Es ist mal wieder an der Zeit, über DHL (DieHabenwaszuLästern) zu lästern.
Mir sollte ein Tee zugestellt werden, den es nicht so im Supermarktregal gibt. Ich bin nicht da. Muss ja arbeiten, um den Tee bezahlen zu können. Und DHL versucht es zweimal, bringt es dann in die Packstation. Seit dem 20. Heute kam eine Erinnerungsmail. Um 0:06 Uhr – „Ihre Sendung liegt seit zwei Tagen in der Packstation“.
Blöd nur, dass sie auch schreiben, sowohl in der ersten Mail vom 20. als auch in der heutigen:
„Die zur Abholung benötigten Informationen werden Ihnen per Brief zugestellt. Bitte warten Sie, bis dieser bei Ihnen eingetroffen ist, bevor Sie zur Packstation gehen.“
Nun, ratet …
Genau, diese benötigte Info ist noch nicht bei mir eingegangen. Ich warte noch auf die Zustellung. Ich kann ja verstehen, dass DHL schnellstmöglich die Packstationfächer geleert wissen möchte. Aber ich habe die notwendige Karte mit dem Code noch nicht, der das Fach öffnet. Ich komme also noch nicht an die Sendung, kann sie damit noch nicht abholen. Ihr solltet mich erst erinnern, wenn ich die Info wirklich habe. Sie ist noch nicht da. Vielleicht heute. Ach, DHL – Ihr gehört doch zu denen, die gerade den 6. Zustellungstag für Briefpost gestrichen haben. Vielleicht fragt Ihr bei denen mal nach, wo die Benachrichtigung bleibt!
Beinahe wär das nicht gut ausgegangen. Man sollte ja auch nicht ausgehen. Aber ich musste doch zur Arbeit. Hin kam ich auch spät, aber ereignislos. Auf dem Rückweg, ich verließ das Gebäude, ein paar Stufen runter dann einen Schritt und dann eine Baustellen“brücke“ über einen kleinen Graben. Die Stufen waren verschneit. So verschneit, dass man nicht mehr so, wo die vorletzte Stufe aufhörte und die letzte begann. Ich trat zu weit vor – und plumpste in den Schnee. Es war kurz vor Fünf, ab Fünf sollte der Busverkehr eingestellt werden.
Da lag ich nun, Marke dicker Maikäufer, auf dem Rücken und fragte mich, wie ich wieder hochkommen sollte. Ich konnte mich nicht nach links drehen, da waren die Stufen. Und nicht nach rechts, da war der Graben. Die Wache wollte mich nicht hören, als ich hinüber rief, ob mir mal jemand helfen könnte. Also hab ich meine nicht sehr trainierten Bauchmuskeln angespannt, meinen Oberkörper aufgerichtet und dann auf den Stufen mit den behandschuhten Händen abgestützt, dann konnte ich mich langsam ein wenig drehen, so dass ich die Knie auf den verschneiten und damit gut gepolsterten Boden bekam. Weh tat mir nix – und es war auch noch nicht kalt. Ich habe mich dann abgeklopft, den Leuten von der Wache noch ein schönes Wochenende gewünscht – und bin rüber ins andere Gebäude gegangen, von dort auf die Straße. Das war i.O. Stapf, stapf!
Dann musste ich mich entscheiden. Der lange Marsch durch ein verschneites, nicht sehr gut geräumtes Hannover – oder doch zur Bahn. Die Busse fuhren nicht mehr lang und ich hatte Angst, dass keiner mehr fuhr, wenn ich an meine Umstiegshaltestelle ankommen würde. Also – zu Fuß. Stapf, stapf.
Ging ich rüber zum Briefkasten, stapf, stapf – wofür ich sonst vielleicht fünf bis sieben Minuten brauche, waren dieses mal eher über 10. Dann war ich eh schon an der Straße, die zum netten Gang an der Bahnstrecke lang führt, dachte da wär ich allein, stapf, stapf. Hahaha …
Also, Hannoveraner können bei Schnee nicht Auto fahren. Einige „Wagemutige“ (Achtung, Euphemismusalarm!) fuhren Fahrrad. Und dann waren Leute mit Hunden unterwegs und Leute mit Schlitten und Spaziergänger und – ich. Stapf, stapf.
