04/2025, #1: Monika u. die Sechzehnjährigen (D 1975, Charly Steinberger)
Ein echter Lichtblick inmitten des deutschen Sexfilmsumpfs aus den 1970er Jahren. Es geht um vier Internatsschülerinnen, die in den Ferien mit Erlaubnis der Direktorin im Internat bleiben dürfen um an einem Forschungsprojekt weiterzuarbeiten, dieses aber schnell hintenan stellen als der attraktive Sohn der Direktorin zu Besuch kommt und die vier Freundinnen es sich zur Aufgabe machen, diesen zu verführen und ihn so davon abzuhalten, sich für das Priesteramt zu entscheiden. Steinbergers Film präsentiert neben den typischen Schauwerten in Form von nackter Haut und ein paar zurückhaltenden Albernheiten tatsächlich einen richtigen Plot mit einem echten Spannungsbogen und interessanten Figuren. Schauspielerisch wird der Film von Liselotte Pulver in der Rolle der Direktorin und Klausjürgen Wussow als deren Bruder geadelt – übrigens der einzige Ausflug dieser beiden Stars ins eher schlüpfrige Genre – und handwerklich ist Steinbergers Genrebeitrag richtig toll geraten. Vor allem die Kameraarbeit ist eine einzige Augenweide und es gibt nicht wenige Einstellungen, die man sich durchaus gerahmt an die Wand hängen könnte. – 7/10
04/2025, #2: Geilermanns Töchter – Wenn Mädchen mündig werden (D 1973, Alois Brummer)
Und wieder ab nach Absurdistan mit dem nächsten Film von Regisseur und Produzent Alois Brummer, der hier erneut die üblichen Verdächtigen vor die Kamera geholt hat und in episodenhafter Struktur diverse sexuelle Eskapaden abspielt, die selbst bei näherer Betrachtung handlungstechnisch keinen so rechten Sinn ergeben mögen. Ausgangs- und Endpunkt des Films sind ein paar Stammtischbrüder, die mit ihren Eroberungen prahlen, aber vielleicht löst sich nach viel zu vielen Filmen dieser Art, die ich in letzter Zeit gesehen habe, auch einfach nur mein Gehirn langsam auf und ich kann schon den einfachsten Storyzusammenhängen nicht mehr folgen. Im Gedächtnis bleiben die eine oder andere besonders niveaulose Sequenz, wie bspw. die Szene in der Konstantin Wecker sein bestes Stück in einer Mausefalle stecken hat oder die wirklich unfassbar geschmacklose Szene in einem Puff mit einem nackten Kleinwüchsigen, dem ein Strap-On-Dildo auf den Kopf geschnallt wurde. – 5/10
04/2025, #3: Beichte einer Liebestollen (D 1971, Alois Brummer)
Re-Watch! Obwohl ich weiß, dass ich diesen Film zuvor schon mal gesehen hatte, konnte ich mich wirklich an keine einzige Szene mehr erinnern. Wieder ein Beweis für die Halbwertzeit dieser fragwürdigen Form der Unterhaltung. Wie bei dem ein Jahr später entstandenen GEFÄHRLICHER SEX FRÜHREIFER MÄDCHEN (II. TEIL) geht es auch hier um eine Ausreißergeschichte und mit Karin Götz in der Hauptrolle reißt sogar exakt dieselbe Hauptdarstellerin von zu Hause aus. Dass auch die einzelnen Abenteuer, welche die Protagonistin hier erleben darf bzw. muss sich nicht gerade durch eine sonderlich hohe Innovation auszeichnen, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden. – 5/10
04/2025, #4: Thomas Müller – Einer wie keiner (D 2025, Andre Hörmann)
Dokumentation über Bayern-Star Thomas Müller, die diesen in der Saison vor der EM 2024 begleitet und gleichzeitig auf eine knapp 2 Jahrzehnte andauernde Karriere im Trikot des FC Bayern München zurückblickt. Neben vielen Archivaufnahmen gibt es zahlreiche Intervieweinspielungen von Müller selbst, Familienmitgliedern, ehemaligen Trainern, Funktionären des FC Bayern und früheren sowie jetzigen Mitspielern. Thomas Müller gibt sich wie man es von ihm erwartet: er kommt einfach unglaublich ehrlich und authentisch rüber, ist um keinen Spruch verlegen und scheut auch vor Selbstkritik nicht zurück. Für Fans des FCB unbedingt sehenswert. – 8/10
04/2025, #5: Biggy – Eine Ausreißerin (D 1980, Charles Köhn)
Auch im klassischen deutschen Hardcore-Film, der in den 1970er und 1980er Jahren über die Leinwände der Bahnhofskinos flimmerte, gab es das Ausreißerinnen-Thema, hier in Form einer jungen Frau, die gemeinsam mit ihrer Freundin aufbricht um möglichst spezielle erotische Abenteuer zu erleben und schließlich im Puff die Liebe ihres Lebens findet. So wirklich erotisch ist hier exakt gar nichts ausgefallen, was den Film aber zu einem ungemein unterhaltsamen Erlebnis macht ist die komplett asoziale deutsche Synchronisation, die ihm verpasst wurde. Man muss es gehört haben um es glauben zu können. – 6/10
04/2025, #6: Uden en trævl [aka Without a Stich] (DK 1968, Anneliese Meineche)
Episodenhaft erzählt Erotikkomödie aus Dänemark, welche vom Aufbau her wohl durchaus als Vorbild für all die deutschen Produktionen gedient haben dürfte, die bereits kurze Zeit später die Kinos fluteten. Es geht um eine Studentin, die sich wegen ihrer sexuellen Verklemmtheit vertrauensvoll an einen Arzt wendet, der ihr schließlich dabei hilft, ihre Hemmungen fallen zu lassen und in allerlei erotische Abenteuer entlässt. Regisseurin Meineche hat ihren Film ungemein charmant, witzig und liebevoll umgesetzt und die Reise von Hauptdarstellerin Anne Grete Nissen versprüht einen herrlich-naiven Charme und ist zudem ausgesprochen kurzweilig ausgefallen. – 6/10
04/2025, #7: Rosenthal (D 2025, Oliver Haffner)
Eindringlich und überzeugend gespieltes Drama rund um den jüdischen Dalli-Dalli-Moderator Hans Rosenthal, der im Jahr 1978 vom ZDF dazu genötigt wurde, die 75. Sendung der beliebten Spiel- und Unterhaltungsshow ausgerechnet am 40. Jahrestag der Reichskristallnacht moderieren zu müssen und so der Gelegenheit beraubt wurde, an einer für ihn wichtigen Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Der vom ZDF produzierte Film ist wohl auch so etwas wie eine späte Aufarbeitung eines schweren Fehlers des Senders und zugleich ein flammendes und in Zeiten wie den jetzigen enorm wichtiges Plädoyer gegen das Vergessen der Verbrechen aus der Nazizeit. Und Florian Lukas ist in der Rolle des zerrissenen Moderators mehr als überzeugend. – 8/10
04/2025, #8: O – The Power of Submission (USA 2006, Ernest Greene)
Hochbudgetierte und im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus ansprechend umgesetzte Hardcore-Variante des berühmten Romans von Dominique Aury, der dieses Spiel der sexuellen Dominanz und Unterwerfung in kurzweilig und abwechslungsreich inszenierten Sequenzen umzusetzen versucht. Das gelingt zwar nicht immer, die wirklich sehenswerten Sets, der Versuch, eine echte Story zu erzählen und die schon fast unverschämt attraktive Hauptdarstellerin Carmen Luvana lohnen dennoch einen Blick auf diese moderne Feature-Produktion. – 6/10
04/2025, #9: Die Haut der Anderen (D 2018, Thomas Stiller)
Romantisches Drama, in dem sich eine verheiratete Krankenschwester in einen Schriftsteller verliebt, der Hemmungen vor körperlichen Berührungen hat und sich seinen Lustgewinn auf eher ungewöhnliche Weise zu verschaffen versteht. Stillers Film wirkt etwas arg konstruiert, wirft aber einen interessanten Blick auf die hohe Diversität sexueller Vorlieben und Neigungen und zeichnet sich zudem durch eine wunderbar melancholische Atmosphäre aus. – 7/10
04/2025, #10: Waterloo Bridge (USA 1931, James Whale)
Berührendes Drama, welches in London zu Zeiten des ersten Weltkriegs spielt und in dem sich ein junger Soldat in ein vermeintliches „chorus girl“ verliebt und gegen alle Widerstände versucht, seine Herzensdame zu heiraten. Whales Film ist insbesondere mit Mae Clarke in der weiblichen Hauptrolle grandios besetzt, absolut überzeugend gespielt, ungemein berührend geraten und mit einem Ende ausgestattet, welches lange nachhallt. – 8/10
04/2025, #11: Olympia, 2. Teil – Fest der Schönheit (D 1938, Leni Riefenstahl)
Der 2. Teil von Riefenstahls Mammutprojekt die Olympischen Spiele von 1936 zu dokumentieren steht dem Vorgängerfilm praktisch in Nichts nach und ist in Nuancen vielleicht sogar noch einen Tick beeindruckender geraten. Als Propagandafilm für die Nazis ist auch diese Fortsetzung ideologisch höchst problematisch, seine filmhistorische Bedeutung kann man ihm aber sicher nicht absprechen. Riefenstahls OLYMPIA-Filme waren wegweisend für alle Sportdokumentationen, die da folgen sollten und sind in ihrer ästhetischen Gestaltung einfach nur atemberaubend gut. Denn auch in diesem zweiten Film sind Aufnahmen enthalten, bei denen man sich schon die Frage stellen kann, wie Riefenstahl das damals gelungen ist (ich denke insbesondere an die Bilder der Ruderwettkämpfe) und auch dieser zweite Film präsentiert optische Leckerbissen der Extraklasse, wie bspw. die kurze Sequenz des Fechtwettkampfs, in der sich die Kamera ausschließlich auf die Schatten der Sportler fokussiert. – 8/10
04/2025, #12: Red-Headed Woman (USA 1932, Jack Conway)
