den Film bereits während des Abspanns.

 

Und dass es dann tatsächlich noch egaler geht beweist X-MEN: APOCALYPSE (USA 2016, Regie: Bryan Singer), der in 2,5 Stunden Bombast und Effekte ohne Ende auffährt und dabei auch nichts anderes macht, als diese Gute-Mutanten-gegen-böse-Mutanten-Geschichte abermals durch den sprichwörtlichen Fleischwolf zu drehen. Ja, das ist schon alles nett anzusehen und ja, auch diesem Film ist ein gewisser Unterhaltungswert sicher nicht abzusprechen, mich persönlich langweilt dieser Superheldenkram jedoch von Film zu Film mehr und ich sollte irgendwann mal dieses zwanghafte Verhalten einstellen, mir diese ganzen doofen Superhelden-Blockbuster ansehen zu wollen.

 

Nicht mal mehr als unterhaltsam sondern als ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit habe ich HIGH-RISE (Belgien / Großbritannien 2015, Regie: Ben Wheatley) empfunden, in dem Tom Hiddleston einen Mediziner spielt, der in ein futuristisches Hochhaus mit unzähligen Apartmenteinheiten zieht um dort Anonymität zu genießen und stattdessen in einen Strudel aus Dekadenz, Wahnsinn und Gewalt gerissen wird.

Filme wie dieser hier bekommen von mir immer das Gütesiegel “naja“ verpasst und reihen sich qualitativ irgendwo zwischen Filmen ein, die ich als noch unterhaltsam empfunden habe und solchen, die in meinen Augen einfach nur mies gewesen sind. Das Problem an HIGH-RISE ist, dass diese dystopische Klassenkampfthematik mit ihren ganzen dysfunktionalen Beziehungen einfach nur erschreckend oberflächlich und inhaltsleer daherkommt. Natürlich ist der Film komplett “over the top“, aber die unzähligen Provokationen erscheinen selbstzweckhaft, die Figuren sind allesamt komplett uninteressant und bleiben einem als Zuschauer einfach nur egal. Da gibt es keinen einzigen Charakter, zu dem man auch nur den Hauch einer Bindung aufbauen könnte. Das ist alles ziemlich schade, denn rein handwerklich gibt es an Wheatleys Film nicht wirklich viel auszusetzen. Kameraarbeit, Bildkomposition und Farbgebung möchte ich gar als exzellent bezeichnen und die Szene, in der die Portishead-Version des ABBA-Klassikers “SOS“ ertönt, geht definitiv als Paradebeispiel für perfekte Musikauswahl durch.

 

Und nun zum Bodensatz filmischen Schaffens:

Die Gurke des Monats geht an CRIMINAL (Großbritannien / USA 2016, Regie: Ariel Vromen), in dem Kevin Costner einen nicht zur Empathie fähigen Killer spielt, dem die Erinnerungen eines getöteten Agenten in das Gehirn verpflanzt werden und der daraufhin zur Begierde verschiedener Interessengruppen wird.

Ok, die größte Leistung des Films besteht dann am Ende des Tages halt doch darin, es hinzubekommen, offensichtlich vorhandenes Talent – neben Kevin Costner spielen u.a. Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Ryan Reynolds und Gal Gadot mit – so komplett zu vergeuden. Die unfassbar hanebüchene Ausgangssituation entwickelt sich zu einer konfusen, uninteressanten, nervigen und stinklangweiligen Geschichte, die praktisch zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Zur 45-Minuten-Marke gibt es mal eine hübsche Kameraeinstellung (von oben herab in ein Treppenhaus gefilmt) und den Song im Abspann fand ich ganz nett. Ansonsten ist CRIMINAL einfach nur grottenschlechter und schier unerträglicher Rotz. Einer der beschissensten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Enough said…

Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 02

TRAINWRECK (Japan / USA 2015, Regie: Judd Apatow)

trainwreck

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Deutschland)

Der aktuellste Eintrag im Judd-Apatow-Universum rund um mal mehr und mal weniger funktionierende Beziehungsmodelle hört auf den Namen TRAINWRECK und wurde von Judd Apatow, der sonst ja auch oft nur als Produzent oder Drehbuchautor auftritt, sogar höchstpersönlich inszeniert. Im Mittelpunkt des Films steht eine Reporterin für ein Männermagazin, gespielt von Amy Schumer, die von ihrem nicht gerade treuen Vater geprägt wurde, vom herkömmlichen Familienkonzept nicht unbedingt überzeugt ist und sich lieber ständig mit One Night Stands vergnügt – bis sie schließlich bei den Recherchen zu einem neuen Artikel einen Sportarzt kennenlernt und sich tatsächlich in ihn verliebt, was schließlich vor allem dazu führt, dass sich der zuvor durchaus anarchisch angelegte TRAINWRECK in eine weitere, formelhafte RomCom verwandelt.

Die Grundidee des Films mit dem Vertauschen typischer Rollenklischees fand ich eigentlich ziemlich gut. Normalerweise sind es ja immer die Männer, die in solchen Filmen gezähmt werden müssen, hier läuft die Sache netterweise genau andersrum ab. Funktioniert hat TRAINWRECK für mich dennoch nicht, was in erster Linie an Hauptdarstellerin Amy Schumer lag, die bei mir als Zuschauer einfach nur unsympathisch und uninteressant  rüberkam. Ihr Charakter war mir über die komplette Laufzeit – und die ist Apatow-typisch mal wieder sehr lang ausgefallen und hat die 2-Stunden-Marke überschritten – einfach nur egal, was schließlich dazu führte, dass sich TRAINWRECK zog wie ein Kaugummi. Normalerweise mag ich die Filme aus dem Apatow-Universum ja immer sehr gerne, da in TRAINWRECK allerdings auch die Anzahl der gelungenen Gags eher im unterem Bereich anzusiedeln ist und der Film wirklich nur über ein paar wenige tolle Szenen verfügt, ist das hier tatsächlich der erste Apatow-Film, von dessen Sichtung ich eher abraten würde. TRAINWRECK hat mich doch ziemlich enttäuscht zurückgelassen.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

TREES LOUNGE (USA 1996, Regie: Steve Buscemi)

trees lounge

(Fassung: DVD, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

Steve Buscemi, der hier als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller agierte, spielt in TREES LOUNGE den arbeitslosen Mechaniker Tommy, der aus verschiedenen Gründen sein Leben einfach nicht mehr auf die Reihe bekommt, mit seinen diversen Schicksalen hadert und einen Großteil seines Tages in der titelgebenden Kneipe bzw. Bar verbringt.

TREES LOUNGE ist eine dieser kleinen Indie-Produktionen, die mit relativ wenig Geld (das Budget des Films lag laut IMDB bei ca. 1,3 Mio Dollar) und dafür umso mehr Herzblut entstanden zu sein scheinen und die den Zuschauer mit den Schicksalen möglichst skurriler und obskurer Gestalten konfrontieren. Bei mir treffen Filme wie dieser sehr häufig ins Schwarze. Ich liebe es, in diese von Alkohol durchtränkten und mit Zigarettenqualm durchsetzten Mikrokosmen einzutauchen, den diversen Kneipenpropheten zu lauschen und diesen liebenswerten Losern einfach beim Nichtstun zuzusehen. TREES LOUNGE ist ein Paradebeispiel für Filme dieser Art und so dürfte es niemanden wirklich erstaunen, dass ich mich auch in der Welt von Buscemis Film außerordentlich gern aufgehalten habe und diesen Film hiermit allen, die ein großes Herz für kleine Filme haben dringend weiterempfehlen möchte.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

황해 | HWANGHAE (aka The Yellow Sea, Hongkong / Südkorea / USA 2010, Regie: Na Hong-jin)

hwanghae

(Fassung: Blu-ray, Eureka, Großbritannien)

 Regisseur Na Hong-jin erzählt die Geschichte des von Ha Jung-woo gespielten Taxifahrers Gu-nam, der in der hauptsächlich von Koreanern besiedelten Stadt Yanji im Grenzgebiet von China, Russland und Nordkorea versucht, irgendwie über die Runden zu kommen. Seine Frau hat sich schon vor einiger Zeit nach Südkorea abgesetzt, seitdem wartet Gu-nam darauf, dass sie ihm Geld zukommen lässt, damit er die wegen seiner Spielsucht mittlerweile in exorbitanter Höhe entstandenen Schulden irgendwie abzahlen kann. Als er eines Tages die Möglichkeit bekommt, sich mit der Erledigung eines bestimmten Auftrags all seiner Schulden zu entledigen, nimmt er diesen an. Doch die Aufgabe hat es in sich: Gu-nam soll nach Südkorea reisen und dort einen ihm unbekannten Mann töten…

Nachdem Regisseur Na Hong-jin seine Charaktere vorgestellt und in Stellung gebracht hat, erzählt er seinen Film zunächst auf ausgesprochen ruhige Art und Weise im Stile eines klassischen Heist Movies – nur dass der Überfall hier eben ein Auftragsmord ist – weiter. Er lässt seinen Protagonisten die Gegend auskundschaften, lässt ihn die Gewohnheiten seines Opfers lernen und ihn schließlich zur Tat schreiten, wobei während dieser Phase des Films die Spannungsschraube von Minute zu Minute immer mehr angezogen wird. Nach der Tat verwandelt sich 황해 | HWANGHAE sehr schnell in ein packendes Jagd/Flucht-Szenario und einen teils äußerst derben Rachefilm, der spätestens zu diesem Zeitpunkt auch all die Zuschauer fesseln dürfte, denen die Inszenierung der ersten Filmhälfte vielleicht etwas zu ruhig geraten war. Wenn man an 황해 | HWANGHAE überhaupt etwas aussetzen möchte, dann vielleicht tatsächlich das, dass der Film mit einer Laufzeit von rund 140 Minuten einen Tick zu lang geraten ist. Hin und wieder schleichen sich ein paar wenige Längen ein, die den guten Gesamteindruck jedoch nicht wirklich schmälern können.

