GlockenbachWelle – Die Welle mit Sabine Bohlmann

carview.php?tsp=

Die 34. Welle mit Sabine Bohlmann

Herzlich willkommen bei der 34. Ausgabe der GlockenbachWelle

Wenn der Winter mit großen Schritten naht und uns die Welt mit einer klirrenden Kälte empfängt, ziehen wir uns gerne in die warme Stube zurück und kuscheln uns mit einer Tasse Tee und einer  gemütlichen Decke auf dem Sofa ein. An unserer Seite ein Buch. Oder vielmehr ganz viele Bücher, die uns und unsere Herzen in dieser kalten Jahreszeit ganz besonders erwärmen.

Nach unserer letzten kunterbunten Welle wollten wir noch ein Weilchen bei den Kinderbüchern bleiben und haben uns deshalb eine Expertin eingeladen, die sich in diesem Genre ganz besonders gut auskennt und uns schon einen ganzen Regenbogen an Kinderbüchern geschenkt hat.

Und weil sie unter anderem als „Frau Honig“ bekannt ist, waren wir uns schon im Vorfeld sicher, dass es uns in dieser Folge ganz warm ums Herz wird.

Die Welle mit Sabine Bohlmann

Eine Buchhändlerin, ein Bestsellerautorin und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

carview.php?tsp=

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Sabine Bohlmann, Bestsellerautorin, Schauspielerin und Synchronsprecherin; Pamela Scholz, die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

In dieser Folge haben wir eine wahre Tausendsassin an unserer Seite. Denn Sabine vereint nicht nur das geschriebene, sondern auch das gesprochene und visuelle Wort in einer Person, und das super erfolgreich. Wir haben sie also allerhand Löcher in den Bauch gefragt und uns von ihren vielfältigen Projekten inspirieren lassen.

carview.php?tsp=

Was die Welle zu euch spült

  • vom unerfüllten ersten Berufswunsch zur kreativen Tausendsassin
  • wie aus der Ratgeber-Frau a la Mary Poppins eine erfolgreiche Kinder- & Jugendbuch – Autorin gewachsen ist
  • von der Dankbarkeit, die sich durch Tiefschläge und Misserfolge entwickelt
  • wie wird man Lesekünstlerin (2023) und wer schlägt einen dafür vor
  • was für Ideen & Projekte in Sabines Ideenschränkchen hausen
  • wie ein Bilderbuch zum Marionetten-Theaterstück der Augsburger Puppenkiste wird
  • was die Verfilmung eines Werks in einem auslöst
  • von Büchern, die sich nicht leicht in ein Genre einordnen lassen und Impulsgeber für Groß und Klein sein können
  • was man sich behutsam an Tabuthemen in Bilderbüchern heranwagt
carview.php?tsp=
carview.php?tsp=
carview.php?tsp=
carview.php?tsp=

Die Buchempfehlungen

Empfehlungen von Pamela:

carview.php?tsp=

„In meiner Welt“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Simone Ceccarelli

„Was wäre wenn“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Stella Dreis

Die Reihe um „Frau Honig“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Joelle Tourlonias

Die Reihe um „Der kleine Siebenschläfer“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Kerstin Schöne

Thematischer Treibsand:

„Echo Mountain: Ellie geht ihren eigenen Weg“ – Lauren Wolk

„Andersgasse 7: Ein Fall für den fantastischen Flusenwutz“ – Christiane Schreiber

„Die magische Bibliothek der Buks“ – Nina George, Jens J. Kramer

Empfehlungen von Sabine:

carview.php?tsp=

„Das Friedenstier: Mit Stift und Flügeln für den Frieden“ – Erdacht von Friederike Ablang, Merle Goll und Sabine Kranz

„Türen“ – Nad Otterbach

„Simpel“ – Marie-Aude Murail

Stöbertipps

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

„Morgen bin ich mutig“, ein Marionetten-Theaterstück der Augsburger Puppenkiste, basierend auf der Geschichte von Sabine Bohlmann, erzählt von der Autorin

Der Instagram Account von Sabine Bohlmann

Die Homepage von Sabine Bohlmann

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht’s lang. Ohren auf!

carview.php?tsp=
carview.php?tsp=

Inselreichtum

„Die Rettung“ – Charlotte McConaghy

S. Fischer Verlage, erschienen am 28. Mai 2025, Preis 24 € [D], Gebundenes Buch, 368 Seiten, ISBN: 978-3103976830, hier geht’s zum Buch

carview.php?tsp=

Schon im Sommer bin ich in Charlotte McConaghys atemberaubenden Roman „Die Rettung“ ein- und vollgesogen mit Eindrücken wieder hervorgetaucht.

Es war eine wilde und unberechenbare Einöde mitten im Südpolarmeer, in die mich McConaghy geworfen hat: Eine kleine abgelegene Insel namens Shearwater, auf der ich mich von einer faszinierenden und zugleich gespenstischen Landschaft umgeben sah. Denn obwohl diese Insel kaum reicher an Flora und Fauna sein konnte, wohnte ihr auch ein gewisses Unheil inne. Denn Shearwater ist dem Untergang geweiht und mit ihr aller Reichtum, der auf und unter ihr verborgen liegt.

Hier wohnt Dominic Salt mit seiner Tochter Fen und seinen beiden Söhnen Raff und Orly in einem zugigen Leuchtturm. Außer den Sturmvögeln, Robben und Pinguinen verirrt sich kaum einer hierher. Nur alle paar Wochen legt ein Schiff an, um die Reserven aufzustocken, die die Salts aufs Genauste rationieren müssen. Dominics Kinder sind das abgeschiedene Leben in der unberührten Natur und ihre geregelten Tagesabläufe gewohnt. Da ist die Freiheit der Kinder, die im totalen Kontrast zu einem Minimum an sozialen Kontakten steht. Denn seit dem Tod der Mutter interagieren sie mit niemand anderem als den Tieren der Insel und ihrem wortkargen Vater.  

„Ich habe schon Tote aus dem Meer gesehen, und deren Anblick nimmt einem jeglichen Hochmut. Vor dem Wüten der See sind wir Menschen ernüchternd machtlos. Diese Frau, hergetragen von einer See, die mächtiger ist als die meisten, hält geradezu trotzig am Leben fest.“

Zitat, Seite 13

Doch an einem sturmerfüllten Tag wird eine Frau herangeschwemmt – aufgeschlitzt und unterkühlt, aber am Leben. Dominic und seine Kinder nehmen sich ihrer an, päppeln die Frau auf, der Dominic nur wenig Überlebenschancen zurechnet. Doch Rowan ist zäh und mit wachsender Kraft und Mobilität wächst auch ihre Neugierde an den Beweggründen der Salts, hier zu leben.

Der Beweggrund liegt im Süden der Insel verborgen. Ein Saatgutbunker, der die größte Sammlung von Samen aus der ganzen Welt in sich birgt. Shearwater Global Seed Vault ist der wahre Schatz der Insel: über 3 Millionen Proben liegen hier verborgen. Er ist die letzte Hoffnung der Artenvielfalt. Unter der Insel bewahrt die Welt die Pflanzensamen einer jeder Art auf. Dominic wurde als Verwalter des Bunkers angeheuert. Deshalb lebt er mit seinen Kindern auf der Insel. Doch der Bunker soll dichtgemacht werden. Die Forschungsbasis ist bereits verwaist und in zwei Monaten sollen auch die Salts die Insel verlassen.

Doch mit Rowans Ankunft auf der Insel und dem wachsenden Wasserspiegel gerät einiges ins Schwanken. Was hat es mit der Fremden auf sich, die ausgerechnet nach Shearwater gespült wird? Was will sie hier in der Einöde? Und was passiert mit dem Saatgutbunker, wo doch der Meeresspiegel stetig steigt?

Diesen Fragen dürfen die künftigen Leser*innen dieses Romans selbst nachgehen.

Es liegt mir fern, die Geheimnisse von Shearwater Island freizulegen und dem Plot vorwegzugreifen. Ich kann dir aber versichern, dass sich in diesem Roman Abgründe auftun, die du nicht kommen siehst. Zumindest war das bei mir so. Es sind nicht nur Abgründe landschaftlicher, sondern vor allem menschlicher Art. Sie sind düster und unheimlich, reißen dich beim Lesen in ihre Tiefen und lassen dir dort kaum Luft zum Atmen. Sie sind beängstigend und faszinierend zugleich und machen es dir deshalb unmöglich, daraus emporzusteigen ehe du die letzte Seite des Romans erklommen hast. Da ist diese ungeheure Sogkraft, die sich während dem Lesen entfaltet und unaufhörlich an dir zerrt, dass du dich manchmal fragst, ob du wirklich weiterlesen oder dich vielmehr retten solltest, vor dem Buch, das als „Die Rettung“ gilt!?