Paradebeispiel für einen dieser Pre-Code-Filme, die Anfang der 1930er Jahre die Zensoren erzürnten und schließlich dafür sorgten, dass über Jahrzehnte in den USA ein striktes Freigabesystem eingeführt wurde, welches Filme mit Inhalten wie in diesem hier praktisch unmöglich machten. Es geht um eine einfache Sekretärin, die es sich zum Ziel gesetzt hat, ihren Chef zu verführen und so dessen Ehe zu zerstören um ihn selbst zu heiraten und die – nachdem sie dies erreicht hat – weiter gezielt nach Höherem strebt. In der Hauptrolle des skrupellosen Vamps ist Jean Harlow zu sehen und die legt eine Performance hin, die es wirklich in sich hat. Man nimmt ihr diese Rolle komplett ab und mit welcher Konsequenz, Unverfrorenheit und Selbstverständlichkeit sie ihre mehr als fragwürdigen Ziele verfolgt ist einfach nur unglaublich gut gespielt. Und dieser von Minute zu Minute immer weiter eskalierende Plotverlauf, der schließlich in einem ebenso denkwürdigen wie unfassbaren Finale endet, fesselt einen über die komplette Laufzeit des Films. – 8/10
04/2025, #13: PAW Patrol: The Mighty Movie (CDN/USA 2023, Cal Brunker)
In ihrem zweiten Kinoabenteuer bekommen die gerade bei Kindergartenkindern ausgesprochen beliebten Hunde durch einen magischen Meteoriten, der mitten in der Abenteuerstadt landet und ihre Einsatzzentrale zerstört, übernatürliche Superkräfte verliehen und bekommen es daraufhin mit einer verrückten Wissenschaftlerin zu tun, welche diese Kräfte für sich selbst nutzen will. Der Film ist mit seiner extrem rasanten und actionreichen Inszenierung für das typische Zielpublikum wahrscheinlich schon fast etwas zu wild ausgefallen und es ist offensichtlich, dass die Macher hier versucht haben, auch noch die Kinder zu erreichen, die aus dem PAW-Patrol-Alter eigentlich schon herausgewachsen sind. – 6/10
04/2025, #14: Extravagance (USA 1930, Phil Rosen)
Ehedrama, in dem eine verwöhnte junge Frau nach ihrer Hochzeit feststellen muss, dass ihr Gatte ihren gewohnten Lebensstandard nur schwerlich aufrechterhalten kann und vor allem die Erfüllung des Traums vom teuren Pelzmantel in immer weitere Ferne zu rücken scheint – zumindest bis sie einen gönnerhaften Lebemann kennenlernt, mit dem ihre beste Freundin eine Affäre unterhält. Rosens Film zeigt moralisch komplett verkommene Zustände auf, schlägt handlungstechnisch Volten, die nur wenige Jahre später zensurtechnisch nicht mehr vorstellbar gewesen wären und endet schließlich in einem ebenso dramatischen wie bittersüßen Finale. – 7/10
04/2025, #15: Flirtation (USA 1934, Leo Birinsky)
Herrlich obskure Mischung aus romantischer Komödie und Tierfilm, in der ein junger Mann vom Land gemeinsam mit seinem Hund in die Großstadt kommt und dort, nachdem er und sein tierischer Begleiter voneinander getrennt worden sind, auf eine Burlesque-Tänzerin trifft, die ihn aufgrund des angekündigten Besuchs ihrer Mutter darum bittet, sich als ihr Ehemann auszugeben, wozu praktischerweise auch noch das Baby von der Nachbarin vorübergehend ausgeliehen wird, währenddessen der Hund seine eigenen Abenteuer in der Großstadt erlebt. Regisseur Leo Birinsky lässt seine beiden Handlungsstränge nebeneinander herlaufen und erzählt diese über alle Maßen konstruierte Geschichte mit so einer Leichtigkeit und auf so herrlich charmante und naive Art und Weise, dass man diesen Film irgendwie einfach gern haben muss. – 6/10
04/2025, #16: The Fatal Glass of Beer (USA 1933, Clyde Bruckman)
„And it ain’t a fit night out for man or beast.“ – Komiker W.C. Fields spielt in diesem Kurzfilm einen mit seiner Frau in einer Hütte in den verschneiten Bergen lebenden Goldsucher, der in einer besonders ungemütlichen Nacht von seinem nach Haus zurückkehrenden Sohn besucht wird, der kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen wurde. Bruckmans Film präsentiert weniger eine typische Handlung sondern eher eine Abfolge absurder Situationen, die je nach Humorverständnis mal mehr und mal weniger lustig geraten sind. Und dann ist das alles vielleicht auch noch der Versuch eines Spoofs von Chaplins THE GOLD RUSH. – 6/10
04/2025, #17: The Barber Shop (USA 1933, Arthur Ripley)
W.C. Fields als Barbier, den dieser Kurzfilm über den Zeitraum eines Arbeitstages begleitet und dabei in einer losen Abfolge eine Vielzahl absurd-komischer Momente und Situationen zu bieten hat und zudem noch mit jeder Menge Wortwitz begeistert. – 8/10
04/2025, #18: The Dentist (USA 1932, Leslie Pearce)
Zwischen einer frustrierenden Golfpartie und der Auseinandersetzung mit seiner aufmüpfigen Tochter, die es sich in den Kopf gesetzt hat, mit einem nicht gerade den Vorstellungen ihres Vaters entsprechenden Mann anzubandeln, muss sich W.C. Fields als Zahnarzt auch noch mit ängstlichen und widerspenstigen Patienten herumschlagen. Auch THE DENTIST bietet eine durchaus witzige und unterhaltsame Abfolge komischer Momente, erreicht dabei aber nicht ganz die hohe Gagdichte des zuvor gesehenen THE BARBER SHOP. – 7/10
04/2025, #19: The Residence (USA 2025, Paul William Davies)
8-teilige Mini-Serie, in der eine eigenwillige Ermittlerin einen mysteriösen Todesfall im Weißen Haus aufzuklären versucht und die als ganz wundervolle Mischung aus Komödie und Murder Mystery ganz vorzüglich zu unterhalten weiß. THE RESIDENCE ist gleichermaßen spannend und witzig geraten, wird mit seinen ständigen Zeitsprüngen praktisch nie langweilig und überzeugt in allererster Linie mit seinen geschliffenen Dialogen und seinen durch die Bank erstklassigen schauspielerischen Leistungen. – 8/10
04/2025, #20: The Pharmacist (USA 1933, Arthur Ripley)
W.C. Fields spielt in diesem Kurzfilm einen scheinbar nie die Ruhe verlierenden Apotheker, der in einer losen Abfolge von netten Gags und chaotischen Slapstick-Momenten am Ende des Films sogar in einen spektakulären Schusswechsel zwischen der Polizei und einen Gangster gerät, der sich in seiner Apotheke verschanzt hat. Einen klassischen Plot gibt es zwar nicht, das hohe Erzähltempo und die nicht wegzuleugnende Kreativität immer abstrusere Momente zu kreieren, machen diese vermeintliche Schwäche aber locker wieder wett. – 7/10
04/2025, #21: Too Naughty to Say No (USA 1985, Humphry Knipe)
Hardcore-Film aus den 1980er Jahren, der auf den Schriften des Marquis de Sade beruht und in dessen Zentrum eine unschuldige Klosterschülerin steht, die sich während der Bibelstudie im Internatsgarten in den abstrusesten sexuellen Träumen verliert. Für eine de-Sade-Adaption ist Knipes Film erstaunlich harmlos und charmant ausgefallen, die diversen Hardcore-Sequenzen sehen sehr filmisch aus und sind ebenso kreativ wie kurzweilig ausgefallen und die Besetzung des Films ist mit Veteranen wie Harry Reems, der auch in der absurdesten Szene des Films zu sehen ist, und Jamie Gillis über jeden Zweifel erhaben. – 6/10
04/2025, #22: The Flesh Eaters (USA 1964, Jack Curtis)
1960er-Jahre-Sci-Fi-Horror-Hybrid, der aus seinen augenscheinlich geringen Möglichkeiten dann doch schon ziemlich viel herauszuholen vermag. Es geht um eine Handvoll Menschen, die auf einer einsamen Insel festsitzen und sich mit einem fleischfressenden Mikroorganismus herumschlagen müssen. Es gibt einen „mad scientist“, die klassische „damsel in distress“, nett anzusehende Creature Effekte und auch die eine oder andere Härte, die ich in ihrer Intensität so nicht unbedingt erwartet hätte. – 6/10
04/2025, #23: The Little Red Schoolhouse (USA 1936, Charles Lamont)
Gänzlich harmlose Familienunterhaltung, in deren Mittelpunkt ein Teenager steht, der aus Wut über eine disziplinarische Maßnahme in der Schule von zu Hause ausreißt und sich dadurch in ernsthafte Probleme begibt. Aufgrund einer Verkettung widriger Umstände landet er nämlich unschuldig im Jugendknast, aus dem er am Ende des Films dank einer typischen „Deus ex Machina“ allerdings geläutert wieder entlassen wird und fortan natürlich gerne zur Schule geht. Lamonts Film plätschert über weiteste Strecken munter vor sich hin, entbehrt zwar nicht eines gewissen Unterhaltungswertes, ist insgesamt betrachtet aber viel zu brav, viel zu kitschig und auch irgendwie viel zu unrealistisch geraten um nachhaltig begeistern oder im Gedächtnis bleiben zu können. – 5/10
04/2025, #24: Daylight (USA 1996, Rob Cohen)
Katastrophenfilm mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle, der hier versucht eine Gruppe Überlebender nach einer gewaltigen Explosion aus einem unter dem Hudson River hindurchführenden Verkehrstunnel zu retten, der von beiden Seiten von der Außenwelt abgeschnitten ist. Sowohl die diversen Charaktere als auch die verschiedenen Konfliktsituationen und praktisch das komplette Dialogbuch strotzen hier zwar nur so von Klischees, allzu negativ fällt das aber alles nicht ins Gewicht, da es Regisseur Rob Cohen trotz dieser Schwächen perfekt gelingt Spannung zu kreieren und einen als Zuschauer bis zum Ende mitfiebern zu lassen. DAYLIGHT verfügt über ein paar schlicht grandiose Suspense-Sequenzen, beispielhaft sei hier nur die Szene mit den Ventilatoren genannt, und ist in punkto Action und Effekte streckenweise eine einzige Augenweide. Alleine diese wahnsinnige Explosionssequenz, die zum ganzen Unglück, um das sich der Film letztlich dreht, führt, ist schlicht atemberaubend und wahrscheinlich um Klassen besser als der Großteil ähnlicher Szenen, die in den letzten Jahren per CGI in diversen Multimillionendollarproduktionen enthalten gewesen sind. – 7/10