Wenigstens war es zwar leicht dämmrig, aber die Strecke war hübsch beleuchtet (von den Bänken wollte ich keinen Gebrauch machen, aber es ist nett an der Bahnlinie lang, linkerhand Sportfeld und Schrebergärten) und auch wenn es sich zog, fühlte ich die Kälte nicht sehr. Ich stapfte mich ja warm, stapf, stapf. (Eleganz hatte Winterurlaub).
Ich war dann gegen Viertel nach Fünf (für ostdeutsch sozialisierte Leser: Viertel Sechs) daheim. Zog die Schuhe vor der Wohnungstür aus (ich wollte wirklich nicht den Flur zum 5. Mal diese Woche putzen) und die schnee-dekorierte Jeans auch (Schneeränder) und jetzt erhole ich mich erstmal bei einem Becher heißes Wasser – ohne ein Tröpfchen Milch.
Ich bin froh, dass ich auf die Meteorologen gehört habe und den Therapie-Termin abgesagt hatte. Sonst wär das heute noch SEHR anstrengend geworden.
Beim Gehen war der „Sand“-Effekt (als wenn man am Strand lang stapft) das Ermüdende und es war jetzt nicht mal so eisig im Wind, aber der Schneegriesel im Gesicht, das war unangenehm. Und dass ich meine Brille immer wieder vom Kondenswasser befreien musste.
Wofür ich dankbar bin? Dass heute Morgen die Busse noch fuhren. Vielen Dank an alle Einsatzkräfte, an alle Busfahrer, an alle Schneeräumer (Profis und die Laien).
Worauf ich bei Schnee verzichten könnte? Auf Radfahrer. Wenn sie auf dem Radweg bleiben, geschenkt, aber das tun sie ja nicht. Sobald der Radweg nicht passierbar ist, wird nicht etwa auf die Straße ausgewichen, wo ein Fahrrad hingehören würde, sondern auf den Bürgersteig. Und das sorgt dafür, dass sich noch viel Schneller der Schnee dort festfährt und glatt wird. Könnt Ihr nicht auf dem Radweg fahren und ist die Straße Euch zu dreckig und gefährlich – dann könnt Ihr eben nicht Rad fahren.
Ansonsten wird auch dieses Jahr der Matschsee nicht so schnell zufrieren, wie es viele Leute gern hätten – es soll zwar noch am Wochenende kalt sein, so richtig knackig. Aber danach sind Plusgrade bis 7 Grad nächste Woche vorhergesagt.
Bleibt von den Eisflächen, die sich bereits gebildet haben, weg. Zugefrorene Gewässer tragen noch nicht!
So, ich geh dann mal einen Hoodie überwerfen, es sind 19 Grad im Wohnzimmer …
Ich nehme zum ersten Mal an der Reise durch den Advent teil. Und nachdem mir eine ganz tolle Hexen-Weihnachtsmarkt-Geschichte durch den Kopf ging, aber sich einfach nicht in der Tastatur materialisieren wollte, hab ich mir gedacht, ich mache bei den vielen anderen kreativen Elementen bisher, die sich mit Nähen und mit Basteln und mit Fotos beschäftigen mal was Anderes. Ich schreibe – über Musik. Und über Dichtkunst.
Weihnachten ist eine Zeit der Musik und Poesie.
Da ist zum einen das Gedudel der Glühweinbuden auf dem Weihnachtsmarkt, mit den TopTen der Après-Ski-Hits rauf und runter geleiert bis die Ohren sich selbst verschließen. Der wohlmeinende Chorgesang für soziale Zwecke, der viel sozialer wäre, wenn nicht – oder zumindest nicht von diesen Akteuren, gesungen würde. Und die Radio-Dauerschleife von „Last Christmas“, „Do they know it’s Christmas“ und „All I want for Christmas“.