Ansonsten bleibt nach Sichtung dieses Films vor allem die Erkenntnis übrig, dass es im internationalen Kino – abseits der typischen Hollywood-Blockbuster-Unterhaltung – für aufgeschlossene Filmfreunde tatsächlich so unendlich viel zu entdecken gibt, dass man als Filmfan wohl 10 Leben zur Verfügung haben müsste, um seiner Leidenschaft ausgiebig nachgehen zu können.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (aka Branded to Kill, Japan 1967, Regie: Seijun Suzuki)

koroshi no rakuin

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Seijun Suzuki erzählt in seinem Gangstermelodram die Geschichte des Auftragsmörders Gorô Hanada (Jô Shishido), momentan die Nr. 3 im inoffiziellen Killer-Ranking der Verbrecherkartelle, der seinen aktuellen Auftrag versaut, da ihm Gefühle zu einer Frau in die Quere kommen. Fortan steht er auf der Abschussliste seiner Auftraggeber und muss sich schon bald mit der unbekannten Nr. 1 (Kôji Nanbara) auseinandersetzen, der Hanada endgültig aus dem Weg räumen soll…

Seijun Suzuki taucht seine Geschichte in Schwarz/Weiß-Bilder, die sein Kameramann Kazue Nagatsuka in wirklich betörender Schönheit abgelichtet hat und in die man sich als Zuschauer am besten einfach hineinfallen lässt. Wer eine herkömmliche Erzählstruktur erwartet, dürfte von Suzukis Film wohl eher enttäuscht werden. 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN ist über weite Strecken maximal seltsam, verbreitet eine ganz eigene Atmosphäre, ist voll skurriler Erotik aufgeladen (die höchste sexuelle Erfüllung findet die Hauptfigur beispielsweise, wenn sie an kochendem Reis schnüffeln darf) und mitunter auch etwas sperrig und alles andere als leicht zugängig. Aber all das ist auch ungemein faszinierend geraten und wer es schafft, sich auf den Film einzulassen, wird mit einem wahrlich beeindruckenden Werk belohnt. Nur Mut, in England gibt es Suzukis Film von Arrow Video in einer wundervoll aufgemachten Blu-ray-Edition käuflich zu erwerben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA (aka Trapped in Lust, Japan 1973, Regie: Atsushi Yamatoya)

aiyoku no wana

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Atsushi Yamatoya zeichnete für das Drehbuch des erst kurz zuvor gesehenen 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (mit-)verantwortlich und hat mit 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA eine Erotik- bzw. Exploitation-Variante von Suzukis Film gedreht. Auch hier geht es um einen hochrangingen Auftragskiller der bei einem höchst komplizierten Auftrag die notwendige Professionalität vermissen lässt und dadurch selbst auf einer Todesliste landet. Doch während Suzukis Original in betörend schönen Bildern schwelgte, eine sexuell aufgeladene Atmosphäre transportierte und den Zuschauer trotz seiner teils sperrigen Art komplett in seinen Bann zu ziehen vermochte, ist dieses Quasi-Remake eher etwas plump geraten. Ja, auch dieser Film hier hat seine höchst skurrilen Momente zu bieten – insbesondere die Sache mit dem Killer und der Puppe – und das Finale von 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist auch ein ziemlicher Knaller geworden, die über weite Strecken jedoch nicht unbedingt erotischen oder überhaupt in irgendeiner Weise ästhetischen Softsexsequenzen des Films torpedieren sein Gelingen jedoch in höchstem Maße. Schauwerte allein reichen am Ende des Tages halt doch nicht aus, man muss auch wissen, wie man sie in Szene setzt und das ist Atsushi Yamatoya leider nicht wirklich gelungen. 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist jetzt sicher kein Totalausfall, aber auch kein Film, den man unbedingt gesehen haben müsste (es sei denn, man hat es sich auf die Fahne geschrieben, im Lauf seines Lebens möglichst alle erhältlichen Exploitation-Flicks aus Japan sichten zu wollen).

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

LIVING IN OBLIVION (USA 1995, Regie: Tom DiCillo)

living in oblivion

(Fassung: Blu-ray, Shout! Factory, USA)

 Regisseur Tom DiCillo nimmt seine Zuschauer in LIVING IN OBLIVION mit an das Set einer Independent- bzw. Low-Budget-Produktion und führt ihm auf ebenso lustige wie bissige Art und Weise vor Augen, mit welchen Problemchen und Problemen unabhängige Filmemacher so zu kämpfen haben. Komplizierte Diven, untalentierte Stars und technischen Pannen machen die Drehs diverser Szenen zu einer Tortur für alle Beteiligten, wobei der Zuschauer während der Erstsichtung des Films nie sicher sein kann, ob hier nun nur einer Traumsequenz oder tatsächlich der filmischen Wirklichkeit beiwohnt.

LIVING IN OBLIVION wirkt dabei ungemein real und authentisch, Steve Buscemi ist in der Rolle des genervten Regisseurs einfach großartig, aber auch Catherine Keener, James Le Gros und Peter Dinklage als nicht gerade unkomplizierte Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie. Tom DiCillo hat mit LIVING IN OBLIVION einen ungemein lustigen und faszinierenden Film gedreht, eine Liebeserklärung des Independent-Kinos an sich selbst, einen dieser Filme, die einen als Zuschauer sofort in ihren Bann ziehen und mit ihrer liebevollen und auch durchaus eigenwilligen Art einfach nicht mehr loslassen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

MAN WANTED (USA 1932, Regie: William Dieterle)

man wanted

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mit MAN WANTED habe ich mal wieder einen meiner beliebten und eigentlich viel zu seltenen Ausflüge in die Pre-Code-Ära von Hollywood unternommen, in der Filmemacher noch nicht dem ab Mitte der 30er Jahre für gut 3 Jahrzehnte geltenden Zensurbestimmungen unterworfen waren und in der Filme gedreht wurden, die auch noch aus heutiger Sicht – und insbesondere im Hinblick auf ihren Entstehungszeitpunkt – einfach nur ungemein modern, erfrischend und lebendig wirken. Angestaubt ist hier wirklich überhaupt nichts.

In MAN WANTED geht es um die erfolgreiche Karrierefrau Lois Ames (Kay Francis), die mit dem von David Manners gespielten Thomas Sherman einen neuen Assistenten anheuert, der sich nach kurzer Zeit in seine mit einem windigen Playboy (gespielt von Kenneth Thomson) verheiratete Chefin verliebt. Regisseur William Dieterle erzählt die Geschichte dieser Liebe, die eigentlich nicht sein darf, auf ungemein rasante Art und Weise. Das schwache Geschlecht sind hier eindeutig die Männer, sei es nun der vergnügungssüchtige Ehemann an der Seite der starken Frau oder eben der verliebte Angestellte unter der mehr als dominanten Chefin. Überzeugende schauspielerische Leistungen, ein mit geschliffenen Dialogen nur so gespicktes Drehbuch und diese glaubwürdige Darstellung der Umkehr traditioneller Geschlechterrollen machen MAN WANTED zu einem dieser weiteren kleineren Filme aus der damaligen Zeit, die auch heute noch perfekt funktionieren und vor denen man wegen ihrer modernen Einstellung und Botschaft nur anerkennend den Hut ziehen kann.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 01

YOUNG GUNS (USA 1988, Regie: Christopher Cain)

young guns

(Fassung: Blu-ray, Lionsgate, USA)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich YOUNG GUNS Ende der 80er Jahre komplett umgehauen hat. Ich habe ihn mir unzählige Male angesehen und diese im Neo-Western-Look gehaltene Interpretation der Geschichte des jungen Billy the Kid (gespielt von Emilio Estevez) gehörte definitiv zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Nun ein Wiedersehen ein gutes Viertel Jahrhundert später und auch wenn mir Cains Film noch immer sehr gut gefällt, so muss ich doch einräumen, dass der Zahn der Zeit gehörig an ihm genagt hat. Bei Erscheinen des Films dürfte es vor allem die Besetzung rund um die damals aufstrebenden Jungstars wie Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Charlie Sheen, Dermot Mulroney, Casey Siemaszko und Lou Diamond Phillips (von denen es im Endeffekt aber keiner zum absoluten Superstar geschafft hat) und alten Haudegen wie Terence Stamp und Jack Palance gewesen sein, die einen sofort für den Film einnehmen konnte und dafür sorgte, dass man wohl geflissentlich darüber hinweggesehen hat, dass in diesem wirklich ausgesprochen stylishen Film bei näherer Betrachtung gar nicht mal so viel passiert. Über weite Strecken plätschert YOUNG GUNS tatsächlich eher etwas gemächlich vor sich hin und Regisseur Christopher Cain scheint sich mehr auf die damals noch vorhandene Starpower und die Kraft seiner tollen Bilder verlassen zu haben und nicht unbedingt interessiert daran gewesen zu sein, so etwas wie einen packenden Spannungsbogen zu entwickeln. Was von YOUNG GUNS übrig bleibt sind seine wunderbare Kameraarbeit, die eine oder andere toll choreographierte Actionsequenz (insbesondere natürlich das Finale) und ein wirklich famos agierender Emilio Estevez in der Rolle des Billy the Kid, dessen Schauspiel sich ständig zwischen kindlicher Naivität, unverschämter Arroganz und gefährlichem Größenwahn bewegt. Aber schon diese Dinge reichen in Verbindung mit dem nicht zu vernachlässigenden Nostalgiefaktor locker aus, damit ich mich auch heute noch für Cains Film zumindest verhalten begeistern kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

YOUNG GUNS II (USA 1990, Regie: Geoff Murphy)

young guns ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

YOUNG GUNS II beginnt im Jahr 1950 und greift die Geschichte von Brushy Bill Roberts auf, der damals behauptete Billy the Kid gewesen zu sein (eine Behauptung, die nie bewiesen werden konnte, Roberts selbst verstarb Ende Dezember 1950). In Murphys Film erzählt dieser einem Anwalt nun “seine“ Geschichte und somit schließt YOUNG GUNS II unmittelbar an das Ende von Cains Vorgänger an.