„Die Luft in Shearwater ist voller Geister der Toten. Das weiß Fen, und es stört sie nicht. […] in den Stunden tiefster Nacht hat sie es gesehen: die Gespenster. […] Doch vor den Toten hat sie keine Angst. Weh tun können einem nur die Lebenden.“

Zitat, Seite 25

Mit großer Begeisterung habe ich McConaghys lebendige Beschreibungen von Flora und Fauna gelesen. Es sind Momentaufnahmen voller Freiheit, kostbare Augenblicke, die man nur in der unberührten Natur erleben und einfangen kann. Die Autorin hat diese Momente wohl selbst erlebt, als sie Zeit auf Macquarie Island, einer subantarktischen Insel auf halber Strecke zwischen Tasmanien und der Antarktis, mit ihrem Partner und ihrem sechzehn Monate alten Sohn verbrachte. Sie diente der fiktiven Insel im Roman als Vorbild, auf ihr basiert die Szenerie von Shearwater Island.

„Im Zentrum meiner Erlebnisse auf Macquarie Island standen die Farben und Formen, die Gerüche, Geräusche und Gefühle, die ich in diesem Buch einfangen wollte. […] Am wichtigsten war mir, die vielfältige Flora, die außergewöhnliche Fauna und das einzigartige Klima der Insel möglichst exakt wiederzugeben.“

Anmerkung der Autorin

Dass das Leben an einem Ort wie diesem, der so abgelegen und zugleich voller Leben ist, einem einiges abverlangt, kann man sich denken. Dies bringt McConaghy mit den zerrissenen Seelen ihrer Figuren sehr gut zum Ausdruck. Denn sowohl Dominic als auch seinen Kindern setzt das Leben auf der Insel zu. Es ist nicht zwingend die blutige Vergangenheit der Insel, die von grausamen Robbenfängern bestimmt war und umherwabernde Geister getöteter Tierseelen mit sich bringt, sondern vielmehr die Abnabelung von der Welt, vom wirklichen Leben und ihrer ungewissen Zukunft, den wachsenden Fragen über das Danach. Was aus ihnen wird …

Auch wenn die Kinder das Leben auf der Insel lieben, mit Flora und Fauna nahezu verschmelzen, fehlt ihnen doch einiges, Substanzielles, das Kinder zum Heranwachsen brauchen. Dazu kommt der Verlust ihrer Mutter, über den sie mit ihrem Vater nicht reden können, weil er immer noch in seinen Erinnerungen an seine verstorbene Frau festhängt und für seine Kinder nur schwer zugänglich ist. Das wird allen voran durch die wachsende Entfremdung von Dominic und seiner Tochter Fen sichtbar, die als Einzige nicht im Leuchtturm wohnt. Sein Sohn Raff kann lediglich beim Boxen seiner Wut etwas Druck rausnehmen. Und Orly, der Jüngste im Bunde, hat seine Mutter nie kennengelernt und ist deshalb hungrig nach Details von ihr. Er lässt sich mit den Erinnerungen seiner beiden Geschwister füttern und ist ein wandelndes Lexikon, das alle, auch die zu Kräften kommende Rowan, mit seinem allumfassenden Wissen zu Flora und Fauna erfreut.

Doch trotz aller Hindernisse und Herausforderungen schafft McConaghy es, ihre Figuren in dieser Extremsituation wieder zueinanderfinden zu lassen. Da ist ein unsichtbares Band zwischen den Salts, eine Gemeinschaft und das Vertrauen ineinander, das insbesondere durch das Zutun von Rowan wieder an Kraft gewinnt und die fünf Menschen auf dieser Insel um ihr Überleben kämpfen lässt.

Ein Roman, so gewaltig und unberechenbar wie die See. „Die Rettung“ ist zu einem meiner Jahreshighlights geworden und ich hoffe, dass der Roman das auch für dich wird.

GlockenbachWelle – Die kunterbunte Welle mit Viola Ahles

carview.php?tsp=

Die 33. Welle mit Viola Ahles

Herzlich willkommen bei der 33. Ausgabe der GlockenbachWelle.

Wir lieben nicht nur die vielfältige Kinderbuchlandschaft, die sich aus so vielen unterschiedlichen Verlagen und Büchern zusammensetzt, sondern auch Bücher, die sich der Vielfalt und dem Anderssein widmen. Denn die Welt und all das Leben auf ihr ist bunt, um genau zu sein kunterbunt. Und so empfangen wir in dieser Folge eine frischgebackene Autorin und den Protagonisten ihres Kinderbuchs mit offenen Armen auf unserer Welle: Viola Ahles und ihr kleines Krododil „Kiko Kunterbunt“.

Die Welle mit Viola Ahles

Eine Buchhändlerin, ein frischgebackene Autorin und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

carview.php?tsp=

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz; Viola Ahles, frischgebackene Autorin beim Magellan Verlag und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Wir widmen uns in dieser Ausgabe mal wieder einem unserer Lieblingsgenres: dem Bilderbuch. Es gibt kein schöneres und besser geeigneteres Medium, um Kindern die Welt zu erklären und sie schon früh für so wichtige Themen wie Diversität, Vielfalt und Toleranz zu sensibilisieren. Doch bei der Konzeption ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt, sowohl von Seiten des Verlags als auch von Seiten der Illustrator*innen und Autor*innen.

Der Magellan Verlag geht hierbei mit sehr gutem Beispiel voran und deshalb haben wir uns Viola und ihr frisch erschienenes Bilderbuch „Kiko Kunderbunt“ eingeladen.

carview.php?tsp=

Das Bilderbuch

carview.php?tsp=

Magellan Verlag, erschienen am 17. Juli 2025, Preis 16 € [D], Hardcover, 32 Seiten, ISBN: 978-3-7348-2193-6, hier geht’s zum Buch

An so dristen regnerischen Tagen wie sie der Herbst zuhauf mitbringt, sehnen wir uns immer nach Farbe. Wie gut, dass wir für solche Gelegenheiten immer ein Buch im Regal haben, in dessen Farbe und Vielfalt wir eintauchen können. Die Tristesse eines Herbsttages tauschen wir deshalb gegen ein buntes Gewand, um genau zu sein, ein kunterbuntes.

„Der Schwanz gestreift
in Gelb und Schwarz
ganz wie bei einem Tiger.
Der Körper bunt,
Der Bauch ist weiß,
mit Punkten – was? – in lila?“

Kiko ist anders als seine Geschwister. Anstatt dem üblichen Grün trägt das kleine Krokodil Kunterbunt. Und das findet Kiko richtig toll. Doch aus Angst davor, dass die Farben abgewaschen werden, traut er sich nicht ins Wasser zu den anderen. Immer nur zusehen ist doof und so macht sich Kiko auf die Suche nach einen bunten Ort, an dem er genauso sein kann wie er ist.

Schon kurz darauf begegnet er einem Tier, dass ihm ganz ähnlich ist. Und plötzlich versteht er, dass er gar nicht der einzig Bunte auf der Welt ist. In Eidechse Emmi findet Kiko eine treue Wegbegleiterin, die ihn ihn dazu ermutigt, sich ins Wasser zu wagen. So kann Kiko fortan Teil der Kroko-Crew und gleichzeitig ein guter Freund sein. Denn Emmi kann nicht schwimmen und findet auf Kikos Rücken Platz. Als kunterbuntes Wasser-Taxi machen sie Kurs auf einen Ort, der genauso bunt ist wie sie beide.

Viola Ahles feiert ihr Kinderbuchdebüt mit einem Regenbogen an Farben. Ihre Geschichte um das kleine Krokodil Kiko erzählt sie in bunten melodischen Reimen, die nicht nur ins Ohr gehen, sondern auch mitten ins Herz treffen. Selten bin ich so raffinierten Zeilen begegnet wie hier. Dank Illustrator Igor Lange ist nicht nur eine herrliche Szenerie, sondern auch ein wunderbar buntes und sympathisches Kerlchen geboren worden, das man Kindern gerne an die Hand gibt. Denn Kiko hat verstanden, dass jeder so sein darf wie er will. Die Welt ist bunt und mit ihm die Lebewesen, die auf ihr wohnen. Er gibt Kindern zu verstehen, dass sich niemand fürs Anderssein schämen muss und es sich lohnt, mutig zu sein und seine Komfortzone zu verlassen.

carview.php?tsp=

Was die Welle zu euch spült

  • wie eine Geschichte für die eigene emotionale Schublade zu einem Bilderbuch wird
  • wie Viola dazu einlädt, mutig zu sein und die eigene Komfortzone zu verlassen
  • tierisches Wissen um Krokodile & das Geschlecht von schlüpfenden Jungtieren
  • vom Glück, sein Debüt im eigenen Verlag zu veröffentlichen
  • wie man mit zwei „Magellan-Persönlichkeiten“ umgeht
  • wie die Geschichte & Illustrator Igor Lange zusammenfanden
  • wie es sich anfühlt, seine eigene Geschichte vorzulesen
  • wie ein Faible für Wortspielereien sich zu Reimen geformt hat
  • „Platsch!“ – der Teaser zu einer möglichen Fortsetzung

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Viola

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

Der Instagram Account von Viola

Die Homepage des Magellan Verlags

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht’s lang. Ohren auf!

carview.php?tsp=

GlockenbachWelle – Die Welle mit Lennart Schäfer

carview.php?tsp=

Die 32. Welle mit Lennart Schäfer

Herzlich willkommen bei der 32. Ausgabe der GlockenbachWelle.