Zum anderen sind da die deutschen Weihnachtslieder. Die kirchlichen, voller Freude auf die Ankunft des Heilands: „Es kommt ein Schiff geladen„, „Maria durch ein Dornwald ging“ oder auch „Es ist ein Ros‘ entsprungen„. Falls Ihr diese nicht kennt, habe ich Youtube-Links hinterlegt. Die kann man, vielseitig und pragmatisch, wie wir Deutschen sind, auch zur Beerdigung singen, ohne dass man unpassender Fröhlichkeit verdächtigt wird. Ins gleiche Horn stößt auch „Oh Jesulein süß, oh Jesulein mild“. Überschwängliche Freude – können wir …
Und dann gibt es da noch die Bekannteren, diese kommen nicht ganz so düster daher, aber immer noch gedämpft – ich sag nur „Stille Nacht“ – sehr getragen.
Ja, es gibt auch fröhlichere: „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“ ist so eines, das sing ich gern zu Weihnachten. Es steht in meiner Weihnachtsgedichte und -lieder Sammlung, aus dem Sparkassenverlag, meines ist die Ausgabe von 1967. Auch „Kommet Ihr Hirten“ ist etwas fröhlicher.
Die allbekannten amerikanischen, jazzig-poppigen – werden leider auch auf dem Weihnachtsmarkt verheizt. Und vielfach sind es dort nur Winterlieder.
Da wenden wir uns dann doch lieber der Tradition zu, zu Weihnachten ein Gedicht zu lernen. Wer kennt es nicht, das Gedicht von Anna Ritter (geb. 23.02.1865, verstorben 31. 10. 1921 – damit sind Ihre Werke bereits nicht mehr durch das Copyright geschützt!)
Denkt Euch – ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus dem Walde,
Das Mützchen voll Schnee,
Mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh
Denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
Schleppte und polterte hinter ihm her –
was drin war, möchtet Ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack –
Meint ihr, er war offen, der Sack?
Zugebunden, bis oben hin!
Doch war gewiß etwas Schönes drin:
Es roch nach Äpfeln und Nüssen!
Ebenso gemeinfrei ist auch Knecht Ruprecht von Theodor Storm, da auch hier der Autor bereits über 70 Jahre verstorben ist.
Knecht Ruprecht
Von drauß vom Walde komm ich her;
Ich muß Euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt‘ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden
Denn es soll wieder Weihnachten werden!“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in dieser Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.“
– „Hast‘ denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.“
– „Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von drauß vom Walde komm ich her
Ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?
Heute undenkbar, aber ich hab das noch in den 70ern des letzten Jahrhunderts so gehört. Nicht nur, dass hier Kinderwünsche sich noch auf solche Leckereien wie Äpfel und Nüsse beschränkten – sondern auch die Androhung körperlicher Gewalt und die Deklaration von Kindern als „schlecht“ und „böse“. In manche Zeiten muss man nicht zurück und früher war nicht alles besser.
Morgen versammelt sich die Adventskalendergemeinde bei Nicole. Nicole hat diese Reise durch den Advent ins Rollen gebracht, vielen Dank, Nicole. Da ich das erste Mal dabei bin, hoffe ich, mein Beitrag war so in Ordnung.
Sie haben einen Beispiels-AI-Text gedruckt. Und er war so schlecht, dass ich sagen muss, wer auch immer aufgegeben hat, ohne zu kämpfen, hat zu wenig Zutrauen in die menschliche Kreativität.
Die Redaktion tröstet sich damit, dass ja alles seine Zeit habe. Das mag sein, Aber der Advent ist die Zeit für den literarischen Adventskalender mit seinen 24 Ausschnitten aus nie geschriebenen Büchern. Und wer den Kampf nicht aufnimmt. hat schon verloren, liebe Redaktion.