Diesen Film hatte ich deutlich schwächer als YOUNG GUNS in Erinnerung und hier sind meine Eindrücke nach dem jetzigen Wiedersehen nun gänzlich anders. Ich möchte sogar behaupten, dass YOUNG GUNS II seinem Vorgänger qualitativ in nichts nach steht. Emilio Estevez brilliert erneut in der Rolle des Billy the Kid und als Zuschauer bereitet es einem wirklich einen Heidenspaß, Estevez dabei zuzusehen, wie er immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn und der Darstellung des Outlaws wandelt. Da die damaligen Jungstars aus dem Vorgänger aufgrund des Handlungsverlaufs des ersten Film natürlich nicht mehr alle zur Verfügung standen, wurde das verbleibende Trio (Emilio Estevez, Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips) um Christian Slater ergänzt, der sich ganz wunderbar in dieses Gefüge eingliedert und es auch durchaus schafft, dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Schauspielerisch brennt hier also rein gar nicht an – insbesondere auch aufgrund der Tatsache, dass in Murphys Film noch Leute wie William Petersen, Alan Ruck, R.D. Call, James Coburn, Balthazar Getty und Viggo Mortensen mitwirken – und in Sachen Rasanz, Action und Spannung ist YOUNG GUNS II dem Vorgänger sogar leicht überlegen. Vielleicht hat der Vorgänger die ikonischeren Szenen (Stichwort: “Reap the whirlwind, Brady. Reap it.“) und wahrscheinlich ist Cains Film dem von Murphy auch in Sachen Kameraarbeit einen Tick voraus, insgesamt betrachtet sehe ich persönlich jedoch keine großen qualitativen Unterschieden. Ein Double Feature mit den beiden Filmen sei jedem (Neo-)Western-Fan hiermit ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 5 (USA 2015; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

So, mit dieser fünften Staffel ist die Sichtung der letzten derzeit auf einem Heimkinomedium erhältlichen Staffel beendet und nun beginnt für mich persönlich die Wartezeit auf die entsprechende Veröffentlichung von Season Nr. 6 im nächsten Jahr. Die bereits in meinen kurzen Einträgen zu den 4 Staffeln zuvor niedergeschriebenen Eindrücke haben sich auch in Staffel 5 bestätigt und – was sich schon in der 4. Season angedeutet hatte – mittlerweile bin ich nicht mehr nur vom großen Unterhaltungswert und den ausufernden Schauwerten, sondern auch von der Handlung an sich ausgesprochen angetan. Spätestens jetzt hat GAME OF THRONES auch mich komplett gepackt, daran ändert auch die etwas verhaltenere erste Hälfte der Season nichts, in die sich doch zwei bis drei Füllerepisoden eingeschlichen hatten und bei der ich kurz die Befürchtung hatte, es könnte qualitativ etwas abwärts gehen. Bedenken, welche in der zweiten Staffelhälfte komplett weggewischt worden sind. Allein diese Episode mit der Schlacht gegen die Armee der “White Walker“ war so umwerfend gut, so visuell ungemein beeindruckend, dass man sich während der Sichtung ein ums andere Mal in Erinnerung rufen musste, dass man hier “nur“ eine TV-Serie ansieht und keine große Kinoproduktion. Und die diversen Cliffhanger am Ende der Staffel waren einfach nur massiv fies.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WHITE LINE FEVER (Kanada / USA 1976, Regie: Jonathan Kaplan)

white line fever

(Fassung: DVD, Explosive Media, Deutschland)

Jan-Michael Vincent ist Carrol Jo Hummer, ein junger Mann, der sich nach seiner Zeit beim Militär einen Truck zulegt und fortan als unabhängiger Trucker sein Geld verdienen und sich und seine Familie ernähren will. Da hierfür ist er auf Aufträge angewiesen und die haben in WHITE LINE FEVER ihren Preis. Denn hinter potentiellen Auftraggebern steht ein kriminelles Kartell und die nutzen unabhängige Trucker nur zu gerne aus, um illegale Waren von A nach B zu transportieren. Der grundehrliche Hummer versucht alles, um sich gegen diese Machenschaften zu wehren…

WHITE LINE FEVER behandelt eines der klassischsten Themen der Filmgeschichte. Es geht um Vergeltung, Rache, Widerstand, das Aufbegehren gegen ein System, den Kampf des David gegen den unbesiegbar erscheinenden Goliath. Das hat man natürlich alles schon unzählige Male in irgendeiner Form so gesehen, diese Tatsache ändert aber natürlich rein gar nichts daran, dass man es sich auch unzählige weitere Male gerne ansieht. Und wenn es dann auch noch in Form solider 70er-Jahre-Exploitation serviert wird, ist es natürlich umso besser.

Kaplans Film punktet in erster Linie mit dieser ganz besonderen Stimmung, die so viele Filme aus der damaligen Zeit auszeichnet und der ich mich unmöglich entziehen kann. Und dann ist WHITE LINE FEVER mit einer Besetzung gesegnet, die das Herz eines jeden Fans des Kinos der 70er Jahre höher schlagen lassen dürfte. Neben Jan-Michael Vincent geben sich u.a. Kay Lenz, Slim Pickens, L.Q. Jones, Don Porter, R.G. Armstrong, Martin Kove und – fast möchte man sagen natürlich – Dick Miller die Ehre und sorgen dafür, dass man sich in Kaplans Film von der ersten Minute an heimisch fühlt. Vielleicht hätten dem Film insgesamt betrachtet eine etwas härtere Gangart und ein bisschen mehr Schauwerte ganz gut zu Gesicht gestanden. Im Großen und Ganzen geht es hier trotz des behandelten Themas eher etwas harmlos und gemächlich zur Sache (WHITE LINE FEVER hat damals auch das familienfreundliche PG-Rating zugesprochen bekommen), den insgesamt positiven Gesamteindruck schmälert dies jedoch nicht. Und das Finale des Films ist der absolute Knaller!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DATE BAIT (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

date bait

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ich gebe zu, ich liebe ja solche Low- bzw. No-Budget-Produktionen wie diese hier. Vom Regisseur O’Dale Ireland stammt auch der erst vor wenigen Wochen von mir gesichtete und für ganz in Ordnung gefundene HIGH SCHOOL CAESAR, der wohl parallel zu diesem Werk hier entstanden ist. Zumindest lassen es die doch sehr ähnlich wirkenden Settings und der gemeinsame Starttermin – beide Filme starteten der IMDB zufolge damals im November 1960 in den US-Kinos – vermuten. Und mit der Sichtung von DATE BAIT habe ich mir nun auch schon das komplette Regiewerk von O’Dale Ireland reingezogen. Außer diesen beiden Filmen hat der gute Mann offensichtlich nichts mehr sonst gedreht.

In DATE BAIT dreht sich nun alles um ein jungverliebtes Paar – Danny (Gary Clarke) und Sue (Marlo Ryan) -, welches mit starken Widrigkeiten zu kämpfen hat. Zum einen sind Sues Eltern nicht wirklich von der Liaison angetan, zum anderen findet sich Sues ziemlich wahnsinniger und auch ziemlich gefährlicher Ex-Freund Brad (Dick Gering) nicht wirklich damit ab, dass seine Angebetete nun einen anderen Typen zu lieben scheint. Bevor es zum obligatorischen Happy End kommen kann, muss sich die angespannte Situation natürlich in einem spektakulären Finale entladen.

Ungeachtet des schmalen Budgets, der nicht gerade attraktiven Settings und der auch nicht gerade mit extrem viel Talent gesegneten Schauspieler hätte die Geschichte, die in DATE BAIT erzählt wird, durchaus dazu taugen können, zumindest ansatzweise so etwas wie einen Spannungsbogen zu entwickeln. Das scheint aus welchen Gründen auch immer jedoch einfach nicht möglich gewesen zu sein. DATE BAIT läuft gerade mal 71 Minuten, von denen geschlagene 65 Minuten lang nicht wirklich viel passiert und man sich bestenfalls von der gebotenen Langeweile einlullen lassen kann. Erst in den letzten 6 Minuten überschlagen sich dann die Ereignisse und fast scheint es so, als sei es Regisseur O’Dale Ireland da siedend heiß eingefallen, dass er auch noch einen Film abzuwickeln hat.

Wie im Eingangssatz schon geschrieben, ich habe ein unendlich großes Herz für Filme wie diesen, allerdings muss man als Fan solcher Filme schon auch aufpassen, dass man nicht mit jeden Quark, den man sich da so im Laufe eines Filmfanlebens reinzieht, komplett gnädig umgeht. DATE BAIT tut niemandem weh, hat sicher auch so einige Momente, ist aber in allererster Linie eine verdammt langweilige und öde Gurke, die man ehrlich gesagt nicht mal mehr als ganz in Ordnung bezeichnen kann.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

SILVER LININGS PLAYBOOK (USA 2012, Regie: David O. Russell)

silver linings playbook

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Bradley Cooper spielt den instabilen und gerade aus einer Nervenheilanstalt entlassenen Pat, in die er eingewiesen wurde weil er den Liebhaber seiner Frau übel zusammengeschlagen hatte, der in SILVER LININGS PLAYBOOK nun versucht, die Liebe seiner Frau zurückzugewinnen. Dabei soll ihm die psychisch auch nicht gerade besonders stabile Tiffany (Jennifer Lawrence) helfen, die ihre Hilfe jedoch an eine Bedingung knüpft: Pat muss mit ihr zusammen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen. Während des gemeinsamen Trainings kommen sich beide schließlich näher…

Am Ende des Tages präsentiert Regisseur David O. Russell mit SILVER LININGS PLAYBOOK natürlich auch nur eine weitere, romantische Komödie, an deren Ende sich die beiden Turteltauben finden werden. Was Russells Film vom Gros des Genres abhebt – und ihm einen Oscar (für Jennifer Lawrence als beste Hauptdarstellerin) und immerhin sieben (!!!) weitere Nominierungen des begehrten Filmpreises eingebracht hat – sind diese nahezu perfekte Balance zwischen Tragik und Komik, die dem Regisseur hier geglückt ist, die gelungene Zeichnung der Figuren und deren Entwicklung, die dazu führt, dass man als Zuschauer eine echte Bindung zu den handelnden Personen aufbauen kann und die gleichzeitig verhindert, dass hier einmal mehr nur weitere Abziehbilder der typischen Klischeefiguren präsentiert werden, und natürlich die Besetzung der beiden Haupt-, aber auch der diversen Nebenrollen. Bradley Cooper und Jennifer Lawrence harmonieren ganz vorzüglich als scheinbar dysfunktionales Paar wider Willen und in den Nebenrollen geben sich Schauspieler wie Robert De Niro, Jacki Weaver, Chris Tucker, Julia Stiles und Paul Herman die Ehre und tragen durch ihr Mitwirken einen großen Teil zum Gelingen des Films bei.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TROUBLE WITH THE CURVE (USA 2012, Regie: Robert Lorenz)

trouble with the curve

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In seinem zum jetzigen Zeitpunkt bisher letzten Leinwandauftritt ist Clint Eastwood in der Rolle eines alternden Talentscouts zu sehen, der im Auftrag seines langjährigen Arbeitgebers, einem renommierten Profi-Baseball-Team, einen talentierten Nachwuchsspieler beobachten und wenn möglich zur Verpflichtung empfehlen soll. Doch der von Eastwood gespielte Gus ist mittlerweile ein Relikt aus vergangenen Tagen, ist fast blind, will sich das jedoch nicht eingestehen und steht bei seinem Arbeitgeber letztendlich auf der Abschlussliste. Um den Job für Gus etwas leichter zu gestalten bittet sein langjähriger Freund und Kollege Pete (John Goodman) Gus’ Tochter Mickey (Amy Adams), eine aufstrebende und engagierte Anwältin, ihren Vater auf seiner Tour zu begleiten, wovon Gus jedoch alles andere als begeistert ist…