04/2025, #25: Emil und die Detektive (D 2001, Franziska Buch)
Basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Erich Kästner erzählt die bis heute letzte Verfilmung der literarischen Vorlage die Geschichte des titelgebenden, 12 Jahre alten Emil, der auf dem Weg nach Berlin von einem düsteren Fiesling, herrlich schräg gespielt von Jürgen Vogel, seiner Ersparnisse beraubt wird und dann mit einer immer größer werdenden Gruppe an Kindern Jagd auf den Gauner macht. Die über 70 Jahre nach Erscheinen der Vorlage und exakt 70 Jahre nach der ersten Verfilmung des Romans ins neue Jahrtausend katapultierte Geschichte ist in der vorliegenden Version rein handlungstechnisch mitunter etwas arg hanebüchen und abenteuerlich geraten und entbehrt vor allem spätestens im Finale jedweder Logik, ist dabei aber auch so rasant inszeniert und durchgehend unterhaltsam ausgefallen, dass man dem Film die seltsamen Volten, die er so treibt, doch gerne verzeiht. Unabhängig vom Unterhaltungswert des Films fand ich interessant, wie offensichtlich unproblematisch noch Anfang dieses Jahrtausends mittlerweile vollkommen zu recht geächtete Alltagsrassismen im allgemeinen Sprachgebrauch waren. Das fängt schon bei der Namensgebung der Charaktere an, so hört ein türkischer Junge auf den Namen Kebab und ein Junge aus einer Familie der Sinti und Roma auf den Namen Gypsi. Heute wäre das zum Glück nicht mehr machbar. – 7/10
04/2025, #26: Ein Mädchen namens Willow (D 2025, Mike Marzuk)
Fantasy-Familienfilm der zwar sympathischen, aber auch extrem harmlosen Sorte, in dem ein 11-jähriges Mädchen von ihrer verstorbenen Tante einen riesigen Wald erbt und schon bald feststellen muss, dass dieses Erbe zum einen eine große Verantwortung mit sich bringt, zum anderen aber auch besondere Kräfte in ihr auslöst. Ihre Vorfahrin war nämlich eine gute Hexe, deren Kräfte sie auch besitzt und nun muss sie drei weitere Mädchen mit magischen Fähigkeiten ausfindig machen um den Wald vor fiesen Immobilienhaien zu schützen. Der Film ist ganz klar auf ein Zielpublikum von ca. 6- bis maximal 12-jährigen Mädchen zugeschnitten – für meine bald 8-jährige Tochter natürlich perfekt -, plätschert allerdings über weite Strecken eher unspektakulär vor sich hin, vermeidet ernsthafte Konflikte und verpasst es dabei auch gänzlich, sein kindliches Publikum groß zu fordern. – 5/10
04/2025, #27: Alter weißer Mann (D 2024, Simon Verhoeven)
Satirisch angehauchte Komödie, in der Jan Josef Liefers einen alten weißen Mann spielt, der verzweifelt versucht, sich politisch korrekt zu verhalten, dabei aber immer wieder in die anerzogenen Fettnäpfchen tritt. Verhoevens Film ist stellenweise wirklich extrem lustig geraten, macht dabei aber auch den Fehler, dass er in vielen Momenten sein Thema zu sehr trivialisiert und dadurch auch immer wieder Gefahr läuft, exakt das Gegenteil von dem zu erreichen, was er eigentlich erreichen will. Am Ende des Tages geht es um Kommunikation, um das Ausräumen von Missverständnissen und vor allem um Toleranz, auch Menschen wie dem von Liefers portraitierten Charakter gegenüber, der ja doch sichtlich bemüht ist, dazuzulernen. Diese Botschaft ist zwar vorhanden, hätte aber vielleicht noch etwas deutlicher rübergebracht werden müssen. – 7/10
04/2025, #28: Fatal Exam (USA 1990, Jack Snyder)
Wann immer überbordender Enthusiasmus und fehlendes Talent aufeinandertreffen, kann man dem dargebotenen Endprodukt einen gewissen Charme definitiv nicht absprechen. So ist das auch bei dieser komplett obskuren Mischung aus übernatürlichem Horrorfilm und Slasher, in der eine Gruppe von Studenten für eine Examensarbeit ein Wochenende in einem mondänen Haus verbringen muss um dort die offensichtlich übernatürlichen Hintergründe für einen schrecklichen Mordfall zu erforschen. „Auteur“ Jack Snyder, er zeichnete für Schnitt, Produktion, Drehbuch und Regie verantwortlich, hätte allerdings gut daran getan, zumindest ein klitzekleines bisschen auf eine gewisse Erzählökonomie zu achten. FATAL EXAM krankt an seiner überlangen Laufzeit von knapp 2 Stunden und an der Tatsache, dass insbesondere in der ersten Hälfte des Films praktisch überhaupt nichts auch nur halbwegs Interessantes passiert. Jede Szene ist gefühlt viel zu lange ausgespielt, jeder Anflug an Suspense wird so praktisch im Keim erstickt und wären da nicht einzelne lobenswerte Ansätze, wie bspw. der eine oder andere gelungene Splatter- und Gore-Effekt oder auch der eine oder andere kreative Moment, man müsste schon fast von einem Totalausfall sprechen. Was den Film am Ende des Tages rettet, ist das herrlich überdrehte Finale, in dem zwar alle Pro- und Antagonisten mehr oder weniger planlos in der Gegend herumstehen und scheinbar überhaupt keine Ahnung mehr haben, was sie gerade tun sollen, das aber mit seinen Dämonen-Effekten die Herzen eines jedes Connaisseurs des schlechten Geschmacks im Sturm erobern sollte und so für die zahlreichen Längen der knapp 100 Minuten zuvor zu entschädigen weiß. – 4/10
04/2025, #29: Fatal Examination (USA 2021, Uncredited Director)
Ich finde es ja schon höchst bemerkenswert, dass Vinegar Syndrome so obskure Filme wie FATAL EXAM entdeckt, aufwändig restauriert und für die Nachwelt erhält. Für die Tatsache, dass es ihnen zusätzlich gelingt, Cast- und Crew-Mitglieder solcher No-Budget-Produktionen Jahrzehnte später ausfindig zu machen, vor der Kamera zu sammeln und retrospektive Kurz-Dokumentationen wie diese hier zu drehen, kann man dieses umtriebige US-Label aber wahrscheinlich gar nicht genug loben. FATAL EXAMINATION gewährt einen hochinteressanten Einblick in den Entstehungsprozess von Snyders Film und lässt neben dem Regisseur selbst noch weitere Crew- und Cast-Mitglieder in Erinnerungen schwelgen und macht einmal mehr deutlich, wie viel Enthusiasmus und Herzblut in einem Film wie FATAL EXAM doch steckt. Ein ungemein unterhaltsames Unterfangen. – 6/10
04/2025, #30: Cobra Kai: Season 6 (USA 2024/2025, Josh Heald/Jon Hurwitz/Hayden Schlossberg)
Sehr schöner, mit dieser 15 Episoden umfassenden sechsten und letzten Staffel aber auch dringend notwendiger Abschluss der Serienfortsetzung der Karate-Kid-Filme aus den 1980er Jahren. Man könnte diesen Kampf zwischen „Gut“ und „Böse“ wahrscheinlich noch ewig weiterführen, aber irgendwann wird es dann doch etwas arg repetitiv und kleinere Durchhänger kann man in diesen letzten 15 Folgen wahrlich nicht wegdiskutieren. Ansonsten versprüht der Abschluss aber definitiv den Charme der Vorgängerstaffeln, der sich vor allem aus der grandiosen Besetzung – dieser wunderbaren Mischung aus den Stars der alten Filme und tollen Jungschauspielern – heraus entwickelt und einen als Zuschauer erneut sehr schnell in seinen Bann zieht. Und die extrem kurzweilige Inszenierung und die herrlich manipulative Choreographie der Kampfsequenzen stellen dann noch das sprichwörtliche i-Tüpfelchen dar und sorgen dafür, dass die Serie zu einem mehr als zufriedenstellenden Abschluss kommt. – 8/10
04/2025, #31: Testo: Season 2 (D 2025, Kida Khodr Ramadan)
Der Plot schließt unmittelbar an das Ende der ziemlich genau vor einem Jahr erschienenen ersten Staffel an und lässt die chaotische Gangstertruppe rund um Frederick Lau nun versuchen, die erbeuteten Diamanten zu Geld zu machen und lässt diese erneut eine typische Belagerungssituation durchleben. Warum das hier im Serienformat präsentiert werden muss habe ich schon bei der ersten Staffel nicht verstanden – die insgesamt 6 Folgen laufen jeweils zwischen 12 und 15 Minuten und als gut 80-minütiger Spielfilm würde das alles vielleicht sogar noch besser funktionieren -, aber am Ende des Tages lässt sich das wohl nur mit dem Argument der künstlerischen Freiheit und Eigenwilligkeit erklären. Spaß hat mir persönlich dieses herrlich verrückte Chaos auch im Serienformat bereitet, der Cast wurde mit Moritz Bleibtreu und Franka Potente sogar mit zwei echten Schwergewichten deutscher Schauspielprominenz erweitert und auch wenn das Finale etwas arg konstruiert und überstürzt wirkt, Fans von Sachen wie 4 BLOCKS sollten hier definitiv einen Blick riskieren. – 7/10
05/2025, #1: Knight Moves (D/CDN/USA 1992, Carl Schenkel)
Re-Watch! Solide inszenierter Psycho-Thriller, der damals nach dem großen Erfolg von THE SILENCE OF THE LAMBS in die Kinos gespült wurde und in dessen Mittelpunkt ein von Christopher Lambert gespielter Schachspieler steht, der am Rande eines großen Turniers in eine grauenvolle Mordserie verwickelt wird.