In dieser Ausgabe haben wir einen Buchmenschen zu Gast, der ein genauso leidenschaftliches Verhältnis zum geschriebenen Wort hegt, wie wir, wobei unser heutiger Gast da noch einmal eine ganz neue Messlatte setzt. Er radelt nämlich bei Wind und Wetter mit einem vollgepackten Lastenfahrrad einmal quer durch Deutschland, um die Menschen fürs Lesen zu begeistern.

In dieser Ausgabe reitet Lennart Schäfer mit uns auf der GlockenbachWelle und spricht mit uns über Literatur und seine „Literadtour“.

Die Welle mit Lennart Schäfer

carview.php?tsp=

Eine Buchhändlerin, ein Buchbotschafter und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

carview.php?tsp=

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz; Lennart Schäfer, Buchbotschafter und Mitglied des Veranstaltungsteams beim Oetinger Verlag und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Natürlich wollten wir wissen, was einen Buchmenschen dazu bringt, den Lesesessel zu verlassen, sein Fahrrad zu besteigen, und bei sämtlichen Wetterlagen, die der diesjährige Sommer so für uns bereithält, einmal quer durch Deutschland zu fahren, um andere buchverrückte Menschen zu treffen. Deshalb haben wir Lennart auf den Zahn gefühlt, was er schon alles erlebt, wen er getroffen hat und was sein Antrieb hinter seiner „Literadtour“ ist.

carview.php?tsp=

Was die Welle zu euch spült

  • was verbirgt sich hinter der Literadtour?
  • wie kamen Lennart & Lastenrad zusammen?
  • die Bücher im Gepäck: 8 Empfehlungen für verschiedene Altersgruppen
  • 5 Monate Planung, 7 Monate Reise – wie sich die Tour gefestigt hat
  • warum das Lesen die persönlichste Erzählform ist
  • Skurrilitäten und Herausforderungen der Literadtour
  • ein Blick hinter die Kulissen der VVA (Vereinigte Verlagsauslieferung)
  • wie macht man jungen Menschen Lust auf die Buchbranche?
  • wie dringt man zu Grundschüler*innen durch und begeistert sie fürs Lesen?
  • was schaffen Hörbücher?
carview.php?tsp=

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Lennart

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

Die Homepage der Literadtour

Lennarts nächste Stationen

Der YouTube-Kanal der Literadtour

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht’s lang. Ohren auf!

carview.php?tsp=

Wir wünschen viel Freude beim Hören …

Frau im Mond + Giveaway

Berlin Verlag, erschienen am 04. April 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 496 Seiten, ISBN: 978-3827014993, hier geht’s zum Buch

carview.php?tsp=

„Wir überwinden Verluste, indem wir uns erinnern. So halten wir die, die wir verloren haben, am Leben.“

Zitat, Seite 32

Am 4. August 1966 schickt eine Gruppe Studenten, die Lebanese Rocket Society, unter der Leitung von Manoug Manougian eine Rakete ins Weltall. Sie soll für die blühende Zukunft des Libanon stehen. Es ist die libanesische Cedar 8, die lange vor der Apollo 11 den Weltraum erreicht und den Libanon damit zu Weltraumpionieren macht, auch wenn um das historische Ereignis heute kaum noch einer weiß.

Am 4. August 2020 kommt es im Hafen von Beirut zu einer Explosion, die das gesamte Land erschüttert. Denn sie zerstört nicht nur den Hafen, sondern auch große Teile der Beiruter Innenstadt. Es ist die größte, nicht nukleare Explosion der Menschheit, die auch noch in 250 km Entfernung zu spüren war. 300.000 Menschen verlieren bei dieser Katastrophe ihr Dach über dem Kopf, 207 sogar ihr Leben. Mehr als 6.500 Menschen werden bei der Explosion verletzt.

Pierre Jarawan, den man bereits durch seine Romane „Am Ende bleiben die Zedern“ und „Ein Lied für die Vermissten“ kennt, verbindet in seinem neuesten Werk diese beiden historischen Ereignisse mit einer Familiengeschichte und erzählt damit nicht nur eine, sondern ganz viele Geschichten, „die sich wie Fäden eines Wandteppichs zu einem Bild verflechten“. Es ist das Bild der „Frau im Mond„.

Gut Ding will Weile haben

carview.php?tsp=
carview.php?tsp=

„Alles rückt zur rechten Zeit an seinen Platz.“

Zitat, Seite 34

Man sagt, Gut Ding will Weile haben.“ und im Bezug auf dieses Buch kann ich dieses Sprichwort nur bestätigen. Denn ich war eine ganze Weile mit diesem Roman beschäftigt, der mir nicht nur aufgrund seiner Seitenanzahl, sondern auch aufgrund seiner Vielschichtigkeit sehr viel Stoff zur Auseinandersetzung mit auf den Weg gab.

Heute, am 4. August 2025 und damit 59 Jahre nach dem libanesischen Raketenstart und 5 Jahre nach der Explosion im Hafen von Beirut, schaue ich „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ auf diesen Roman und die Erlebnisse zurück, die er mir geschenkt hat.

Ich hatte bereits zur Leipziger Buchmesse das Vergnügen, Pierre Jarawan bei einer Wohnzimmerlesung lauschen zu dürfen, die Uwe Kalkowski alias Kaffeehaussitzer alljährlich im Wohnzimmer seines guten Freundes Hannes organisiert und dabei einem kleinen Kreis von Leser*innen Einblick in ganz besondere Werke gewährt. Der Roman ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen. Die Luft ist voller Vorfreude und Neugier und das kleine Fensterbrett des Wohnzimmers randvoll mit Exemplaren, die man an diesem Abend schon vor der Veröffentlichung des Romans mit nach Hause nehmen kann.

Schon an diesem Abend war ich regelrecht berauscht von Pierres melodischen Zeilen, von seiner umfassenden Recherche zum Buch, seinem beeindruckenden Wissen um Land und Leute und den vielen Fäden, durch die er seinen Roman zu einem Gesamtkunstwerk verflochten hat wie einen armenischen Wandteppich, der, wie man später noch erfährt, im Roman eine tragende Rolle spielen wird.

Eine Woche später war ich von Tina Lurz und dem Berlin Verlag in München zum Release Event ins Museum Lichtspiele eingeladen, bei dem ein kleiner Kreis geladener Gäste im Weltraumsetting von Kinosaal 4 in die „Frau im Mond“ und libanesische Köstlichkeiten eintauchen durfte. Hier konnte ich nicht nur den Autor, sondern auch die Entstehungsgeschichte zum Roman noch einmal näher kennenlernen, die mitunter auch durch ein Bild von einem Raketenschweif, das 2017 in einer Ausstellung im Haus der Kunst in München zu sehen war, geprägt ist.

Vier Jahre schrieb Pierre an seinem Roman, in dem er die beiden historischen Ereignisse des 4. August mit der Familiengeschichte der El Shamis, einer in Montréal lebenden Familie, verknüpft.

Es sind die Zwillingsschwestern Lilit und Lina, die auf Spuren ihrer armenischen Großmutter Anoush stoßen, die sie nur von einem Foto an der Wand und den Mosaiken aus Geschichten ihrer Mutter Dana und ihrem Großvater Maroun kennen. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wachsen sie unter der Obhut ihres Großvaters auf. Sie wissen um seine Vorliebe für das Erzählen, oft aber nicht, wieviel Glauben man seinen Erzählungen schenken kann. Als sie auf einer alten Postkarte eine Widmung und Liebeserklärung ihrer Großmutter an Maroun entdecken, werden sie neugierig. Was hat es mit den Zeilen „Möge die Frau im Mond dir den Weg weisen.„, mit dem dazugehörigen Geschenk, einem „Raketenteppich“, wie Maroun ihn bezeichnet, und der geheimnisvollen Symbolik auf der Rückseite auf sich? Woher kommt überhaupt Marouns Faible für Weltraumraketen und was ist eigentlich die Lebanese Rocket Society?

Und so begibt sich Lilit auf Spurensuche, die sie von Montréal nach Beirut führt. Hier sucht sie nach den Wurzeln ihrer Familie, vor allem aber nach den Spuren ihrer Großmutter. Es ist aber auch ein Suchen in sich selbst, ein Ausloten an Gemeinsamkeiten; ein Erspüren, wieviel von ihrer Großmutter in ihr steckt. Nach einem erfolgreichen Filmdebüt als Dokumentarfilmerin ist sich Lilit unsicher über ihr Handwerk und traut sich nicht an einen zweiten Film. Sie fürchtet sich vor der Enttäuschung, dem tiefen Fall, der ihr womöglich bevorsteht, weil der Erstling „Bahamut“ doch nur ein Erfolg war, weil er zum richtigen Zeitpunkt einem politischen Thema entsprach und gut in die Schublade „einer Filmemacherin mit migrantisch kanadischer Herkunft“ gepasst hat. Zeitgleich ist sie auf der Suche nach guten Stoff für den zweiten Film. Womöglich ist Anoushs Geschichte dafür gemacht?