Kreativität kann AI nicht. AI kann sinnfreien Müll zusammenschreiben. Die Groschenromane, (G-Man Jerry Cotton, diverse Arztromanheftchen, Romanzen diverser Art) – die werden strikt nach Kochrezept geschrieben. DAS wäre AI möglich. Man hört/sieht das bei den AI-Videos auf Youtube, die SF-Geschichtchen erzählen, immer die gleichen. Ganz selten ist eine dabei, die mal Spannung erzeugt, mich mitnimmt. Ich hab einige gebinged. Wenn der Prompt-Geber genug Humorvorgaben macht, gehen sie so. Aber … nach einiger Zeit werden sie repetitiv und langweilig.
Literatur, die keiner Formel folgt, kann AI eben nicht.
Ich habe hier ein Kochbuch mit AI-Rezepten – in jedem Kochbuch, das ich habe, finde ich wenigstens ein Rezept, das mich reizt. Aus diesem habe ich nicht das Verlangen zu kochen. Nicht, weil es hier um eine ungewöhnliche Zutatenkombination gehen würde – das wäre ja noch spannend. Aber die Rezepte, die da rausgekommen sind, klingen – langweilig. Nicht spannend.
Ich weiß, Ihr werdet Euch das nicht nochmal überlegen, vielleicht seid Ihr auch froh, dass diese End-Jahresarbeit jetzt entfällt. Aber für mich ist das ein Weiße Fahnen-Schwenken, bevor der erste Schuss fiel.
Der Bully ist noch nicht mal im Raum, und habt schon Euer Taschengeld überwiesen und Euch selbst eine Ohrfeige gegeben.
Naja, fast – ich glaube schon, dass ich Bücher vorzog, aber Musik kam kurz danach. Heute war mal wieder ein Live-Musik-Tag.
Überraschend piepte mich eine Freundin an, sie hätte noch eine Karte für ein klassisches Konzert im Funkhaus Hannover übrig, weil ihre eigentliche Begleitung krankheitsbedingt abgesagt hatte. Ich schaute mal kurz nach, Grieg und Berlioz – klar kam ich mit. Ich kenne zwar eher Peer Gynt als das Klavierkonzert in a-moll von Grieg, und Berlioz ist für mich das eine Kitten von Duchesse – aus den Aristocats. Aber man findet beides (das Klavierkonzert von Grieg und die Symphonie fantastique von Berlioz) auf Youtube – und ich fand, was ich kurz anhörte, war durchaus ansprechend.
Und es war SEHR ansprechend.
Zuerst das Klavierkonzert. Eine 17jährige Pianistin, Ioana Andreescu. Spielte mit dem Orchester (Hannoversche Orchestervereinigung), ganz aus dem Gedächtnis. AUS DEM GEDÄCHTNIS – eine gute halbe Stunde. Mit diversen Einsätzen und Pausen. Ohne dass sie nachsehen konnte, wann sie wieder dran war. Das Vertrauen zum Dirigenten muss sehr hoch – und die Proben mit dem Orchester zahlreich gewesen sein.
Sie war wirklich gut. Leichtfingrig und doch mit Leidenschaft, Lust am Spiel – es war ein Vergnügen, ihr zuzuhören.
Aber nicht nur ihr. Die darauffolgenden Symphonie wurde ohne Klavier gespielt – es hatte eine Harfinistin. Jedoch besonders herausragend waren die VIER Percussionists. Oder auch die Kontrabässe. Die Geigen waren gut, keine Frage, die Bläser waren auch gut – aber die Percussionists hatten eine Hauptrolle und waren nicht nur da, um den Klangteppich aufzufüllen. Die Bässe haben so viel Tiefe gegeben – also, nicht nur tiefe Töne, sondern praktisch die Schatten, die aus einem Bild ein 3D-Bild machen – ich war sehr begeistert.
Der Preis ging, das Einzelticket kostete 36 € und es waren um die zwei Stunden Musik … mit vollem Einsatz des Dirigenten. Bei der Symphonie sah man ihn immer wieder hüpfen und beinahe tanzen.
Doch, der Vorabend hat mir besser gefallen als wenn ich auf meiner Couch gegammelt hätte. Danke – an die Erkältungsviren, die die Begleitung meiner Freundin dahin gerafft haben.