So wirklich erinnern konnte ich mich an die Handlung des Films und die Auflösung im Finale nicht mehr. Ich hatte ihn bisher nur einmal damals im Kino gesehen und als soliden und durchaus spannenden Genrebeitrag im Hinterkopf abgespeichert. Mit Diane Lane, die für den erotischen Touch sorgt, Tom Skerritt als Chefermittler und Daniel Baldwin als dessen komplett unsympathischen Partner ist KNIGHT MOVES auch in den weiteren Rollen durchaus gut besetzt, der mitunter zwar etwas arg konstruiert wirkende Plot sorgt immer mal wieder für überzeugende Spannungsmomente und das Setting der verschiedenen Tatorte ist herrlich „creepy“ ausgefallen. Gibt sicher viele bessere aber auch verdammt viele schlechtere Thriller dieser Art aus der damaligen Zeit. – 6/10
05/2025, #2: Daredevil: Season 1 (USA 2015, Drew Goddard)
Re-Watch! Alles scheint bei Marvel dann doch irgendwie zusammenzuhängen, denn selbst die Serien, die offiziell nicht Teil des MCU sind, nehmen auf dieses Bezug. Bei der ersten Staffel von DAREDEVIL sind dies nur ein paar Dialogzeilen oder eingerahmte Zeitungsartikel, die auf die Ereignisse in THE AVENGERS verweisen und das erste große Abenteuer des blinden Anwalts Matt Murdock, der es im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen als titelgebender Superheld mit einem gefährlichen Verbrechersyndikat und dessen größenwahnsinnigen Mann an der Spitze aufnimmt, kann somit innerhalb der Zeitlinie des MCU verortet werden.. Die ursprünglich für Netflix entwickelte und mittlerweile bei Disney+ gelandete Serie überzeugt dabei durch eine ausgesprochen sorgfältige Zeichnung der verschiedensten Charaktere, einem von der ersten bis zur letzten Folge mitreißenden Plot, überzeugenden Schauspielern und einer beeindruckenden Kompromisslosigkeit, welche DAREDEVIL insbesondere in Sachen Härte deutlich von den doch jugendfreundlicheren Kinoabenteuern der Marvel-Superhelden abhebt. – 8/10
05/2025, #3: Murder on the Campus (USA 1933, Richard Thorpe)
Ganz nett anzusehender, am Ende des Tages aber nicht wirklich überzeugender Whodunit aus der Pre-Code-Ära, der für einen noch nicht den strengen Zensurauflagen unterliegenden Film auch etwas arg harmlos geraten ist. Im Mittelpunkt steht ein Zeitungsreporter, der einen eigentlich unmöglichen Mordfall in einem Glockenturm, aus dem es unter den vorliegenden Voraussetzungen für den Täter bzw. die Täterin definitiv kein Entkommen geben konnte, aufzuklären versucht um auf diese Weise in erster Linie seine Freundin zu schützen, die unter den Tatverdächtigen praktisch an erster Stelle steht. Die typischen Murder-Mystery-Zutaten sind hier zwar allesamt vorhanden, sorgen aber nur gelegentlich für Spannung. Die ausgesprochen karg ausgestatteten Settings verleihen dem Film zudem einen sehr billigen Touch und so wirklich spektakulär ist die Auflösung auch nicht geraten. – 5/10
05/2025, #4: Avengers: Age of Ultron (USA 2015, Joss Whedon)
Re-Watch! Im zweiten Avengers-Film macht sich ein von Tony ‚Iron Man‘ Stark zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens entwickeltes Computerprogramm selbständig und droht damit, die komplette Welt zu zerstören. Dies führt zu ersten Selbstzweifeln und Konflikten innerhalb des Superhelden-Teams, um die Apokalypse zu verhindern, raffen sie sich in der zweiten Filmhälfte aber dann doch wieder zusammen. An den einfach nur perfekten THE AVENGERS kommt der hier zwar nicht wirklich heran, dafür wirkt er insbesondere in der ersten Hälfte etwas zu unausgegoren, dieses komplett irrsinnige Action Set Piece, welches fast die komplette letzte Stunde des Films beherrscht und einen als Zuschauer einfach nur mit heruntergeklappter Kinnlade zurücklässt, entschädigt aber locker für alle vorherigen Schwächen und macht auch diesen Film zu einem echten Highlight innerhalb des MCU. – 9/10
05/2025, #5: Only Murders in the Building: Season 1 (USA 2021, John Hoffman / Steve Martin)
Ganz wunderbare Mischung aus Komödie und Murder Mystery, in dem drei grundverschiedene Charaktere, welche ihre Begeisterung für True-Crime-Podcasts verbindet, sich dazu entscheiden, einen Todesfall in ihrem riesigen Apartmentkomplex aufzuklären und über ihre Ermittlungsarbeit einen Podcast zu machen. Diese 10 Episoden der ersten Staffel begeistern mit ihrer federleichten Inszenierung, dem nicht enden wollenden Wortwitz in den Dialogen, der komödiantischen Brillanz von Steve Martin und Martin Short, dem spannungs- und wendungsreichen Plot sowie der wirklich herausragenden Harmonie zwischen Martin, Short und ihrem weiblichen Co-Star Selena Gomez. Am Ende ist der Fall geklärt und als Zuschauer wird mit einem grandiosen Cliffhanger für die zweite Staffel angefixt. – 8/10
05/2025, #6: The Shark Is Still Working: The Impact & Legacy of ‚Jaws‘ (USA 2007, Erik Hollander)
Unterhaltsame und interessante Dokumentation über Spielbergs Kultfilm, die sich neben einem kurzen Blick auf den Entstehungsprozess des Films vor allem auf dessen – auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung noch vorhandenen – Einfluss auf die Popkultur beschäftigt. Neben vielen Cast- und Crew-Mitgliedern von damals kommt natürlich auch ein Teil der typischen Verdächtigen unter den Nerd-Regisseuren (u.a. Eli Roth, Kevin Smith, Robert Rodriguez, M. Night Shyamalan) zu Wort, von denen jeder einzelne seine ganz persönliche Geschichte mit JAWS zum Besten geben darf. Ich mag solche Dokumentationen, selbst dann, wenn sie keine allzu großen neuen Erkenntnisse für Fans des jeweils behandelten Films oder Stars mit sich bringen mögen. – 7/10
05/2025, #7: LOL: Last One Laughing: Season 6 (D 2025, Ladislaus Kiraly)
So langsam aber sicher geht dem Format doch etwas die Luft aus. Diese sechste Staffel bietet zwar viele neue Gesichter, die Anzahl der echten bzw. guten Comedians unter den 10 Teilnehmern kann man aber fast schon als verschwindend gering bezeichnen. Halbwegs unterhaltsam ist das alles tatsächlich nur wegen Ralf Schmitz und Hazel Brugger und – zumindest ansatzweise – vielleicht noch Jürgen Vogel. Die beiden mittleren Folgen sind am witzigsten geraten, da konnte man tatsächlich das eine oder andere Mal herzhaft lachen. – 6/10
05/2025, #8: Agents of S.H.I.E.L.D.: Season 2 (USA 2014/2015, Maurissa Tancharoen/Jed Whedon/Joss Whedon)
In den insgesamt 22 Episoden der zweiten Staffel steht das Auseinanderbrechen und die Neuausrichtung von S.H.I.E.L.D. im Mittelpunkt, deren Kampf gegen Hydra und die Bedrohung durch die Inhumans (letztere bekommen zu einem späteren Zeitpunkt ja noch eine eigene Serie spendiert). In der Zeitlinie des MCU schließen die Ereignisse hier an den Geschehnissen in CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER an und verlaufen zum Ende der Staffel begleitend zum Plot von AVENGERS: AGE OF ULTRON. Wie hier wirklich alles ineinander greift finde ich tatsächlich ausgesprochen faszinierend und ich finde immer größeren Spaß daran, diese verstrickten Film- und Fernsehuniversen von Marvel zu erkunden, Verbindungen zu entdecken und mich dabei einfach nur vorzüglich unterhalten zu lassen. – 8/10
05/2025, #9: Paranoiac (GB 1963, Freddie Francis)
Auf den Spuren von Alfred Hitchcock wandelnder Mix aus Psychothriller und Horrorfilm mit Mystery- und Gothic-Touch, in der ein tot geglaubter Bruder eines Tages ins mondäne Anwesen seiner dysfunktionalen Familie zurückkehrt, welches lediglich noch von seinen beiden Geschwistern, seiner Tante und wenigen Bediensteten bewohnt wird. Dass mit dem Rückkehrer etwas nicht stimmt, erkennt man als genreerfahrener Zuschauer natürlich auf den ersten Blick und so überzeugt PARANOIAC weniger durch einen spannenden Plot, sondern vielmehr um das ganze Drumherum. Das Setting in dem riesigen Anwesen ist phantastisch, die Mystery- und Gothic-Elemente sorgen für eine ausgesprochen hübsche Grusel-Atmosphäre und Oliver Reed, der in der Rolle eines der beiden Geschwister zu sehen ist, die mit dem Rückkehrer konfrontiert werden, spielt seine Rolle so abgrundtief diabolisch, dass es eine wahre Freude ist, ihm dabei zuzusehen. – 7/10
05/2025, #10: Der Musterknabe (A 1963, Werner Jacobs)
In wie vielen Verwechslungskomödien Peter Alexander wohl in den 1960er Jahren mitgespielt hat? In dieser österreichischen Klamotte von Regisseur Werner Jacobs gibt er sich als sein jüngerer Bruder aus und drückt für diesen nochmals die Schulbank um das Abitur für ihn zu bestehen. Vor der Kamera haben sich neben Peter Alexander eine ganze Reihe der üblichen Verdächtigen deutschsprachiger Lustspiele aus der damaligen Zeit versammelt. So geben sich bspw. Theo Lingen als Schuldirektor und Gunther Philipp als Lehrer die Ehre und die junge Cornelia Froboess ist als Love Interest mit von der Partie. Der ganze Film ist mit seinem überraschungsarmen Plot natürlich komplett harmlos geraten und überzeugt einzig und allein mit seiner grenzenlosen Naivität und dem damit einhergehenden Charme. Am Ende bleiben rund 90 Minuten voll sorgenfreiem Eskapismus übrig. Das ist definitiv kein Film, dem man in irgendeiner Art und Weise auch nur ein klitzekleines bisschen böse sein könnte. – 6/10
05/2025, #11: Mensch, ärgere dich nicht (D 1972, Peter Weck)