Als sie im Sommer 2020 in Beirut ankommt, erlebt sie ein Land in Aufruhr. Die Stadt empfängt sie dunkel und dreckig. Unter den Menschen herrscht Angst und Armut und in den Straßen sind Überbleibsel von Protesten und Demonstrationen zu finden. Hier legt Lilit Stück für Stück Fragmente aus dem Leben ihrer Großmutter frei, die als Kind in einem Waisenhaus aufwuchs und dem Völkermord an den Armeniern nur knapp entkommen konnte, weil sie wie viele armenische Genozid-Überlebende in die Gegend, die heute als Libanon bekannt ist, geflüchtet ist. Und obwohl Anoush nicht mehr lebt und ihre Enkelin sie nie kennengelernt hat, hat man doch das Gefühl, dass sie sich im Verlauf der Geschichte näherkommen. Es sind zum einen die wunderbaren Rückblicke, die Jarawan durch wechselnden Zeitebenen freilegt, zum anderen aber auch Lilits Tagebucheintrag, der wie ein Brief an Anoush geschrieben ist:

„Wer auch immer den Begriff Stadtdschungel geprägt hat, muss Beirut in seinem jetzigen Zustand gesehen haben. Schwer vorstellbar, dass es schon so aussah, als du mit Maroun und Dana 1959 hierher zurückkamst. Ich will es dir beschreiben: Kletterpflanzen haben die Häuser, weiß und mehrstöckig zumeist, überwuchert, sodass es scheint, als wären ganze Stadtviertel von Krampfadern übersät. Hier und da überwindet eine Treppe den Anstieg zur nächsthöher gelegenen Straße, wobei die wuchernden Sträucher Tunnel bilden. Katzen streunen um die Mülltonnen. Aus Gehwegen – oder dem, was man hier dafür hält – wachsen Mandarinenbäume, unter denen die Früchte faulen. Die Laternen sind ausgeschaltet. Nachts dringt nur ein Schimmern aus den Wohnungsfenstern, hinter denen – ich stelle es mir so vor – die Frauen Kerzen entzündet haben, ihre Kinder baden und in den Schlaf wiegen. Vor dem Zubettgehen schieben sie die Vorhänge beiseite, weil sie meine Schritte untern hören; sie sehen die Fremde in abgewetzten Sneakern, im ärmellosen Top, mit dem Kameragurt über der Schulter, die sich umblickt. Es ist, als könnte ich sie murmeln hören. […]

Was hatte ich erwartet? Es ist, erkannte ich bei meinem ersten Streifzug durch die Stadt, unmöglich zu verstehen, was es heißt, in Beirut zu sein, wenn man nichts weiß von den der Tiefe der Krater, die der Bürgerkrieg geschlagen hat. Selbst dreißig Jahre nach dem Ende sind seine Schatten allgegenwärtig in den Einschusslöchern übersäten Mauern, den wandlosen Häusern, in den Graffiti, die beinah alles überziehen, auffällig oft auch die vergitterten Türen der Banken. Selbst in den Teilen des Zentrums der Stadt, die neu errichtet oder frisch erstrahlen, spukt der Geist der Zerstörung weiter.“

Zitat, Seite 202/203

Jarawan nutzt eine wunderbar poetische Bildsprache. Durch sie lernen wir nicht nur die Schauplätze des Romans, sondern auch die restlichen Mitglieder der Familie, allen voran Maroun el Shami, aber auch seine Tochter Dana und ihren Mann Jules sowie deren Kinder, Lina und Lilit, kennen.

„Haben Sie schon einmal eine einhundert Jahre alte Hand befühlt? Es ist, als würde man eine Landkarte ertasten, auf Pergament gezeichnet. Die Landschaft ist rau, wie von Stürmen geschliffen, Gebirgszüge aus Falten erheben sich, Adern spannen ein Netz aus Flüssen, dazwischen Altersflecken wie Inseln.“

Zitat, Seite 77

Von Maroun el Shami war ich besonders fasziniert, wird er doch schon auf den ersten Seiten mit so wunderbaren Worten beschrieben, die sich direkt in mein Herz geschlichen haben. Denn nach dem Tod seiner Frau „hat er wie ein Asteroid gewirkt, der ohne Umlaufbahn durchs Universum driftete“ oder der für die Heimbewohner des Seniorenwohnheims, in das er bis zu seinem Rausschmiss kurz verweilte, „wie ein Buch in einem Regal war, an das man nur über eine Leiter herankam“. Schon mit 10 Jahren sieht er Fritz Langs Stummfilm „Frau im Mond“ im Kino und ist von da an fasziniert vom Weltraum und entwickelt eine Leidenschaft für das Bauen von Raketen. In den 60er Jahren wird er Dozent an der Haigazian-Universität und gründet oben erwähnte Lebanese Rocket Society.

Der Titel des Romans steht dabei für eine der Ebenen im Buch, allen voran aber für den Titel des Stummfilms von Fritz Lang, den die meisten nur durch „Metropolis“ kennen. Pierre zitiert mit seinem Titel nicht nur den Film, der für damalige Verhältnisse technisch sehr eindrucksvoll war, sondern verneigt sich damit auch vor dem Regisseur, der in seinem Film den Countdown erfunden und damit den Weg zum Mond bereitet hat.

Man kann „Frau im Mond“ in voller Länge (2 Std. 50 Min.) bei YouTube ansehen (um ehrlich zu sein: ich konnte ihn nur schwer ertragen). In seinem Roman macht sich der Autor der formalen Spielerei des Countdowns zu Eigen und beginnt deshalb mit Kapitel 50 und endet mit Kapitel 0.

carview.php?tsp=

Wie man sieht, sind es viele Wohlfühlszenerien, die Jarawan mit seinen Zeilen hervorruft. Doch angesichts der vielen historischen Ereignisse und Themen, die in seinem Roman eingebettet sind, trifft man hier auch auf eine Reihe an sehr anschaulichen und erschütternden Beschreibungen. Im Gespräch verrät Pierre, dass es ihm wichtig war, eine Geschichte über den Nahen Osten zu schreiben, die ohne Opferrolle daherkommt. Deshalb ist auch in den Momenten der Tragik stets ein bisschen Hoffnung zu finden. Für die GlockenbachWelle haben wir uns mit Pierre Jarawan zu seinem neuesten Roman und seinem künstlerischem Schaffen unterhalten. Die Podcastfolge ist im Juli erschienen und fühlt noch einmal Dinge auf den Zahn, die ich hier unerwähnt gelassen habe.

Hör hier in die Folge rein.

carview.php?tsp=

„Frau im Mond“ ist mir als vielschichtiges Werk voller Leben und tragikomischen Ereignissen begegnet. Es trägt viel mehr in sich, als man es beim Aufklappen des Buchdeckels vielleicht vermutet, weshalb es noch lange in einem nachhallt. Ich bin sehr glücklich darüber, dass es mir von so vielen Menschen ans Herz gelegt wurde. Und heute möchte auch ich das von Herzen tun.

Möge die Frau im Mond mit dir sein.

Klick, klick, Glück!“ 

carview.php?tsp=
carview.php?tsp=

Anlässig des 4. August, der nicht nur der Tag zweier obengenannter historischer Ereignisse, sondern auch der Geburtstag des Autors ist, möchte ich mit freundlicher Unterstützung des Berlin Verlags heute ein signiertes Exemplar von „Frau im Mond“ inklusive Wandteppich-Lesezeichen unter euch verlosen. 

Da ich sowohl hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, für das Exemplar in den Lostopf zu springen.

„Was macht den Zauber von Gegenständen aus, die unsere Lebensräume bevölkern? Eine alte Vase auf dem Kamin, ein Taschenmesser auf der Kommode, ein bestimmter Badeanzug, ein Zeichenstift? Die Antwort lautet: Sie sind gleichzeitig sichtbar und unsichtbar wie verwunschene Gegenstände in Märchen. Wir sehen sie als einfache Dinge, während sie für die Person, der sie gehören, aufgeladen sind mit Erinnerungen und Geschichten, losgelöst vom schlichten Gebrauchswert, den wir ihnen unterstellen. Es handelt sich um die Art von Gegenständen, die wir aus einem brennenden Haus tragen würden, während alle anderen sich fragen, weshalb.“

Zitat, Seite 106

Für ein Los auf dem Blog würde ich dich bitten, mir bis Mittwoch, 06.08.2025, 23:59 Uhr in einem Kommentar zu verraten, welcher Gegenstand für dich, losgelöst vom schlichten Gebrauchswert, mit Erinnerungen und Geschichten aufgeladen ist und deshalb einen ganz persönlichen Wert für dich hat. Für Maroun ist der Wandteppich von Anoush zu einem solchen Schatz geworden.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück!

Eure Steffi

GlockenbachWelle – Die Welle mit Pierre Jarawan

carview.php?tsp=

Die 31. Welle mit Pierre Jarawan

Herzlich willkommen bei der 31. Ausgabe der GlockenbachWelle.

Manche Romane eröffnen uns Welten. Sie tragen uns an Orte, die geprägt sind von tragischen Ereignissen, aber auch von persönlichen Erinnerungen und Momentaufnahmen. Pierre Jarawan versteht es wie kein zweiter, Geschichten zu erzählen. Seine Romane sind vielschichtig, tragikomisch und prall gefüllt mit Leben. In seinem neuesten Werk vereint er zwei reale Ereignisse mit einer Familiengeschichte und erzählt damit nicht nur eine, sondern ganz viele Geschichten, die sich wie Fäden eines Wandteppichs zu einem Bild verflechten. Es ist das Bild der „Frau im Mond“.

In dieser Ausgabe reitet Pierre mit uns auf der GlockenbachWelle.