Aber glücklicherweise hat Hannover bekannte Gärten, z.B. den Großen Garten in Herrenhausen. Und dort organisiert Leuenhagen und Paris Lesungen Hannoverscher Autoren.
Ich war da, es ging um Leibniz, ein historischer Krimi. Eigentlich genau mein Ding. Doch was soll ich sagen. Ich war erst im Museumsshop, Postkarten kaufen und da lag noch ein Exemplar des Buchs, also hab ich das erstanden. „Leibniz im Goldrausch“. Mit dem Intent, mir das vom Autor signieren zu lassen. Also – sagen wir mal so, als es vorbei war, stellte ich mich nicht für ein Autogramm an.
Der Autor hat sicher recherchiert, Längenbezeichnungen waren zeittypisch. Aber gleich am Anfang ging es um das Gewicht einer Münze. Und das wurde in Gramm angegeben. Der Roman spielt im Jahr 1680.
Dicker Fehler. Und noch ein Fehler. Hat schon mal jemand einen Brief in der Hand gehabt, der mehr als ein Blatt enthielt und sich gefragt, ob das schon 20 g und mehr waren? Den Unterschied zwischen 8 g und 6,xy g mit der Hand zu fühlen, insbesondere bei einer Münze, die man nicht täglich in der Hand hält (nicht nur sollte diese aus Gold sein, sie war auch noch französischer Herkunft) halte ich für nahezu ausgeschlossen. Und der Autor hielt es nicht mal für notwendig, den Namen Louis d’or zu verwenden. Einen Louis d’or gab es seit 1640. Und was wiegt so ein Louis d’or nun? Jetzt lacht mal: „Das Gewicht variierte im Lauf der Zeit zwischen 6,7 und 8,1 Gramm.“
So war das im Roman angegebene Gewicht von 6,1 irgendwas FAST noch im Rahmen. Und das will der Leibniz des Romans, als „wiegt irgendwie nicht das, was ein Louis d’or wiegt“ erkannt haben. Durch Abwiegen in der Hand. Mit einer Münze, die er nur selten in der Hand hat.
Da die Geschichte hier damit losgeht, gruselt es mich ein wenig, wie der Roman weiter geht … Und wenn ein Autor bei der Lesung es für notwendig hält, ständig seinen Text zu erklären, dann scheint er selber der Meinung zu sein, dass der Text dort etwas dünn ist.
Jetzt wisst Ihr, warum ich mich ein ganz klein wenig darüber ärgere, dass ich mir das Buch gekauft habe.
Ich hab aber schöne Postkarten gekauft (wusste gar nicht, dass es Tausendschön Postkarten (gewellter Rand, Glitter) mit Hannoverschen Ansichten gibt. Die werden immer wieder bei Postcrossing nachgefragt. Und ich hab ein paar schöne, sonnige Gartenansichten vom Großen Garten im September. Und nicht mehr dafür ausgegeben als den Garten-Eintrittspreis. Ich hätte den Roman ja nicht kaufen müssen. Das war mein Fehler.
Bin doch ganz gut durch den Monat Juli mit dem Entrümpeln voran gekommen. Bin kurz vor Teil 900 – habe auch ein paar heilige Kühe geschlachtet dabei. Wenn ich weiß, dass ich gewisse Spiele nie spielen werde, ist es ziemlich sinnlos an ihnen festzuhalten. Der Gang zur Kinder- und Jugendbücherei fiel mir dann leicht.
Und egal, ob sie dort genutzt oder verscherbelt werden (und dann Dinge für das Geld gekauft werden, die die Kinder-Bücherei dringender haben möchte – die haben ja ein Platzproblem, wenn sie alles behalten) – es erfüllt dort seinen Zweck, mittelbar oder unmittelbar.
Und ich – ich habe inzwischen mehr Platz im Regal, es wirkt etwas ruhiger. Ich kann die ungelesenen Bücher wieder nach Genre ordnen. Naja, fast. Mein drittes Zimmer, früher mal als „Arbeitsraum“ schöngeredet, ist über Jahre (!) zur Abstellkammer geworden – und ich erobere mir es zurück. Das geht nicht so schnell. Aber ich mache Fortschritte und man sieht diese. So konnte ich ungelesene Bücherstapel schon wieder teilweise ins dritte Zimmer zurück verlagern.