Georg Thomalla spielt einen vom Pech verfolgten Prokuristen, der aufgrund der Tatsache, dass er sich ständig über jeden und alles ärgert und eher zufällig in einer solchen Situation fotografiert wird, ohne es zu wissen zur Hauptfigur einer Werbekampagne wird, sich dabei unsterblich in die für ihn definitiv viel zu junge Uschi Glas verliebt und nebenbei noch vermeintlich eine Million bei einer Lotterie gewinnt, was schließlich dazu führt, dass sich verschiedene Menschen auf einmal unglaublich gut mit ihm stellen wollen. In diesen gänzlich harmlosen Klamauk von Regisseur Peter Weck hat sich schon irgendwie verdammt viel Plot eingeschlichen, was schließlich dazu führt, dass die Besetzung des Streifen ein regelrecht „Who Is Who“ aus dem Gruselkabinett deutscher Komödienkunst aus den 1960er und 1970er Jahren darstellt. Neben Georg Thomalla und Uschi Glas wirken u.a. Christiane Hörbiger, Beppo Brem, Erni Singerl und Willy Harlander mit – nur um einige wenige zu nennen – und für die obligatorische Schlagerunterhaltung sorgt Chris Roberts, der allerdings nur ein einziges Lied zum besten geben darf. Aus heutiger Sicht mag das alles nur noch befremdlich und auf seltsame Weise gruselig wirken, wenn man aber wie ich eine Schwachstelle für Unterhaltung dieser Art besitzt, dürfte man auch mit diesem Film hier jede Menge Spaß haben. – 6/10
05/2025, #12: Ant-Man (USA 2015, Peyton Reed)
Re-Watch! Zum Abschluss der zweiten Phase des MCU wird mit dem von Paul Rudd gespielten Ant-Man noch kurz ein neuer Superheld ins filmische Marvel-Universum eingeführt. Und dessen Origin Story besticht durch eine ungemeine Leichtigkeit, viel Herz und verdammt viel Humor. Die zentnerschwere Ernsthaftigkeit, welche die bisherigen Superheldenabenteuer der Marvel Studios mitunter dominierte ist hier praktisch gar nicht vorhanden, was aber nicht heißen soll, dass man in irgendeiner Weise auf Spannung oder gar spektakuläre Action Set Pieces verzichten müsste. Letztere sind in ANT-MAN sogar ganz besonders toll ausgefallen, überzeugen sie doch mit einer ungemeinen visuellen Vielfalt und einem riesigen Einfallsreichtum. – 8/10
05/2025, #13: WHIH News Front: Season 1 (USA 2015, No Creator Credited)
Ganz nette Dreingabe zum MCU im Allgemeinen und zum ersten ANT-MAN-Film im Besonderen, die in 5 Kurzepisoden mit einer Lauflänge von maximal rund 2-3 Minuten pro Folge in einer fiktiven Nachrichtensendung Hintergrundinformationen zur Vergangenheit des von Paul Rudd gespielten Ant-Man und der fiktiven Firma Pym Technologies liefert, die im Zentrum von Reeds Film steht. Muss man tatsächlich nicht gesehen, ist für Irre wie mich, die versuchen, sich diesen ganzen Marvel-Kram in der Reihenfolge der Veröffentlichungen anzusehen, aber durchaus interessant geraten. – 6/10
05/2025, #14: Lurking Fear (USA 1994, C. Courtney Joyner)
Lovecraft-Adaption aus dem Hause Full Moon, bei der man wahrscheinlich die Vorlage kennen sollte um auch nur einen Hauch von Sinn aus der komplett hanebüchenen Ausgangssituation zu ziehen. Am Ende dreht sich alles um eine Belagerungssituation innerhalb einer heruntergekommenen Friedhofskirche, in der verschiedene Menschen mit verschiedenen Interessen aufeinandertreffen und sich gegen im Untergrund lebende Kreaturen ihrer Haut erwehren müssen. Mit u.a. Jeffrey Combs, Ashley Laurence und Vincent Schiavelli in einer Nebenrolle ist LURKING FEAR zwar durchaus illuster besetzt und bei der Zeichnung der beiden weiblichen Hauptfiguren hat sich Regisseur Joyner zumindest was deren Look angeht von großen Vorbildern inspirieren lassen – so erinnert die von Ashley Laurence gespielte Figur eindeutig an Sarah Connor aus TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY und Allison Mackie geht eindeutig als Sharon-Stone-Kopie der Catherine Tramell aus BASIC INSTINCT durch -, das schauspielerische Niveau des Films bewegt sich dennoch selten über dem einer Laientruppe am örtlichen Theater. Viel zu aufgesetzt und gestelzt wirken fast alle darstellerischen Darbietungen. Dafür rockt LURKING FEAR bei den Schauwerten ordentlich das Haus. Die Creature Effekte sind richtig toll geraten, bei den Splatter- und Goreeinlagen gibt es gute alte Handarbeit zu bestaunen und wenn sich im Finale die Pyrotechniker des Films so richtig austoben dürfen, bewegt sich das Ergebnis deren Arbeit auf einem weitaus höherem Niveau als man es von gängigen Blockbustern der letzten Jahre und deren CGI-Effekten gewohnt ist. – 6/10
05/2025, #15: Nirvana: Live at the Paramount (USA 2011, Mark Racco)
Ich bin im Dezember 1972 geboren, als Nirvana ihr bahnbrechendes Album „Nevermind“ im September 1991 veröffentlichten stand ich wenige Wochen vor meinem 19. Geburtstag, ein knappes Dreivierteljahr vor dem Abitur und die Songs von Kurt Cobain, Dave Grohl und Krist Novoselic wurden nicht nur zum Soundtrack dieses Lebensabschnitts, sondern sind bis heute fester Bestandteil des Soundtracks meines Lebens. Es gibt nicht viele Alben, die mir noch mehr bedeuten als dieses und könnte ich die Zeit zurückdrehen, ich würde irgendwie versuchen, diese einzigartige und durch den Selbstmord von Kurt Cobain so kurzlebige Band irgendwo live zu erleben. Gut, dass es zumindest eindrucksvolles Bildmaterial wie diesen Konzertfilm gibt, der zum 20-jährigen Jubiläum von „Nevermind“ veröffentlicht wurde und der ein am Halloweenabend 1991 im Paramount Theater in Seattle gefilmtes Konzert von Nirvana in voller Länge präsentiert. Das Trio präsentiert sich bei diesem Konzert in absoluter Höchstform, reiht Hit an Hit aus den beiden zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Alben und spielt in der Zugabe zudem eine frühe Version des Songs „Rape Me“, der zwei Jahre später auf dem dritten und letzten Studioalbum „In Utero“ veröffentlicht werde sollte. Raccos Regie ist immer sehr nah dran an den drei Musikern und lässt dieses rohe und ungeschliffene Zeitdokument auf diese Weise auch vor dem heimischen Fernseher zu einem faszinierenden, elektrisierenden und mitreißenden Erlebnis werden. Für Fans der Band ist der Konzertfilm unverzichtbar. – 10/10
05/2025, #16: Only Murders in the Building: Season 2 (USA 2022, John Hoffman / Steve Martin)
Die zweite Staffel dieser wirklich einfach nur wunderbaren Comedy-Murder-Mystery-Serie knüpft qualitativ genau da an wo die Auftaktstaffel aufgeführt hatte. Das ungleiche Hobby-Detektiv- und Podcast-Trio muss den nächsten Mordfall in seinem riesigen Apartkomplex lösen, wobei dieser noch den für das Trio unangenehmen Nebeneffekt mit sich bringt, dass einer von ihnen für die Polizei als Hauptverdächtiger gilt. Viel Spannung, wunderbare Wendungen im Plot, die einzigartige Chemie der drei Stars und erneut der nicht enden wollende Wortwitz und die mit diesem einhergehenden Gags machen auch die 10 Episoden dieser zweiten Staffel zu einem absoluten Vergnügen. – 8/10
05/2025, #17: Champagne for Breakfast (USA 1980, Chris Warfield)
Um einen Job als Chauffeur zu ergattern gibt John Leslie vor, homosexuell zu sein, und bekommt aufgrund der extremen Attraktivität seiner Chefin schon bald große Probleme, die Maskerade aufrecht zu erhalten. Neben einer wirklich extrem hohen Kreativität bei der Integration der verschiedenen Hardcoreszenen in die Handlung überzeugt Warfields klassischer Hardcore-Film vor allem mit einer wirklich witzigen Story, der ganz wunderbaren Chemie zwischen John Leslie und der bezaubernden Lesllie Bovee und einer erstaunlich hohen Qualität auf technischem Niveau. Hier waren echte Profis am Werk, egal ob das nun das Production Design, die Kameraarbeit oder den Score, in den sich sogar ein eigens für den Film geschriebener Song eingeschlichen hat, betrifft. Und die Tatsache, dass die Maskerade als Homosexueller nie für billige Witze hergenommen wird, sondern absolut respektvoll mit diesem Thema umgegangen wird, verdient ein zusätzliches Extralob. – 7/10
05/2025, #18: Wij [aka We] (B/NL 2018, Rene Eller)
Den Zuschauer an seine Grenzen bringender Coming-of-Age-Film, der aus vier Perspektiven die Ereignisse eines Sommers zusammensetzt, in dem acht mehr als übermütige Freunde durch unfassbare Taten sämtliche Tabus brachen und Grenzen überschritten. WIJ ist schwer zu verdauen und fordert sein Publikum vor allem mit dieser Beiläufigkeit, mit der er die immer schockierender werdenden Details des großen Ganzen präsentiert und miteinander verknüpft. Die schauspielerischen Leistungen sind dabei mehr als beachtenswert, die Kameraarbeit ist großartig und dieser stetes Urlaubsfeeling vermittelnde Score konterkariert die Geschehnisse auf fast schon perfide Art und Weise. – 8/10
05/2025, #19: Man from Beirut (D 2019, Christoph Gampl)
Genrekino aus Deutschland, welches den klassischsten aller Auftragskiller-Plots verwendet um in im Vollbildformat gefilmten Schwarz/Weiß-Bildern auf fast schon quälend ruhige Art und Weise eine One Man Show von Kida Khodr Ramadan zu präsentieren. Der spielt hier einen blinden Killer, der bei seinem jüngsten Auftrag ein kleines Mädchen verschont, aus diesem Grund ins Visier seiner Auftraggeber gerät und so zum Gejagten wird. Besonders viele Überraschungen hat Gampls Film nicht gerade zu bieten. Das schmale Budget ist ihm in jeder Sekunde anzumerken, die S/W-Fotografie, die wohl stylish wirken soll, versinkt immer und immer wieder im Soap-Opera-Look billiger Vorabendserien und bei der einen oder anderen schauspielerischen Leistung kann ein gewisser Hang zur hüftsteifen Theatralik nicht weggeleugnet werden. So dürfte MAN FROM BEIRUT vor allem für Fans des Hauptdarstellers und dessen schauspielerischen Umfelds – in Nebenrollen tauchen u.a. kurz Veysel Gelin und Frederick Lau auf – interessant sein. Ich selbst zähle mich zu eben diesen und fand Gampls Film trotz aller offensichtlichen Schwächen dann doch ganz nett und unterhaltsam. – 6/10
05/2025, #20: Das Liebesleben des schönen Franz (A 1956, Max Nosseck)
Verwechslungskomödie in der sich der titelgebende Frauenheld, der nicht wenigen Damen die Ehe versprochen hat um ihnen ein Schlafzimmer zu verkaufen, plötzlich mit einer Gruppe seiner weiblichen Opfer konfrontiert sieht und sich kurzerhand in der Wohnung eines Rechtsanwalts unter seiner eigenen Wohnung einquartiert um den Verfolgerinnen so zu entkommen und dadurch allerdings für allerlei Irrungen und Wirrungen sorgt. Nossecks Film ist federleicht inszeniert, überzeugt mit einem ungemein hohen Erzähltempo, einer wirklich stattlichen Anzahl an gelungenen Gags und jeder Menge herrlich-frivoler Untertöne. Weitaus besser als eine Großzahl ähnlich gelagerter Filme aus der damaligen Zeit. – 7/10