Die Welle mit Pierre Jarawan

Eine Buchhändlerin, ein Autor und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

carview.php?tsp=

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz, freier Fotograf und Autor Pierre Jarawan und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Lehnt euch zurück, haltet das Popcorn bereit und zählt den Countdown runter, bis sich der Vorhang öffnet und wir tief in den wunderbaren Kosmos eintauchen, den Pierre Jarawan mit seinem Roman „Frau im Mond“ für uns erschaffen hat. Wir streifen dabei verschiedene Kontinente und Zeiten, und begleiten die Mitglieder einer ganz besonderen Familie bei der Suche nach ihren Wurzeln. Pierre hat eine ordentliche Rakete in den literarischen Himmel geschossen und wir freuen uns sehr, dass er uns in dieser Folge einmal mit in seine „Bastlerwerkstatt“ nimmt.

carview.php?tsp=

Der Roman: „Frau im Mond“

carview.php?tsp=

Berlin Verlag, erschienen am 04. April 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 496 Seiten, ISBN: 978-3827014993, hier geht’s zum Buch

„Es gibt für den menschlichen Geist kein Niemals. Höchstens ein Noch-nicht.“

Den Rahmen dieses Romans bilden zwei historisch belegte Explosionen: der Start einer libanesischen Weltraumrakete am 04.08.1966 und die Explosion im Hafen von Beirut auf den Tag genau 54 Jahre später. Diese beiden Ereignisse sind verknüpft durch die Familiengeschichte der el Shamis, die uns aus dem Nahen Osten bis ins kanadische Montreal führt, wo die Spurensuche der Enkelin Lilit nach den Wurzeln ihrer Familie, vor allem aber nach den Wurzeln ihrer Großmutter Anoush, beginnt …  

carview.php?tsp=

Was die Welle zu euch spült

  • wie ein Raketenschweif zum Roman wurde – wie die „Frau im Mond“ zu Pierre kam
  • welche zwei historischen Ereignisse der 4. August eint und wie Pierre sie in seinem Roman verflochten hat
  • warum Fritz Lang mit seinem Stummfilm „Frau im Mond“ den Countdown erfunden hat und der Roman wie eine Verbeugung davor ist
  • wie armenische Kultur in Teppichen verborgen liegt
  • welche Themen sich während der Recherche bzw. während des Schreibens Pierre offenbart haben
  • durch welches Symbol Pierre eine falsche Fährte in seinem Roman gelegt hat
  • Film meets Raketenbau meets armenische Teppichknüpfkunst
  • wie drei Generationen in einem Roman zusammenfinden
  • kleine Rechenspiele – warum Pierre u.a. Kanada als Roman-Schauplatz wählen musste
  • Eine kleine Lesung aus „Frau im Mond“
  • Pierres wunderbare Buchempfehlungen
carview.php?tsp=

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Pierre

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

Die Lesungstermine von „Frau im Mond“

Pierres Homepage

Pierres Workshop-Angebote

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht´s lang. Ohren auf!

carview.php?tsp=

Wir wünschen viel Freude beim Hören …

Bleib Wellenreiter*in und gespannt, was noch alles auf dich zuschwappt …

carview.php?tsp=

GlockenbachWelle – Die Welle mit Takis Würger

carview.php?tsp=

Die 30. Welle mit Takis Würger

Herzlich willkommen bei der 30. Ausgabe der GlockenbachWelle.

Spiegel-Bestsellerliste Platz 3, Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels, ausverkaufte Lesungen noch und nöcher – die Rede ist von „Für Polina“ von Takis Würger und wir freuen uns riesig, in dieser Folge den Autor ebenjener literarischen Perle zu Gast zu haben!

In dieser Ausgabe reitet Takis Würger mit uns auf der GlockenbachWelle.

Die Welle mit Takis Würger

Eine Buchhändlerin, ein Bestsellerautor und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz, preisgekrönter Journalist und Bestsellerautor Takis Würger und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Wir werden boxen, Siege verzeichnen und Rückschläge hinnehmen, wir werden zarte Melodien komponieren und schwere Klaviere schleppen, wir werden besondere Freundschaften schließen und allen voran – wir werden uns ganz schwer verlieben!!! 

Wir blicken gemeinsam hinter die Kulissen von Polina und lassen einige Tasten auf der Klaviatur von Takis Würgers Schriftstellerleben klingen.

Der Roman: „Für Polina“

carview.php?tsp=

Diogenes Verlag, erschienen am 26. Februar 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 304 Seiten, ISBN: 978-3257073355, hier geht’s zum Buch

„Sie lebten in jedem Atemzug, ohne den Versuch, das Vergangene zu begreifen, und ohne die Sorge vor der Unendlichkeit der Möglichkeiten, die das Leben für sie im Köcher hielt.“

Zitat, Seite 53

Fritzi Prager ist eine der Besten ihres Jahrgangs und will nach der Schule Jura studieren. Doch das Leben sieht etwas anderes für sie vor: Sie wird jung schwanger und mit 18 Jahren Mutter eines Sohns, der auf den Namen Hannes hört.

Fritzis Eltern ertragen ihre Tochter und den Enkel nicht, der von Anfang an anders ist, als andere Kinder. Und so verlässt Fritzi nach ihrem Abitur das Elternhaus. Anstatt in München zu studieren, beginnt sie mit Güneş, der Frau, mit der sie im Krankenhaus ein Zimmer geteilt hat, bei Netto zu putzen. Auch sie zieht ihre Tochter Polina alleine groß. Bis zur Grundschule wachsen ihre Kinder gemeinsam auf.

Es ist eine abgelegene alte Villa im Moor in Kananohe bei Hannover, die zu Fritzis und Hannes‘ Zuhause wird und auch Güneş und Polina oft empfängt. Hier wohnt auch der alte Zausel Heinrich Hildebrand, der für Fritzi zu einer Art Vater und für die Kinder zu einem Großvater wird. Er liest ihnen aus Dostojewski vor und legt abends alte Schallplatten auf.

Später wird Fritzi Heinrichs Assistentin. Von da an durchstreifen Fritzi und Hannes jeden Tag das Bissendorfer Moor und lernen alles über Flora und Fauna kennen. Vor allem die Klänge der Natur haben es Hannes angetan. Der stille Junge, der von klein an besonders empfindsam für Geräusche ist, entdeckt in der Villa auch seine Liebe zum Klavier. Seine Begabung für das Klavierspiel offenbart sich, als er dem verstimmten Klavier im Speisesaal Tschaikowski entlockt.

Und so beginnt Heinrich, der einmal Klavier studiert hat, Hannes zu unterrichten. Bald erfüllen die Melodien nicht nur die Villa, sondern auch den Kopf des Jungen. Denn darin entsteht viel mehr, als es die Lehrer vermuten, die Hannes für zurückgeblieben und sonderbar halten. Es sind ganze Sinfonien, die in ihm wachsen, ohne je zu Papier gebracht zu werden. Denn es sind die Klänge der Menschen: ihr Wesen, ihre Träume und ihr Hoffen. Nur wenige wissen von Hannes‘ Talent; seiner Begabung, dem Rhythmus seiner Umgebung zu lauschen und ihre Melodien zu erfassen.

Auch Polinas Melodie wächst mit den Jahren in ihm heran.

Hier geht’s zur kompletten Besprechung des Romans

Was die Welle zu euch spült

  • eine gefühlvolle Geschichte, die von den Melodien der Menschen und der Klaviermusik getragen wird
  • warum es auch für Takis ein langer Weg war, Bestsellerautor zu werden und wie „Knockout“ den Grundstein dafür gelegt hat
  • warum der Autor ein nahezu fanatisches Verhältnis zu Nudeln hat und warum Pasta con la mollica eine wunderbare Alternative zu aglio e olio ist
  • warum Gegensätze ein guter Kompass für uns alle sind
  • warum sich ganz vieles, das mit „Für Polina“ verbunden ist, wie ein Geschenk anfühlt
  • Geschichten von New Yorker Nachbarn, die sich als Bestsellerautoren entpuppen
  • wie die Figuren seiner Werke entstehen und an welche Menschen sie angelehnt sind
  • wie man sich Wissen durchs Zuhören aneignen kann
  • warum der Diogenes Verlag für Takis ein Traumverlag ist und er dort ein Zuhause gefunden hat
  • Takis Buchempfehlungen zum Entspannen, Eintauchen und Ehrfurcht haben

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Takis

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

„Knockout“: Die besten 20 Geschichten vom Boxen

Die Lesungstermine von „Für Polina“

„Für Polina“ als Hörbuch

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht´s lang. Ohren auf!

carview.php?tsp=

Wir wünschen viel Freude beim Hören …

Bleib Wellenreiter*in und gespannt, was noch alles auf dich zuschwappt …

carview.php?tsp=

Polinas Melodie

„Für Polina“ – Takis Würger

Diogenes Verlag, erschienen am 26. Februar 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 304 Seiten, ISBN: 978-3257073355, hier geht’s zum Buch

carview.php?tsp=

„Sie lebten in jedem Atemzug, ohne den Versuch, das Vergangene zu begreifen, und ohne die Sorge vor der Unendlichkeit der Möglichkeiten, die das Leben für sie im Köcher hielt.“

Zitat, Seite 53

Fritzi Prager ist eine der Besten ihres Jahrgangs und will nach der Schule Jura studieren. Doch das Leben sieht etwas anderes für sie vor: Aus ihrem Sommerurlaub in Italien kommt sie schwanger zurück und wird mit 18 Jahren Mutter einen Sohns, der auf den Namen Hannes hört.

