
Was geht mir grade durch den Sinn?
Bleiben, wo ich nie gewesen bin,
gehen, wohin die Füße tragen,
niemals nach dem Wege fragen.
Manche Träume sind so schlicht,
andere, die glaubt man nicht.
Liegt auf allen Bäumen weiß,
wünsch ich Weihnacht Schnee und Eis;
doch die Autobahn sei frei geräumt,
dass wir fahren, wie erträumt,
bei den Enkeln Heilig Abend, zusehn
wie sie die Geschenkpapiere reißen,
einfach auf den Boden schmeißen
und sich dann daneben setzen,
alles Neue zu genießen
zwischen den papiernen Fetzen.
Die Entfernung ist kein Sprung,
aber die Veränderung!

Gedichte und Geschichten
Lust zu leben, Lust zu sterben.
Bei mir gibt´s nichts zu erben.
Denn wer will schon alte Kleider?
Ja, Klamotten hab ich gerne,
kann ja nicht mehr in die Ferne.
Klebe hier vorm Taunus leider
ziemlich fest. Ist ein Nest
für die Reichen, alt und neu.
Kann nicht weichen ohne Reu.
Geh ich weg, was bleibt mir dann?
Hier die Tochter, fern der Mann,
mit dem es nicht geklappt hat.
Wie auch mit anderen davor.
Tauge nicht zur Ehe klor!
Bin jetzt älter, bissel weiser,
brülle nicht mehr, bin nun leiser.
Beklatsche nicht mehr jeden Streich,
bin im Grunde viel zu weich.
Bringt nichts mehr, sich aufzuregen.
Trotzdem schau ich sehr genau,
was so läuft, ist das denn schlau?
Wer regiert demnächst, wogegen
wird´s denn dann Revolte geben?
Gegen Teuerungs-Lawinen, Müll-
entsorgung, Mieterhöhung,
höre ich schon das Gebrüll.
Heizkostenabrechung steigt bestimmt.
Ich verliere, wer gewinnt?
Weiß nicht, was noch werden soll.
Hab die Schnauze wirklich voll…

Vergeblich
Mein Sein? Garne aus Liebe gewebt, Fäden der Hoffnung entlehnt, dem Regenbogen gleich gespannt ins Vergängliche
Süße verlockt mich – lustvoll zu beben – Regen – Nebel – Leben – kommen und verharren: ednE -gnafnA – llarebü
Wind und Wellen
Im Winde stehe ich auf einem Stein im Bach, der sprudelt helle. Doch frag ich: was wird morgen sein? Ich sehe nicht bis zur Quelle.
Im Wind zu stehen: Ich bin klein! Das Wasser seicht an dieser Stelle. Schon morgen kann es anders sein. Kommt dann die große Welle?
Die überspült Haus, Straße, Rain lässt nichts an seiner Stelle. Das stete Wasser höhlt den Stein, wo bleibt nur mein Geselle?
Er wird doch nicht ertrunken sein im nördlichen Gefälle? Ich bin verliebt und doch so klein. Wär ich doch die Forelle,
ich würde schwimmen bis zum Main und weiter bis zum Meer. Das kann doch nicht verboten sein. Na ja, vielleicht nicht mehr.
Die Wellen und der Wind, die gehen fort geschwind! Und will sich jemand zugesellen, landet er in Sand und Wellen.
Grab mich in den Sand, strecke eine Hand – hinaus, denn es wäre ja ein Graus, wenn ich hier ersticken muss gibt mir die Welle einen Kuss auf die Nuss!
Zuspruch
Nimm dir das Gold des Abendrots, knüpfe silberne Mondstrahlen hinein, webe mit prächtigem Gras Drachen des Glücks darauf, der wird dir helfen…
Himmelblau und Meeresgrün schützen weiße Unschuldslilien, Maria Eusebia lächelt aus Krokodilaugen, Tränen glitzern wie Tau: Welch eine göttliche Frau!
Leg dich ihr zu Füßen nieder, Träume dein Schicksal neu!

Vernebelt
Im Nebel ging ein lichtes Pferd / Wallend meergrüne Gewänder Im Hufschlag klang ein Glockenspiel / aus Bambusrohr und Glas Vom Blitz durchzuckte Augen / durch´s Lid verdunkelt / tränten
Dem Anschein nach ein Weib / Brüllart dem Löwen gleich durch´s Schleierlicht gedämpft / zerstob in tausend Pfeile Bernsteingold und Flussspat / im Bach der weißen Elster
Es geht die Mär im Wasser sei´s / zu finden, wer es nicht sucht… Das holde Glück, geliebt zu sein / in Rauhnächten und Sturm Gewitterguss und Drudenfuß / Im bleichen Mond, im Sternengold
Vom Morgendunst gefällter Tau / Aus Tränensalz gemaltes Bild Scheint grasgrün durch das Grau / und weiß am blauen Firmament tanzt nun das Ross der Frau / Aus Schweigen ist der Reigen
Siehst du den Gaul? / Halt´s Maul!

Träum dich gesund
„Träume sind Schäume!“ sagt die Welt.
Ein Traum war im Raum, kein Bett
im Zimmer, nur ein Geflimmer, nett.
Träume habe ich doch bestellt,
keine Pizza, wär a Witz na!
Esse doch so gern Salat,
bittersüß und niemals fad.
Grüßi Gott, wenn´d ihn siehst!
Bist ein widerlich´s Biest!
Wegen dir tret ich nicht ab,
schon gar nicht ins Grab.
Lass doch all die schnöden
und halbgaren Reden,
heb sie auf für all die Blöden…
Können nicht wirklich träumen,
müssen alles das versäumen.
Doch mein Ideal ist fein,
immer im Kopf, bist nie allein.
Logisch alles her zu leiten
kann doch einen Sieg bedeuten
im Traum und auch zu andern Zeiten!

Zeitgerinnsel
(„Der Frühling tut weh! Ich möchte ihn um Gnade bitten!“ Anne Philipp)
Der Einsamkeit Flügel – lautloser Tod
in mattem Weh erliegen – entgehst du,
wenn du der Erinnerung lebst. Im Dunkel
der Zeit wachen Auges siehst du
dem Rinnen wartend zu. Auffliegen Vögel,
Blicke der Liebenden, fern
bist du ihnen und sie
kennen deine Nähe nicht.
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Das alte Lied verklingt, im Ohr hast du
die fremden Weisen. Auf dem Beton da
riecht rasender Gummi unter dir.
Was ist Zeit in der Zeit? Fährst auf Straßen,
gehst zu Steinen, die hohe Mauer deckt
ungeliebte Stille, und darüber
duften die Robinien…
Tief im Schatten
welken alle Blumen – unkt der Wind

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