Ich hab heute mal, spaßeshalber, so berechnet, wieviel Bücher ich im Jahr so durschnittlich gelesen habe. Seit 2009 schreibe ich mir auf, welche Bücher ich lese. Und es sind weniger, als gedacht. Sicher auch den letzten beiden Jahren geschuldet, wo ich so gut wie nix las. (Zusammen drei Bücher)
Ich hatte ein außergewöhnliches Jahr dabei, mit 43 Büchern – und eben diese letzten beiden mit 2 und 1. Der Jahresdurchschnitt lag bei knapp unter 17. Wenn ich heute aufhöre, neue Bücher in mein Leben zu lassen und nur noch die lese, die hier liegen – bin ich bei 10 Jahren bei dem Lesetempo, ehe ich keine neuen Bücher zum Beenden mehr habe. Und glaubt bloß nicht, dass ich nicht in den nächsten Jahren neue Bücher in mein Leben lasse …
Und ja, da sind E-books eingerechnet, aber es kann sein, dass ich deren Anzahl unterschätze … Ich werde dann mal lesen gehen. Dann hab ich im Juli 5 Bücher geschafft. In den Vormonaten waren es 6 – insgesamt, nicht in jedem Monat. Der Urlaub hat mir gut getan, was mein Lesevolumen angeht.
Das mit dem Ausmisten klappt ganz gut, noch bin ich auf Stand mit den 30 Dingen täglich. Was nicht so gut klappt ist das mit dem No Buy July. Ich war gerade zum Frühstücken mal eben rüber zum Südstadt Café Bar Celona. Und auf dem Weg dahin kam ich an einer kleinen Buchhandlung vorbei. Die hatten Postkarten draußen stehen.
Ich bin immer noch ein eifriger Postkartenversender, täglich mindestens eine. Also – sammelte ich draußen welche und fand drinnen noch mehr – und dann kam ich an den Fantasy-Büchern vorbei. Die Romantasy Sachen ließ ich links liegen, die sind nicht meins. Aber es gibt auch noch echte Fantasy.
Nun hab ich gerade ja die 25 Reading Challenges wieder rausgekramt. Und da war ein Punkt – lies ein Buch, dass dir ein Buchladenmitarbeiter empfohlen hat. Und Lies ein Buch aus einem Genre, das du noch nie gelesen hast. Ich hab also ganz schnell die Karl May, die ich gelesen habe, zu Abenteuerromanen umdefiniert – und habe mir etwas von einem Western-Autoren bestellt, der in Amerika von 1918 bis weit in die 20er Jahre die Bestsellerlisten füllte. Zane Grey. Und es wird mir besser gefallen, als wenn es ein Roman wäre: This is the first of his autobiographic accounts of his own exploits that I have read. It contains a rare glimpse into the adventurer psyche of almost a century ago in USA. Tales of Lonely Trails (Ich hatte auf Kurzgeschichten gehofft, aber ich lese sowieso lieber Autobiografien) – und für 1,79 gab es dann noch einen Omnibus mit 26 Novels, 14 Kurzgeschichten und links zu Audiobooks, die ich mir nicht antun werde, weil ich kein Audiobook-Freund bin.
Es gab noch drei weitere Challenges abzuarbeiten: Buch, das mir von einer Buchladenmitarbeiterin empfohlen wurde, jetzt bin ich stolze Besitzerin von Mr Parnassus Heim für magisch Begabte. Ein blind aus dem Regal herausgezogenes Buch – ich griff nicht ganz blind zu einer mir neuen Trilogie: Die Chronik des Siegelmagiers, Band 1 bis 3 im Taschenbuch. Vielleicht ist es Shopping Therapie nach Samstag. Aber ich brach auf jeden Fall meinen No-Buy-Monat und mein Es kommt kein neues Buch ins Haus, wenn du nicht erst eines gelesen und rausgetragen hast.