Fritzis Eltern ertragen ihre Tochter und den Enkel nicht, der von Anfang an anders, ruhiger ist, als andere Kinder und laut der Mutter einfach nur eine Tracht Prügel bräuchte. Und so verlässt Fritzi nach ihrem Abitur das Elternhaus. Anstatt in München zu studieren, beginnt sie mit Güneş, der Frau, mit der sie im Krankenhaus ein Zimmer geteilt hat, bei Netto zu putzen. Auch sie zieht ihre Tochter Polina alleine groß. Bis zur Grundschule wachsen ihre Kinder gemeinsam auf.

Es ist eine abgelegene alte Villa im Moor in Kananohe bei Hannover, die zu Fritzis und Hannes‘ Zuhause wird und auch Güneş und Polina oft empfängt. Hier wohnt auch der alte Zausel Heinrich Hildebrand, der für Fritzi zu einer Art Vater und für die Kinder zu einem Großvater wird. Er liest ihnen aus Dostojewski vor und legt abends alte Schallplatten auf.

Später wird Fritzi Heinrichs Assistentin im niedersächsischen Landesamt für Flur- und Moormanagement. Von da an durchstreifen Fritzi und Hannes jeden Tag das Bissendorfer Moor und lernen alles über Flora und Fauna kennen. Vor allem die Klänge der Natur haben es Hannes angetan. Der stille Junge, der von klein an besonders empfindsam für Geräusche ist, entdeckt in der Villa auch seine Liebe zum Klavier. Seine Begabung für das Klavierspiel offenbart sich, als er dem verstimmten und von Holzwürmern zerfressenen Klavier im Speisesaal Tschaikowski entlockt.

Und so beginnt Heinrich, der einmal Klavier studiert hat, Hannes zu unterrichten. Bald erfüllen die Melodien nicht nur die Villa, sondern auch den Kopf des Jungen. Denn darin entsteht viel mehr, als es die Lehrer vermuten, die Hannes für zurückgeblieben und sonderbar halten. Es sind ganze Sinfonien, die in ihm wachsen, ohne je zu Papier gebracht zu werden. Denn es sind die Klänge der Menschen: ihr Wesen, ihre Träume und ihr Hoffen. Nur wenige wissen von Hannes‘ Talent; seiner Begabung, dem Rhythmus seiner Umgebung zu lauschen und ihre Melodien zu erfassen.

„Polina und Hannes hätten unähnlicher kaum sein können. […] Hannes lauschte vorsichtig in die Welt hinein wie in eine dunkle Höhle, in der Ungeheuer lauern. Polina schaute hinter jede Tür, steckte ihren Kopf in die Tümpel im Moor, um zu prüfen, was darin war. […] Hätte sie Ungeheuer gefunden, hätte Polina mit ihnen getanzt.“

Zitat, Seite 33/34

Takis Würger komponiert mit „Für Polina“ einen Roman wie ein Musikstück. Er spielt darin die Klaviatur des Lebens: erfasst Höhen und Tiefen, Freud und Leid seiner Figuren, in deren Mitte Hannes und Polina stehen. Er lässt ihre Geschichte von der Musik tragen, macht das Klavier zum tragenden Element seines Romans.

Es sind zwei große Lebensabschnitte, die in seinem Werk zusammenfinden. Ein Davor und ein Danach. Es ist die gemeinsame Kindheit in der Moorvilla und das eigenständige erwachsene Leben fernab davon. Auch wenn die Figuren immer wieder ins Moor zurückfinden, so bleibt dort eine wichtige Komponente zurück, die sich in einem Verlust ausdrückt und sich bleiern auf die Figuren, allen voran Hannes, legt. Und so verklingen für lange Zeit die Melodien, die Hannes dem Klavier entlockt, nicht jedoch die Melodien in seinem Innern.

Hannes und Polina ziehen ins Leben hinaus. Entgegen ihrer kindlichen Vorstellungen machen sie vorerst ohne einander weiter. Hannes in Hamburg, Polina in Istanbul. Das unsichtbare Band, das sie beide miteinander verbindet, wird dabei stark beansprucht, reißen tut es aber nie. Auch wenn die beiden immer wieder auseinandertriften, bleibt da auch immer ein gemeinsamer Pfad, auf den sie immer wieder zurückfinden. Während es in der Kindheit unbeschwerte Momente der Freundschaft sind, wachsen im Teenageralter Gefühle füreinander heran. Doch es bedarf einiger Alleingänge und der Kraft der Musik, um sich wirklich zueinander zu bekennen.

Hannes, der seinem Talent für das Klavierspiel lange nachgeht, kehrt ihm eines Tages fast vollständig den Rücken zu. Die Melodien sind zu schmerzhaft für ihn, sind sie doch an einen Menschen geknüpft, den er hinter sich lassen musste. Eines Tages fängt er als Klavierträger bei Sebastian Blau an, der eines der erfolgreichsten Transportunternehmen Hamburgs führt. Er ist auf den Transport von Klavieren und Flügeln spezialisiert, bewegt alles, was über Tasten verfügt und Töne hervorbringt. Nachdem Brauns Traum, ein Berufsmusiker zu werden, geplatzt ist und sich auf den gelegentlichen Einsatz am Klavier in einer Jazzband beschränkt, erfindet er sich neu und gründet ein Unternehmen. Mit 40 hat er fast jeden erdenklichen Luxus für sich gesichert, nicht jedoch seinen größten Traum, den er ähnlich wie Hannes, tief in seiner Seele verschlossen hält. Brauns stärkster und gefährlichster Klavierträger namens Bosch wird Hannes bester Freund, nimmt ihn unter seine Fittiche und zeigt dem eher schmächtigen Hannes, dass es beim Klaviertragen nicht ausschließlich um Kraft, sondern vielmehr um die richtige Technik geht. Und so transportieren die beiden über viele Jahre gemeinsam Klaviere in alle Himmelsrichtungen, ehe sich Boschs Vermutung bestätigt, dass Hannes zu viel mehr bestimmt ist, als Klaviere zu tragen.

„Er setzte sich an den Érard und spielte. Er spielte nicht Haydn oder Grieg, obwohl der in diesen lindgrünen Tag auch gut gepasst hätte. Er spielte Hannes Prager. Mit neun Fingern spielte er Polinas Melodie, eine Variation, etwas Neues, das gleichzeitig etwas Altes war, aber er spielte, als hätte er zehn Jahre lang daran geübt. O ja, er spielte. Jonathan Wassermann sog erstaunt die Luft ein, und Bosch, der immer alles geahnt hatte, sah sich noch zweimal um, ob irgendwelche Gefahren abzuwehren waren, und dann entfuhr ihm ein tiefer Seufzer.“

Zitat, Seite 222

Würger zeichnet Figuren, die ans Herz gehen. Er verleiht ihnen Ecken und Kanten, macht sie zu allesamt zu Persönlichkeiten, unverwechselbaren Individuen, die während dem Lesen zu engen Freund*innen werden.

Polina wird von einer wilden, rebellischen Seele verkörpert, die dem alten Hildebrand wie ein kleiner schwarzäugiger Fuchs begegnet, weil sie so schlau und neugierig ist. Ihre schwarzen Haare stehen wie schwarze Flammen in alle Richtungen ab. Später ist ihre Haut von Tattoos geschmückt. Sie ist Jolie-laide („schön hässlich“, eine gutaussehende, aber nicht konventionell hübsche Frau), laut und impulsiv.

Hannes steht im kompletten Kontrast zu ihr. Er ist still und in sich gekehrt, bewegt sich behutsam, ja fast schon behäbig durch die Welt. Er ist schmächtig und klein, bekommt irgendwann eine Brille und lernt vieles erst viel später als Polina. Zu viele und laute Geräusche überfordern ihn. Denn in ihm hausen bereits die Geräusche und Melodien seiner Umwelt.

Heinrich Hildebrand wird von Würger als alter seltsamer Zausel gezeichnet, der im Moor zuhause ist. Seine anfängliche Abneigung gegen Kinder weicht einer tief empfunden Liebe für Hannes und Polina. Für Fritzi wird er zu dem Vater, den sie nie hatte, für die Kinder zum Großvater. Er nimmt Fritzi in seine Obhut, zeigt ihr alles, was er weiß und lehrt Hannes, das Klavier zu spielen.

Fritzi ist eine starke unabhängige Frau, die sich trotz aller Hindernisse einen Weg durchs Leben bahnt und wie eine Löwin kämpft. Für Hannes ist sie der Fels in der Brandung. Sie stellt Hannes‘ Bedürfnisse immer über die ihren und denkt viel zu spät an ihre eigenen Träume. Es gefällt mir sehr, wie Würger sie keine Klischees und Stereotype bedienen, sondern sie vielmehr mit einer Kettensäge bewaffnet durchs Bissendorfer Moos ziehen lässt um morschen Bäumen den Kampf anzusagen.