06/2025, #1: Gorge profonde – Quand le porno est sorti du ghetto [aka Deep Throat: When Porn Makes Its Premiere] (F 2022, Agnès Poirier)
Interessante und ungemein kurzweilige Dokumentation, die sich mit den Auswirkungen des Porno-Klassikers DEEP THROAT beschäftigt, der 1972 als erster Hardcore-Film auf der großen Leinwand die amerikanische Kinolandschaft gehörig durcheinanderwirbelte und zum subkulturellen Phänomen wurde. Regisseurin Agnès Poirier kratzt mit ihrer sehr übersichtlichen Laufzeit von gut einer Stunde zwar nur an der Oberfläche, hat aber jede Menge interessanter Interviewpartner vor der Kamera versammelt – u.a. auch Joe Rubin vom Kultlabel Vinegar Syndrome – und versorgt den Zuschauer so mit der einen oder anderen Information, auch aus filmanalytischer Sicht, welche die Sichtung dieser Doku für eine am Thema interessiertes Publikum unbedingt lohnenswert macht. Und diese ganzen Archivaufnahmen aus der damaligen Zeit, vor allem auch die Bilder von den ganzen Kino-Marquees im Schmelztiegel von New York, sind einfach nur faszinierend und praktisch unbezahlbar. – 8/10
06/2025, #2: Only Murders in the Building: Season 3 (USA 2023, John Hoffman / Steve Martin)
Das aus Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez bestehende Amateur-Ermittler-Team bekommt es auch in der dritten Staffel dieser wirklich herrlich obskuren Serie mit einem skurrilen Todesfall zu tun und macht sich erneut an die Ermittlungen, dieses Mal allerdings mit so einigen Differenzen untereinander. Das Erfolgsrezept der beiden Vorgänger-Staffeln funktioniert auch hier noch ganz vorzüglich und dieser unwiderstehlichen Mischung aus Spannung und Humor gelingt es erneut mit Leichtigkeit, den geneigten Fan in ihren Bann zu ziehen. – 8/10
06/2025, #3: Neue Deutsche Welle (D 2023, Katja Herr / Heike Sittner)
3-teilige Mini-Doku-Serie, die das musikalische Phänomen der Neuen Deutschen Welle untersucht, das Anfang der 1980er Jahre die deutsche Musiklandschaft fest im Griff hatte. Neben einigen grandiosen Acts wie bspw. Fehlfarben, DAF, Abwärts oder auch Extrabreit brachte die NDW mit zunehmender Dauer natürlich auch jede Menge Schrott hervor und die beiden Regisseurinnen Katja Herr und Heike Sittner gehen wirklich allen Facetten der NDW mit gut aufgelegten Interviewpartnern, die sich zu einem Großteil aus Musikern der damaligen Zeit zusammensetzen, auf den Grund. Ich bin mit dieser Musik praktisch aufgewachsen, höre vor allem Bands wie DAF oder Fehlfarben auch heute noch und für mich stellten die drei Teile dieser Miniserie vor allem eine nostalgische Zeitreise in die eigene Kindheit/Jugend dar. An manche Ausschnitte aus der Hitparade mit Dieter Thomas Heck konnte ich mich sogar zurückerinnern. Und als höchst informativ empfand ich die Miniserie noch obendrein. – 8/10
06/2025, #4: Disintegration – Ein Album. Eine Band. Eine Generation (D 2025, Tim Evers)
Der Titel ist etwas irreführend, denn Evers‘ Film ist weniger eine Dokumentation über das extrem erfolgreiche achte Studioalbum von The Cure, sondern beschäftigt sich eher mit den ersten 10 Jahren der englischen Kultband, zeigt die Stationen auf, die zum Jahrhundertwerk Disintegration führten und lässt diverse Zeitzeugen, Weggefährten und Journalisten zu Wort kommen, die den großen Erfolg der Band zu erklären versuchen. Die Musik von The Cure hat mich persönlich geprägt wie die kaum einer anderen Band, insbesondere die ersten 8 Studioalben habe ich schon unzählige Male in meinem Leben angehört und höre sie mir auch heute noch regelmäßig an. Ähnlich wie die kurz zuvor gesehene NDW-Doku-Serie stellte auch dieser Film in allererster Linie einen Trip in die eigene Vergangenheit dar, der viele Erinnerungen triggerte und mit seinen zahlreichen Archivaufnahmen mehr als nur nostalgische Gefühle aufkommen ließ. Das große Manko des Films ist allerdings seine viel zu kurze Laufzeit von knapp einer Stunde, die dem behandelten Thema in keinster Weise gerecht wird. – 7/10
06/2025, #5: Shotgun (USA 1989, Addison Randall)
Ultra-Low-Budget-Action-Thriller aus dem Hause PM Entertainment, in dem ein hünenhafter Cop Jagd auf einen brutalen Prostituiertenmörder macht. SHOTGUN ist ziemlich roh und ungeschliffen, hat seine besten Momente immer dann, wenn er sich in den düsteren und zwielichtigen Ecken des Hollywood Boulevard herumtreibt und kann auch mit seinen handgemachten Spezialeffekten überzeugen. Storytechnisch und schauspielerisch kommt Randalls Film jedoch einem künstlerischen Offenbarungseid gleich, insbesondere Hauptdarsteller Stuart Chapin in der Rolle des rachsüchtigen Cops, dessen eigene Schwester zum Opfer des Killers wurde, gibt eine Vorstellung zum Davonlaufen ab. Einen trotz dieser Schwächen ziemlich hohen Unterhaltungswert kann man Randalls Film aber dennoch nicht absprechen. – 5/10
06/2025, #6: Das Schweigen im Walde (D 1937, Hans Deppe)
Heimatfilm-Melodram, in dem zwei rivalisierende Männer um die Gunst einer jungen Frau streiten, die nach dem Tod ihres Vaters alleine in einer Hütte hoch in den Bergen lebt. Deppes Film war damals die erste Tonfilmadaption des gleichnamigen Romans von Ludwig Ganghofer und überzeugt neben seinen durchweg glaubwürdigen schauspielerischen Leistungen in allererster Linie durch seine packende Kameraarbeit, insbesondere im hochdramatischen Finale des Films. Der Kitschfaktor des Gezeigten ist dabei erstaunlich niedrig und die Handlungen und Motivationen der einzelnen Charaktere bleiben immer nachvollziehbar und so gelingt es Deppe relativ schnell, ein geneigtes Publikum in seinen Bann zu ziehen. – 7/10
06/2025, #7: Leider geil! – 40 Jahre deutscher Hip-Hop (D 2025, keine Regie-Angabe)
Rund 3-stündige Dokumentation über die Geschichte des deutschsprachigen Rap und Hip-Hop in der verschiedenste Künstler (u.a. König Boris von Fettes Brot, Toni-L von Advanced Chemistry, Cora E., Eko Fresh, Kool Savas und der im Mai leider verstorbene Xatar), Szenekenner und Musikjournalisten den Zuschauer auf eine ausführliche Zeitreise mitnehmen. Das ist trotz der langen Laufzeit alles ziemlich kurzweilig geraten und vor allem der Teil, der die 1990er Jahre behandelte, fand ich persönlich richtig gut gelungen. Die Abhandlung der Künstler seit der Jahrtausendwende ist mir dann aber doch etwas zu einseitig geraten. Da wurde sich zu sehr auf Straßen- und Gangster-Rap der Marke Bushido, Sido, Haftbefehl oder 187 Straßenbande konzentriert und alternative Hip-Hop-Künstler mit wichtigen politischen Aussagen wurden praktisch komplett außen vor gelassen. Bis auf Casper, Materia und die Antilopen Gang fand dieses Spektrum überhaupt keine Beachtung und eine Dokumentation über deutschen Rap und Hip-Hop die Acts wie KIZ, Fatoni, Juse Ju, Dendemann, Gentleman, Edgar Wasser oder Prinz Pi – um nur einige wenige zu nennen – nicht mit einer Silbe erwähnt, taugt am Ende des Tages dann doch nur zur kurzweiligen Unterhaltung und kann in meinen Augen nicht wirklich ernst genommen werden. – 6/10
06/2025, #8: Hell Night (USA 1981, Tom DeSimone)
Horrorfilm mit Linda Blair in der Hauptrolle, in dem 4 Studenten als Mutprobe eine Nacht in einem alten Anwesen verbringen müssen, in dem es vermeintlich spukt. Obwohl die Handlung sehr generisch geraten ist und man auch in Sachen Logik und Glaubwürdigkeit so einige Abstriche machen muss, gelingt es Regisseur Tom DeSimone mit seinem tollen Setting, ein paar wirklich netten Einfällen und seinen überzeugenden Effekten den geneigten Horrorfan über die komplette Laufzeit bei der Stange zu halten und weitaus besser zu unterhalten als es sich dieser vielleicht erhofft haben dürfte. In manchen Sequenzen kam sogar richtige Spannung auf. Ich bin positiv überrascht. – 7/10
06/2025, #9: Il giustiziere sfida la città [aka Syndicate Sadists] (I 1975, Umberto Lenzi)
Um seinen getöteten Freund zu rächen und einen gekidnappten Jungen zu befreien spielt Tomas Milian in Lenzis Italo-Actioner zwei Verbrechersyndikate gegeneinander aus und hinterlässt am Ende hauptsächlich Schutt und Asche. Der Film kommt zwar nicht ganz an manch andere Großtat des italienischen Genrekinos der 1970er Jahre heran – dafür ist er nämlich tatsächlich überraschend handzahm geraten – und auch die Glaubwürdigkeit der Vorgehensweise des Protagonisten und einiger Plot-Wendungen wird mitunter arg überstrapaziert, am hohen Unterhaltungswert des Films ändert das aber rein gar nichts. Diese typische Italo-Atmosphäre, immer wieder in die Kamera gehaltene J&B-Flaschen und der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit reichen schon locker aus um mir persönlich eine gute Zeit zu bereiten. – 7/10
06/2025, #10: Love Steaks (D 2013, Jakob Lass)
Mumblecore-Beziehungsdrama aus Deutschland, in dem sich ein junger Mann, der einen Job im Wellnessbereich eines Luxushotels antritt, mit einer der Küchenhilfen einlässt. Das ist alles komplett unaufgeregt und unspektakulär umgesetzt, entfaltet aber gerade aufgrund dieser Tatsache eine ungemeine Sogwirkung, der man sich als Zuschauer nur schwer entziehen kann. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist toll und irgendwie ist LOVE STEAKS ein Film, von dem man sich am liebsten stundenlang einfach nur berieseln lassen würde. – 7/10
06/2025, #11: The Cat’s Meow (CDN/D/UK/USA 2001, Peter Bogdanovich)
Auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte rund um die Ereignisse, die sich im Jahr 1924 auf der Yacht des Zeitungsmoguls William Randolph Hearst zugetragen haben und zum Tod des Filmproduzenten Thomas Ince führten. Die Wahrheit wurde nie aufgeklärt, schenkt man die Ausführungen auf der Wikipedia-Seite des Films jedoch Glauben, dann dürfte Bogdanovichs Version der Geschichte dieser aber tatsächlich ziemlich nahe kommen. Aber THE CAT’S MEOW ist darüber hinaus vor allem ein Film über Hollywood, über die Dekadenz der Traumfabrik, über Macht, Einfluss, Sex, Liebe und Verrat, auch wenn er sich fast ausschließlich auf einer Yacht abspielt. Bogdanovichs Inszenierung ist federleicht und ungemein unterhaltsam geraten und die Besetzung des Films kann man nur als ganz vorzüglich bezeichnen. Egal ob nun Edward Herrmann als Hearst, Cary Elwes als Ince, Eddie Izzard als Charlie Chaplin oder Jennifer Tilly als Louella Parsons – sie alle spielen mehr als überzeugend und verleihen dem Film so das gewisse Etwas. Über allen schwebt allerdings Kirsten Dunst in der weiblichen Hauptrolle der Marion Davies, die hier nicht viel weniger als eine Performance für die Geschichtsbücher abliefert und in jungen Jahren eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass sie zu den größten Talenten ihrer Generation gehört. – 8/10
06/2025, #12: Only Murders in the Building: Season 4 (USA 2024, John Hoffman / Steve Martin)
In den zehn Folgen der vierten Staffel wird es richtig persönlich für die drei Protagonisten, denn beim Mordopfer handelt es sich dieses Mal um das langjährige Stuntdouble des von Steve Martin gespielten Charakters. Und während die Ermittlungen im vollen Gange sind, fällt eine Filmcrew in den riesigen Apartmentkomplex ein, denn die Geschichte der drei Hobby-Detektive und Podcaster soll verfilmt werden. ONLY MURDERS IN THE BUILDING erlaubt sich auch in Season Nr. 4 keine großen Schwächen und präsentiert erneut alle Stärken, die schon die ersten drei Staffeln so sehenswert gemacht haben. Vor allem Martin Short ist in dieser Staffel komplett in seinem Element und sorgt mit seinem herrlich exaltierten Spiel für nicht gerade wenige Lachanfälle beim Zuschauer. – 8/10
06/2025, #13: Alle für Ella (D 2022, Teresa Fritzi Hoerl)
Jugendkino aus Deutschland in dessen Mittelpunkt vier Freundinnen kurz vor dem Abitur stehen, die mit ihrer Band einen Talentwettbewerb gewinnen möchten und deren Freundschaft durch äußere Einflüsse dabei auf eine harte Probe gestellt wird. Diese riesige Schwäche für Teenie-Filme werde ich wohl niemals mehr ablegen und bei diesem Exemplar mochte ich vor allem die Girl-Power-Attitüde, die trotz aller vorhandener Widrigkeiten, die der Plot seinen Protagonistinnen so stellt, stets im Vordergrund stehenden positiven Vibes, die teils herrlich melancholischen Coming-of-Age-Momente und überhaupt das ganze Zusammenspiel aller Charaktere. Der Film ist stellenweise fast schon unverschämt manipulativ geraten und drückt immer die richtigen Knöpfe um beim Zuschauer entsprechende Emotionen hervorzurufen. Ich habe mich ihm mit vollem Bewusstsein ausgeliefert. – 8/10
06/2025, #14: New York Minute (USA 2004, Dennie Gordon)
Ein bei Tag spielender „Durch die Nacht“-Film, in dem die Olson-Zwillinge Mary-Kate und Ashley auf den Zuschauer und New York losgelassen werden und über den überschaubaren Zeitraum weniger Stunden von einer prekären Situation in die nächste geraten. Das Tempo ist immens hoch, der Plot hält allerlei Wendungen parat, die Gags zünden und dem Charme der Olson-Zwillinge kann man sich wahrlich nur schwer entziehen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und hätte nie gedacht, dass dieser Film so gut funktionieren würde. – 7/10
06/2025, #15: Cloak & Dagger (USA 1984, Richard Franklin)
Kindliche Protagonisten in einem Action- bzw- Abenteuer-Plot waren vor allem in den 1980er Jahren hoch im Kurs und dieses Exemplar hier hatte ich vorher tatsächlich noch nie gesehen. Es geht um einen kleinen Jungen, gespielt von Henry Thomas aus E.T. THE EXTRA-TERRESTRIAL, der Zeuge eines Mordes wird und dem vom Mordopfer ein Exemplar des titelgebenden Videospiels mit dem Hinweis zugesteckt wird, dass sich darauf heimliche Dokumente befinden würden. Natürlich schenkt ihm niemand Glauben und so befindet sich der kindliche Protagonist schon bald in einem typischen Jagd/Flucht-Szenario wieder, welches Regisseur Franklin ebenso tempo- wie wendungsreich inszeniert hat und das einige wirklich ganz vorzügliche Suspense-Momente zu bieten hat. – 8/10
06/2025, #16: Flying Acquaintances (USA 1973, Douglas Randall)
Sexploitation-Kuriosität mit Jamie Gillis als wild durch die Gegend vögelnden Taxifahrer, die in den zahlreichen Kopulationsszenen zu viel zeigt um noch als Softcore durchgehen zu können und zu wenig zeigt um als Hardcore bezeichnet zu werden. Im Jahr nach DEEP THROAT mutet Randalls Film reichlich altbacken an und kann einzig und allein durch ein paar nette Gags und die famose Anfangscredits-Sequenz überzeugen, welche den Times Square in New York mit all seinen Movie Marquees in voller Pracht präsentiert. – 4/10
06/2025, #17: Invisible Ghost (USA 1941, Joseph H. Lewis)
Atmosphärischer Thriller mit Gruselelementen, in dem Bela Lugosi immer dann zum unberechenbaren und nach den Taten über keinerlei Erinnerungen mehr verfügenden Mörder wird, wenn ihm seine Frau erscheint die ihn einst wegen eines anderen Mannes verlassen hatte. Der Zuschauer hat von vornherein einen Wissensvorsprung und so entwickelt sich die Spannung des Films nicht aus der Frage wer denn der Mörder sein mag, sondern vielmehr wie dieser enttarnt wird. Das ist alles ungemein unterhaltsam gespielt und umgesetzt und läuft mit seiner Laufzeit von etwas über 60 Minuten auch zu keiner Sekunde Gefahr langweilig zu werden. – 7/10
06/2025, #18: Alle die Du bist (D/E 2024, Michael Fetter Nathansky)
Intensives und ins Herz und an die Nieren gehendes Beziehungsdrama in dem eine Ehefrau und Mutter an der Belastungsgrenze zwischen ihrem fordernden Job, ihren beiden Kindern und der Beziehung zu ihrem arbeitslosen Ehemann zu zerbrechen droht und langsam den Glauben an das private Glück verliert. Das ist gut und überzeugend gespielt und hat darüber hinaus ein paar wirklich nette Regieeinfälle zu bieten, die den Film sicher auch für ein Arthouse-Publikum interessant machen könnten. – 7/10
06/2025, #19: Inspector Clouseau (UK/USA 1968, Bud Yorkin)
Mir war gar nicht bewusst, dass zwischen A SHOT IN THE DARK und THE RETURN OF THE PINK PANTHER ein weiterer Clouseau-Film herausgebracht wurde und dieser eigentliche dritte Teil hier findet fast schon verständlicherweise so gut wie gar keine Erwähnung wenn es um die Filmreihe rund um den tollpatschigen Inspektor geht. In die Titelrolle schlüpfte hier Alan Arkin und das ist dann auch das größte Problem des Films. Denn so sehr sich Arkin auch bemüht, an die Leistung von Peter Sellers aus den beiden vorhergehenden und auch später erschienenen Filmen kommt er überhaupt nicht heran und so ist INSPECTOR CLOUSEAU nicht viel mehr als eine unterhaltsame Nummernrevue mit ein paar netten Slapstick-Einlagen und einem Hauch James-Bond-Persiflage. Der Film würde sicher besser funktionieren, wenn es den Vergleich mit Peter Sellers nicht gäbe, dieser schwebt aber wie ein Damoklesschwert über Yorkins Werk. – 6/10
06/2025, #20: Pvt Chat (USA 2020, Ben Hozie)
Drama rund um einen jungen Mann, der sein Geld mit Online-Glücksspielen verdient und zu größten Teilen in ein Cam-Girl im Internet investiert, für die er schon bald eine regelrechte Obsession entwickelt. Hozies Film ist trotz aller vorhandenen Oberflächenreize in erster Linie ein durchaus überzeugend gespieltes Portrait der Generation Z, es ist ein Film über Suchtverhalten, über Obsessionen und über Einsamkeit und wenn er in der zweiten Hälfte nicht etwas arg konstruiert wirken würde, man könnte ihn sogar als absolut gelungen und sehenswert bezeichnen. – 6/10
06/2025, #21: The Loneliest Boy in the World (UK 2022, Martin Owen)
Herrlich obskure Horrorkomödie, in der ein kürzlich aus der Psychiatrie entlassener Teenager die Erlaubnis bekommt, alleine im Haus der verstorbenen Eltern leben zu dürfen, falls er glaubwürdig nachweisen kann, dass er Freundschaften geschlossen hat. Ein Nachweis, der auf die denkbar unkonventionellste Art und Weise von ihm erbracht wird, denn um Gesellschaft vorzutäuschen setzt er sich kurzerhand ein paar vom nahegelegenen Friedhof entwendete Leichen ins Wohnzimmer und staunt nicht schlecht, als diese plötzlich als Zombies wieder zum Leben erwachen. Regisseur Martin Owen präsentiert seine krude Ausgangssituation als komplette Normalität, überzeugt mit ganz wundervollen Settings und einer exquisiten Kameraarbeit und hat seinen kleinen aber feinen Film zudem mit jeder Menge verrückter Ideen ausgestattet. – 7/10
06/2025, #22: Edge of the World (USA 2021, Michael Haussman)
Historienabenteuer, welches die Geschichte des Briten James Brooke erzählt, der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Herrscher eines der Königreiche von Borneo ernannt wurde, damit das britische Königreich gehörig vor den Kopf stieß und der seine Macht vor allem zum Kampf gegen Sklaverei und Piraterie nutzte. In den 1990er Jahren hätte eine solche Geschichte noch Potential für einen echten Blockbuster mit großer Starbesetzung gehabt, mittlerweile haben Filme dieser Art allerdings nur noch Potential für ein Nischenpublikum und man entdeckt sie nur noch durch Zufall in den unendlichen Weiten diverser Streaming-Anbieter. Mit Jonathan Rhys Meyers in der Rolle des James Brooke und Dominic Monaghan ist EDGE OF THE WORLD zumindest noch halbwegs prominent besetzt und Regisseur Haussman ist es zudem gelungen, seinen Film mit teils eindrucksvollen Bildern auszustatten. So wirklich gepackt hat mich EDGE OF THE WORLD allerdings nicht, dafür plätscherte er streckenweise doch etwas zu sehr vor sich hin und stellte in meinen Augen nicht viel mehr als nette Unterhaltung dar. – 6/10
06/2025, #23: Uptown Girls (USA 2003, Boaz Yakin)