Die dritte Aufgabe: Lies an einem Ort, an dem du noch nie gelesen hast, war einfach. Ich bin in ein Café gegangen, das ich noch nicht frequentiert hatte und las ein wenig weiter in Berlin Alexanderplatz. Denn Berlin Alexanderplatz steht auf meiner Liste in der Reading Challenge als Buch, in dem ein Behinderter auftritt.
Und DAS brauchte ich nicht neu zu kaufen – denn das hatte ich angelesen herum liegen. Weil „Belletristik“ immer mal wieder zwischen die ganzen Genre-Bücher hinein geschoben wird, denn man muss ja auch mal was „Wertiges“ lesen. Wir besprachen Berlin Alexanderplatz am Rande im Deutschleistungskurs, als es um Sprache und Stimmung ging, wie man mit Worten ein Gefühl für einen Ort erzeugen kann. Die abgehackte Sprache kann ich bestätigen, die ist vorhanden.
Weiterhin ist Botchan (die englische Version des Der Tor aus Tokio von Natsume Soseki) als Novelle auf der Liste, und dann will ich endlich das Buch über den Samurai lesen, Musashi von Eiji Yoshikawa. Das erfüllt dann den Punkt, lies ein Buch von jemandem, der nicht europäische Wurzeln hat. The Thursday Murder Club hab ich wegen seines Covers gekauft – und damit eine weitere Aufgabe mit Buch versehen und Der Kleine Hobbit ist ein Buch, das mir als Kind Freude gemacht hat. Christoph Marzi kenne ich noch nicht, ich hatte ihn mit Christopher Paolini verwechselt, dessen Eragon-Reihe mir nicht zusagte, trotzdem hatte ich Lycidas gekauft, für 4,99 vom Grabbeltisch … 864 Seiten, ich dachte, ich geben Christopher nochmal eine Chance … tja, nun lerne ich einen mir neuen Autoren kennen. Das Buch von der Bestsellerliste ist The Spellshop, das Buch, das dieses Jahr heraus kam, die Meerjungfrauen von Edinburgh (ein weiteres Rivers of London Buch)
Paris und Leuenhagen hab ich angefragt, ob sie noch ein Ticket für das Buchpicknick am 07.09. haben, wenn Rolf Aderhold mit seinem Buch „Leibniz und der Goldrausch“ kommt und vorliest. Das ist dann die Challenge mit dem Autorenevent. (Leuenhagen und Paris hat noch andere Picknicks im Angebot, mit anderen Autoren und anderen Büchern). Und den Reading themed podcast hab ich heute Morgen hinter mich gebracht.
Da war ein sehr magerer, fast weißhaariger Kater, 12 Jahre, zahnlos mittlerweile, der in den letzten Wochen immer schlechter fraß. Und jetzt ist er nicht mehr.
Ich hoffe, ich sehe dich wieder, Merlin, zusammen mit Mashka, FunTom, Kessy und Musch.
Was das Entrümpeln angeht, komme ich sehr langsam voran. Ich schmeiße brav meine 30 Dinge am Tag raus, langsam auch größere… und ich hab heute schon eine zweite Tüte zum Altkleider-Container geschleppt (die erste am Mittwoch). In der ersten waren nicht mehr so schöne Decken drin, plus eine Bettdecke, die ich nicht mehr brauche, weil sie zu dick ist und schwer zu trocknen in meinem Haushalt. Das Waschen würd ich noch hinbekommen. Ich habe jetzt drei mal ein Vierjahreszeitenbett, wo man eine dünnere und eine dickere Decke zusammen knöpft, wenn es wirklich kalt wird. Die Dinger kann ich waschen und bekomme sie auch trocken in meiner Wohnung. Daher konnte die Decke, die schon über 40 Jahre alt war, dann auch gehen. (Sie ist in den 40 Jahren einige Male gewaschen worden! Nur das Trocknen ist halt problematisch gewesen.)