„Er widerstand der Versuchung, die Musik aufzupumpen, sie groß und laut zu machen, natürlich wollte er Clotilde beeindrucken, aber groß konnten andere besser als er, er musste sie verführen, nicht bezwingen, sie erreichen, ohne dass sie merkte, womit. Er spielte zart und warm, voller Sehnsucht nach einem Leben, das er nicht lebte. Nicht wie seine Sehnsucht nach Polina, nicht wie die Sehnsucht nach sich selbst, nach Freiheit, auch wenn er das selbstverständlich so schwülstig nicht formuliert hätte.“

Zitat, Seite 242

Und so sitze ich hier und lasse die Melodien dieses zauberhaften Romans in mir nachklingen. Wenn auch ich in meinen Augen nicht annähernd die Zeilen gefunden habe, die diesem Werk nur annähernd gerecht werden, so möchte ich sie doch mit einer herzlichen Leseempfehlung in die Welt hinaus senden. Denn so einem Roman wie diesem, der mit seinen 304 Seiten so bescheiden und gleichzeitig so kraftvoll daherkommt, begegnet man nur selten. Er setzt Gefühle und Melodien frei und hält uns einmal mehr vor Augen, wofür es sich lohnt, zu leben.

Heimaturlaub

„Gebrauchsanweisung für Franken“ – Ewald Arenz

Piper Verlag, erschienen am 27. Februar 2025, Preis 16 € [D], Taschenbuch, 240 Seiten, ISBN: 978-3-492-27773-0, hier geht’s zum Buch

carview.php?tsp=

Ganze fünf Tage haben wir uns an Ostern treiben, von Ober- nach Unterfranken spülen lassen und die Gegend erkundet, wo ich als Kind aufgewachsen bin. Als geborene Fränkin wollte ich meiner Räubertochter schon lange mal zeigen, wo ich herkomme. Das Elternhaus nicht nur von der Straße aus an uns vorbeiziehen lassen oder die Umrisse der nächstgelegenen Stadt aus der Ferne beobachten, sondern mittendrin sein, im Puls meiner unterfränkischen Heimat.

Dass ich hier schon seit 18 Jahren nicht mehr wohne und mein Elternhaus nicht mehr in unserem Besitz ist, ändert an der Tatsache nichts, dass hier meine Wurzeln sind und ich mich hier heimisch fühle, auch wenn meine Sprache nicht mehr zwingend ein Indiz dafür ist, aber ä weng werde ich wohl immer das r rollen und manche Konsonanten ein bisschen weicher aussprechen als andere es tun. Zumindest, wenn man mich lässt.

Dass es mich Landei erst nach Hamburg und dann ausgerechnet nach München gespült hat, mag eine gewisse Komik mit sich bringen, denn die Stadt war mir lange genauso fern, wie sie den Franken laut Arenz‘ Beschreibung in seiner „Gebrauchsanweisung für Franken“ eben meist ist – „ein bisschen zu schick, zu selbstbewusst, zu reich.“ Ich habe es tatsächlich lange ausgeschlossen, in diese Stadt zu ziehen, am Ende bin ich doch dort gelandet. Allerdings wohne ich mittlerweile wieder in einem ländlichen Vorort, wo es sich ähnlich lebt wie auf dem Dorf, wo ich groß geworden bin. Nie hätte ich gedacht, dass das Kleinstadt-, das „Provinzleben“, das ich lange Zeit über hatte, eben doch genau das ist, was mir gut tut. Gepaart mit den Annehmlichkeiten einer Stadt. Und um ehrlich zu sein, nicht alles an München ist zu schick, zu selbstbewusst und zu reich. Vielleicht zu teuer. Dass ja. Mit der Zeit lernt man, in welchen Ecken man sich wohlfühlt und wo eher nicht.

„Franken ist klein, aber es ist so vielfältig, so voller Geschichte, so voller liebenswerter Dörfchen, Flecken, Städtchen und Städte, dass ich fast kapituliert hätte, bevor ich überhaupt anfing, dieses Buch zu schreiben. Weil ich nichts weiter beschreiben kann als mein Franken. Am Ende wird sehr viel fehlen. […] aber vielleicht haben Sie Lust bekommen, auch die weißen Flecken zu entdecken, die ich Ihnen in die Karte dieser Gebrauchsanweisung nicht zeichnen werde.“

Zitat, Seite 12

Ich bin während meines Heimaturlaubs in die Zeilen eines Autors getaucht, dessen Sprachmelodie mich schon in Romanen wie „Alte Sorten“ und „Der grosse Sommer“ begeistert hat. Zu meiner Freude wohnt seinem literarischen Reiseführer so viel fränkischer Charakter, so viel Gefühl inne, dass es sich angefühlt hat, wie eine Reise in meine Kindheit, wie ein Einsinken in das Kopfkissen meines Kinderzimmers. Außerdem schickt er einen im Buch direkt auf den Sattel. Denn wenn man in Franken etwas hervorragend kann, dann, die Gegend mit dem Rad zu erkunden. Ich sprech‘ da aus Erfahrung, frag mal meinen Hintern, wie er nach den „entspannten Touren“ mit meinem Papa, besonders nach der Eroberung des Schwanbergs (Berg bei Rödelsee), geächzt hat. Insgesamt erstreckt sich der Main-Radweg über sage und schreibe 600 km. Ich würde sagen, da sind auch für mich noch genügend weiße Flecken auf der Landkarte übriggeblieben, die ich noch erobern muss.

Als gebürtiger Mittelfranke beginnt Ewald Arenz in der Mitte von Franken. Ausgehend von der Stadt Nürnberg, die nur der „gefühlte Mittelpunkt Frankens“ ist (denn geografisch ist es Ochsenschenkel) macht er mit seinen Leser*innen gemeinsame Ausflüge in alle Himmelsrichtungen, bis man bei Wunsiedel und Amorbach und Aschaffenburg und Nördlingen und Weißenburg ist. Quasi eine umgekehrte Sternfahrt, wenn auch nur literarisch. Viele Stationen, die Arenz in seinem Buch passiert, sind mir vertraut, andere wiederum völlig fremd. Sein Werk begegnet mir deshalb wie eine Einladung, meine Heimat erneut zu durchstreifen und meinen Blick zu erweitern, die Augen zu öffnen, für die Schönheit dieser Gegend, die ich als Kind eben einfach nicht hatte.

„Die Franken sind – mit wenigen Ausnahmen – nicht die Könige der Selbstdarstellung, sondern des Understatements. Sich selbst zu verkaufen fällt ihnen nicht leicht; vom bayerischen „Mia san mia“ sind sie weit entfernt.“

Zitat, Seite 40

Besonders gefiel mir, dass der Autor allerhand fränkische Begriffe in seine Zeilen einflicht, sodass man auch als Nichtfranke recht schnell ein Gefühl dafür bekommt, was der Franke bzw. die Fränkin meint, wenn sie von einer Kärwa (Kirchweih), einem Graffl (Trödel) oder von einem Seidla (in München ist es die Halbe) spricht. Auch, dass die Regionen in Franken verschiedene Namen tragen, wie z.B. Weinfranken (Maingegend), Bierfranken (die mit Brauereien gesegnete Mitte Frankens) oder auch das Knoblauchsland (Gebiet im Dreieck zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen, steht für den sommerlichen Duft der Region) erläutert Ewald ganz gut. So bekommt man Seite für Seite nicht nur ein Gespür für die sprachlichen sondern auch für die ländlichen Feinheiten Frankens. Aber immer nur ä weng – halt ganz im Stil fränkischer Bescheidenheit, gell!?

Was ich auf Arenz‘ Streifzug durch Unterfranken vermisst habe, auch wenn mich nicht die innigste Liebe zu meiner Heimatstadt verbindet, war Kitzingen, die der Autor nur als „Quelle des ersten Reichsgesetz zur Reinhaltung des Weins“ streift. Denn wenn Kitzingen für etwas bekannt ist, dann wohl für den Falterturm, den die Unterfranken liebevoll „schiefer Turm von Kitzingen“ nennen, die alte Mainbrücke (oder auch Pippinsbrücke), die seit 700 Jahren auf die andere Seite des Mains führt, oder das Deutsche Fastnachtmuseum, das nicht nur von Narren und Karnevalsfans besucht wird. Ja, es ist ein kleines und überschaubares Städtchen, aber die zwei Zeilen erschienen mir doch etwas dürftig. Ich habe mir daher erlaubt, Arenz‘ Buch auf die Alte Mainbrücke zu entführen.

Überhaupt sickerte Arenz‘ Verbundenheit zu Mittelfranken durch. Auch wenn er verrät, dass in Unterfranken ein großer Teil seiner Familie wohnt, passiert er in meinen Augen nur wenige unterfränkische Stationen. Dabei sind zwar Schweinfurt und Volkach, aber im umfangreicherem Maße berichtet er nur von meiner Geburtsstadt Würzburg. Letztere aber dafür mit viel interessanter Stadtgeschichte und einer sehr aufschlussreichen likörgeschwängerten Begegnung mit einer alten Dame. Die Stadt, die man auch als schiefrunde Perle bezeichnen könnte, wartet nicht nur mit der Festung Marienberg und dem Käppele hoch oben über den Weinbergen mit fantastischem Blick über die Stadt auf, sondern auch mit dem Dom und der Residenz, die mit „einem der schönsten Treppenhäuser Europas“ und „dem größten Deckenfresko der Welt“ daherkommt.