TROUBLE WITH THE CURVE ist eine dieser kleineren Independent-Produktionen, eine dieser immer wieder gern gesehenen Alternativen zu den Mega-Blockbustern aus Hollywood. Um Baseball, dem Ausgangspunkt des Plots, geht es nur nebenbei, weswegen ich TROUBLE WITH THE CURVE auch nur in zweiter Linie als Sportfilm bezeichnen würde. In erster Linie hat Regisseur Robert Lorenz da eine Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte (ja, ganz ohne Love Story kommt ein Film wie dieser hier einfach nicht aus) gedreht, eine Art Road Trip, während dem es einer von ihrem Vater entfremdeten Tochter gelingt, sich diesem wieder anzunähern und ganz nebenbei ihre wahre Bestimmung im Berufsleben und ihre große Liebe (Justin Timberlake als männlicher Love Interest) zu finden. TROUBLE WITH THE CURVE lebt von seinen Schauspielern. Vor allem natürlich von Clint Eastwood, der einmal mehr in seiner Paraderolle des mürrischen Grantlers zu sehen ist, dessen stahlharte Schale aber doch einen durchaus weichen Kern umgibt. Er lebt aber auch von dieser wundervollen Chemie, die sich zwischen Eastwood und seinem weiblichen Co-Star Amy Adams im Laufe des Films entwickelt und von dieser unglaublichen Prominenz, die sich da ihn den zahlreichen Nebenrollen tummelt. Neben den schon erwähnten John Goodman und Justin Timberlake sind in TROUBLE WITH THE CURVE u.a. Matthew Lillard, Robert Patrick, Bob Gunton, George Wyner, Chelcie Ross und Ed Lauter mit von der Partie, allesamt mehr als bekannte Gesichter, die dem Film durch ihr Mitwirken erhebliche Qualität verleihen. Natürlich sollte man auch kritisch anmerken, dass die erzählte Geschichte in ihrem Verlauf schon ziemlich vorhersehbar geraten ist, was vor allem auch für das Ende des Films gilt, welches schon sehr bald abzusehen ist. Aber bei Filmen wie diesen ist ja meistens eher der Weg das Ziel und dieser Weg ist im vorliegenden Fall mit von Kameramann Tom Stern wunderschön eingefangenen Sequenzen, tollen schauspielerischen Leistungen und ganz vielen Gänsehautmomenten gepflastert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CHEF (USA 2014, Regie: Jon Favreau)

chef

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Jon Favreau, der – sofern er nicht gerade Marvel-Superheldenfilme wie IRON MAN und IRON MAN 2 dreht – ja mehr vor als hinter der Kamera zu finden ist, scheint sich mit CHEF so etwas wie einen Lebenstraum verwirklich zu haben. Er fungierte als Produzent, verfasste das Drehbuch, führte Regie und übernahm zudem die Hauptrolle. Sonderlich viel mehr geht eigentlich nicht.

CHEF dreht sich um den von Favreau gespielten Gourmetkoch Carl Casper, der in einem angesehenen Restaurant arbeitet, von dessen Besitzer (Dustin Hoffman) jedoch in seiner Kreativität stark eingeschränkt wird. Als er aufgrund dessen von einem einflussreichen Essenskritiker (Oliver Platt) eine schlechte Bewertung bekommt, tickt Casper aus, wird gefeuert, macht sich mit einem Food Truck selbständig und erfüllt sich so einen Lebenstraum.

CHEF ist natürlich ein Film, der ohne Klischees nicht auskommen kann. So gibt es einen Handlungsstrang mit Caspers kleinem Sohn, von dem er sich aufgrund seines Jobs im Restaurant und der Trennung von seiner Frau entfremdet hat und mit dem er nun im Food Truck eine neue Bindung aufbauen kann. Und natürlich ist es klar, dass auch hinsichtlich der Beziehung zu seiner Frau am Ende eine neue Chance entstehen wird. Aber bei Filmen wie diesen sind solche Klischees auch irgendwie zwingend notwendig. Sonst würden sie wahrscheinlich einfach nicht funktionieren. CHEF ist einer dieser Filme, denen man einfach anmerkt, dass da mit verdammt viel Herzblut gearbeitet wurde. Es ist einer dieser Filme, die beim Zuschauer dieses wunderbar wohlige Gefühl in der Magengegend verursachen. Einer dieser Filme, bei denen man sich während der Sichtung von Minute zu Minute besser fühlt. Ein Film, der positive Energie regelrecht zu injizieren scheint. Besetzt ist CHEF mit Jon Favreau in der Hauptrolle und Schauspielern wie John Leguizamo, Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Oliver Platt und Robert Downey Jr. in diversen größeren und kleineren Nebenrollen übrigens fantastisch und lohnt schon allein wegen seiner Besetzung die Sichtung. CHEF ist eine Liebeserklärung an das Leben, eine Aufforderung, keine Zeit zu verschwenden und Chancen zu ergreifen, die einem geboten werden. Und er ist eine Liebeserklärung an gutes Essen. Ein Film, bei dem während der Sichtung richtiggehend Hunger bekommt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IRRATIONAL MAN (USA 2015, Regie: Woody Allen)

irrational man

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Woody Allen bleibt sich selbst treu. IRRATIONAL MAN behandelt mal wieder die Lieblingsthemen des Altmeisters. Es geht sowohl um verhängnisvolle Liebesbeziehungen als auch um einen ebenso kleinen wie feinen Kriminalfall.

Erzählt wird die Geschichte des mit einem mehr als verruchten Ruf ausgestatteten Philosophieprofessors Abe Lucas (Joaquin Phoenix), der schon kurz nach seinem Dienstantritt in einem Kleinstadt-College die Aufmerksamkeit zweier Frauen auf sich zieht. Mit seiner verheirateten und in ihrer Ehe gelangweilten Kollegin Rita (Parker Posey) beginnt er schon schnell eine Affäre, mit seiner talentiertesten Studentin Jill (Emma Stone) entwickelt sich eine enge Freundschaftsbeziehung, aus der schon bald echte Liebe wird. Und dann beschließt Abe, als er gemeinsam mit Jill in einem Diner zufällig ein am Nachbartisch geführtes Gespräch belauscht, einer wildfremden Frau aus ihrer Misere zu helfen. Doch dazu muss ein Richter sterben und Abe beginnt, den perfekten Mord zu planen…

Es gibt ja nicht wenige Stimmen, die Allen schon seit Jahren vorwerfen, dass er – leicht variiert – immer wieder die gleichen Filme dreht. Natürlich ist da nicht nur ein Funken Wahrheit dran. Ich stelle mir allerdings die Frage, mit welcher Erwartungshaltung solche Leute an Allens Filme herangehen. Der gute Mann hat letztes Jahr im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert. Glaubt jemand ernsthaft, er würde sich jetzt noch mal neu erfinden? Woody Allen dreht im Endeffekt schon sein ganzes Leben lang genau die Filme, auf die er eben Lust hat. Und meistens handeln sie von Beziehungen, Kunst und Kriminalfällen, da macht auch IRRATIONAL MAN – welch Überraschung – keine Ausnahme. Sicher wäre es mal wieder schön, ein Meisterwerk mit der Klasse eines MANHATTAN oder eines ANNIE HALL von ihm zu sehen, aber machen wir uns nichts vor, diese Zeiten scheinen einfach vorbei zu sein. Und so lange Allen noch so herrlich unaufgeregte, so wundervoll gespielte, mit so reichhaltigem Wortwitz ausgestattete und so hervorragend besetzte Filme wie IRRATIONAL MAN herausbringt, ist doch alles gut. Woody Allen gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und selbst ein nur guter oder mittelmäßiger Film innerhalb seines Gesamtwerkes ist meistens noch weitaus besser als vieles, was man sonst so aus Hollywood zum Fraß vorgeworfen bekommt. Und IRRATIONAL MAN gehört sogar zu den sehr guten Filmen des Meisters.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STILL ALICE (Frankreich / USA 2014, Regie: Richard Glatzer / Wash Westmoreland)

still alice

(Fassung: Blu-ray, Artificial Eye, Großbritannien)

Julianne Moore ist Dr. Alice Howland, eine Universitätsprofessorin, bei der mit Anfang 50 Alzheimer diagnostiziert wird und die fortan lernen muss, mit dieser Krankheit zu leben…

Die beiden Regisseure Richard Glatzer und Wash Westmoreland gehen bei ihrer Verfilmung der auf einem Roman basierenden Geschichte ausgesprochen ruhig und feinfühlig vor. STILL ALICE zeichnet sich durch eine sorgfältige Charakterisierung der handelnden Personen aus, wirkt jederzeit glaubwürdig und authentisch und zeigt auf beeindruckende und äußerst bewegende Art und Weise, wie die Alzheimer-Diagnose das Leben der Hauptfigur und ihres gesamten Umfeldes – sowohl familiär als auch beruflich – verändert. Getragen wird STILL ALICE von seinen durch die Bank großartig agierenden Schauspielern, insbesondere natürlich von Julianne Moore, die diese Rolle so hingebungsvoll und überzeugend spielt, dass das Schicksal ihrer Figur einem als Zuschauer wirklich extrem nahegeht. Richtig toll ist auch Kristen Stewart in der Rolle ihrer Tochter Lydia, die nun spätestens mit dieser Leistung endgültig aus dem TWILIGHT-Schatten herausgetreten sein dürfte und mit gutem Gewissen als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation bezeichnet werden kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Europäisches (Genre-)Kino: Sammelbeitrag Nr. 01

DAS SIEBENTE OPFER (Deutschland 1964, Regie: Franz Josef Gottlieb)

das siebente opfer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Regisseur Franz Josef Gottlieb hatte vor diesem Film hier zwar schon denen einen oder anderen Krimi (auch innerhalb der Edgar-Wallace-Reihe) inszeniert, nach dieser Verfilmung eines Romans von Bryan Edgar Wallace sollte Gottlieb im weiteren Verlauf seiner Kinokarriere jedoch fast ausschließlich im Bereich der (erotischen) Komödie tätig sein. Und irgendwie merkt man diesem Film hier bereits an, dass sich Gottlieb eher für die komischen und absurden Momente und weniger für die spannenden Momente seiner Geschichte interessiert zu haben scheint.