Auch entsorgt habe ich die am wenigsten beliebte Katzenhöhle. Es sind noch vier da.
Langsam gehen mir die kleinen Dinge aus, die ich in größerer Anzahl rauswerfen kann. Ich habe sogar schon Bücher entsorgt. Man sieht erste kleine Erfolge, kleine Ecken, die plötzlich ruhiger aussehen, weniger Staub fangen … Heute erklärte ich mich für verzweifelt und trennte mich von vier Kaffeebechern. Alle selbst gekauft, einer mal billig von Penny, drei mal nicht ganz so billig als Teil eines 6er Sets – bei dem ich 3 auf einmal zerstört hatte (Tablett, gegen den Türrahmen gestoßen, die Becher hatten Momentum – und kracks …). Aber die Größe benutze ich nicht mehr, ist mir zu wenig drin. Wenn ich anfange, Bücher und Tassen herzugeben, dann ist es ernst.
Ich kämpfe hier nicht nur mit meiner ADHD – die ständig sagt, „das brauchst du noch, das kannst du noch benutzen, das macht Spaß“ – ich kämpfe auch gegen erlerntes Hoarden. Meine Großeltern, bei denen ich aufwuchs, hatten nach dem Zweiten Weltkrieg ja so gut wie nix. Und alles, was in den 50er Jahren sich ansammelte, wurde dankbar angenommen. Meine Oma hat selber tapeziert – und die alte Stubenleiter, die sie mal bekommen hatte, die hat sie 30 Jahre verwendet. Bis ich ein Machtwort sprach. Und die neue Tapezierschere war auch gern genommen. Meine Schwester hat einen ihrer „Wut“-Anfälle (mehr ein leichter Anflug von Ärger) dazu benutzt, mit ihr eine neue Pfanne kaufen zu fahren. Wenn man in solcher Umgebung aufwächst, wenn man als Kind vorwiegend Kleidung von Cousins und Cousinen der Mutter trägt (das ist noch gut, und das waren die Sachen ja auch, nicht kaputt, das passt, dann trägst du es auch), wenn man auf einer Matratze groß wird, die schon mindestens zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hatte, dann wirft man nicht mal eben so Sachen weg. Es ist schon ein Akt der Rebellion gegen das Sparschwein in mir, dass ich mir alle 10 Jahre, ca., eine neue Matratze gönne. Mein Rücken dankt es mir aber.
Gegen diese Art von Sozialisation muss ich anarbeiten. Und gegen die Tendenz, mich ständig mit den Sachen, die ich so „wiederentdecke“ zu beschäftigen (das ist dann ADHD). Es ist nicht einfach. Aber wie gesagt, ich sehe die ersten Erfolge. Das hält mich dabei. Optische Ruhe ist echt was wert, gerade mit ADHD.
540 – und ich zähle weiter. 30 am Tag (im Schnitt) – im Monat Juli sollte das 930 bringen – und damit bin ich der 1000 Teile Challenge für das Jahr schon sehr nahe gekommen!
Edit: Ratet wer heute beim Recyclinghof war und schon mal das alte TV-Gerät (klein, aber noch ein Röhrengerät), zwei Wasserkocher und einen Toaster abgeliefert hat? Dazu die ganzen rausgeworfenen DVDs, Spiele-CDs, CDs … Man sieht es meiner Recyclinghof-Kiste noch nicht an, aber daran arbeite ich ja noch. Erstmal bin ich froh, dass ich heute genug regenfreie Zeit hatte, um einmal zum Altpapiercontainer zu gehen (denn ich kann nicht allein die Papiermülleimer hier füllen, die nur alle 14 Tage geleert werden), dabei den Altkleidercontainer befüllen konnte und nach einer kleinen Mittagspause jetzt meine ersten größeren Sachen wegbringen konnte. Der Recyclinghof ist ca. 5 Minuten zu Fuß erreichbar. Aber weil sich der Gang immer nicht lohnt … schieb ich es solange auf, bis ich mit einem Gang nicht mehr hinkomme. Diesen Urlaub aber nutze ich zum Befreiungsschlag.