Eine Textstelle ließ mich in den Erinnerungen an ein Weinfest vom Weingut am Stein schwelgen, bei dem ich meinen Wein direkt in den Weinbergen und der glitzernden Abendsonne genießen konnte. Wobei das Weingut sicher eines der Orte ist, wo man dem Lebensgefühl der Münchner Schickeria wohl am nächsten kommt. Von fränkischer Bescheidenheit können wir dort nicht wirklich reden!

„Wenn sie an einem sonnigen, frühen Herbsttag die schmalen Pfade durch den Wein zu Festung hochwandern, vielleicht hie und da eine Weinbeere kosten, auf der noch der Tau des Morgens liegt, dann ist die Schönheit so wie der Frankenwein. Frisch. Zu Beginn ein wenig zurückhaltend – das Schöne muss man in Franken immer suchen. Aber dann, mit allen Sinnen genossen, immer reicher und voller.“

Zitat, Seite 179

Den Charme von Weinfranken greift Arenz ebenso auf wie den unverwechselbaren Charakter eines fränkischen Weins, der im Original Bocksbeutel (Name der Flasche) abgefüllt wird. Beiden Dingen schenkt er ein eigenes Kapitel. Leider blieb mein Wunsch, durch ein paar malerische Zeilen von ihm zu den Weinfesten der Region zu schlendern, unerfüllt. Es sind wohl die Feste, die ich am meisten vermisse. Denn es gibt in meinen Augen kaum etwas schöneres als sich im Sommer bei Musik durch ein Weinfest treiben zu lassen und dabei Wein und Landschaft in sich aufzunehmen.

Was mich etwas überrascht hat, ist, dass Arenz für das mittelfränkische Rothenburg ob der Tauber nur wenig übrig zu haben scheint, die Stadtszenerie jedoch die Rückseite des Buches schmückt. Es ist die Stadt, die wohl mit am bekanntesten ist, aber laut Arenz nicht mit dem weitaus schöneren Dinkelsbühl mithalten kann. Er beschreibt sie deshalb nur mit wenigen Zeilen und geht nach Erwähnung der Stadtmauer, dem Kriminal- und Weihnachtsmuseum direkt nach Dinkelsbühl über, obwohl in Rothenburg eines meiner Kindheitsträume verborgen liegt. Denn direkt am Marktplatz findet man das Herzstück von Käthe Wohlfahrt: ein Weihnachtsdorf, in das man das ganze Jahr über eintauchen und feinen Weihnachtsschmuck kaufen kann. Freilich nicht ohne prallgefüllten Geldbeutel, dafür aber mit ganz viel Begeisterung für Nussknacker, Schwibbögen, Baumbehang und Co. Es handelt sich dabei ganz klar um eine feine Geldmaschinerie, die mit Franken insofern nicht wirklich etwas zu tun hat, weil die Gründer aus dem sächsischen Raum nach Stuttgart kamen, in Rothenburg befindet sich aber der Firmensitz und das Herzstück des Unternehmens. Und ich glaube kein Kind kommt aus diesem Laden ohne leuchtenden Augen heraus.

Meine Eroberung von Mittelfranken folgt am Wochenende, zumindest was den gefühlten Mittelpunkt Frankens anbelangt, wenn ich dem Ruf eines Mammuts folge, 43 km durch Nürnberg marschiere und mich an Arenz‘ Passagen der Stadt erinnern werde. An das Erbe des „Dritten Reiches“, mit dem man hier unweigerlich konfrontiert wird und mitunter in den Treppenstufen der Frauenkirche verborgen liegt, die früher jüdische Grabsteine waren. Es ist schon etwas bizarr, dass nur ein Judenstern am Treppenaufgang daran erinnert. Auch einen Besuch in der ältesten Buchhandlung Deutschlands Korn und Berg, die seit 1531 Bücher verkauft, habe ich mir fest vorgenommen.

Es sind Arenz‘ malerische Beschreibungen, die vielen charmanten, persönlichen und mitunter sehr humorvollen, aber auch von viel Stadt- und Heimatgeschichte angereicherten Geschichten, mit denen er mich begeistert hat. Mitunter hatten die Kapitel zu Kraftshof, Sanspareil  und der Eremitage einen besonderen Reiz für mich. Denn sie haben die Lust in mir geweckt, jetzt wieder häufiger in die Heimat zu fahren und Franken zu durchstreifen.

„Ein Frühlingstag in der Eremitage! Das ist ein Ausflug aus dem manchmal provinziellen Franken in eine elegante Nebenwelt. Verspielt und ein bisschen verrückt und voller spürbarer Sehnsucht nach einem antiken Griechenland, das es wahrscheinlich so nie gab; einer Sehnsucht nach Witz und Musik und südlichen Farben. Muschelmosaike und Wasserspiele, Tempelruinen und Pavillons und griechische Götterstatuen hier und Hirtenhütten dort und Heckenlabyrinthe – es ist eigentlich alles da, was der Mensch sich für einen Tag zum Spielen wünscht. Es ist ein von Grund auf heiterer Park, wie man ihn sonst nur in großen Residenzstädten vermutet und in so gelassener Schönheit aber nur selten findet.“

Zitat, Seite 65

Frühlingserwachen

„Als der Wald erwachte“ – Martin Widmark, Emma Karinsdotter, Emilia Dziubak

Oetinger, erschienen am 10. Januar 2025, Preis 15 € [D], gebunden, 32 Seiten, ISBN: 978-3751204989, hier geht’s zum Buch

carview.php?tsp=

Wenn der lange kalte Winter endlich vorbei ist und die Natur wieder zu wachsen beginnt, ihre driste Decke abstreift, kleine Sprossen sich einen Weg in die Freiheit bahnen und die kahlen Äste der Bäume wieder von Knospen und Blättern bedeckt sind, erwacht der Wald zum Leben. Es ist der Moment, wo du die Blätter rascheln, die Buschwindröschen kichern und vielleicht sogar den Waldboden singen hören kannst, wenn du aufmerksam lauscht.

Doch im Spinat, wie die alte Eiche den Wald nennt, ist auch dieser Frühling nicht mehr so glücklich wie früher. Denn was sich da zu ihren Füßen abspielt, ist kein Glück, sondern vielmehr das Unglück auf zwei Beinen. Es ist eine zornige kleine Spinatfrau mit grünem Hut, die sich einen Weg durchs Unterholz bahnt und mit ihrer Garstigkeit alles Leben im Wald verscheucht. Denn sie hasst es, wenn alles wächst und gedeiht. Und so verstummt die Natur, hält erschrocken den Atem an und harrt der Dinge. Bis sich eines Tages ein kleiner Menschenjunge mit seiner Mutter in den Wald verirrt, die Spinatfrau entdeckt und sie sich kurzerhand in die Jackentasche steckt. Dann geht ein erleichtertes Ausatmen durch die Reihen und versetzt die Waldbewohner*innen in Feierlaune.

Nur die alte Eiche schweigt. Denn nur sie allein weiß um den Winter, der im Herzen der kleinen Spinatfrau herrscht und so beginnt sie zu erzählen …

Hast du schon mal einer Geschichte nachgefühlt und bist mit einem Buch zu der Szenerie losgezogen, in der sie spielt? Mich hat es gestern in den Wald und in ebenjene Szenerie gezogen, in der das bezaubernde Bilderbuch von Martin Widmark und Emma Karinsdotter spielt. Und es schien mir, als wenn die atmosphärischen Illustrationen von Emilia Dziubak einmal mehr zum Leben erwachen.

Schon vor ein Paar Wochen ließen die Räubertochter und ich dieses Buch bei uns einziehen. Es hat nicht lange gedauert, bis es uns gedanklich in den Wald, zu dieser kleinen Spinatfrau, zog, die nicht annähernd so garstig war, wie es anfangs schien. Denn manchmal wiegen Verluste schwer und rauben uns die Freude am (Weiter)Leben. So geht es auch der Spinatfrau, die nach einem Verlust alleine zurückbleibt und fortan alles Leben aus ihrem Leben verbannt, weil sie jenes verloren hat, das ihr am Meisten bedeutete.

Als die Waldbewohner*innen davon erfahren, wird ihnen ganz schwer ums Herz und so beschließen sie, die Spinatfrau zu retten. Gemeinsam bringen sie die Spinatfrau zurück in die vertraute Umgebung des Waldes, nehmen sie in ihre Mitte und umhüllen sie mit so viel Liebe und Zuneigung, dass in der Brust der Spinatfrau plötzlich kein Winter mehr herrscht. Doch es gilt nicht nur sie, sondern auch den Menschenjungen zu retten, der von Kummer erfasst ist. Und so schreiten sie noch einmal gemeinsam zur Tat.

Was sich uns in „Als der Wald erwachte“ offenbart, ist eine bewegende Geschichte um Verlust Trauer, Freundschaft und Trost. Hier finden märchenhafte Illustrationen und behutsame Zeilen zueinander und lassen etwas ganz und gar Bezauberndes wachsen, das sich seinen Weg in die Herzen großer und kleiner Leser*innen bahnen wird.

carview.php?tsp=