Brittany Murphy als dekadente Tochter eines verstorbenen Rockstars, die plötzlich ohne Geld da steht nachdem sie ihr Manager sich mit ihrem Erbe aus dem Staub gemacht hat und gezwungen wird, einen Job als Kindermädchen der verwöhnten und exzentrischen Dakota Fanning anzunehmen. Brittany Murphy und die bei Erscheinen des Films gerade mal 9 Jahre alte Dakota Fanning (dis-)harmonieren in dieser warmherzigen und mitunter vielleicht etwas zu kitschigen und manipulativen Mischung aus Komödie und Coming-of-Age-Drama wirklich ganz vorzüglich und es ist in allererster Linie ihr Zusammenspiel, welches UPTOWN GIRLS zu einem absolut sehenswerten Film macht. Kino zum Wohlfühlen, das exakt die richtigen Knöpfe beim Zuschauer drückt und spätestens im emotionalen Finale das Potential hat, diesen zu Tränen zu rühren. – 7/10
06/2025, #24: Valdez Is Coming (USA 1971, Edwin Sherin)
Burt Lancaster als alternder Rächer, der sich in diesem typischen Rachefilmplot mit einem ebenso fiesen wie einflussreichen Großgrundbesitzer anlegt. Von den klassischen Western-Epen der vorherigen Jahrzehnte ist dieser Anfang der 1970er Jahre gedrehte Western meilenweit entfernt und erinnert viel mehr an die dreckigen Italo-Western, die nur wenige Jahre zuvor in die Kinos kamen. VALDEZ IS COMING kommt ungeschliffen und roh daher und überzeugt mit seinen kargen und dreckigen Settings sowie einem ziemlich hohem Erzähltempo. – 7/10
06/2025, #25: Johnny Be Good (USA 1988, Bud S. Smith)
Teenie-Komödie aus den 1980er Jahren, in der Anthony Michael Hall in der Rolle eines hoch talentierten Football-Spielers zu sehen ist, den verschiedene Universitäten versuchen mit allerlei zwielichtigen Methoden zu locken. JOHNNY BE GOOD ist sicher kein Highlight des Genres, dafür fehlt es dieser Nummernrevue einfach an Abwechslung, es haben sich zu viele unlustige Albernheiten eingeschlichen und das Ende ist viel zu vorhersehbar und kitschig geraten. Was Smiths Film aber dann doch sehenswert und ausgesprochen unterhaltsam macht ist seine tolle Besetzung. Neben Anthony Michael Hall sind u.a. Robert Downey Jr., Uma Thurman, Paul Gleason, Jennifer Tilly, Seymour Cassel und Steve James mit von der Partie und einen Film mit einem solchen Cast muss man als Fan des Genres dann doch irgendwie mögen. – 6/10
06/2025, #26: The Way West (USA 1967, Andrew V. McLaglen)
Klassischer Western, in dem Robert Mitchum von Kirk Douglas angeheuert wird um einen Treck von Siedlern nach Westen zu führen, wobei auf dem langen Weg allerlei Hindernisse warten. Der Film ist sehr episodisch erzählt, der Weg der Siedler ist das Ziel und einen typischen Spannungsbogen gibt es eigentlich nicht. Dafür ist THE WAY WEST ausgesprochen hübsch fotografiert, prominent besetzt (neben Douglas und Mitchum spielen u.a. noch Richard Widmark, Jack Elam und Sally Field mit), hat ein paar nette dramaturgische Höhepunkte zu bieten und ist trotz seiner etwas längeren Laufzeit von ca. 2 Stunden ausgesprochen kurzweilige geraten. – 6/10
06/2025, #27: The Man Who Knew Too Little (D/USA 1997, Jon Amiel)
Liebevolle Hitchcock-Hommage in der Bill Murray als komplett ahnungsloser Durchschnittstyp in einen Verschwörungsplot gerät und die ganze Zeit fest davon überzeugt ist, er sei Teil einer neuartigen Theater-Performance. Da sich die Handlung des Films über den Zeitraum einer Nacht erstreckt und sich in dieser diverse Ereignisse und Dinge verselbständigen und verkomplizieren, kann man Amiels Film auch diesem wundervollen und von mir so hoch geschätzten Subgenre des „Durch die Nacht“-Films zuordnen und Bill Murray überzeugt dabei in der Hauptrolle auf ganzer Linie und sorgt für nicht gerade wenige irrsinnig komische Momente. – 7/10
06/2025, #28: Одержимая | Oderzhimaya [aka Obsessed] (RUS 2022, Igor Voloshin)
Komplett generischer Thriller mit Erotik-Touch, in der eine Forensikerin eines Tages die Leiche einer jungen Frau zu untersuchen hat, mit der sie am Abend zuvor noch Sex hatte. Und natürlich sollen weitere Opfer folgen. Jeder, der Thriller dieser Art schon einmal in seinem Leben gesehen hat, dürfte bereits spätestens nach der Hälfte der Laufzeit erahnen, auf welche Auflösung das alles am Ende hinauslaufen wird. So fehlt es Voloshins Film vor allem an Spannung und interessante Charaktere und dieses Manko versucht er stattdessen mit allerlei visuellen Spielereien auszugleichen. Der Film ist vollgestopft mit Elementen, die extem stylish wirken sollen, einem als Zuschauer irgendwann aber einfach nur noch auf die Nerven gehen. Am Ende bleiben ein bisschen nackte Haut und exakt ein wirklich unglaublich guter Splatter-Effekt im Gedächtnis und in den letzten 20 Minuten überrascht der Film dann sogar noch mit einem Hauch an Spannung (auch wenn es letztendlich doch beim vorhersehbaren Ende bleibt). – 4/10
06/2025, #29: Sleepover (USA 2004, Joe Nussbaum)
Bei der Erfüllung meines persönlichen Zieles, möglichst alle je gedrehten „Durch die Nacht“-Filme mindestens einmal im Leben gesehen zu haben, stolpere ich dann auch über eindeutig auf ein Teenie-Publikum zugeschnittene Komödien mit Coming-of-Age-Touch wie diese hier. Es geht um vier Freundinnen deren Pyjama-Party sich in eine nächtliche Schnitzeljagd durch die Stadt verwandelt. Der Anfang des Films ist zwar schon arg generisch geraten und auch das Ende ist mit seinem typischen Teenie-Kitsch kaum auszuhalten, was aber dann doch richtig Spaß gemacht hat war der Mittelteil mit der Schnitzeljagd. Der ist ungemein rasant, liebevoll und auch lustig umgesetzt. Steve Carell ist in einer Nebenrolle als Ordnungshüter teils zum Schreien komisch und die jungen Protagonistinnen sind mit noch ganz am Anfang ihrer Karrieren stehenden Schauspielerinnen wie Brie Larson und Scout Taylor-Compton prominent besetzt. – 6/10
06/2025, #30: Man of La Mancha (I/USA 1972, Arthur Hiller)
Historien-Abenteuer-Komödie in Form eines Musicals mit Fantasy-Touch, in der Peter O’Toole zu Zeiten der Inquisition wegen Gotteslästerung gemeinsam mit seinem Diener in einem Kerker landet und dort durch Aufführung seines erst kurz zuvor fertiggestellten Theaterstücks Don Quijote versucht, seine Habseligkeiten vor seinen Mitgefangenen zu retten. Hillers Film ist irgendwie komplett seltsam geraten. Er ist eigentlich ziemlich sperrig, in den Musical-Sequenzen dann aber auch immer wieder durchaus faszinierend geraten und ich mochte insbesondere das herrlich theatralische Spiel von Peter O’Toole, der jetzt vielleicht nicht über die allergrößten Sangeskünste verfügt, dem Film aber dennoch seinen Stempel aufzudrücken vermag. – 7/10
06/2025, #31: L’homme qui aimait les femmes [aka The Man Who Loved Women] (F 1977, François Truffaut)
Bittersüße Tragikomödie über einen Frauenhelden, der sich eines Tages dazu entschließt, einen autobiographischen Roman über sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht zu schreiben und sich dabei in Rückblenden an eine Vielzahl seiner Affären und Eroberungen zurückerinnert. Truffauts Film ist in erster Linie eine Studie über Einsamkeit und obsessives Verhalten, überzeugt mit seiner wirklich federleichten Inszenierung und dem nahezu perfekten Spagat zwischen urkomischen, ernsten, melancholischen, dramatischen und traurigen Momenten. – 7/10
06/2025, #32: The Power of One (AUS/D/F/USA 1992, John G. Avildsen)
Direkt ins Herz gehendes Drama über einen englischen Waisenjungen, der sich in den 1930er Jahren in Südafrika als Außenseiter behaupten muss und der später als junger Erwachsener zu Zeiten des 2. Weltkriegs zum Symbol des Aufstands gegen die Apartheid-Politik wird. Avildsens Film drückt genau die richtigen emotionalen Knöpfe, ist mit Stephen Dorff in der Hauptrolle dabei absolut überzeugend besetzt und stellt diesem in Rollen diverser Pro- und Antagonisten zudem noch Schauspieler wie Morgan Freeman, Armin Mueller-Stahl und Daniel Craig zur Seite. Vielleicht ist das alles in manchen Momenten etwas zu dick aufgetragen, die klare Botschaft des Films gegen Unterdrückung und Rassismus lässt diesen eventuellen Mangel aber als komplett obsolet erscheinen. – 8/10
06/2025, #33: Fubar: Season 2 (USA 2025, Nick Santora)
In den 8 Folgen der 2. Staffel dieser herrlich schrägen Agenten-Persiflage findet sich Arnold Schwarzeneger gemeinsam mit seinem Team und seiner erweiterten Familie in einem Safe House wieder und ist von seinen Vorgesetzten erstmal ruhig gestellt – allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem mal wieder die Welt gerettet werden muss. FUBAR ist rasant, laut, grell, zynisch, brutal und dabei komplett albern und sorgt mit dieser absolut durchgeknallten Mischung für einfach nur herrlich kurzweilige Unterhaltung. Das kann man gerne auch alles total beschissen und meinetwegen im höchsten Maße bedenklich finden, aber die ganze Serie wirkt wie eine komplett überdrehte Hommage an den Actionfilm der 1980er Jahre und rennt zumindest bei mir persönlich damit offene Türen ein. Absolutes Highlight dieser zweiten Staffel ist die vorletzte Episode, bei der ich in manchen Sequenzen wirklich Tränen lachen musste. – 8/10
06/2025, #34: Playing Mona Lisa (USA 2000, Matthew Huffman)
Ungemein kurzweilig inszenierte Komödie rund um eine junge und hochtalentierte Pianistin die nach der Trennung von ihrem Freund in ein tiefes Loch fällt und mit allerlei verzweifelten Abenteuern irgendwie versucht aus diesem wieder herauszukommen. Huffmans Film wirft einen mehr als augenzwinkernden Blick auf das Trauerverhalten nach dem Verlust der vermeintlich großen Liebe, bietet unzählige kleine, urkomische Momente und überzeugt dabei vor allem durch die zwar ziemlich klischeehafte aber irgendwie auch doch glaubwürdige Zeichnung seiner verschiedensten Charaktere. Und das letzte Drittel des Films ist einfach nur irre komisch. – 7/10





