In DAS SIEBENTE OPFER dreht sich alles um eine merkwürdige Mordserie, die sich im Umfeld eines an einem mondänen Schloss angeschlossenen Reitstalls ereignet, während parallel eine ganze Handvoll zwielichtiger Gestalten ein großes Engagement darin zeigen, ein anstehendes Pferderennen zu manipulieren. Das Opfer Nr. 7, welches dem Film seinen Titel gegeben hat, spielt dabei im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Weder ranken sich um dieses bestimmte Opfer ominöse Verwicklungen, noch hat dieses Opfer irgendeine Bedeutung für den Verlauf der Handlung oder für irgendeine Art des Spannungsaufbaus. Nein, es ist vielmehr für den ganzen Film bezeichnend, dass die oder der Tote Nr. 7 einzig und allein für einen netten Gag herhalten muss. Wer sich in irgendeiner Weise so etwas wie Spannung oder zumindest den Hauch einer Mystery-Atmosphäre von DAS SIEBENTE OPFER erhofft, sollte diese Hoffnungen lieber ganz schnell begraben. Gottlieb hat seinen Film nicht als Nailbiter, sondern als locker-flockiges Rätselraten rund um die Mordserie inszeniert und unterhält den Zuschauer dabei immer wieder mit komischen und teils auch albernen Kapriolen. Wer sich also mit dem Stil des Films anfreunden kann, kann sich auf spaßige und kurzweilige Unterhaltung freuen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LE CERCLE ROUGE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

le cercle rouge

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

In LE CERCLE ROUGE trifft Alain Delon als soeben aus dem Gefängnis entlassener Einbruchsspezialist Corey eher zufällig auf den aus Polizeigewahrsam geflüchteten Vogel (Gian Maria Volontè) und findet in diesem und dem Ex-Cop Jansen (Yves Montand) willige Partner, die ihm bei einem Einbruch in ein Juweliergeschäft zur Seite stehen sollen. Während das Trio den Bruch vorbereitet, ist der ehrgeizige Kommissar Mattei (Bourvil) fest entschlossen, den geflohenen Vogel aufzuspüren und kommt so zwangsläufig auch dem Trio in die Quere…

Melvilles Mischung aus Heist Movie, Gangsterfilm und Jagd/Flucht-Szenario gehört zu den ganz großen Klassikern des französischen Kinos und ist gleichzeitig ein Paradebeispiel für das – insbesondere in den 60er und 70er Jahren so beliebte – Subgenre des Heist Movies. In LE CERCLE ROUGE liegt in der Ruhe die Kraft. Wie Melville hier – ohne sonderlich viele Dialoge und vor allem durch die Kraft seiner Bilder – seine verschiedenen Charaktere entwickelt und diese in Stellung bringt, wie er seine Spannung über die gut 140 Minuten, die LE CERCLE ROUGE dauert, immer und immer wieder zu steigern versteht, wie er gänzlich unaufgeregt eine zwar unterkühlte, aber auch ungemein intensive Atmosphäre kreiert und den Zuschauer so über die komplette Laufzeit fesseln kann, ist wirklich mehr als beeindruckend.

Ich habe LE CERCLE ROUGE erst jetzt zum ersten Mal gesehen und wünschte mir, ich hätte ihn schon früher gekannt. Das war eine filmische Bildungslücke, die unbedingt geschlossen werden musste.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

DER SCHNEEMANN (Deutschland 1985, Regie: Peter F. Bringmann)

der schneemann

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Nachdem Sänger Marius Müller-Westernhagen schon seit den 60er Jahren (und bereits vor seiner Karriere als Musiker) in zahlreichen TV-Produktionen mitgewirkt hatte, bekam er ab Ende der 70er Jahre auch die eine oder andere (Haupt-)Rolle in Kinofilmen ab. Eine davon ist die des Kleinganoven Siegfried Dorn, dem in DER SCHNEEMANN zufällig 2 kg Kokain in die Hände fallen und der so naiv ist, zu glauben, er könne den Stoff ohne große Konsequenzen verkaufen. Natürlich sind schon sehr schnell ausgesprochen zwielichtige und ausgesprochen gefährliche Gestalten hinter ihm her.

Wenn man sich Bringmanns Film heute ansieht, kann man es kaum glauben, dass der hier wirklich mal für ein großes Kinopublikum gedacht gewesen sein könnte, denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich DER SCHNEEMANN als eine nicht unbedingt spannende oder spektakuläre, dafür aber umso schmierigere Angelegenheit. Seine Faszination zieht Bringmanns Film vor allem aus seinen Schauwerten, dem teils unglaublichen Sleaze, den er dem Zuschauer serviert, und dem unglaublichen Staunen, das man als Zuschauer während der Sichtung des Films empfindet. Leider habe ich auf die Schnelle im Netz keine Angaben zum Erfolg bzw. Misserfolg des Films gefunden. Würde mich schon interessieren, wie der damals abgeschnitten hat und manchmal würde man nachträglich gerne in die Köpfe so mancher Produzenten und Regisseure schauen können um herauszufinden, was sie sich beim Dreh eines Films wie diesen hier eigentlich gedacht haben. Das ist deutsches Kino im Ausnahmezustand, die 80er waren wahrlich ein verrücktes Jahrzehnt. Ich habe keine Ahnung, ob man DER SCHNEEMANN guten Gewissens zur Sichtung empfehlen kann, ich persönlich fand ihn in all seiner Skurrilität eigentlich ziemlich geil.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

…PIÙ FORTE RAGAZZI! (Italien 1972, Regie: Giuseppe Colizzi)

...più forte ragazzi!

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Am Tag nach dem Tod von Bud Spencer habe auch ich das gemacht, was wohl eine Vielzahl der Menschen gemacht hat, die mit seinen Filmen aufgewachsen sind. Ich habe mir den Film mit ihm angeschaut, der mir persönlich am meisten bedeutet. Das ist schon seit Ewigkeiten …PIÙ FORTE RAGAZZI! aka ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE, in dem Spencer und sein kongenialer Filmpartner Terence Hill als Salud (Spencer) und Plata (Hill) zwei ständig am äußersten Rande der Legalität agierende Bruchpiloten spielen, die eines Tages im südamerikanischen Dschungel abstürzen und dort einer Gruppe von Diamantenschürfern gegen einen skrupellosen Geschäftemacher unterstützen.

Was mich an …PIÙ FORTE RAGAZZI! schon immer so extrem begeistert, war diese leichte Melancholie, die diesen Film durchzieht und diese unglaubliche Warmherzigkeit, die – auch wenn sie sicher in anderen Filmen des Duos oder auch von Spencer allein ebenfalls vorhanden ist – Colizzis Film neben all den typischen Prügeleien und neben all dem Klamauk, den die deutsche Synchro verbreitet, doch zu etwas ganz Besonderem macht. …PIÙ FORTE RAGAZZI! ist ungemein liebenswert und einfach nur wunderschön, ein Film, an dem einfach alles toll ist. Schon die ersten Klänge des grandiosen „Flying Through the Air“ von Oliver Onions sorgen für dieses wohlige Gefühl in der Magengegend. Dann diese einfach nur wundervolle Figur des von Cyril Cusack gespielten Matto, dessen Schicksal einem die Tränen in die Augen treiben kann, usw., usf.; ich liebe …PIÙ FORTE RAGAZZI!, habe ihn nun seit gut 10 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen und kann nur feststellen, dass er auch über die Jahre hinweg rein gar nichts an seiner Faszination einbüßt.

Bewertung: Lieblingsfilm! – 10/10

 

 

LA SOUPE AUX CHOUX (Frankreich 1981, Regie: Jean Girault)

la soupe aux choux

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Giraults LA SOUPE AUX CHOUX ist der vorletzte Film des französischen Starkomikers Louis de Funès, der zwei Jahre später im Alter von nur 68 Jahren an einem Herzinfarkt sterben sollte, nachdem er schon einige Jahre an einem schweren Herzleiden litt und bereits zwei Infarkte überlebt hatte.

Da sein Gesundheitszustand die Rolle des typischen Cholerikers einfach nicht mehr zuließ, ist LA SOUPE AUX CHOUX einer der Filme von de Funès, in denen sein Charakter eher ruhig und milde gestimmt ist und cholerische Anfälle nur in Ansätzen zu sehen sind. Es geht um den von de Funès gespielten Claude Ratinier, der gemeinsam mit seinem Nachbarn und besten und auch einzigen Freund Francis Chérasse (Jean Carmet) seinen Lebensabend in einem außerhalb einer französischen Kleinstadt gelegenen Bauernhof verbringt. Dort streiten sie, vertragen sich wieder, philosophieren über die Vergangenheit, essen Kohlsuppe und veranstalten vor ihren bescheidenen Häusern Abend für Abend Wettbewerbe im Dauerfurzen. Als von der Furzerei schließlich ein Außerirdischer (Jacques Villeret) angelockt wird, stellt dieser das Leben von Ratinier und Chérasse jedoch gehörig auf den Kopf…

In Deutschland ist Giraults Film unter dem Titel LOUIS UND SEINE AUSSERIRDISCHEN KOHLKÖPFE bekannt und dürfte hierzulande – auch wegen seiner unzähligen Ausstrahlungen im Fernsehen – wohl zu den beliebtesten und bekanntesten Filmen des französischen Komikers gehören. Auch ich bin damals mit LA SOUPE AUX CHOUX aufgewachsen, habe den Film als Kind und Jugendlicher unzählige Male im Fernsehen gesehen und natürlich wegen seiner ausufernden Albernheiten (die Furzerei, die Kommunikation mit dem Außerirdischen) geliebt. Beim jetzigen Wiedersehen nach sehr langer Zeit ist mir erstmals aufgefallen, dass LA SOUPE AUX CHOUX im Grunde genommen, trotz der vorhandenen Gags, ein überaus trauriger und auch zutiefst melancholischer Film ist. Es geht um würdevolles Altern, um Respekt vor älteren Menschen, um Perspektivlosigkeit und auch um die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen. In der französischen Originalversion gibt es bspw. eine längere Szene, in der der von Carmet gespielte Chérasse versucht, sich zu erhängen. Eine Sequenz, die in den deutschen Fassungen (auch in der mir vorliegenden DVD-Fassung) gekürzt wurde, ganz offensichtlich um die Klamauk-Szenen des Films nicht zu torpedieren (mittlerweile gibt es aber auch eine Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland, die komplett ungekürzt erschienen ist). Auch wenn der Film ein Happy End aufweisen kann, Ratinier und Chérasse mit dem Außerirdischen abhauen und einem würdevollen Lebensabend entgegenblicken können, von der oft unbeschwerten Leichtigkeit, welche die Filme von de Funès so häufig durchzogen hat, ist hier nicht mehr sonderlich viel zu spüren.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI (aka He Murdered His Wife, Griechenland 1976, Regie: Kostas Karagiannis)

eglima sto kavouri

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI möchte ein schleimiger Playboy (Lakis Komninos) das stattliche Vermögen seiner älteren Ehefrau (Dorothy Moore) mit seiner jüngeren Geliebten verprassen und paktiert mit einem skrupellosen Frauenmörder (Vagelis Seilinos) um seine Gattin um die Ecke zu bringen…

Regisseur Kostas Karagiannis hat seine Mischung aus Thriller, Mystery und Horror im Stil der italienischen Gialli gedreht. Es gibt brutale Morde, viel nackte Haut und einen im Schlussdrittel wendungsreichen Plot zu bestaunen, in Sachen Spannung muss man aber – trotz der Haken, die die Handlung zum Ende hin schlägt – bedauerlicherweise gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Da die Identität des Killers von Anfang an feststeht und auch der Mordplan des betrügenden Ehemannes sehr schnell offengelegt wird, bezieht Karagiannis’ Film seine Spannung in erster Linie daraus, ob die Täter letztendlich davonkommen werden und wie sie beide versuchen, sich gegenseitig auszuschalten. Das ist ein Tick zu wenig, um den Film über die komplette Länge zu tragen. Freunde des gepflegten Exploitation-Kinos dürften an ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI dennoch ihre Freude haben und sich vor allem an den vorhandenen Schauwerten und der nicht zu verachtenden Menge an Sleaze, welche Karagiannis über seine Zuschauer ausschüttet, ergötzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LA LAMA NEL CORPO (Frankreich / Italien 1966, Regie: Elio Scardamaglia)

la lama nel corpo

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Regisseur Elio Scardamaglia lässt in LA LAMA NEL CORPO einen Killer in einer alten Nervenheilanstalt, welche in einem mehr als mondän zu nennenden, schon fast schlossartigem Anwesen angesiedelt ist, auf Patienten und Belegschaft los…

Scardamaglias Film ist wirklich wunderschön anzusehen. Allein das Setting in diesem alten, beeindruckenden Anwesen reicht aus, um Genrefreunde für den Film einzunehmen. LA LAMA NEL CORPO ist vollgestopft mit tollen Kameraeinstellungen und verbreitet mit seiner irgendwo zwischen Giallo und Gothic Horror angelegten Geschichte eine harmlos-sympathische Grusel-Atmosphäre. Sehr viel mehr hat LA LAMA NEL CORPO jedoch nicht zu bieten. Im Finale geht es zwar ein bisschen ruppiger und auch rasanter zur Sache als zuvor, bis es jedoch so weit ist, plätschert Scardamaglias Film eher gediegen vor sich hin, schwelgt in seinen schönen Bildern und lullt den Zuschauer mit diesen eher ein als ihn mit einer spannenden Geschichte zu packen. Auf seine ganz eigene Art und Weise dürfte LA LAMA NEL CORPO für Freunde des italienischen Genrekinos aber ganz sicher interessant sein. Ich würde ihn jetzt nicht unbedingt als Pflichtprogramm bezeichnen wollen, fand ihn trotz der fehlenden Spannungsmomente jedoch allein aufgrund seiner Settings und der Atmosphäre und Stimmung, die er kreiert durchaus sehenswert und unterhaltend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

REMAKE, REMIX, RIP-OFF: ABOUT COPY CULTURE & TURKISH POP CINEMA (Deutschland / Türkei 2014, Regie: Cem Kaya)

remake, remix, rip-off - about copy culture & turkish pop cinema

(Fassung: Free-TV, ZDF HD, Deutschland)

Insbesondere zwischen den frühen 50er und späten 80er Jahren bestand das türkische Kino zu einem Großteil aus möglichst kostengünstig heruntergekurbelten Remakes bzw. Rip-Offs erfolgreicher Hollywood-Produktionen, welche so manche obskure Perle hervorgebracht haben. Regisseur Cem Kaya wirft in seiner Dokumentation einen Blick auf diese faszinierende Kinolandschaft, lässt damalige Schauspieler und Regisseure zu Wort kommen, teils ausgesprochen witzige Anekdoten von damals erzählen und gewährt dem interessierten Zuschauer so einen Einblick in eine Filmwirtschaft, die vor allem von Improvisationstalent und diversen Guerilla-Taktiken geprägt war (man erfährt bspw., dass es in der Türkei kein geltendes Urheberrecht gab und den Machern somit die Scores sämtlicher Hollywoodfilme zur freien Verfügung standen, welche diese natürlich gerne nutzten, um ihre eigenen Filme zur veredeln; vor allem die Filmmusik aus THE GODFATHER, diversen James-Bond-Filmen, SUPERMAN oder STAR WARS wurde immer wieder gerne verwendet). Insbesondere Çetin İnanç, Regisseur des berühmt-berüchtigten DÜNYAYI KURTARAN ADAM (besser bekannt als TURKISH STAR WARS), hat einige wunderbare Geschichten zu erzählen, insbesondere was die Entstehung seines vorgenannten Films angeht (in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die Filmrollen von STAR WARS aus einem türkischen Kino entwendet und um Szenen erleichtert, welche für den eigenen Film genutzt werden sollten und dann auch in diesen hineingeschnitten wurden), welche Probleme die Filmemacher mit den Zensurbehörden hatten und wie diese übergangen wurden, usw., usf., und weckt im Zuschauer durch seine Ausführungen ein großes Bedürfnis, diverse Filme aus der Türkei lieber heute als morgen sichten zu wollen.

Leider belässt es Regisseur Cem Kaya in seiner Dokumentation nicht bei diesen hoch interessanten Einblicken in diese längst vergangenen Zeiten, sondern will etwas zu viel. Kaya schlägt den Bogen in die Gegenwart, wirft einen Blick auf türkische TV-Produktionen, die mehr als schlechten Arbeitsbedingungen der Cast- und Crewmitglieder in der heutigen Zeit und die Respekt- und Rücksichtslosigkeit, mit der in der Türkei mit dem türkischen Filmerbe umgegangen wird. Das ist zwar sicher lobenswert, hätte aber im Endeffekt einen eigenen Film verdient gehabt und führt letztendlich dazu, dass REMAKE, REMIX, RIP-OFF in zwei Teile auseinanderfällt, die nicht wirklich harmonisch zusammengefügt werden können. Kayas Film wirkt aufgrund dieser Tatsache in der zweiten Hälfte etwas unstruktiert und konfus und in meinen Augen hätte Cem Kaya gut daran getan, wenn er sich auf sein ursprüngliches Thema bis zum Ende konzentriert hätte und den ernsthaften und politischen Teil seiner Dokumentation in einen eigenen Film ausgelagert hätte, der diesem ernsteren und sicher auch hochinteressantem Thema dann auch hätte gerecht werden können.

Bewertung: Gut! – 7/10

4 Frauen auf Geisterjagd

GHOSTBUSTERS (USA 2016, Regie: Paul Feig)ghostbusters

(Fassung: 3D-Originalfassung, Odeon Premierenkino, London)

Jetzt ist er also in der Welt. Dieser Film, der die Fans von Reitmans Original aus dem Jahr 1984 schon auf die Barrikaden gehen ließ, bevor er überhaupt das Licht der Leinwände erblicken konnte. Der von vielen sogenannten Filmfreunden aus Prinzip gehasst werden wird – nur aufgrund der Tatsache, dass die Rollen der Geisterjäger hier mit 4 Frauen besetzt worden sind – und der praktisch keine Chance auf eine faire Behandlung haben dürfte. Ich finde es sehr traurig, dass es scheinbar nicht möglich ist, an einen Film wie diesen hier erst mal unvoreingenommen heranzugehen, ihn sich anzusehen und sich danach eine Meinung zu bilden. Wenn man ihn dann immer noch beschissen findet, ist das ja in Ordnung. Aber dieser Shitstorm vorab? Man muss es nicht verstehen.

In Deutschland startet GHOSTBUSTERS Anfang Augst, anlässlich eines Kurzurlaubs in London hatte ich bereits am vergangenen Samstag die Gelegenheit, mir den Film in 3D im riesigen Odeon-Kino am Londoner Leicester Square anzusehen (in diesem Kino finden auch alle wichtigen Filmpremieren in England statt) und möchte nach Sichtung des Films all diesen selbsternannten Experten, all diesen bescheuerten Hatern und all diesen ekligen Supernerds, die GHOSTBUSTERS bereits vor Start und nur aufgrund der Besetzung und des Trailers zur Totgeburt erklärt hatten, ein fettes „FUCK YOU!!!“ entgegen schreien, denn Paul Feig hat hier zwar keinen perfekten, aber doch einen extrem unterhaltsamen Film gedreht. Einen Film, der mir persönlich über die komplette Laufzeit verdammt viel Vergnügen bereitet hat, den man sicher kritisch sehen kann, der diese breite Ablehnung und diesen Hass, der ihm schon seit Wochen und Monaten vielerorts entgegenschlägt, jedoch in keinster Weise verdient hat.

Was man den Machern vielleicht vorwerfen kann, darf und muss, ist, dass sie diesen Mut, den sie mit der Besetzung der vier Hauptrollen mit Frauen ja eigentlich bewiesen haben, nicht konsequent fortgeführt und so etwas gänzlich Neues erschaffen haben. GHOSTBUSTERS ist im Endeffekt ein Remake bzw. Reboot des Originals und seines Sequels aus dem Jahr 1989 und funktioniert eher als liebevolle Hommage an diese beiden Filme und weniger als eigenständige Geschichte. Dafür wurden einfach zu viele Elemente der beiden Ur-Filme aufgegriffen, dafür gibt es zu viele obligatorische Gastauftritte und dafür fehlt es dem Film einfach an Originalität und Einfallsreichtum was den Handlungsverlauf angeht. Und dafür übertreibt es Paul Feig im Finale etwas zu sehr mit den Reminiszenzen. Die Entstehung des „Endgegners“ ist bspw. komplett misslungen und das Finale des großen Finales ist in meinen Augen auch eher als missglückt zu bezeichnen. Bis auf diese beiden großen Schwächen zum Ende hin funktioniert GHOSTBUSTERS als Hommage jedoch nahezu perfekt und wenn man es schafft, sich auch mit den vier Damen in den Rollen der Geisterjäger anzufreunden (was mir glücklicherweise gelungen ist), dürfte einem mehr als vergnüglichem Filmerlebnis nichts mehr im Wege stehen.

Regisseur Paul Feig zelebriert mal wieder den aus seinen bisherigen Filmen bekannten, etwas kruden Humor und hat insbesondere mit Melissa McCarthy und Kristen Wiig zwei Schauspielerinnen am Start, die sich die Gags wie die sprichwörtlichen Bälle hin- und her spielen. Chris Hemsworth als männliche und leicht unterbelichtete Empfangsdame ist teilweise zum Schreien komisch und komplettiert mit seinem Part die Umkehr der Geschlechterrollen des Originals. Die aus den beiden Ur-Filmen zusammengesetzten Handlungselemente hat Feig zudem mit jeder Menge netter Ideen angereichert und die Kreativität, die im großen Ganzen des Plots vielleicht etwas fehlen mag, ist in den Details jederzeit erkennbar (man achte bspw. nur mal auf die zeitgenössischen Movie Marquees während der Times-Square-Sequenz im Finale). Über die diversen Variationen altbekannter Geistererscheinungen habe ich mich genauso gefreut wie über die ausgesprochen gelungenen Gastauftritte diverser Stars des Originals – neben Bill Murray als Wissenschaftler und Dan Aykroyd als Taxifahrer geben sich auch Annie Potts, Ernie Hudson und Sigourney Weaver die Ehre – und diese Konzertsequenz (incl. eines Gastauftritts von Ozzy Osbourne) in der Mitte des Films ist der absolute Knaller. Toll auch die Effekte, vor allem die 3D-Effekte in den Actionszenen. Alles in allem ist GHOSTBUSTERS ein riesengroßer Spaß. Wer dem Film eine echte Chance geben will soll doch einfach reingehen, sich hinsetzen, ihn sich anschauen, hoffentlich Spaß haben und vor allem bis nach dem Abspann sitzen bleiben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Juni 2016: Beitrag Nr. 2

SOUTHPAW (Hongkong / USA 2015, Regie: Antoine Fuqua)

southpaw

(Fassung: Blu-ray, Tobis, Deutschland)

In Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Kurt Sutter schickt Regisseur Antoine Fuqua Jake Gyllenhaal als erfolgreichen Boxer in den Ring, malträtiert ihn mit fiesen Schicksalsschlägen, lässt ihn von ganz oben nach ganz unten abstürzen, nur um ihn im Schlussdrittel wie Phoenix aus der Asche wieder aufsteigen zu lassen…

Obwohl mich der Boxsport im wahren Leben überhaupt nicht interessiert, habe ich im Lauf meiner filmischen Sozialisierung – vor allem wegen der ROCKY-Reihe – eine Vorliebe für Boxfilme entwickelt und musste mir aus diesem Grund natürlich auch SOUTHPAW ansehen, einen Film, an den ich doch relativ hohe Erwartungen hatte. Wegen seines Hauptdarstellers, den ich immer gerne sehe. Und natürlich auch wegen seines Regisseurs, von dem ich spätestens seit SHOOTER ein großer Fan bin.

Vielleicht bin ich ja an meiner Erwartungshaltung gescheitert, aber so wirklich mitreißen konnte mich SOUTHPAW eigentlich nur im Schlussdrittel, beim wirklich atemberaubend inszenierten Schlusskampf, bei dem der Film dann alle Erwartungen erfüllen konnte und mich mit Gänsehaut und einer Träne im Auge in den Abspann entließ. Die Mischung aus Sportfilm und Drama in den knapp 90 Minuten davor hat leider nicht so gut funktioniert. Das wirkte alles viel zu konstruiert, viel zu übertrieben und viel zu unglaubwürdig und konnte mich als Zuschauer eigentlich nie so wirklich berühren. Eigentlich plätscherte SOUTHPAW über weite Strecken nur so dahin. Bis dann dieses Schlussdrittel kam und aus einem bis zu diesem Zeitpunkt höchstens halbwegs unterhaltsamen Film dann doch noch einen guten Film machte.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

PERSONAL BEST (USA 1982, Regie: Robert Towne)

personal best

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Regisseur und Drehbuchautor Robert Towne erzählt die Geschichte zweier Fünfkämpferinnen (Mariel Hemingway und Patrice Donnelly), die in Qualifikationswettkämpfen versuchen, einen Platz im US-Team für die olympischen Sommerspiele 1980 zu ergattern, sich ineinander verlieben und schon schnell ihre Gefühle füreinander auf der einen und den bestehenden Konkurrenzkampf auf der anderen Seite nicht mehr miteinander vereinbaren können, natürlich noch nicht ahnend, dass die Teilnahme an der anstehenden Olympiade aus politischen Gründen von den USA boykottiert werden wird…

Robert Towne gelingt sowohl ein intimer und auch authentisch wirkender Einblick in das Innenleben eines Sportteams, dem alltäglichen Konkurrenzkampf, den die verschiedenen Sportlerinnen ausgesetzt sind und der harten Trainingsarbeit, die hinter den erhofften Erfolgen steckt, als auch ein einfühlsames Portrait zweier Frauen, denen ihre Gefühle einen gehörigen Strich durch ihre sportlichen Karriereplanungen zu machen drohen. Sehr schön auch zu sehen, wie vollkommen normal und natürlich Robert Towne die gleichgeschlechtliche Beziehung der beiden Frauen darstellt, für einen Film aus dem Jahr 1982 ist das ja nicht unbedingt selbstverständlich.

So wirklich gepackt hat mich PERSONAL BEST allerdings nicht. Townes Film kann zwar auch in schauspielerischer Hinsicht – vor allem wegen Hemingway und Donnelly in den Rollen der beiden Sportlerinnen und Scott Glenn in der Rolle des Trainers – durchaus überzeugen, hat aber mit dem großen Problem zu kämpfen, dass er mit einer Laufzeit von über 2 Stunden mindestens 30 Minuten zu lang gewesen ist und die Sportart des Fünfkampfs nun auch nicht unbedingt optimal dazu geeignet ist, den Film mit wirklich packenden Sportszenen zu füllen und so die Spannung zumindest ein bisschen hochzuhalten. Irgendwann zieht sich PERSONAL BEST fast nur noch wie Kaugummi und ich war am Ende dann auch schon fast froh, als er endlich vorbei war. Irgendwie schade, hätte den Film gerne mehr gemocht. Von seinem Ansatz und seiner Aussage her steht PERSONAL BEST auf jeden Fall auf der Seite der Guten.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

AMERICAN ULTRA (Schweiz / USA 2015, Regie: Nima Nourizadeh)

american ultra

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Jesse Eisenberg spielt Mike Howell, einen in einer amerikanischen Kleinstadt lebenden und nicht gerade selten bekifften Loser, der bereits Panikattacken bekommt, wenn er mit seiner Freundin Phoebe (Kristen Stewart) mal die Stadtgrenze überschreiten soll und dessen Leben von der einen auf die andere Sekunde komplett auf den Kopf gestellt wird, als er sich einem Killerkommando gegenüber sieht und plötzlich ungeahnte Fähigkeiten entdeckt. Denn der von Eisenberg gespielte Howell ist in Wahrheit eine vom CIA ausgebildete und stillgelegte Tötungsmaschine, die nun für immer zum Schweigen gebracht werden soll…

Regisseur Nima Nourizadeh zeichnete vor AMERICAN ULTRA für den im Found-Footage-Stil gedrehten PROJECT X verantwortlich, in dem eine Party komplett außer Kontrolle geriet und der den Zuschauer mit Unglaublichkeiten am laufenden Band konfrontierte. So ähnlich geht es auch in AMERICAN ULTRA zu, auch wenn dieser Film hier natürlich – was die Handlung und die eingesetzten Stilmittel angeht – rein gar nicht mit dem Erstlingswerk des Regisseurs zu vergleichen ist.

Als Zuschauer sitzt man staunend und kopfschüttelnd vor dieser komplett durchgeknallten Wundertüte von Film, die Nourizadeh da auf einen loslässt und kann sich über die ganze Laufzeit nie so richtig entscheiden, ob man das, was man da sieht, nun gut oder beschissen finden soll. Die Handlung ist komplett hanebüchen, Spannung und Atmosphäre sind praktisch nicht vorhanden, stattdessen wird AMERICAN ULTRA von seinen Schauwerten regiert, die reichlich vorhanden sind und zu großen Teilen aus oft derben Gewaltausbrüchen bestehen. Ich selbst bin mir auch drei Tage nach Sichtung des Films noch immer nicht ganz sicher, was ich da eigentlich gesehen habe. Es war auf jeden Fall verdammt unterhaltsam, auch wenn streckenweise die Gefahr bestand, Ermüdungserscheinungen wegen kompletter Reizüberflutung zu erleiden.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR (Deutschland 1963, Regie: Harald Reinl)

der würger von schloss blackmoor

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Im Gegensatz zum Vorgänger DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER orientiert sich der zweite Film in Brauners Bryan-Edgar-Wallace-Reihe was Settings und Atmosphäre angeht doch deutlich mehr an den großen Vorbildern der Rialto. Angesiedelt ist DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR in einem dieser wunderbaren Schloss-Settings und die Handlung dreht sich um einen maskierten Killer, der Menschen rund um das titelgebende Schloss auf diverse Methoden um die Ecke bringt, um die typischen Querelen rund um ein Erbe und um wertvolle Diamanten, auf die es nicht gerade wenige zwielichtige Typen abgesehen haben.

Was an DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR in erster Linie positiv hervorzuheben ist, sind seine Schauwerte und die Tatsache, dass der Film von Regisseur Harald Reinl ohne große Längen und überaus flott inszeniert wurde. Toll ist natürlich vor allem das alte Schloss mit seinen Geheimgängen, seinen unheimlichen Kellerverliesen und seinen undurchsichtigen Bewohnern, u.a. einem irren Diener, der in einem Kellergewölbe mit Wahnsinn in den Augen seine Zeit mit dem Schleifen von Diamanten verbringt. Zudem sind die Morde, die der titelgebende Würger begeht, erstaunlich derbe ausgefallen. Da wird nicht nur gewürgt, sondern gleich noch enthauptet und mitunter auch mit schweren Kalibern geschossen. Schön auch zu sehen, dass das obligatorische “comic relief“ im Vergleich zum Vorgänger hier deutlich verhaltener agiert. War es in DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER noch Chris Howland, der sich zum Deppen machen durfte, ist es hier nun Walter Giller, der als schrulliger Schlossbesitzer für Heiterkeit sorgen soll, dabei für den Zuschauer aber nie so anstrengend wird, wie es eben Howland im Film zuvor noch gewesen ist. Und dann hat Reinl in der Rolle der Leading Lady Karin Dor zur Verfügung, die ihren Part natürlich souverän meistert und dem Film das verleiht, was ihm sonst – und das ist dann auch seine große Schwäche – leider vollends abgeht, nämlich einen Hauch von Starpower. Die Rolle des Ermittlers wurde mit Harry Riebauer erneut mit einem Schauspieler besetzt, der diesen wichtigen Part praktisch zu keiner Sekunde so wirklich ausfüllen kann. In den Vorbildern der Rialto wurden diese Rollen mit Charakterköpfen wie Fuchsberger oder Drache besetzt, denen Riebauer leider in keinster Weise das Wasser reichen kann.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

FLED (USA 1996, Regie: Kevin Hooks)

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(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Aufgrund einer Verkettung dummer Zufälle befinden sich in FLED die beiden Häftlinge Piper (Laurence Fishburne) und Dodge (Stephen Baldwin) plötzlich aneinander gekettet auf der Flucht aus Gefängnisgewahrsam und vor den sie verfolgenden Ordnungshütern. Dass sich die beiden nun nicht gerade bestens miteinander erschweren erleichtert ihre missliche Lage ebenso wenig wie die Tatsache, dass neben den Behörden auch die kubanische Mafia hinter ihnen her ist…

Herausgekommen im Jahr 1996, könnte man meinen, FLED müsste schon allein aufgrund seiner Ausgangssituation mit den beiden aneinander geketteten Streithähnen ein Paradebeispiel für einen dieser von Humor durchsetzten Actionfilme aus den 90ern sein. Aber weit gefehlt, FLED ist zwar nicht gänzlich von Humor befreit – ein paar komische Momente mussten damals wohl einfach in jeden Actionfilm integriert werden -, über weite Strecken geht es in diesem rasanten Jagd/Flucht-Szenario aber durchaus ernst und auch ausgesprochen grimmig zur Sache. Regisseur Kevin Hooks, der hauptsächlich fürs TV arbeitet und für den FLED neben dem 4 Jahre zuvor entstandenen PASSENGER 57 mit Wesley Snipes in der Hauptrolle einen der ganz wenigen nennenswerten Ausflüge ins Kino darstellt, geht hier wirklich alles andere als zimperlich zur Sache. FLED wird von blutigen Shoot-Outs und druckvollen Actionszenen beherrscht, die geschickt innerhalb des Handlungsverlaufs platziert sind und dem Zuschauer nur wenig Zeit zum Verschnaufen lassen. Hooks treibt seine Handlung ohne große Schnörkel voran, baut dabei geschickt Spannung auf und entwickelt seine beiden Hauptcharaktere inmitten einer Ansammlung ziemlich klischeehafter Figuren immerhin so weit, dass sie einem als Zuschauer nicht egal bleiben und man relativ schnell eine Bindung zu ihnen aufbauen kann. FLED ist ein Beispiel für grundsolides und im höchsten Maße unterhaltsames Actionkino an dem es im Endeffekt nichts groß auszusetzen gibt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOTEL TRANSYLVANIA 2 (USA 2015, Regie: Genndy Tartakovsky)

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(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Nachdem sich der ein Hotel für Monster betreibende Graf Dracula im Vorgänger aus dem Jahr 2012 noch damit auseinandersetzen musste, dass ein Menschenjunge in sein Hotel gelangt war und er dies vor seinen Gästen verzweifelt zu vertuschen versuchte, beginnt HOTEL TRANSYLVANIA 2 nun mit der Hochzeit eben dieses Menschenjungen mit Draculas Tochter Mavis, eine Verbindung, aus der schon bald Nachwuchs hervorgehen soll. Als sein Enkelsohn bereits knapp 5 Jahre alt ist und noch immer keine Anzeichen zeigt, dass auch in ihm ein echter Vampir steckt, wird Dracula jedoch langsam nervös und versucht mit allen Mitteln, den tief im Inneren des Jungen schlummernden Vampir zu wecken…

Regisseur Genndy Tartakovsky verlässt sich bei seiner Fortsetzung zwar erneut auf all die Zutaten, die bereits seinen Vorgänger zu einem großen Spaß für alte Altersklassen haben werden lassen, an die extrem hohe Gagdichte von HOTEL TRANSYLVANIA kommt der zweite Teil jedoch leider nicht heran. Es dauert einige Zeit bis der Film so richtig Fahrt aufnimmt und richtig lustig wird HOTEL TRANSYLVANIA 2 eigentlich erst in der zweiten Hälfte, wenn Dracula sich mit seinen Monsterkumpels seinen Enkelsohn schnappt und diesen ohne das Wissen seiner Tochter, die sich derweil in Kalifornien auf Haussuche befindet, da sie plant, mit ihrem Mann und ihrem Sohn aus Transsilvanien wegzuziehen, auf einen Road Trip der etwas anderen Art mitnimmt um endlich den Vampir in ihm zu wecken. Ab diesem Zeitpunkt haben sich schon einige zum Schreien komische Szenen in HOTEL TRANSYLVANIA 2 eingeschlichen, nennenswert dabei vor allem die leider schon im Trailer verheizte Sequenz, in der Dracula seinem Enkel das Fliegen beibringen will.

Unbedingt erwähnenswert ist natürlich auch die erneute Liebe zum Detail, die bereits den Vorgänger auszeichnete und die hier auch wieder in praktisch jeder Szene zum Vorschein kommt. In allen Ecken und Winkeln des Films gibt es erneut jede Menge an liebevollen Kleinigkeiten zu entdecken und allein diese Tatsache macht – wie bereits den Vorgänger – HOTEL TRANSYLVANIA 2 zu einem Film, der nicht nur das kindliche Zielpublikum anspricht, sondern auch einem erwachsenen, horrorfilmbegeisterten Publikum in nicht wenigen Sequenzen ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 4 (USA 2014; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

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(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

Die mittlerweile vierte Staffel von GAME OF THRONES ist die erste Staffel, die nicht auf einem ständig konstant bleibenden Niveau am Zuschauer vorbeizieht, sondern innerhalb der 10 Folgen auch mal den einen oder anderen Ausreißer nach unten und nach oben parat hält, was der Serie durchaus zum Vorteil gereicht. Diese Staffel ist auch die erste Staffel, die mich nun nicht allein aufgrund der grandiosen Oberfläche, sondern auch aufgrund des Inhalts für sich einnehmen konnte.

Ein Markenzeichen der Serie (bzw. der Romanvorlagen, die ich allerdings nicht gelesen habe) ist ja, dass sie mit Hauptfiguren nicht sonderlich zimperlich umgeht. Man muss jederzeit damit rechnen, dass eine etablierte Hauptfigur auf möglichst derbe Art und Weise aus dem Leben scheiden muss und wie in den drei Staffeln zuvor, müssen natürlich auch in Season 4 so einige größere Charaktere ihren Hut nehmen. Das hat den großen Vorteil, dass dieses irrsinnige Figurengeflecht, mit all den gegenseitigen Interessen, welche die einzelnen Personen so haben, und für das man insbesondere in der vorherigen Staffel schon langsam aber sicher einen Stammbaum hätte aufzeichnen müssen um es komplett überblicken zu können, nun langsam etwas ausgedünnt wird und GAME OF THRONES in dieser vierten Staffel erstmals weitaus übersichtlicher geraten ist als in den drei Staffeln zuvor. Inmitten von Sex und Gewalt, von blanken Brüsten, rollenden Köpfen und heraushängenden Eingeweiden ist es mir nun endlich gelungen, auch echtes Interesse für den Handlungsverlauf und die verschiedenen Figuren zu entwickeln und mich nicht allein aufgrund der exorbitanten Schauwerte unterhalten zu lassen. Mal schauen, wie es weitergeht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ORPHAN (Deutschland / Kanada / USA 2009, Regie: Jaume Collet-Serra)

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(Fassung: Blu-ray, Kinowelt, Deutschland)

Horrorfilme, in denen Kinder der Ausgangs- und Mittelpunkt des Horrorgeschehens sind, halte ich in ihrer Wirkung meist für besonders effektiv. Auch ORPHAN macht da keine große Ausnahme. Im Mittelpunkt steht die 9-jährige Esther (unfassbar unheimlich: Isabelle Fuhrman), die von den Ehegatten Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard) adoptiert wird und sich schon bald zu einer echten Gefahr – vor allem für die beiden leiblichen Kinder des Paares – entwickelt, wobei insbesondere der von Peter Sarsgaard gespielte Vater seine Augen vor diesen Entwicklungen verschließt und die Bedenken seiner Frau in keinster Weise ernst nehmen will. Wie es in solchen Filmen nun mal ist, steuert alles auf die unausweichliche Katastrophe zu…

Regisseur Jaume Collet-Serra, der sich in den Jahren nach ORPHAN ja zu so etwas wie dem Hausregisseur von Liam Neeson entwickeln sollte (er inszenierte UNKNOWN, NON-STOP und RUN ALL NIGHT mit Neeson in der Hauptrolle), lässt das Böse in Gestalt eines zunächst unschuldig wirkenden Mädchens langsam und unausweichlich über die Protagonisten des Films und über sein Publikum hereinbrechen. Wie Collet-Serra die Spannungsschraube immer mehr anzieht, eine immer dichtere Atmosphäre entwickelt, dem Zuschauer immer einen kleinen Wissensvorsprung gewährt und es so schafft, dass man dem Geschehen auf dem Bildschirm in kompletter Hilflosigkeit und der bösen Vorahnung folgt, dass dieser Film kein Happy End für alle Beteiligten bereit halten dürfte, ist ungemein effektiv und macht ORPHAN zu einem absoluten Nailbiter. Dass ein Film wie dieser natürlich auch nicht ohne typische Horrorfilmklischees auskommen kann und dass der Twist um die Identität der Adoptivtochter doch etwas arg konstruiert wirkt, trübt den positiven Gesamteindruck zwar ein kleines bisschen, an der Tatsache, dass ORPHAN als Horrorfilm richtig gut funktioniert, können diese Schwächen jedoch auch nichts ändern. Und Vera Farmiga in der Rolle der Mutter spielt einfach großartig. Auch das muss unbedingt noch erwähnt werden.

Bewertung: Gut! – 7/10